Jenaer Parteien im Online-Wahlkampf
Jena. Aller Orten hört man es in diesem Superwahljahr: das Internet wird 2009 eine gewichtige Stimme haben. Und alle Parteien sind dabei, starten neue Netzwerke, twitter-Channels und Blog-Feeds. Doch wie sieht es in Jena aus, bei den Kommunalwahlen?
Auch hier haben alle Parteien eine Website, die mehr oder weniger aktuell das Neueste an Informationen präsentiert. Ausgefeilte und aussergewöhnliche Internet-Anwendungen sucht man allerdings vergebens.
Bündnis 90/Die Grünen Jena – www.gruene-jena.de
Selbst der ungewöhnliche Auftritt der Grünen unter www.sieben-für-jena.de ist eine reine Informationsplattform – ungewöhnlich aber doch auch irgendwie wieder Standard, zumal die 7-förmigen Plakate nach wenigen Tagen wieder aus dem Stadtbild verschwanden und durch Standard-Plakate ersetzt wurden. Schade auch, dass die Website gruene-jena.de nicht auf sieben-für-jena.de verlinkt. Die Website der Grünen ist mit dem CMS der Bundes-Partei erstellt worden: Look and Feel sind angenehm aber im Rahmen des üblichen. Immerhin ein verweis auf die Bundes-Seite meinekampagne.de lädt zur Mitwirkung ein.
Freie Wähler Bürger für Jena – bfj.mleo.net
Bei den “Bürgern für Jena” ist Schmalhans Küchenmeister: Die Website bietet Infos, die recht hölzern aufbereitet sind, kombiniert mit einem doch recht ansehnlichen Bild. Letzteres ist aber auch schon das Highlight der Website. Immerhin kann man sich hier nicht in einer unaufgeräumten Startseite verlaufen, alles ist ebenso klar wie schlicht. Ob dies allerdings eine strategische Entscheidung ist, oder vielmehr aus der Not begrenzter Ressourcen geboren ist, vermag man hier nicht zu sagen. Nicht einmal für eine eigene Webadresse hat es gereicht, dabei wäre www.buerger-fuer-jena.de so einfach gewesen…
CDU Jena – www.cdu-jena.de
Die Website der CDU jena sieht sehr unaufgeräumt aus, verwendet aber ebenfalls ein CMS im Stile des Bundes. Auch die Links zu den Bundessites sind aufällig: teAM Zukunft und CDU TV (Link zum CDU-Channel bei youtube) wirken modern, lassen aber den Mehrwert für den Jenaer Wähler vermissen. Sehr schön: eine prominente Einbindung von twitter auf der Startseite in der Mitte. Nicht nur ein Blickfang sondern auch tagesaktuell und Jena-spezifisch, 1200 Follower bestätigen dieses Konzept. Sympathisch wirkt ebenfalls die persönliche Willkommensnachricht auf der Website.
DIE LINKE Jena – www.die-linke-jena.de
Die Website der Partei DIE LINKE wirkt am spärlichsten: sehr viel Text, wenig Bilder, auf den ersten Blick keine Möglichkeit aktuelle News in Erfahrung zu bringen. Aktuelle Termine und einige wenige Links zu anderen Seiten – das wars dann auch schon. Die direkte Kommunikation mit dem Bürger steht hier ebenso wenig im Mittelpunkt.
FDP Jena – www.fdp-thueringen.de/jena
Ähnlich sieht es bei der FDP in Jena aus. Die Website ist im Stil des Landes-CMS gehalten, tagesaktuell, aber auch nicht mehr. Mit einer Umfrage und einem Newsletter wird um Aufmerksamkeit geworben, die Einbindung des Nutzers ist scheinbar keine Zielstellung.
SPD Jena – www.spd-jena.de
Auch die SPD schafft es nicht, unmittelbar zu begeistern. Tagesaktuell, aber im Stille aller Parteiwebsites werden hier Infos vermittelt. Ein Ticker bis zur Wahl ist noch am Auffälligsten, die “alternativen Formate” bringen immerhin einen RSS-Feed mit sich.
Fazit: Allen Parteien gemein ist ein offenbar fehlendes Verständnis für den Kommunikationsstil des Internet: offen, transparent, aktuell, lebhaft. Vielmehr zeigen alle Kommunalparteien ein graues und fades Bild ihrer Selbst im Internet – schade, denn die Politik in Jena ist doch immens facettenreich. Im Internet findet sich dies jedenfalls nicht. Die Parteien lassen sich damit eine Zielgruppe entgehen, die in Jena besonders stark ist: die gut gebildeten und internetaffinen jungen Menschen.
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:- Stephans Tomaten-Tagebuch (22)
- Nicht wegschmeißen! – timespin versteigert alte Website für einen guten Zweck
- Finanzdezernent Jauch mit eigenem Vorschlag zum Stadionumbau und zur Oberaue
- Jenaer Kinoprogramm vom 2. Juli – 8. Juli 2009
- Stephans Tomatentagebuch 2010: Es wird wohl ein trübes Tomatenjahr (6)
Einen Kommentar schreiben
4 Reaktionen zu “Jenaer Parteien im Online-Wahlkampf”-
Karsten Wenzlaff
Am 26. April 2009 um 12:32 Uhr
Aber Online-Wahlkampf sind doch nicht nur die Webseiten, sondern auch Facebook, Twitter etc. Da hat die Jenaer SPD die Nase vorn!
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Bastian Ebert
Am 26. April 2009 um 12:33 Uhr
Bei den Grünen in Jena ist die neue Seite sieben-für-jena.de unter Wahlkampf 2009 in der linken Sidebar verlinkt. Muss man erstmal drauf kommen
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Patrick Brauckmann
Am 26. April 2009 um 12:42 Uhr
@Karsten: mag sein, aber davon ist weder auf der Startseite der Website was zu finden noch sonstwo. Ich schätze mich jetzt mal als Web-Affin ein, aber wenn nicht mal ich den twitter-Channel der SPD Jena (beim Schreiben eines Beitrages über diese Site) finde, dann existiert er auch erst einmal nicht…
Aufmerksamkeit im Netz entsteht eben nicht durch die bloße Verwendung eines Tools…Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Peter Löwenstein
Am 28. April 2009 um 14:39 Uhr
Eine schöne Aufstellung der Parteienwebsites.
Aus der Beobachtung und den Gesprächen mit den kommunalen Kandidaten und den Webmastern ihrer Parteiauftritte hier drüben in Südhessen durfte ich lernen, dass die Internetauftritte der Parteien in ihrer Bedeutung für den Wahlausgang überschätzt werden.
Ich konnte den hessischen Landtagswahlkampf, den Wahlkampf um zwei hiesige Landratsämter und drei Bürgermeistersessel vor meiner Haustür innerhalb von 4 Monaten gut vergleichen.
* Aufwändig, modern gemachte Websites des Kandidaten und die Integration von eigens aufgebauten Social-Network Profilen unter dessen Namen korrelieren kaum mit einem erhofften Stimmenzuwachs für dessen Wahlergebnis. Hier gibt es z.B. einen parteilosen Kandidaten, der mit einer minimalistischen Website ohne Twitter oder Wer-kennt-Wen loslegte und die anderen Favoriten mit den vorgefertigten CMS Websites der Bundesparteien dann im Wahlergebnis haushoch überlegen aus dem Rennen warf.
* Neue Wähler im Internetwahlkampf gewinnen? Dann sind Foren, Gästebücher und Blogs innerhalb der Partei-Websites des Kandidaten für die Katz. Die bringen im Vergleich zum Aufwand so gut wie nichts. Dorthin verirren sich kaum Neuwähler. Dort sind lediglich die schon überzeugten Wähler und Unterstützer, die sich im eigenen Wohnzimmer etwas austauschen möchten. Womöglich erhoffte Dialoge zwischen dem Wahlkampfteam/Kandidaten und interessierten Wählern sind unterm Strich ein Wunschtraum geblieben. Die “echten” Beiträge in z.B. einem Forum eines schliesslich siegreichen SPD Landrats-Kandidaten können locker an zwei Händen abgezählt werden, und das bei einem Landratswahlkampf in einem der wirtschaftsstärksten deutschen Landkreise mit über 200.000 Wählern und einem hohen studentischen, durchaus internetaffinen Wähleranteil. Die Zugriffszahlen auch gut gemachter Kandidatenwebsites sind ernüchternd.
* Internetaffine, gebildete Jungwähler besuchen die Websites der Kandidaten auch nicht öfter als ein 50+ Wähler, egal ob Twitter oder nicht!
* Ein Umsetzung (Diskussion, Kommentare) von Top-Themen aus den Kandidatenwebsites hinein in Social-Networks oder in Twitter war nirgends zu erkennen.
Das ist ziemlich ernüchternd, welche Rückschlüsse sich aus der Analyse von so ein paar regionalen Wahlkämpfen, und alle nach dem US-Wahlkampf geführt, ergeben.
Gruß aus Südhessen,
Peter / RegioblogStimme zu / Lehne ab:
0
0






