Kommunalwahl Jena: Silke Helfrich, Bündnis 90/Die Grünen Jena, Listenplatz 29
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Silke Helfrich, Bündnis 90/Die Grünen Jena, Listenplatz 29
zur Person: Lehrerin für Französisch und Portugiesisch,
freischaffende Publizistin: Schwerpunkte: Entwicklungspolitik,
Gemeingüter, Lateinamerika, ledig, Hobbys: das Leben und die Welt
entdecken, Lesen, Joggen, Salsa und Tango
Antworten zum Fragenkatalog:
1. Was bedeutet Ihnen bürgerschaftliches Engagement?
‘Bürgerschaftliches Engagement’ ist ein etwas umständliches Wort für
eine der wichtigsten Formen unsere Welt zusammenzuhalten.
Wie leben Sie es?
Ich informiere mich und informiere andere, demonstriere und diskutiere, spende und schreibe. Ehrenamtlich tätig v.a. in der Entwicklungspolitik. Jede und jeder findet eine Sache, für die er oder sie sich interessiert
und für die er sich engagieren kann. Das tut nicht nur der Gesellschaft, sondern auch der/dem Einzelnen gut.
2. Wie stehen Sie zum Bürgerhaushalt in Jena?
Idee klasse. Ausführung mangelhaft. Da können wir viel vom Süden lernen, wo die Idee des Bürgerhaushalts an vielen Orten und seit vielen Jahren umgesetzt wird (Porto Alegre, Mexiko City). Großzügiger und bürgernäher als hier.
3. Welches Konzept und welchen Zeitraum für einen Schuldenabbau der Stadt Jena befürworten Sie?
Ich passe und informiere mich erstmal.
4. Was bedeutet für Sie eine Kulturflatrate für Jena?
Kulturflatrate bedeutet: Zugangsbarrieren für kulturelle Angebote für
alle senken ohne den Einzelnen aus der Verantwortung zu entlassen.
Flatrate heißt ja nicht: “alles umsonst”. Sondern, alles ganz einfach
für alle zum kleinen Preis. Kulturflattrate wäre eine radikale Demokratisierung des Zugangs zu Information und Kultur. Damit wäre Jena auf der Höhe der Zeit und in den Schlagzeilen. Gleich morgen.
5. Was halten Sie von einem Kurzfahrticket beim Jenaer Nahverkehr?
Viel. Sofort einführen. Das Argument, es müsse sich “rechnen” scheint
mir zu kurzfristig gedacht. Ich würde lieber diskutieren, wie wir es
hinkriegen, dass der ÖPNV attraktiver, richtig sexy, wird. Dass Busse
und Straßenbahnen überall hinfahren und zwar rund um die Uhr. Dass viele spüren: ‘In Jena brauche ich kein Auto. Ein Auto verhindert hier mehr Mobilität als es ermöglicht.’ Ein Beispiel: Paris – öffentliche Fahrräder überall. Einfach nehmen, wenig zahlen, einfach abstellen. Wir brauchen schon deswegen Subventionen für den ÖPNV, weil es die
gesellschaftlichen Nebenkosten des Individualverkehrs senkt (schlechte Luftqualität, toter öffentlicher Raum, Gesundheitskosten)
6. Wenn Sie sich entscheiden müssten, gäbe es dann ein neues Stadion, eine Mehrzweckhalle, einen Sportpark oder ein Kongresszentrum? Begründen Sie bitte die Entscheidung!
Meine Entscheidung fiele für eine kreativ gestaltete Mehrzweckhalle für Kunst, Kultur und Kongresse, Sportevents und Sonstiges.
7. Nennen Sie uns Ihre Vision für den Eichplatz.
Wir sollten die Jenaer den Eichplatz neu erfinden lassen. Ein paar
Kriterien aufstellen, eine breite öffentliche Diskussion anzetteln und
abwarten was passiert. Es gibt hier genug Kreative, Architekten und
Stadtplaner, genug Soziologen und Ökonomen, genug Menschen, die aus diesem Nichts in der Mitte unserer Stadt IHREN und unseren Platz machen können. Einen Platz von Jenaern für Jenaer und unsere Gäste.
Multifunktional muss er sein, ästhetisch und zukunftsfähig.
8. Würden Sie das Anliegen unterstützen, aus Jena eine Solarstadt zu
machen?
Aber klar. Genauer noch: Eine Stadt der dezentralen Versorgung mit
möglichst vielfältigen erneuerbaren Energien.
9. Bezahlbarer Wohnraum entwickelt sich zu einem wichtigen Faktor für jeden Wirtschaftsstandort. Welche Ideen haben Sie, bezahlbaren und ausreichenden Wohnraum in Jena zu schaffen?
Ich würde Mehrgenerationen-Wohnprojekte unterstützen. Ebenso solche Formen des Wohnungsbaus, die stark auf Eigenarbeit setzen. Leerstand in im Umland nutzen und dorthin einen exzellenten ÖPNV aufbauen.
10. Welche Themen brennen Ihnen persönlich noch auf den Nägeln?
Der Verkehr am Magdelstieg, die Frage, warum es nur eine Jenaplanschule gibt, trotz des enormen Bedarfs nach diesem oder ähnlichen pädagogischen Angeboten, die globale Verantwortung der Stadt in allem was sie tut oder unterlässt, verbraucht oder erforscht, Rechtsradikalismus, Antisemitismus und vieles mehr.
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