Erinnerungstafel für Erhard Weigel: Ein Jenaer Universalgelehrter wird geehrt
Jena. Es ist an der Zeit, einen der Großen Jenas zu ehren: Am Freitag dieser Woche (26. Juni) – kurz vor der Eröffnung des Universitätssommerfests – wird am Collegium Jenense eine Ehrentafel für Erhard Weigel enthüllt. Deren Finanzierung übernimmt der Alumni-Verein der Physikalisch-Astronomischen Fakultät. Äußerer Anlass für die Ehrung ist die alljährliche Fortbildung für Astronomielehrer, die dieses Jahr zum 6. Mal in Jena angeboten wird.
„Bis jetzt haben sich bereits 125 Teilnehmer angemeldet – Lehrer, Schüler und Studenten”, sagte Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze von der Arbeitsgruppe Physik- und Astronomie-Didaktik der Universität Jena. 22 Refernten sind eingeladen, über kosmische Dinge zu sprechen. Den Auftakt macht am Donners, 25. Juni, Prof. Dr. Dierck-Ekkehard Liebscher aus Potsdam, der über „Von den Keplerschen Gesetzen zu den Newtonschen Axiomen” sprechen wird. Für die interessierte Öffentlichkeit gedacht ist der Abendvortrag, zu dem ab 18 Uhr ins Planetarium eingeladen wird: Gernot Meiser, professioneller Himmelsfotograf, wird spektakuläre Aufnahmen des Himmels zeigen. Seinen Vortrag hat Meiser überschrieben: „The World at Night – One People, one Sky”. Danach folgt der Wissenschaftshistoriker Dr. Jürgen Hamel, der über „Kepler, Galilei, das Fernrohr und die Folgen” sprechen wird.
Damit wären wir beim zweiten Anlass der Weigel-Ehrung: Unesco und Uno haben 2009 zum „Jahr der Astronomie” ausgerufen. Richtete doch der Gelehrte Galileo Galilei vor 400 Jahren erstmals ein Fernrohr gen Himmel. Außerdem formulierte der Astronom Johannes Kepler die ersten beiden seiner drei Himmelsgesetze in jenem Jahr. „Die Jenaer Universität kann als Alleinstellungsmerkmal darauf verweisen, dass die Astronomie seit ihrer Gründung in Lehre und Forschung vertreten ist”, sagte Lotze. Das sei mindestens in Europa einmalig. Und Thüringen sei zudem in der glücklichen Lage, das Fach Astronomie als Pflichtfach ab September dieses Jahres wieder in die Lehrpläne aller Schulen aufzunehmen.
Doch zurück zu Erhard Weigel. Die (Noch-)Studentin Katharina Leonhardt wird am Freitag über Leben und Werk des Universalgelehrten sprechen, während die Ehrentafel enthüllt wird. Die 24-Jährige hat gerade ihr Lehramtsstudium in Informatik/Mathematik abgeschlossen und unterzieht sich noch in diesem Jahr der Abschlussprüfung im Drittfach Astronomie. Für das Jenaer Stadtmuseum hat die junge Frau ein Erhard-Weigel-Quiz gestaltet. Im heutigen Gespräch gab sich Leonhardt als profunde Kennerin Weigels zu erkennen. Der aus Weiden i.d. Oberpfalz stammende Mathematiker und Astronom hatte in Halle und Leipzig studiert, ehe er 1652 nach Jena berufen wurde. Hier wirkte er als Universitätslehrer, Erfinder und Baumeister. Zu den Schülern Weigels gehörten Samuel von Pufendorf und Gottfried Wilhelm Leibniz. Sein Haus wurde unter die Sieben Wunder Jenas gezählt. Es verfügte über einen Lastenaufzug, eine Weinleitung und einen Mehrzweckofen. Der Legende nach sollen im Treppenhaus sogar am Tage Sternenbeobachtungen möglich gewesen sein.

Prof. Karl-Heinz Lotze und Katharina Leonhardt präsentierten heute schon die Ehrentafel, die am Freitag enthüllt werden wird. Foto: Stephan Laudien/Jenapolis
Sicher ist, dass Weigel ab 1656 am Collegium Jenense das Torhaus ausbauen ließ, um dort ein Observatorium einrichten zu können. „Erhard Weigel wohnte drei Jahrzehnte im Collegium Jenense und lehrte dort sogar 46 Jahre lang”, sagte Katharina Leonhardt. Also bietet sich das Collegium als Ort der Ehrung an, zumal das Weigelsche Haus 1898 dem Straßenbau zum Opfer gefallen war und schnöde abgerissen wurde.
Zur Enthüllung der Ehrentafel am Freitag ab 18.30 Uhr sind Gäste herzlich willkommen. Ebenso am Donnerstag ab 18 Uhr im Planetarium, wo der Eintritt kostenlos ist.
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