Diskussion um ICE-Halt in Jena |

Diskussion um ICE-Halt in Jena

Berlin/Jena. Eine Podiumsdiskussion der Grünen Bundestagsfraktion widmete sich gestern Abend dem Thema „Wird Jena von Fernverkehr abgekoppelt?“. Mit der Öffnung der ICE-Neubaustrecke zwischen Berlin und München über Erfurt wird es voraussichtlich ab dem Jahr 2017 zur Abkoppelung Jenas vom ICE kommen.

Jennifer Schubert, verkehrspolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringen Landtag gab zu Beginn der Veranstaltung zu verstehen, dass an der Abkoppelung Jenas kein Weg vorbeiführen wird. „Statt uns jedoch darüber zu ärgern, sollten wir versuchen, ein tragfähiges Konzept für die kommenden Jahre auf die Beine zu stellen“, so Schubert.

Auch Professor Karl-Dieter Bodack, Teilnehmer des Podiums und Erfinder des Interregio-Systems sieht eine Abkopplung weniger problematisch. Statt der teuren ICE-Züge, die er für das mitteldeutsche Netz als ungeeignet ansieht, plädiert er für günstigere Züge. Diese würden auch durch niedrigere Fahrpreise für den Bürger wieder attraktiver. Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, ergänzt dies. So muss Bahnfahren vor allem Spaß machen. Sei die Bahn attraktiv, steigt auch die Zahl der Fahrgäste. Und durch Angebote wie Laptop-Arbeitsplätze, mehr Komfort oder ein Bistro, nicht nur in ICEs, seien auch mögliche Fahrzeitverlängerungen akzeptabel.

Dr. Anton Hofreiter, Sprecher für Verkehrspolitik BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, mahnt vor allem mehr Ehrlichkeit und Realismus an. Er plädiert dafür, sich gegen Prestigeobjekte wie Stuttgart 21 oder den Streckenneubau über Erfurt einzusetzen und statt dessen näher am Bürger zu entscheiden. „Um auch in Zukunft attraktiv zu sein, muss die Bahn, vor allem in die Breite
investieren. So gehe die Verwendung der bereitgestellten Mittel heute noch oft am Bedarf der Bürger vorbei. Dies muss sich ändern“, so Schubert abschließend, die den raschen Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung sowie eine adäquate Nord-Süd-Verbindung für Jena fordert.