Solarprojekt des Eine-Welt-Vereins in Jenas Partnerstadt San Marcos
Jena/ San Marcos. Sonnenschein gibt es in dem zweitärmsten mittelamerikanischen Land mehr als genug – aber an vielem anderen ist Mangel.
Mehrere Dörfer, die zu San Marcos, der nicaraguanischen Partnerstadt von Jena, gehören, haben keine Stromversorgung. Sie sind zu weit von den Überlandleitungen entfernt, als dass es sich für den spanischen monopolistischen Energieversorger lohnen würde, sie an das Netz anzuschließen. So kommt zur wirtschaftlichen Armut noch eine strukturelle dazu.
Bildung und Entwicklung sind jedoch nur möglich, wenn die technischen Voraussetzungen dafür vorhanden sind. Deshalb unterstützen wir als Städtepartnerschaft die Nutzung regenerativer Energiequellen in Nikaragua.
Es folgt der Bericht eines an einem soeben abgeschlossenen Projekt persönlich Beteiligten.
Sonnenstrom für acht Familien in San Marcos
Abends kochen, morgens nach dem Aufstehen Nachrichten hören, Fernsehen – alles das können jetzt die acht Familien tun, die in den Dörfern Santa Máxima, Los Mojica, Los Molina und Los Campos unserer Stadt San Marcos wohnen.
Nun, auch nachdem ich schon verschiedene Installationen von Photovoltaikanlagen begleitet habe, überrascht es mich immer wieder, wenn ich sehe, wie das Sonnenlicht eingefangen werden kann und eine Batterie auflädt. Es ist eine Mischung aus Freude, Rührung und Erstaunen, was ich fühle, wenn ich die gleichen Emotionen bei den Familien sehe, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben mehr als das sehen können, was eine Gasfunzel beleuchtet.
Doña Mariana Sánchez, eine der Begünstigten des Projektes, sagte, als sie zum ersten Mal das elektrische Licht anschaltete, nur: „Ich kann es noch nicht glauben!“ Doña Marina Molina war nicht so ausdrucksvoll und sagte nur: “Endlich”. Sie hatte wie andere vor zwei Jahren bei APRODIM eine Photovoltaikanlage beantragt und hat sie im Mai 2010 bekommen. Als wir die Anlagen installierten, hörte ich Sätze wie: “Jetzt endlich”, “Wahnsinn” oder “Was für eine Freude”.
Und es ist nichts weniger als eine Freude. Ich selbst habe als Kind in einem Stadtviertel gelebt, in dem es keinen Strom gab. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich mein Leben verändert hätte, wenn wir Licht gehabt hätten. Wenn ich abends noch lernen wollte, mußte ich die Propangaslampe ausreichend füllen, und um lesen zu können, mußte ich sie nahe an mein Gesicht stellen. Eigentlich kann man so nicht sehr gut lesen, wenn die Flamme im Wind flackert und einem der Rauch in die tränenden Augen sticht. Am nächsten Morgen beim Duschen fand ich dann manchmal schwarzen Ruß in meiner Nase. Als Kind habe ich immer gedacht, das sei normal – heute überlege ich, wie wohl damals mein Körper innerlich vergiftet worden ist.
In dieser Situation müssen die Kinder dieser 8 Familien nicht mehr leben. Sie werden abends mindestens vier Stunden lang Licht haben; ausreichend, um ihre Hausaufgaben zu machen und zu lesen. Aus diesen und anderen Gründen möchte ich mich persönlich und als Nikaraguaner für die Finanzierung der acht neuen Solaranlagen bedanken.
Herzliche Grüße – Yilber Sequeira, San Marcos, 6. 05. 2010
Yilber Sequeira ist bei APRODIM, dem nicaraguanischen Partnerverein des Eine-Welt-Haus e. V. Jena, als Verantwortlicher für Projekte regenerativer Energien angestellt. Er kommt aus einer armen Bauernfamilie; seine Schulausbildung und sein Landwirtschaftsstudium konnte er nur abschließen, weil er dafür ein Stipendium im Rahmen des Patenprogrammes des Eine- Welt-Hauses von einer Patin aus Erfurt bekommen hat. Yilber wird im Rahmen des Städtepartnerschaftstreffens vom 25.9.- 10.10.2010 in Jena sein und Vorträge zum Thema „erneuerbare Energien in Nicaragua“ halten. Die genauen Termine geben wir noch bekannt bzw. sind auf der homepage des Eine-Welt-Vereins ersichtlich.
Eine-Welt-Haus Jena
Das Eine-Welt-Haus in Jena entstand im Sommer 1990 aus einer Idee verschiedener Jenenser Gruppen der unabhängigen Solidaritätsbewegung der DDR. Unter dem Dach des Vereins sammelten sich verschiedene Einzelengagierte, Initiativen und Gruppen, die die gemeinsame Hoffnung auf ein gerechtes Zusammenleben der Menschen im Norden und Süden unserer Erde verbindet. Der Verein arbeitet auf folgenden Feldern:
a) Förderung des fairen Handels
b) Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
c) Durchführung von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit
d) Entsendeorganisation für das „weltwärts-Programm“
Derzeit sind Arbeitskreise für Nicaragua, Mosambik, Togo, Liberia, Ukraine, Rumänien und Palästina aktiv. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen. Und natürlich freut sich der Verein über Spender oder Sponsoren zu den einzelnen Projekten unter: Eine-Welt-Jena, Kontonummer 30600, Sparkasse Jena, 83053030
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:- Verein Hintertorperspektive und Eine-Welt-Haus Jena planen den Aufbau einer Fußballschule in San Marcos
- Jenas Oberbürgermeister weiht Radiostation in der Partnerstadt San Marcos ein
- Frühlingsfest im Kindergarten “Anne Frank”
- Schröter fliegt nach San Marcos
- Eine-Welt-Haus e.V. lädt zum Patenelterntreffen ein









