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Google Streetview – Kommentar von Carsten Eckart



Jena. Bereits im Herbst letzten Jahres fuhren die Kamerawagen durch die Jenaer Straßen und verewigten unser Stadtpanorama im Google’schen Arsenal der Nachbarschaftsfotografie. Schon damals bemühte sich die Lokalpresse um eine ausgedehnte Berichterstattung und beleuchtete sowohl positive, als auch negative Aspekte – man konnte sowohl die Meinung von Vertretern Google’s, als auch eines Datenschutzbeauftragen Thüringens lesen, doch ließ die Veröffentlichung der hunderttausenden Fotos der Jenaer Straßen und Häuser noch Monate auf sich warten.

Aktuell steht die Veröffentlichung der Street View-Daten für die ersten Deutschen Städte kurz bevor und die Diskussion um den Datenschutz kocht hoch – doch was bedeutet das Abfotografieren unserer Straßen für uns als Bürger? Letztendlich wird ein 360°-Panorama von allen fotografierten Stellen der Stadt erstellt und online im Dienst “Google Maps” zur Verfügung gestellt. Hier werden automatisch alle Gesichter und Autonummernschilder unkenntlich gemacht, sogar ohne expliziten Einspruch des Abgebildeten. Sollte man mit der Veröffentlichung seiner eigenen Hausfassade nicht einverstanden sein, so kann man bis zum 15. September online Widerspruch einlegen und darüber hinaus Google schriftlich an der Abbildung hindern – die Frage des Datenschutzes ist also grundsätzlich geklärt.

Die Problematik, der sich jedoch jeder von uns stellen sollte, ist die Frage, ob und was wir öffentlich im Internet zugänglich machen wollen. Durch Google Street View kann sich jeder bereits vor einem Besuch der Stadt Hotels, Sehenswürdigkeiten, die historische Altstadt und den Weg zum nächsten Lokal anschauen – doch möchte man als Hausbesitzer die eigene Fassade online sehen? Was bringt es, ganze Wohnhausblöcke online abzubilden? Was ist der Nutzen für die Bewohner und wo liegt der Mehrwert für die Eigentümer? Wo liegt die Grenze der informationellen Selbstbestimmung?

Vereinzelt gab es in abgebildeten Wohngebieten Beispiele, dass Versicherungsunternehmen keine Policen abschloßen, da die Nachbarschaft zu kriminell wirkte. Oder das die Personalabteilung den ungeplegten Vorgarten und die damit augenscheinlich zusammenhängende Faulheit des Bewerbers bemerkte. Das online abgebildete Panoramabild wird nur einmal und nach dem Murph’schen Gesetz im schlechtesten Moment aufgenommen.

Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass Google diese Bilder veröffentlichen wird und jeder Bürger vereinzelt Einspruch einlegen kann, sollte er sein Eigentum nicht veröffentlicht sehen wollen. Ich fordere jeden Jenaer Bürger auf, sich mit den Gefahren des Informationszeitalters und den Möglichkeiten des Datenschutzes auseinander zu setzen.

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Keine Reaktion zu “Google Streetview – Kommentar von Carsten Eckart”
  • Thomas Hönnger Am 18. August 2010 um 10:45 Uhr

    War ja klar, daß über kurz oder lang auch hier dieses Thema kommentiert wird. Der einzige “Vorteil” von Streetview ist, daß die Menschen wieder mehr über Datenschutz und die möglichen Folgen von Facebook & Konsorten nachdenken. Wo immer Informationen verfügbar sind, werden diese auch genutzt – im positiven wie im negativen Sinne. Es muß halt jeder für sich entscheiden, was er preisgeben will und was nicht. Gesundes Misstrauen ist jedenfalls nie verkehrt. Eins möchte ich noch richtigstellen da es oft falsch rüberkommt: auch nach dem Ende der Widerspruchsfrist ist es möglich, sein Haus verpixeln zu lassen. Da Google die Daten aber wirklich löscht, ist danach ein “entpixeln” nicht mehr möglich. Man kann so aber erst mal gucken, wie das eigene Haus überhaupt in Streetview zu sehen ist und kann sich dann entscheiden.

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  • Carsten Eckart Am 18. August 2010 um 11:03 Uhr

    Nur zur Sicherheit: “[...] Eins möchte ich noch richtigstellen [...]” – das wurde in meinem Kommentar auch so dargelegt (Ende des zweiten Absatz), im Allgemeinen wird das aber tatsächlich noch nicht eindeutig genug kommuniziert.

    Und ja, Street View hat Vorteile und Nachteile, kann im positiven, als auch im negativen Sinn genutzt werden. Da wir im Moment nicht wirklich viel gegen die Einführung von SV machen können, muss man sich also damit beschäftigen und sensibilisieren.

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  • Bastian Ebert Am 18. August 2010 um 11:55 Uhr

    Es gibt für Unentschlossene auch schon den Musterbrief “Widerspruch zum Widerspruch” mit dem man dem eingelegten Widerspruch gegen die Veröffentlichung bei Google Street View widersprechen kann.

    Allerdings gibt es derzeit noch keine Info von Google ob dies tatsächlich funktioniert und nach der Verpixelung geht es ohnehin nicht mehr (siehe im Kommentar von Thomas Hönnger). Zumindest so lange der Google Wagen nicht erneut eine Runde dreht.

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  • Online Weber Am 2. November 2010 um 23:53 Uhr

    Die ganze Deskussionen um Google Street View sind es nicht Wert. Sie machen Ihren Job gut. Die einzelne Häuser von Menschen, die Ihre Wohnumgebung nicht Online sehen möchten verschwommen zu machen finde ich beeindruckend, wenn man es überlegt, wieviel Arbeit dahinten steckt. Es wird immer die tüpisch Deutschen geben, die sich darüber nur aufregen. Zum Beispiel in anderen Ländern, die Leute freuen sich wieder was neues von Google zu haben. Ich frage mich, warum regen sich die Deutschen darüber auf?

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  • Frank Cebulla Am 3. November 2010 um 19:53 Uhr

    Seit kurzem kann man sich die ersten Ergebnisse von Google Streetview anschauen (Google Maps aufrufen – Oberstaufen in die Suche eingeben – kleines gelbes Männchen auf der Zoomfunktion auf die Straße ziehen …). Ich finde es toll. Für meine Begriffe ist die Diskussion über angebliche Datenschutzprobleme an den Haaren herbeigezogen und soll nur von den tatsächlichen Tendenzen hin zum Überwachungsstaat (Vorratsdatenspeicherung, Elena, Acta, Indect, Internetzensur, Online-Überwachung, Videoüberwachung öffentlicher Räume usw.) ablenken.
    Über kurz oder lang wird unser Planet als virtuelles Gegenstück noch einmal im Netz stehen und ich kann mich überall da bewegen und umschauen, wo ich ansonsten nie hinkommen würde. Das Genöle über Streetview ist doch nur das Rückzugsgefecht von Generationen, die sich interessante Homepages noch ausdrucken lassen, um sie zu studieren. :-)

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  • Bastian Ebert Am 3. November 2010 um 19:57 Uhr

    Die entsprechende Funktion ist auch schon für Jena aktiv. Allerdings werden hier vorerst nur bestimmte Fotos angezeigt und keine direkte Umgebung.

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