Ausstellung in der Stadtkirche – Superintendentenbilder
Jena. In der Stadtkirche St. Michael werden Superintendentenbilder aus dem Bestand der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Jena gezeigt. Mit Hinblick auf das große Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 werden diese Bilder vom 1. Oktober bis zum 15. November gezeigt.
An dieser Stelle sei ein Ausschnitt aus dem begleitenden Aufsatz zur Ausstellung von Pfarrer der Stadtkirche St. Michael, Mathias Rüß, wiedergegeben:
Gezeigt und beschrieben werden die Superintendenten in ebendieser Reihenfolge: Michael Zülich, Johann Major, Christian Chemnitius, Georg Götze, Theophil Coler, Johann Weißenborn. Dazu kommt, obwohl sein Hängungsort ja seinerzeit die Südwand der Stadtkirche war und er nicht in der Gesamtgruppe des Hochchores zu sehen war, das Bildnis des überaus bedeutenden Johann Gerhard.
In der Ausstellung verzichten wir aus verschiedenen Gründen auf das wertvolle, lebensgroße Porträt des Johann Gottlieb Marezoll, das von der bekannten Malerin Louise Seidler 1828 angefertigt worden ist. Es befindet sich in der Friedenskirche, der ehemaligen Garnisonkirche zu Jena, und ist dort jederzeit zu sehen.
Allen Dargestellten ist gemeinsam, dass sie Superintendenten an der Stadtkirche St. Michael waren. Gleichzeitig hatten – das war die Regel – viele von ihnen, aber nicht alle, ein Lehramt an der Theologischen Fakultät inne. Wir haben es mit ganz bedeutenden Theologen zu tun und mit solchen, die eine unwesentliche Rolle gespielt haben und die deshalb in den Annalen kaum beachtet werden. Ist keiner der Dargestellten mit einem anderen vergleichbar so auch nicht die Namen derer, die sie malten. Im Gegensatz zu Louise Seidler sind die Namen anderer Maler, von den unbekannten Schöpfern der Bildnisse ganz zu schweigen, weitaus weniger bekannt. Durch Herrn Detlef Kautz, Erfurt, vorgenommen, ermöglicht durch Herrn Dr. Chemnitius, Jena, einem direkten Nachfahren des Sup. Christian Chemnitius, hebt sich das Bild des Sup. Christian Chemnitius von den anderen, noch nicht restaurierten und zum Teil stark beschädigten Bildern, wohltuend ab.
Aus den Bildern spricht Zeitgeschichte: Allen Männern lagen sowohl die Geschicke der Theologie ihrer Zeit als auch die Geschicke ihrer, zunächst ja noch wirklich jungen Kirche am Herzen. Dabei lebten sie in einer selbstverständlichen Einheit von Bürgergemeinde und Christengemeinde. Die großen Risse der Geschichte hatten sich allerdings schon eingestellt: Die Entwicklung hatte wiederum eine neue, dieses Mal landesherrlich-lutherische Kirche entstehen lassen.
Theologisch und auch kirchenpolitisch gab es Gegner, u.a. die, wie man sagte, Calvinisten und Papisten. Aber auch innerhalb der lutherischen Theologie gab es Kämpfe und harte Fehden um theologische Fragen.
Theologiegeschichtlich einzuordnen sind die hier gezeigten einzelnen Theologen in die sogenannte orthodoxe Phase, also eine die Theologie Luthers (und auch diejenige Melanchthons) bewahrende und vertiefende und auch verfestigende Phase von etwa 1573 – 1677, im Anschluss daran in eine Phase des heraufziehenden Pietismus (und, wenn man so will Synkretismus), nämlich ab etwa 1677 – bis zum Ableben des Sup. Michael Zülich 1721.
Dass die Jenaer Theologische Fakultät mit einigen dieser Männer begann, sich ihren unnachahmlichen Ruf als liberale Wahrerin der theologischen und wissenschaftlichen Tradition zu erarbeiten, soll erwähnt sein. Ohne die Leistung der anderen schmälern zu wollen, muss Johann Gerhard hervorgehoben werden, der alle anderen bei weitem übertraf. Er war – und ist – über die Grenzen Jenas hinaus bekannt und zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Theologen, ja, er repräsentierte in überragender Weise die Fülle des theologischen Standes seiner Zeit.
Leider fehlen im Bestand der Evangelischen Kirchgemeinde Jena die Bilder der Superintendenten Johann Georg Zeising und Christian Wilhelm Oemler, die deshalb auch im Textverlauf keine Berücksichtigung finden können.
Was zu sehen ist, ist eine würdigende Momentaufnahme.
Autor: Mathias Rüß, Pfr. der Stadtkirche St. Michael, Jena
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