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Der Ausbau der Stadt zur Eliteansiedlung ist Konzept



Jena. Das Wohnungsproblem in Jena ist nicht nur ein Studententhema

Das Thema betrifft nicht nur Studenten. Ich kenne Fachkräfte in der Industrie, die pendeln seit Jahren am Wochenende nach Nürnberg, Mainz oder sonstwohin und haben nur Zimmer in Jena bzw. wohnen teils seit Jahren im Hotel (!). Manche pendeln täglich von Leipzig – auch nicht ohne. Ein mir bekanntes Unternehmen hat seit 2008 mindestens 4 Fach- und Führungskräfte wegen der Lebenssituation in Jena verloren. Die Leute gehen einfach, wenn sie merken, daß ein Nachholen der Familie schlicht nicht möglich ist oder unter den gegebenen sozialen Bedingungen an eine Familienplanung nicht zu denken ist. Einer gab später aus diesem und anderen Gründen mir gegenüber zu Protokoll “Nie wieder Jena”. Bei einem weigerte sich die hochschwangere Frau, nach Weihnachten nach Thüringen zurückzukehren. Und ein angesehener Mediziner sagte, wenn seine Kinder aus der Schule raus sind, verläßt er die Stadt. Das Jenaer Schulsystem ist ohne Zweifel mit seinen vielfältigen und teils besonderen Angeboten ein Glanzlicht – deshalb bleibt die Familie noch.

Die, die bleiben, sind Bittsteller und werden auf dem Jenaer Wohnungsmarkt teils wie der letzte Dreck behandelt. Wenn einem ein stadtbekannter Makler beim nicht sofortigen Zusagen einer unbekannten (!) Wohnung ein “gehen Sie doch nach Berlin zurück!” an den Kopf knallt, wenn Makler zum vereinbarten Termin nicht erscheinen bzw. das Gesuch gar nicht erst bearbeiten, zeigt sich das wahre Gesicht Jenas. Genauer: das wahre Gesicht des Menschen, der, wenn er am längeren Hebel sitzt, dies auch entsprechend widerwärtig ausnutzen wird. Die Frau einer aus Jena weggezogenen Führungskraft (Produktionsleiter in einem Jenaer Technologieunternehmen) meinte dazu nur “Jenaer Makler sind Hausfrauen mit Handies”. Das stimmt zugegebenermaßen zwar nicht in jedem Fall, aber ich habe solche Falle absoluter beschämender Unprofessionalität und Unverschämtheit auch erlebt, bevor ich beschloß, in Jena besser doch nicht heimisch werden zu wollen.

Dazu das Gebotene: meist schlicht kein bißchen auf bundesdeutschem Standard – bei Mieten weit über dem Standard.

Ein nicht unerheblicher Teil der von mir besichtigten Wohnungen hatte Schimmelbildung oder war in erbärmlichem Zustand. Viele Mieter scheinen in Dauerkonflikt mit ihrem Wohnungseigentümer zu liegen, etwas, das ich von anderswo auch nicht kenne. Das Mißtrauen ist so groß, daß selbst promovierte Fachkräfte in Festanstellung am besten noch ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Nachweis über sämtliches Privatvermögen beibringen sollen, wenn sie erfolgreich ein Wohnklo anmieten möchten.

Da finden es beruflich gefestigte Menschen Mitte 30 ganz normal, ihre Zukunft in einem Plattenbau mit Aufputzverkabelung zu verbringen.

Da hält man in manchen Jenaer Stadtteilen DSL mit 900 kbps für normal und zahlt dafür 40 Euro im Monat. Da läßt man sich von Tele Columbus, einem nahezu bankrotten Unternehmen – http://www.magnus.de/news/nachrichtensender-telecolumbus-droht-bankrott-kreditrueckforderungen-209279.html – mit Zwangsverschlüsselung eigentlich freier TV-Programme und miesen Zwangsreceivern (zur Miete!) drangsalieren. Jenawohnen tut den Rest dazu und verbietet Satschüsseln generell: http://www.jenawohnen.de/index.php?id=141
Das ist ein Versuch (und dabei bleibts auch, denn es ist rechtlich unwirksam), den grundgesetzlich zugesicherten freien Zugang zu Informationsquellen zu behindern, denn z.B. im Damenviertel gibt es bis heute nicht einmal alle öffentlich-rechtlichen Programme digital im Kabel. Wer aus Berlin kommt und anspruchsvollen Hörfunk (Radio Eins) gewohnt ist, erleidet in Thüringens Medienlandschaft sowieso erst einmal einen Schock – und kann dann nichtmal auf Kabelempfang ausweichen.

Von einer alteingesessenen Jenaer Wohnungsgenossenschaft ist bekannt, daß sie selbst auf des Mieters Dachterrasse das Aufstellen einer Satschüssel verbieten. 1961 entfernte die DDR-Jugendorganisation FDJ die Antennen, die dem freien Empfang dienten, von den Dächern: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43366009.html
Heute, in einer Zeit, in der man das Land, in dem dies geschah, als “Unrechtsstaat” bezeichnen muß, um nicht in falsches Licht zu rücken, ist ein solcher Eingriff völlig normal. Ein Skandal!

In Jena verlangt man im einzigen nennenswert frei zugänglichen Schwimmbad 5 Euro für 90 Minuten und prellt seit Dezember 2009 die Mitarbeiter von Zeiss, Jenoptik und Schott um ihren ausgehandelten Firmenrabatt. Für die 5 Euro (genau das doppelte des Abendtarifs der Münchner Olympiaschwimmhalle) bekommt man dann meist 3 Bahnen zu 25 Meter geboten, auf denen sich oft mehr als 30 “Schwimmer” gegenseitig belästigen. Kleiner Tip an Studenten: fahrt nach Gera, da gibt es eine exzellente 50-Meter-Halle, 90 Minuten für 3.30 EUR, zum Schwimmen (!) jeden Cent mehrfach wert. Die Bahnfahrt ist im Semesterticket drin und das Bad ist nur 5 Minuten vom Bahnhof weg. Man muß nur darauf achten, daß nicht wegen Wettkampf geschlossen ist, denn so ein Bad lädt zu Wettkämpfen freilich ein. http://www.gera.de/sixcms/detail.php?id=16269

Und selbst 18-jährigen Azubis, die ihre Ausbildung in Jena machen, fällt die in einigen Wohngebieten miese Versorgungslage mit Lebensmitteln auf. Das gesamte Südviertel hatte bis vor kurzen mur einen einzigen schäbigen Netto, im Ziegenheiner Tal gibt es meines Wissens nach gar keinen Lebensmittelmarkt. Für jede Besorgung müssen kilometerlange Wege zurückgelegt werden, die der Jenaer freilich im PKW zurücklegt – entsprechend steckt die Stadt im Dauerstau.

Industriegebiete (z. B. Löbstedter Straße) sind lausig an den ÖPNV angebunden und ab frühem Abend versickern die Angebote selbst auf den Hauptlinien völlig. Wer keinen PKW besitzt, hat teils eine Stunde Fußweg nach der Arbeit zu absolvieren.

Wären wenigstens die umliegenden Gemeinden in einen funktionierenden ÖPNV (und das heißt Taktverkehr im 20- oder mindestens 30-Minuten-Takt bis Mitternacht) eingebunden, dann könnte Jena das Einzugsgebiet durchaus erweitern. Aber wenn man am Sonnabend zum Einkaufen mit der Regionalbahn umständlich in die Stadt fahren muß… nee, lass mal. Da lassen sich Leute aus echten Zentren nicht drauf ein.

Alles wirklich sehr, sehr fein. Noch scheint es kein größeres Problem darzustellen. Noch drängen Studenten massiv in die Stadt, noch wundern sich Väter aus NRW, die ihren Kindern die Möbel in das asseligste Haus der Stadt fahren, nur über den absurden 20-seitigen Knebelmietvertrag, belassen es aber dabei. Aber diese Zeiten werden sich gewiß ändern und ein attraktiver Standort muß mehr zu bieten haben als nur eine erfolgreiche Universität und exzellente Institute. So etwas nennt man Campus – zum Leben gehört noch eine Stadt drumherum, die sozial in ihren grundlegendsten Dingen (Wohnen, Einkaufen, ÖPNV) funktioniert. Und das tut Jena ganz und gar nicht, wenn man von der Schulstruktur einmal absieht.

Es wird spannend bleiben in den nächsten Jahren. Wie lange wird die Stadt die Image-Blase vom “Paradies” noch aufrecht erhalten können? Und wie lange wird den Jenaern alles egal sein, solange nur der FCC irgendwie weiterexistiert? Letzteres scheint das größte Mysterium dieser Stadt zu sein. Alles Wohlbefinden scheint davon abzuhängen. Da haust man doch gleich freiwillig gerne im unsanierten Plattenbau und läßt sich von Jenawohnen demütigen.

igentlich regelt so etwas in der heutigen Zeit “der Markt”, so heißt es ja immer. Wer in Jena keinen Platz findet, sei es kein langfristig sozial erträglicher Platz oder überhaupt kein Platz mit Dach über dem Kopf, kann ja wieder gehen, sobald sich eine Möglichkeit dazu ergibt.

Die Sache wird halt nur dadurch erschwert, daß in Jena eine unsinnig (weil sozial nicht aushaltbare) hohe Konzentration an Wissenschaft, Forschung und Industrie betrieben wird. Wer in Thüringen einen anspruchsvollen Job in diesen Bereichen sucht, landet fast zwangsläufig in Jena. Fortlaufende Neuansiedlung verschärft die Situation noch. Es gibt (kleinere) Unternehmen, die lösen anderswo in Thüringen ihre Firmensitze auf, um nach Jena zu gehen – selbst dann, wenn sie nicht unmittelbar von direkter (und freilich phantastischer) Forschungskooperation z.B. mit Uni, FH oder Fraunhofer profitieren können. Alleine die Silbe “Jen” im Firmennamen suggieriert, daß man auf dem Weltmarkt erfolgreich sein könne. Selbst der Kranverleih heißt hier Jenkran. Wann kommt die Firma namens Jenklo, die Dixi-Häuschen vermietet?

Das ist grotesk, genauso grotesk wie die Familien, die bewußt nach Jena drängen, damit ihre Kinder “Jena” als Geburtsort im Ausweis stehen haben. Schuld ist meiner Meinung nach eine verfehlte Investitions- und Förderpolitik in Thüringen, die es zuläßt, daß sich an einem Ort, dessen Belastungsgrenze längst überschritten ist, fortlaufend weitere Unternehmen ansiedeln können. Das einseitige, polemische Marketing tut das übrige. Jena ist das “Paradies”, der Rest ist Kloake.

Gleich hinter Jena Richtung Osten beginnt ein Niemandsland, das erst in Zwickau / Chemnitz wieder zuende ist. Da ist viel Platz, da sind teils deutlich bessere Bedingungen zum Wohnen – und da warten einige Orte auf ihre Belebung, nachdem man seit 1990 zielstrebig dort ein intellektuelles Ausbluten durchgeführt hat. Bestes Beispiel dafür ist Gera und es scheint politisch regelrecht gewollt, Gera entsprechend zu positionieren. Ich warte darauf, daß man sozial schwächeren Menschen in Jena nahelegen wird, nach Gera zu ziehen. Nüchtern betrachtet findet das ohnehin schon statt, denn ein Jenaer Laborantengehalt (ja, da gehen nicht wenige nach 45 Wochenstunden mit 1200 Netto nach Hause) verbietet jegliche Familienplanung in dieser Stadt. Genau diese Summe bringt ein Freund von mir in Jena alleine für die Wohnung seiner Familie auf…

Ich hatte in Jena Arbeitskollegen, die Gera nie in ihrem Leben gesehen hatten, aber gerne herumwitzelten, “in Gera, da wirds immer leera.” Es ist schon beeindruckend, was mit Imagekampagnen zu erreichen ist. Bleibt nur die Frage: was soll damit bezweckt werden außer einer sozialen Schieflage, die sich irgendwann heftig entladen wird? Wem wird hier ein Geschäft besorgt?

Diese Frage ist auch auf lokaler Ebene in Jena an vielen Stellen angebracht. Bekommt Jenawohnen z.B. Geld von TeleColumbus für die Einräumung des Exklusivrechts auf Zugangsbeschränkung zu eigentlich frei zugänglichen Medien? Wie sieht die Verquickung von Politik und Wohnungswirtschaft aus? Ich habe in diese Bereiche nie hineingeschaut, ahne aber übles.

Die Enge und der Mangel an Lebensraum führen in Jena zu einer deutlich wahrnehmbaren Aggressivität. Mehrmals wurde ich Zeuge, wie Bus- oder Straßenbahnfahrer des JeNah bewußt ortsunkundige Autofahrer provozieren, drängeln und dann in einer Art und Weise beschimpfen, daß ein Straftatbestand vorliegt. Gerade erst vor einer Woche nötigte ein Straßenbahnfahrer am Schwarzen Bären einen LKW-Fahrer, der offenbar die Baustelle im Bibliotheksweg suchte, pöbelte ihn an, beleidigte ihn als “Hirni”. Das passiert vor allen Fahrgästen. Ebenso der Busfahrer, der an den Mokkastuben vor einem Jahr einen LKW-Fahrer von der Straße drängte, anhielt und die vordere Tür öffnete, um ihm den “Finger” zu zeigen. Es gibt Großstädte, in denen wirklich Streß ist – dort ist mir so etwas noch nie untergekommen. Die Ausgeglichenheit, mit der z.B. Berlins Busfahrer dem Wahnsinn des Alltags begegnen, ist dagegen beachtlich.

Oder die Mitarbeiterin eines Jenaer Wohnungsunternehmens, die 2007 bei meiner Suche erst pampig war, auf mein Ruhigbleiben dann aber förmlich hinter ihrem Tresen zusammensackte und mir erst einmal ihre Leidensgeschichte mit den täglich zu ertragenen Aggressionen wohnungssuchender Menschen ausschüttete.

Oder das alteingesessene Ehepaar, wohnhaft in bester Landgrafen-Lage, das sich über die Aggressivität der neuen Nachbarn beklagt. Tja, die alten kauzigen Professoren, die das Bild in den 60er bis vielleicht 80er Jahren prägten, leben halt nicht mehr. Heute durchpflügen dicke Autos die Hanglagen. Früh werden übernächtigte Kinder von Jungmanagern aus dem Haus gebracht, spät abends kehren todmüde Kinder zurück, wenn die Eltern genug Karriere gemacht haben. Das ist das Bild, das sich Rentnern zeigt, die das Umfeld jahrzehntelang kennen. Daß bei Parkplatzmangel auch gerne mal der Grundstückseingang so zugeparkt wird, daß die Anwohner das ganze Wochenende lang in ihrem Anwesen gefangen sind, gehört da offenbar einfach mit dazu.

Generell Senioren: man muß nur mal kurz “reinstechen”, und sei es beim Bäcker am Tresen. Schon sprudelt bei wildfremden Menschen die Wut über dies, das und jenes in der Stadt – in einer Art und Weise, die erkennen läßt, daß es hier um vorsätzlich verursachte und offenbar billigend in Kauf genommene Kollateralschäden des Ausbaus der Stadt zur Eliteansiedlung geht.

Mich wundert das alles kein bißchen. Jena, der Raubtierkäfig. Der “Standort für Fortgeschrittene”. Allein die Aussicht, daß dies der “Fortschritt” sei, also etwas, das ggf. später mal alle betrifft und das eventuell gar erstrebenswert sein soll, läßt mich erschaudern.

Jena könnte durchaus einiges tun, um die Situation wenigstens ein wenig zu entspannen. Der Ausbau des ÖPNV zu einem ernstzunehmendem Angebot auch ins Umland wäre ein solcher Schritt. Warum keine Straßenbahn im 30-Minuten-Takt bis nach Dorndorf? Warum keine Ring-Linie im Norden, die z.B. Kunitz nahe kommt? Warum keine Linienverlängerung Richtung Wogau und meinetwegen noch weiter? Das sind freilich erstmal nur Spinnereien, aber so, wie es jetzt läuft, mit Überlandbussen, die mehr Fußnoten als Abfahrtszeiten im Fahrplan haben, ist das kein Angebot, auf das jemand ohne PKW bauen könnte.

Und Thüringen ist gefragt, den Nimmersatt Jena in die Grenzen zu weisen. Es kann nicht sein, daß ohne soziale Aufnahmefähigkeit in Jena immer weiter Industrie und Forschung angesiedelt wird. Hier muß eine Förderpolitik her, die nicht einen immer höheren “Leuchtturm” in sumpfigem Gelände errichtet, sondern dafür sorgt, daß auch der Rest vom Land nicht untergeht. Die Zeche für diese nicht nachhaltige Entwicklung wird das ganze Land zahlen müssen. Und sorry – einen Exzellenzcluster kann man weder essen noch kann man darin leben.

Aber solange selbst ein bankrotter Fußballverein in der Stadt mehr Aktivität auslöst und mehr Mittel locker macht als wirklich sozial wichtige Dinge, solange kann man davon leider nur träumen. Und solange bleibt Jena ein selbstverliebter Ort, in dem sich alles nur im sich selbst dreht. Schade um eine landschaftlich wunderschön gelegene Stadt, die ihre Liebenswürdigkeit komplett dem kranken Streben nach absoluter Vormachtstellung opfern mußte.

Der Leserbeitrag ist neben vielen weiteren Beiträgen als Kommentare des Beitrages: Zimmer gesucht: 5 000 neue Studenten strömen nach Jena,  zu finden.

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14 Reaktionen zu “Der Ausbau der Stadt zur Eliteansiedlung ist Konzept”
  • 3r1c Am 30. September 2010 um 13:04 Uhr

    Schicks doch an Frau Lieberknecht oder an Herrn Schröter… Wenn das hier nur paar leute privat lesen und sich ihren kopf machen tut sich auch nicht viel… du hast hier deinen frust abgelassen, ist ja auch okay, aber der beitrag hätte in ner Zeitung vielleicht besser ausgesehn… oder organisiere lieber ne demo oder was weiß ich was…

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  • 3r1c Am 30. September 2010 um 13:16 Uhr

    Oder noch besser… Wir tun uns zusammen und investieren in neue wohnung in den schönen aussenvierteln, machen unsern eigenen ÖPNV auf und dann brauchen wir eigentlich nur noch warten das uns die ganzen leute die bude einrennen… man sollte aus solchen sachen kapital schlagen…

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  • bummerino Am 30. September 2010 um 14:14 Uhr

    Wer mit offenen Augen durch unser schönes Städtchen wandelt, wird wohl viele punkte finden, die einen schmerzlich wahren Kern enthalten..Ich frage mich, wann die Kommunalpolitik bereit ist, solcherlei Missstände tatsächlich anzugehen – statt sie wegzudiskutieren (siehe OB Schröter – “es gibt kein Wohnungsproblem”)Großes Problem die teilweise vetternwirtschaftlichen Verquickungen der Jenaer Wohungs-Strom-Bäder-Fernseh-Kultur(uvm)-Unternehmen. Man könnte wirklich den Eindruck gewinnen, dass Stadt und beteiligte Unternehmen Mietspiegel absichtlich treiben und vielerlei Interessen zum Nachteil des Bürgers wahrnehmen. Der davon eh nicht viel mitbekommt.

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  • Stefan Am 30. September 2010 um 14:59 Uhr

    Viel Text, viel Schwarzmalerei…

    …aber auch einige richtige Bemerkungen!

    Der ÖPNV in Jena ist wirklich schlecht, auch wenn schon einiges verbessert wurde. Zu teuer, zu unflexibel, zu wenig Reichweite, zu langsam.

    Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind ebenfalls unübersehbar, und leider dazu noch größtenteils Hausgemacht. Auf der anderen Seite muss man auch bedenken das allein durch die Topographie ein Flächenwachstum hier schwierig ist.

    Dass DSL nicht überall vernünftig funktioniert ist allerdings kein Versagen der Stadtväter, sondern eher das versagen der Telekom. Schließlich gehören die Netze nicht der Stadt.

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  • bummerino Am 30. September 2010 um 15:39 Uhr

    Es gab bereits in den “dunklen” Jahren der ArbeiterBauerndiktatur die fundierten Erkenntnisse, das städtebaulich nicht mehr als 120.000 Bürger in den Kessel passen (und die “benötigten” qm pro Kopf waren damals sicher niedriger angesetzt)- was den hier kommentieren Beitrag noch brisanter macht. Das Versagen in punkto Breitband ist sicher nicht die “Schuld” der Stadt, eher des Landes (http://www.thueringen.de/de/tmwat/technologie/breitbandinitiative/), aber ein Hightechstandort wie Jena hat da in meinen Augen wohl etwas mehr Bemühungen nötig.

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  • Reinhard Am 30. September 2010 um 20:02 Uhr

    das klingt aber irgendwie alles nicht so objektiv. Zwar nervt die Selbstzufriedenheit in Jena manchmal wirklich, aber so schrecklich ist es hier nun wirklich nicht. Na ja, alles Ansichtssache.
    Aber tatsächlich, in Gera lebt es sich sehr preiswert und mit einer ganz ordentlichen Infrastruktur. Die Bahnanbindung ist sehr gut und auf der Autobahn fährt es sich in einer halben Stunde locker bis nach Jena. Manche Freunde in Berlin brauchen da viel länger zur Arbeit. Es gibt dort ein schönes Theater und wunderbare Parks.
    Mach einfach den Anfang, zieh rüber, trete eine Welle in Deinem Freundeskreis los, begeistere Deine Kollegen, die sich über die gleichen Dinge ärgern. Einer muss den Anfang machen, dann kommen sicher viele andere mit.
    Für Jena wäre ein bisschen mehr Konkurrenz gut und eine positive Entwicklung in Gera hilft uns allen.
    Es gibt viel zu tun. Pack es an!
    Grüße, Reinhard

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  • Bernd Haedrich Jenenser Am 30. September 2010 um 20:49 Uhr

    @Reinhard, es ist nicht schrecklich. das war ganz sicher auch nicht die gewollte aussage des artikels. aber objektiv ist das alles. hier hat sich eben mal jemand seinen ganzen angestauten frust von der seele geredet. bei den verantwortlichen prallt man ja mit kritik/anregungen/wuenschen einfach nur ab ;(
    aber die angesprochenen punkte sind wahrheitsgemaess und sollten auch mal laut und oeffentlich ausgesprochen werden duerfen! es passiert doch sonst ueberhaupt nix in die richtige richtung, in dieser stadt. lange bekannte missstaende werden nicht mal ansatzweise versucht abzustellen.
    und die diskussionen und plaene und was weiss ich sonst noch, zu seit 20 jahren brennenden problemen, werden zerredet und tod diskutiert… siehe platz der kosmonauten mit dem eichplatz, inselsplatz, verfolgtendenkmal usw.
    und seit diesem monat haben wir 300 (dreihundert) ortsteilratsmitglieder in 30 ortsteilraeten in dieser stadt, die sich auch noch untereinander, gegeneinander und gegen den stadtrat und die verwaltung aufreiben duerfen…
    ob das alles hilfreich fuer eine weiterentwicklung dieser stadt ist?
    und gääära ist nun wirklich kein guter vorschlag fuer jenenser! das ist fast so ein dussliger vorschlag, wie den FCC und der RWE zusammenlegen zu wollen. du bist sicher (nur) ein jenaer^^
    schicken und erholsamen abend noch, in dieser kucheligen stadt ;)

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  • Radiowaves Am 1. Oktober 2010 um 08:52 Uhr

    Uiuiui, daß meine zwei Kommentare herausgelöst und als eigener Artikel erscheinen, hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Nun denn – mehr Öffentlichkeit, auch gut.

    Natürlich ist das, was ich geschrieben habe, einseitig. Die andere Seite steht jede Woche in der OTZ unter “Lichtstadt Jena”, hängt auf großen Plakaten an manchem Baugerüst (unlängst an der Rückseite des Rathauses) oder vorm Einwohnermeldeamt. Diese Seite kennen wir alle – warum sollte ich sie nochmals aufschreiben? Daß Jena eine in der Tat hervorragende Forschungslandschaft hat und manche Wege zwischen Universität und Institut nur wenige Meter im gleichen Gebäude lang sind, steht ja außer Zweifel und ist ein massiver Standortvorteil. Ähnliches gibt es auch anderswo, z.B. in Berlin-Adlershof, aber nicht in dieser Exzellenz-Ballung.

    Nur: wenn Jena ein Campus sein will und kein Lebensort, dann soll sich die Stadt bitte auch offizell so darstellen. “Gute” Anfänge sind ja schon gemacht. Die Werbung für den Standort wird ja bereits einzig über “Nerd-Content” und nicht über soziale Dinge geführt, da ist man also schon ein Stück in diese Richtung:
    http://www.jenawirtschaft.de/de/wirtschaft/branchen/kampagne-2010/

    Das Thema “Wohnungen” handelt die Selbstdarstellungsseite sehr interessant ab: http://www.jenawirtschaft.de/de/karriere/wohnungen/
    Die meisten Anbieter, die da verzeichnet sind, könnten selbst bei freien Wohnungen keinen Wohnraum anbieten, der von der gewünschten Zielgruppe akzeptiert würde. Macht aber nix – es ist ja ohnehin nichts frei. Und mancher der Anbieter hat fast nur oder ausschließlich Wohnraum gegebn Wohnberechtigungsschein im Angebot – ein absoluter Witz, denn da kommen die, die angesprochen werden sollen, ohnehin nicht ran. Lächerlicher kann man sich gar nicht machen. Will man die Realität wirklich nicht wahrhaben?

    Was Gera betrifft: ich kenne Jena seit 1987 und Gera seit 1974 (naja, bewußt vielleicht seit 1980). Als ich als 13-jähriger 1987 zu den ersten Vorkursen an die Spezialschule kam, dachte ich, so wie in Jena muß es im “Westen” sein, so modern, mit so einem Hochhaus im Zentrum. Auch 2004, nach Abitur, Studium und Promotion in Jena stand für mich nie in Frage, daß Jena ein toller Ort zum Leben sei. Bis… bis ich berufsbedingt mal eben 3 Jahre weg mußte. Und erlebte, daß es eben nicht normal ist, wenn die Heizungsvenile tropfen, die Heizungsrohre rostig sind, das Bad bei der “Strangsanierung” komplett ruiniert wird, ohne es anschließend wieder benutzbar zu machen. Daß Handwerker der Wohnungsgenossenschaft nicht mit Zigarette und Straßenschuhen ins Wohnzimmer kommen müssen, daß Familien sich einfach eine anständige Wohnung suchen statt sich dauerhaft mit Plattenbau abzufinden wie meine hiergebliebenen ex-Kommilitonen. Sowas prägt – und man merkt es gar nicht, bevor man wieder zurückkommt und einfach nicht mehr reinfindet. Das Erwachen 2007 war durchaus heftig.

    Ein Umzug nach Gera ist durchaus in die engere Wahl gezogen worden, denn als Berufstätiger kann ich die Jenaer Annehmlichkeiten im Gaststätten-/Club-Bereich (das “studentische Leben”) ohnehin nicht nutzen und würde die Atmosphäre der Dumpfheit, die einem in Gera zuweilen entgegenschwappt, schon irgendwie ertragen. Nur: der RE braucht 35 Minuten von Gera bis Jena, aber in Jena selbst benötige ich mehr Zeit, um vom Westbahnhof zum Schreibtisch zu kommen, fehlenden Nahverkehrs sei dank. Alles durchgerechnet – und Arbeitstage von 6:30 bis 21 oder 22 Uhr sind dann doch keine dauerhafte Option. Also: Augen offen halten und Chancen erkennen…

    Es stünde Jena dennoch gut zu Gesicht, sich zu den realen Problemen endlich zu bekennen. Irgendwann ist die Studentenzeit mit “erster Bude” nämlich vorbei und ewig mag sich niemand damit abfinden, daß “irgendwann” mal die Provisorien aufhören.

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  • Peter Am 2. Oktober 2010 um 01:59 Uhr

    Mit welchem Stolz sich erstaunlich viele Einwohner dieser Stadt hochtun ist schon aussergewoehnlich. Als ob sich die Sonne um Jena dreht, Jena das GROESSTE ueberhaupt sei. Das faellt einem als “wieder heimgekehrten Jenenser” besonders auf, nachdem gluecklicherweise mehrere Jahre woanders verbringen durfte. (Ja Jenenser, das erweitert den Horizont!)

    OePNV ist zu vermeiden, schonmal wegen der unverschaemten 1,70E pro Fahrt. Zum Vergleich in der zweitgroessten Stadt in Spanien ist das nicht einmal 80 Cent pro Fahrt! (Mal voellig davon abgesehen wie freundlich die Menschen dort miteinander umgehen. Aber das ist wohl eher ein Mentalitaetsproblem, was unter anderem grosse Teile in Deutschland betrifft.)

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  • Radiowaves Am 3. Oktober 2010 um 09:13 Uhr

    Peter, den ÖPNV in Spanien kannst Du vermutlich nicht vergleichen. Ich habe faktisch keine Auslandserfahrung, war nur je einmal zu Kongressen in Barcelona und in Lissabon. In Lissabon konnte ich im Spätsommer 2001 – wenn ich mich recht erinnere – für umgerechnet 1 DM den ganzen Tag U-Bahn fahren. Das war krass, also ahnte ich ein exzellentes Preisgefüge und schlich mich zu einem CD-Geschäft. Doch da hätte ich umgerechnet über 40 Euro pro Audio-CD lassen müssen! Ebenso im Lebensmittelladen: alles, was etwas “über Standard” war, war plötzlich extrem teuer, selbst Salami aus Spanien.

    Fazit: die hatten faktisch nur für reine selbst erwirtschaftete Leistungen niedrige Prreise – und ich ahne einen entsprechend niedrigen Arbeitslohn für die, die das erwirtschaftet haben.

    1.70 EUR sind in Deutschland durchaus normal und ein Skalieren mit der Stadtgröße ist sicher nicht zulässig. In Berlin zahlt man für 2 Stunden 2.10 EUR, mit beliebigem Umsteigen / Fahrtunterbrechungen. Das wären pro Stunde 1.05 EUR und wenn man noch 3 Millionen gegen Hunderttausend rechnet, wären es 3.5 Cent pro Fahrkarte!

    Was fehlt, ist ein ausdrückliches Kurzstreckenticket. Das kam auch mal in so einem “Bäckerei-Gespräch” zum Vorschein: wenn Senioren nur den Magdelstieg hochwollen, einfach Stadtzentrum – Gustav-Fischer-Straße, sind 2.10 fällig, für 2 Stationen. Ich laufe so etwas (außer spätabends, wenn ich geplättet bin und nur noch schnell ins Bett will), aber wer körperlich nicht mehr so fit ist, muß halt fahren.

    Selbst in Berlin gibt es ein Kurzstreckenticket für 3 Stationen S- oder U-Bahn bzw. 6 Stationen Bus. Kostet 1.30 EUR und ist für solche Fälle das Ticket der Wahl. So etwas fehlt in Jena. Immerhin kann man mit der 4-Fahrten-Karte (die offenbar kaum einer kennt) den Einzelpreis auf 1.55 EUR drücken. “Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner mit Anspruch auf Wohngeld” (so die volle Anspruchsbezeichnung) können mit dem JENABONUS-Pass den Fahrpreis auf 0.85 EUR drücken. Die Regelung scheint allerdings recht “technisch belastet” zu sein, mit Chipkarten und irgendwelchen Bonuspunkten.

    Was als allgemeine Kritik bleibt und eigentlich in meine obige Liste gehört, ist der unverschämte VMT. Nach Weimar für 5 Euro (15 Minuten Fahrzeit!) und Aberkennung der BahnCard50 sowie generelle Aberkennung der kostenlosen Kindermitnahme auf BahnCard sind schon derbe dreist. Da kommen Fahrpreiserhöhungen von teils 400% zustande. Hinzu kommt ein katastrophales Tarifsystem mit Zonenzählerei, die ein “Einmalbenutzer” nicht raffen kann – schon gar nicht, wenn er farbenblind ist.
    Alles weitere steht auf http://www.vmt-kritiker.de . Leider tritt nun auch Gera dem VMT bei, also ab Dezember auch erhöhte Preise bei Fahrten dorthin.

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  • TomWed Am 3. Oktober 2010 um 13:54 Uhr

    @ Radiowaves: Das Problem mit dem Kurzstreckenticket ist leider hausgemacht und wird ja auch seit Jahren diskutiert. Es gibt da einen gewissen Herrn B. in Neulobeda, der vor ca. 8 Jahren mal öffentlichkeitswirksam erklärt hat, während seiner Amtszeit als Ortsteilbürgermeister werde es zwischen Jena-Zentrum und Neulobeda nur den geringsten im JeNah-Netz möglichen Fahrpreis geben. Das ist nun gerade eine Langstrecke. Aber mit dem Mann legt sich ja keiner richtig streitig an (bis er nach 25 Jahren Amtszeit vielleicht endet wie Honecker; das musste heute mal gesagt werden).

    Die JeNah hatte früher auch mal was gegen die Kurzstrecke, scheint aber davon abgekommen zu sein. Es gab aber von dort die Aussage, dass die Langstrecke dann teurer werden müsste. Viel Sparpotenzial sehe ich da auch nicht, wenn man keine rigorosen Streichungen im Fahrplan haben will. Mal eine Fahrt irgendwo weniger, bringt keine Knete. Es käme auf den Versuch an, ob mit der Kurzstrecke insgesamt mehr Fahrgäste bei gleichem Fahrplan zu gewinnen sind. Kann keiner so richtig vorher sagen.

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  • Wilfried Röpke Am 6. Oktober 2010 um 16:29 Uhr

    Sehr geehrte(r) Frau bzw. Herr Leserbeitrag/ Radiowaves,

    ich haben Ihren anonymen Beitrag gelesen ,der einige interessante Punkte aufweist:
    Sie können versichert sein, dass wir auch schon länger in Jena leben und die Probleme uns nicht entgangen sind.

    Wenn Sie zum persönlichen Dialog bereit wären, würde ich Sie gern zum einem direkten Gespräch einladen, das meines Erachtens für Sie und uns interessant und erhellend werden könnte.

    Wir würden uns über einen Anruf zur Terminvereinbarung freuen. Der Termin sollte aufgrund der Berufstätigkeit am späten Nachmittag oder besser am Abend stattfinden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Wilfried Röpke
    JenaWirtschaft
    Tel: 03641-8730030

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  • waergernanonym Am 20. April 2011 um 16:08 Uhr

    Ist es in Jena eigentlich üblich, dass öffentliche Probleme hinter verschlossener Tür diskutiert werden?

    Eine öffentliche Diskussion zwischen Politik und Bürger hab ich bisher noch nicht erleben dürfen – schade.

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  • Radiowaves Am 20. April 2011 um 20:00 Uhr

    Falls Sie auf den von Herrn Röpke gesuchten Kontakt abzielen: der kam zustande, wir saßen zusammen und tauschten Ansichten aus – auf rein privater Ebene und in einer Gaststätte. Das wenigste davon wäre für eine wie auch immer geartete Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Jetzt weiß ich, wer Herr Röpke ist und wie er nach Jena kam und er weiß, wer ich bin und was mich hier umtreibt. Was mir an Jena sauer aufstößt, steht hier ausführlicher als ich es je bei diesem Gespräch hätte anbringen können.

    Und am wichtigsten vielleicht: es wurden bei diesem Treffen keinerlei “Action Points” (nennt man doch heute so, oder?) vereinbart. Zu deutsch: da hat halt mal einer, der hier arbeitet, demjenigen, der von Berufs wegen viel Werbung für Jena machen muß, seine Ansichten gesagt. Mehr nicht. Hätte ich auch irgendwie nicht anders erwartet. Solange die Mehrheit derjenigen, die berufsbedingt nach Jena kommen, sich mit der Perspektive einer völlig eingeschränkten und damit nicht mehr aus freien Stücken erfolgen könnenden persönlichen Sozialplanung abzufinden bereit ist, wird sich nichts ändern. Es tut einfach noch nicht genug weh für die Stadt, es gehen noch nicht genug Fachkräfte wieder, weil zum Leben mehr als ein erstklassig ausgestattetes Labor gehört, alles andere aber in Jena weitgehend außer Reichweite ist.

    Die Entscheidung muß halt jeder selbst treffen. Meine ist gefallen: nur zum Arbeiten in Jena, zum Leben woanders, wo das selbstbestimmt möglich ist. Ich lasse mir nicht gerne eine Unterkunft und damit ein soziales Umfeld faktisch zuweisen – ich suche mir selbst aus, wo und in welchem Umfeld ich leben möchte.

    Was eine “öffentliche Diskussion zwischen Politik und Bürger” zu dieser Thematik betrifft: da sehe ich schwarz. Jena ist süchtig nach dem Geld, das die florierende Wirtschaft einbringt. Das ist irgendwie auch verständlich, wenn man es schon im Gegensatz zu anderen Städten im Umland faktisch “hinterhergeworfen” bekommt aufgrund des exzellenten Rufes, der gewiß nicht aufgrund der Wohnungssituation oder des ÖPNV besteht, sondern einzig industrie- und forschungsbegründet ist. Und Jena ist dafür bereit, die Daumenschrauben weiter anzuziehen. Man will in Jena soweit mir bekannt noch einige 1000 Arbeitsplätze mehr ansiedeln und verweist dabei auf die übliche Pendelei in anderen Ballungsräumen, vergißt dabei aber, daß die ÖPNV-Anbindung des Umlands (sagen wir mal 50 Kilometer Radius) in Jena lausig ist. Das kann wohl wirklich einzig der (Erwerbstätigen)markt regeln. Wenn keiner mehr hier arbeiten will, werden die, die in Jena eigentlich regieren, schon bei der Stadt anklopfen.

    Stimme zu / Lehne ab: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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