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Der Grüne Salon – Reihe zur Nachhaltigkeit gestartet



Jena. (tn) Am 30. August startete im Café Bauersfeld der erste Salon zur Nachhaltigkeit zum Thema „Was Goethe umtrieb, war die Nachhaltigkeit“. Veranstaltet wird der Salon von der Thüringer Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, pünktlich zur einjährigen Wiederkehr in den Thüringer Landtag. Anja Siegesmund (Fraktionsvorsitzende) und Katrin Göring-Eckardt (Bundestagsvizepräsidentin) diskutierten in Salon-Atmosphäre mit dem Publizisten Ulrich Grober über den kulturhistorischen Begriff der Nachhaltigkeit und geben gemeinsam Denkanstöße. Der Autor des Buches „Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffes” las aus drei Etappen dieses Werkes über Leibniz, Linné, Humboldt, Schiller und nicht zuletzt auch Goethe.

Der Begründer des Begriffs „Nachhaltigkeit“, Hans Carl von Carlowitz, studierte übrigens 1664 für zwei Semester in Jena. Sein Werk Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, Leipzig 1713, fand in ganz Europa Anklang. Aus dem forstwirtschaftlichen Begriff wurde ein Allerweltsbegriff. Grober las dazu den Beipackzettel eines Antischuppenmittels vor, in dem auf die “nachhaltige” Wirkung des Präparates hingewiesen wurde. Er betonte, dass dieses nicht im Sinne des Wortschöpfers sei. Die Fortswirtschaft sollte auf 120 Jahre im voraus geplant werden. Auf eine tatsächlich nachhaltige Wirkung setzte die damals 23-Jährige Anna Amalie in Weimar. Diese wurde von Bittbriefen aus Göttern 1760 auf die Erhebung einer Steuer aus dem Forst auf die Not aufmerksam gemacht. Sie schickte damals Forstbeamte in den Wald, damit dieser taxiert werde. Nach drei Jahren wurde die erste Nachhaltigkeitsstudie in Tabellen und und als Riß vorgestellt. Durch die Glasmanufakturen und die Hofhaltung wurde zuvor großer Raubbau betrieben. Aus wirtschaftlichen Interesse beschloß die Herzogin, für ihren Musenhof aus einem Minimum von Quantität ein Maximum an Qualität zu erzeugen. Somit wurde in diesem thüringischen Kleinstaat Nachhaltigkeit zum Prinzip der Staatsräson, so Grober.

In einem Band des Wörterbuch von Joachim Heinrich Campe aus der Zeit 1807-12 wird Nachhaltigkeit als Gegensatz zum Kollaps erklärt: “Nachhaltigkeit ist das, was hält, wenn uns nichts mehr hält.” Im Podiumsgespräch ging Grober auf die Finanzkrise, die Zusammenbrüche des Ökosystems mit dem Klimawandel ein, auch der Kollaps ganzer Staaten wurde angesprochen.

Grober forderte auch, nicht auf ein gutes Leben zu verzichten und sich selbst zu beobachten, wie der eigene ökologische Fußabdruck ist. Lebensqualität sei ein wichtiges Ziel bei der Suche nach Glückseligkeit, wobei nicht eine Anhäufung von Konsumgütern zu verstehen sei. Dabei zitierte er Herder: “Ich nehme aus meinem Leben heraus, was nicht notwendig ist.” Auf Fragen, wie konkret die Politik auf die Herausforderung von “Nachhaltigkeit” sei, antwortet Grober, dass dieses eine “große Herausforderung” sei, für die es auch keine Patentrezepte gebe. Sein Buch sei als Reiseführer zur Nachhaltigkeit und nicht als Rezeptbuch zu verstehen.

Goethe war es, der uns eine Metapher im “Lehrbrief” aus Wilhelm Meisters Lehrjahren für die in seinem Staat eingeführte Nachhaltigkeit schenkte: “Gebackenes Brot (ist) schmackhaft und sättigend für einen Tag; aber Mehl kann man nicht säen, und die Saatfrüche sollen nicht vermahlen werden.”

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