Keine Weimarer Malerschule – Aber, warum wird gemalt? Ausstellung in Weimar gibt Auskunft
Weimar. (tn) Feierte die Bauhaus-Universität im letzten Jahr auch in Jena 90 Jahre Bauhaus, so steht in diesem
Jahr ein anderes Jubiläum an. Die “Großherzoglich-Sächsische Kunstschule” wurde am 1. Oktober 1860 als Vorgängerinstitution der Bauhaus-Universität in Weimar gegründet. Aus diesem Anlass veranstaltet die Fakultät Gestaltung die Ausstellung CHROMA mit junger Malerei von Studenten und Alumni des Studiengangs Freie Kunst dieser Fakultät. Die “Weimarer Malerschule” verfolgte einen avantgardistischen Malstil. Heute ist die Bauhaus-Universität mehr. “Monokulturen” in der Kunst werden aufgegeben, projektorientierte Arbeiten werden auch in der Lehre seit der Fakultätsgründung durch den Dekan Prof. Dr. Lucius Burckhardt gefordert. Diesen hohen Anforderungen konnten die ausgestellten Künstler genügen. Viele Alumni werden von Galerien vertreten oder können, wie Ruth Kroll – einer Studentin im 2. Semester – , bereits auf nationale Erfolge und Ausstellungen verzeichnen.
So konnte der Berliner Künstler Steffen Cyrus durch eine Guerilla-Kunstaktion “Die hohen Hallen und ihre Örtchen” zehn bedeutende deutsche Kunstsammlungen und Museen allein in diesem Jahr ausstatten. Auf Nachfrage konnte er Jenapolis bestätigen, dass “alle Bilder weg” sind und es durchaus positive Resonanz gab. Neben seinen Gemälden ist auch eine erweiterte, abstrakte Malerei in Form eines überdimensional großen Toastbrotes im Oberlichtsaal der Bauhaus-Universität zu sehen. Besucher des X. cellu l´art-Festivals konnten eine Fotografische Arbeit mit hundert Toastbroten im Jenaer Astoria-Theater sehen.
Insgesamt zeigen die ausgestellten Werke meist Tafelbildmalerei, die in einem handwerklich-künstlerischen Arbeitsgang plastisch auf die Leinwand odeer andere Bildträger aufgetragen wurden. Bei Steffen Cyrus, Marc Jung und Enrico Niemann expandiert die Malerei in den dreidimensionalen Raum. Und, obwohl es sehr gute Computerprogramme zur Bildbearbeitung gibt, wurde bei allen Arbeiten auf deren Einsatz verzichtet, da hier nichts Vorgedachtes, Vorsturkturiertes die Hand des Künstlers ewegen sollte. Selbstverständlich werden aber Arbeiten aus dem Internet als Inspiration verwendet.
Sehr “barocke” Malerei ist von Tom Ackermann zu sehen, das ein Fest von Farbei auf großformatiger Leinwand zeigt. Kleinteilig hingegen sind die Arbeiten von Erik Buchholz, der präzise Formen und diffuse, monochrome Farbspuren einarbeitet. Diese Arbietn sind fast ausschließlich in schwarz-weiss gehalten. Er gehört zu den ältesten Teilnehmern an dieser Ausstellung. Ein Blick in die Seele des Künstlers und des Betrachters wird hier im Wechselspiel deutlich. Gemälde, die von Art Brut und Street Art inspiriert wurden, zeigen Fratzenartiges, Revolutionäres und wurden großformatig von Marc Aaron Faesser mit wilden, dicken Farbaufträgen auf die Leinwand gebannt. Marc Jung beherrscht Grafik, Skulptur, die Collage mit zeichnerischen Elementen und der Handschrift, die hier als Mixed Media Malerei in Form einer Rettungsdecke verteten ist. Er flicht dabei Gesprächsfetzen aus der Alltagssprache ein, so dass hier eine interessante Kombination entsteht. Die bereits oben erwähnte Ruth Kroll zeigt feine Linien und grobe Störungen, perspektivisch Nahes und Fernes, auf der Leinwand. Die Liebe zur Natur wird auch auf den Bildern verarbeitet. Der Schichtenmalerei hat sich Enrico Niemann verschrieben. Dabei hat er die sehr traditionelle Methode neu für sich entdeckt: Baufolien, die mit Farbspuren ein Gemälde ergeben bzw. Styroporplatten, die im Raum eine Tektonik widerspiegeln. Dieses hat, trotz der Körperlichkeit, etwas “fast grafisches, fließendes”, wie Prof. Barbara Nemitz bemerkt. Seine Arbeiten wurden auch schon, wie die von Steffen Cyrus und Marc Jung, in Jena in der Galerie pack of patches gezeigt.
Die Diplomarbeit Niemanns wurde so in den Oberlichtsaal drappiert, dass die Lichtstrahlen das Transparente der Arbeit dem Besucher zeigt.
Seine Beschäftigung mit Hautfetzen und dem Inkarnat wird sehr gut veranschaulicht.
Für einen kleinen Skandal sorgt die Chemnitzerin Peggy Schneider, die eine rein ornamentale Arbeit gegenüber den abstrakten Tafelbildmalereien zeigt. Sehr meditative Momente entstehen beim Betrachter ihrer farbenfrohen Werke. “Ornament ist ein Verbrechen” sagte einmal Adolf Loos. Daher sei diese “eine kriminelle Wand”, wie Prof. Nemitz es scherzhaft ausdrückt. Adam Noack, der zur Zeit in New York Stipendiat ist, zeigt Menschen beim Sport, Tiere aber auch Landschaften. Die direkte räumliche Nähe zu den Architekturstudenten und deren Hausmodellen hat er in eine Sturmlandschaft einer “Wetterforschungsstation” verarbeitet.
Ulrike Theusner schuf Bildzyklen und verarbeitet darin die Begegnung mit anderen Menschen aus der bunten Welt der Models.
Britta Wagner, eine Studentin im 5. Semester, hat ein kleines Wunderkabinett zu Stande gebracht. Ihr Werk ist “sehr kraftvoll, experimentell, wie in einer Hexenküche” meint Nemitz bei der Führung durch die Ausstellung. Stefan Winkler, der im Allgäu lebt und arbeitet, zeigt hier seine Umwelt, Häuser, Landschaften, die immer etwas blasser sind, da die Malerei im Vordergrund ist, nicht das Motiv.Gewalt, Militär, Bedrohliches und eine Traumwelt verarbeitet Alexandra Mieth in ihren Bildern. Diese Auseinandersetzung beschreibt die Künstlerin so: “Während ich mich so mit den Bedeutungen dessen, was ich male, auseinandersetze, dehnt sich der Bereich der möglichen Verweise über den Rahmen des gewählten Themas hinaus.”
Im Bauhausjahr wurden bereits Werke von Studenten und Alumni im Weimarer Neuen Museum in der Ausstellung “Vom Labor zum Projekt” gezeigt. Einige sind wieder vertreten, andere wie Yafeng Duan, Katrin Haesch oder Thomas Naether nicht. Alle demonstrieren in ihrer Vielschichtigkeit die aktuellen Positionen der aktuellen Malerei aus Weimar.
Die Werke können vom 18. September bis 10. Oktober in der Bauhaus-Universität Weimar, Atelier 204-207 (Oberlichtsaal), Geschwister-Scholl-Str. 8, Weimar besichtigt und auch käuflich erworben werden.
Öffnungszeiten:
Die.-Fr.: 13 – 18 Uhr
Sa./So.: 11 – 18 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Vernissage: Freitag, 17. September, um 19 Uhr
Sonderführung mit Porf. Barbara Nemitz am 1. Oktober um 14 Uhr
Fotos: Steffen Cyrus mit freundlicher Genehmigung
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2 Reaktionen zu “Keine Weimarer Malerschule – Aber, warum wird gemalt? Ausstellung in Weimar gibt Auskunft”-
Grit Höhn
Am 20. September 2010 um 11:46 Uhr
Eine gelungene Ausstellung innerhalb der Bauhaus – Universität Weimar! Ich konnte glücklicherweise zur Eröffnung kommen und mir die Arbeiten der Künstler ansehen. Besonders freue ich mich über die Beteiligung der Künstler Enrico Niemann und Steffen Cyrus sowie Marc Jung – die ebenfalls zu den Künstlern der Galerie pack of patches zählen.
Sie stellen in der Ausstellung ihre Positionen vor, welche schon bald auf internationaler Ebene und auf Messen zu sehen sein werden. Wir werden schon in Kürze ab 30.10. 2010 eine Installation des Künstlers Enrico Niemann auf der contemporary art ruhr 2010 in dem Weltkulturerbe Zollverein zeigen.
Immer wieder stellen wir in der Galerie fest, dass die Künstler von der Bauhaus – Universität Weimar überzeugende Arbeiten zeigen!Viele Grüße aus der Galerie pack of patches sendet Grit Höhn.
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Jenapolis » 150 Jahre ZUR Bauhaus-Universität Weimar – Festakt – Ausstellung -Publikation «
Am 3. Oktober 2010 um 19:01 Uhr
[...] Eine Beschreibung der Ausstellung “Chroma” an der Bauhaus-Universität in Weimar finden Sie hier. [...]
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