Mauerkunst-Kunstmauern – Vertreter der Künstlergruppe Spursuche zum ersten Mal in Jena
Jena/Witten. (tn) Vor über einem Jahr fanden sich Künstler, um sich Gedanken über die deutsche Wiedervereinigung zu machen.
Dafür wurde ein Blog ins Leben gerufen, der für den Künstlern als Ideenpool diente.
Neben Cornelius Rinne und Michael Strogies ist auch Micheal Weber mit Künstlernamen Michele einer aus dieser Spursuche genannten Künstlergruppe. Letzterer stand Jenapolis für ein exklusives Interview kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Jenaer Galerie pack of patches bereit. Cornelius Rinne aus aus der Künstlergruppe ausgetreten. – Die SPURSUCHE gibt es weiterhin als Projekt.
Das Interview für Jenapolis führte Tobias Netzbandt.
Jenapolis: Wie habt ihr euch zur Spursuche zusammen gefunden?
Michael Weber: Ganz simpel über Xing, und dann hat mich Cornelius Rinne zu einem Cook`nArt-Event nach Bielefeld eingeladen und der Michael Strogies in die SPURSUCHE. Eigentlich hasse ich ja Künstler, wenn sie in Gruppen auftreten (lacht.)!
Jenapolis: Warst Du eigentlich damals einmal in der DDR?
Michael Weber: Du wirst lachen: Ich komme morgen zum allerersten Mal in den deutschen Osten. Wie das bei den anderen, ist weiss ich nicht so genau.
Jenapolis: Das wäre meine nächste Frage gewesen. Welche Erwartungen hast Du?
Michael Weber: Offen gestanden, war mir die DDR vor und auch lange Zeit nach dem Mauerfall eher fremd. Holland z.B. war mir um vieles näher und ist es fast heute noch. Ich erwarte nicht wirklich was. Ich freu mich drauf, dich, Grit Höhn, Nadine Jacobi und all die anderen kennenzulernen. An”den Osten” denke und fühle ich an der Stelle gar nicht mehr. Eigentlich ein Zeichen für Normalität denke ich. WO ich hinfahre ist viel weniger wichtig als zu WEM ich fahre. Und da fahre ich gewissermassen morgen zu Freunden, die ich bislang eben nur virtuell kennengelernt habe.
Jenapolis: Du hast ja den Blog mit den Texten für die Entwicklung von Kunst verwendet. Arbeitest du immer so?
Michael Weber: Nö, im Grunde bin ich ein Eigenbrödler. Aber mir war und ist immer wichtig, den “Zuschauern” die Angst vor der ach so erhabenen Kunst zu nehmen. Ihnen zu zeigen, dass Kunst etwas ganz elementares ist,dass notwendig zum Leben gehört. Dazu habe ich lange mit einfachen Materialien aus dem Baumarkt gearbeitet und bis heute fordere ich die Rezipienten z. B. auf, ruhig meine Bilder mal anzufassen, um Kontakt zu bekommen, die Textur zu spüren und … um festzustellen, dass da nichts Magisches oder Mysthisches hintersteckt. Ich hoffe, ich hab jetzt nicht an der Frage vorbei geantwortet.
Jenapolis: Wie ist deine Laufbahn als Künstler?
Michael Weber: Insgesamt habe ich als Künstler schon alles mögliche gemacht. Ich hab mich ja schon Mitte der 80er-Jahre für den “Künstler” entschieden, als ich mein Sozialarbeitstudium, kurz vor dem Abschluss, nicht mehr beendet habe (lacht.)
Jenapolis: Deutsche Einheit. Was verbindest du damit?
Michael Weber: Als ich gehört hab, dass die Mauer gefallen ist, habe ich wortwörtlich zu meiner Frau gesagt: “Oh Sch…! Muss das sein?” … und dann hab ich mich meinem (damals durch Krankheit nicht ganz einfachen) Alltag zugewendet.
Jenapolis: Wenn Du an Mauern denkst, dann eher an Teilung oder Überwindung?
Michael Weber: Vielleicht, denk ich heute manchmal, war ich aufrichtiger, als viele die von “Brüdern und Schwestern” geschwafelt haben. Ich hab halt gedacht: “Is nicht zu ändern,lass mal kommen, wird schon werden. Muss ja!” – Typisch Ruhrgebietsdenke (lacht)! Weisst Du, so blöd das klingen mag, insbesonders für die, die darunter zu leiden hatten – also nicht der Westen.
Die Teilung war für mich die “gerechte Strafe” für den Weltkrieg und den Holocaust. Zumindest hab´ ich das lange Jahre so gedacht.
Jenapolis: Möchtest Du etwas für den Gästen der Vernissage etwas mitteilen? Worauf darf man gespannt sein?
Michael Weber: Gespannt sein dürft ihr alle auf mich. Ich bring mich nämlich mit. Das ist wichtiger als der ganze Kunstkram, ist aber ein schöner Aufhänger (lacht). Ich bin übrigens komplett normal – obwohl meine Frau und mein Sohn, na vielleicht auch der Hund, da ganz anderer Meinung sind (lacht.) – Und wenn`s dann unbedingt noch was zur Kunst sein soll, dann soviel: Meine Arbeiten werden sicher nicht jedem gefallen, aber sie sind gut, und ich steh´ mit meiner ganzen Person hinter dem, was ich mitbringen werde.
Jenapolis: Danke für das Gespräch.
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Eine Reaktion zu “Mauerkunst-Kunstmauern – Vertreter der Künstlergruppe Spursuche zum ersten Mal in Jena”-
Cornelius Rinne
Am 20. September 2010 um 14:18 Uhr
Liebes Jenapolis,
hier ein kleiner Gruß von dem, der nicht mehr dabei ist und auch an Michael Weber für die klare Darstellung seiner Arbeit.
Ich wäre gerne dabei gewesen, fusste die Idee doch auf 3 Arbeiten, die ich bereits vor einem Jahr gemacht habe. Arbeiten die sich mit der öffentlichen Darstellung der Tage der Wende auseinandersetzen. Alle 3 Arbeiten sind in Acryl auf Leinwand gearbeitet und haben die Formate 160 x 200cm und 2 mal 100 x 80 cm. Diese werden nun aber nicht in Jena zu sehen sein, sondern im November in Bielefeld präsentiert. Wer also Lust auf einen Ausflug in den “Westen” hat, ist herzlich eingeladen.
Ich möchte auf diesem Wege auch noch Grit Höhn und Nadine Jacobi von der Galerie “pack of patches” danken, die mich, auch nach der Trennung von “Spursuche”, mit ausgestellt hätten. Dies konnte ich aber, nach dem Ausstieg, nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Vielleicht gibt es ja andere Gelegenheiten.
Viele Grüße und ToiToiToi nach Jena.
Cornelius
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