Projekt Spursuche in Jena zu Gast: Michael Strogies und Michele Weber über aktuelle Kunst
Jena. (tn) Die Künstlergruppe SPURSUCHE, die heute als Projekt von Michael Strogies und Michael Michele Weber fortgesetzt wird, stellt in

Michael Strogies: 2@21 bis 6@21 aus der Serie 21@2010. Mixed Media, Acryl auf Leinwand. - Foto: Galerie pack of patches
der Jenaer Galerie pack of patches ihre Werke aus. Der Gedanke war ursprünglich, künstlerische Arbeiten zum Thema Wiedervereinigung bzw. Mauern zu schaffen. Michael Strogies und Cornelius Rinne gründeten die Künstlergruppe SPURSUCHE. Rinne ist mittlerweile aus der Gruppe ausgestiegen.
Der künstlerische Prozess ist transparent, jeder war auf dem gleichen Stand und über das Internet konnte sich über den Fortschritt der Werke informiert werden. Michael Weber konnte bereits zu einem exklusiven Interview mit Jenapolis gewonnen werden. Michael Strogies begleitet und betreut Musiker und Bands. Diese Zusammenarbeit veranlasste Strogies, Mahnmale für die Opfer der Loveparade in Duisburg zu schaffen. Diese Male wurden anhand authentischer Fundstücke als ein Mixed Media auf die Leinwand gebracht. Michael Weber arbeitet mit informeller Kunst und zeigt ausgewählte Texte aus dem Internetblock und die dazu entstandenen Kunstwerke.
Michael Strogies und Michael Weber standen Jenapolis für ein exklusives Interview zur Verfügung. Das Interview führte Tobias Netzbandt für Jenapolis.
Jenapolis: Wie entstand das Projekt SPURSUCHE?
Michael Strogies: Die Spursuche gibt es seit zwei, drei Jahren. Damals in Zusammenarbeit mit Cornelius Rinne. Da stieß Michele zur Gruppe, der informelle Malerei anwendet. Das ging gar nicht! (Strogies und Weber lachen).
Jenapolis: Wie ging die SPURSUCHE an die Arbeit?
Michael Strogies: Das Prozesshafte war unsere Idee, wir haben uns dann im Internet ausgetauscht.
Michael Weber: Der Weg ist die Kunst.
Michael Strogies: Im Internet kann der Prozess verfolgt werden. Die Leute im Internet haben sich eingemischt. Cornelius hat eine Zeichnung zum Thema gemacht. Ich habe dazu eine verbrannte Deutschland-Fahne gemacht. Und Michele machte einen ganzen Deutschland-Zyklus daraus.
Michael Weber: Die Mauer bleibt! Auf dem Blog von www.spursuche.de gab es dazu 141 Kommentare. Zeitweilig wurde das Thema gewechselt. Es ging dann um persönliche Mauern oder auch die israelische Mauer.
Michael Strogies: Viele waren am Prozess beteiligt. Früher gab es eine Muse, heute wird “Ideenklau” anders umschrieben.
Michael Weber: Ich habe sogar Kollegenschelte bekommen. “Entmystifizierung der Kunst” wurde mir vorgeworfen. Der Mensch soll aber die Kunst und den dazugehörenden Prozess begreifen können. Die Kunst steckt in der Sackgasse.
Michael Strogies: Sehr viele Jugendliche haben Spaß am Zeichnen, sie werden aber nicht abgeholt. Durch den heutigen Kunstbetrieb gibt es keine Breitenwirkung. Es gibt keine Qualitätssicherung mehr. In der Musik gibt es eine Fankultur. Ich glaube, dass das auch für Kunst funktioniert. In den Museen stirbt das Publikum weg. Man merkt, wie schwerfällig Museen sind. Das Folkwang-Museum darf beispielsweise Werke eines berühmten Künstlers nicht ins Internet stellen, obwohl es ihnen gehört.
Wir versuchen die Leute bereits in der Vorphase der Entstehung mitzunehmen und einzubinden. SPURSUCHE als Projekt, von der ersten Idee bis zur fertigen Ausstellung. Menschen können sich mit dem Werk stärker identifizieren, und werden ein Teil davon.
Das Thema Loveparade ist so heiß. Ich war durch Zufall vor Ort. Das Mitglied einer Girlgroup konnte wegen der Vollsperrung des Duisburger Hauptbahnhof nicht mehr weiter fahren und hing dort fest. Ich habe sie dann abgeholt.
Wir haben die Tunnel mit den von der Polizei aufgezeichneten Silhouetten der Opfer gesehen. Die Bilder haben mich dann zu der Serie 21@2010 geführt. Auf dem Güterbahnhof, dem Unglücksort, gab es Mauer mit einer T-Situation. An der Mauer war nur eine kleine Treppe, Massenpanik entstand. So stellt sich gegenwärtig die Lage dar. ich war nicht dabei. Aber die Optik des Turms, der oben an einen Wachturm erinnerte…
Michael Weber (unterbricht): Aktualität hat Vorrang.
Jenapolis: Wie lange hast Du für das Werk gebraucht?
Michael Strogies: Der Prozess dauert etwa sieben Wochen lang. Da muss auch alles stimmen. Dann ist das “Produkt” auch ruck-zuck fertig. Wenn ich länger als einen Tag daran arbeite, “kann man das knicken”. Es muss auf den Punkt sitzen.
Michael Weber: Ich weiß, wann ich zu arbeiten habe.
Michael Strogies: Kunst ist spannend. Der Entertainmentfaktor muss auch in der Kunst erhöht werden. Michele hat mir Inspriration gegeben.
Michael Weber: Wir haben uns gegenseitig die Bälle zugespielt.
Michael Strogies: Ich kann mir sehr gut vorstellen, innerhalb des kreativen Prozesses auch ganz anderer Fachleute, auch Nicht-Künstler, einzubeziehen. So planen wir ein Kunstprojekt von und mit Straßenkindern. Aber, man braucht gute Betreuer, da auch dieses Thema extrem sensibel ist. Die Projekte haben Kunstcharakter. Die meisten Künstler malen für einen imaginären Kunstmarkt. So ein Thema wie Straßenkinder muss anders bearbeitet werden.
Im Gespräch stellen Strogies und Weber die Idee zur Umsetzung vor. An dieser Stelle soll auf das Projekt verwiesen werden. Es wird in Berlin stattfinden, genauer, auf dem Alexanderplatz.
Michael Strogies: Man muss den verknöcherten, verkrusteten Kunstmarkt aufbrechen.
Michael Weber: Es gibt moderne, andere Wege. Zum Beispiel das Web 2.0.
Jenapolis: Wie geht es weiter mit SPURSUCHE?
Michael Strogies: Das Projekt SPURSUCHE muss aufgefrischt werden. Das gehört aber zum Projekt.
Michael Weber: Ja, die vakanten Phasen gehören dazu.
Michael Strogies: Der Internet-Blog wird professionalisiert. Jeder ist eingeladen, an diesem Kunstprozess teilzunehmen.
Jenapolis: Vielen Dank für das Interview.
Die Werke von Michael Strogies, Michael Michele Weber und anderen Künstlern können im Rahmen der Ausstellung “Mauerkunst-Kunstmauern” in der Galerie pack of patches gesehen werden.
Der weitergeführte Internet-Blog befindet sich hier.
Zum Interview mit zwischen Michael Strogies und dem Campusradio Jena gelangen Sie hier.
Öffnungszeiten:
Mittwoch und Donnerstag in der Zeit von 10 bis 20 Uhr, sowie nach Vereinbarung.
Ausstellungsort:
Galerie pack of patches
Lutherstraße 160
07743 Jena
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