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150 Jahre ZUR Bauhaus-Universität Weimar – Festakt – Ausstellung – Publikation



Weimar. (tn) Wenn die Bauhaus-Universität zu einem Festakt und “großem Jubiläumsprogramm” einlädt, kommen viele. Den Festakt in der Weimarhalle verfolgte Tobias Netzbandt für Jenapolis.

Wurde im letzten Jahr noch 90 Jahre Bauhaus (auch in Jena) gefeiert, so wurde in diesem Jahr 150 Jahre ZUR Bauhaus-Universität gefeiert. Am 1. Oktober 1860 gründete Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach die Großherzogliche Kunstschule. Die Restauration nach der 48er Revolution erforderte eine Reaktion. In Thüringen wurde durch Kunst auf den Prozess der Demokratisierung und den beginnenden und schleichenden Machtverlust der Landesherren reagiert.

Unter vielen Gästen und Rednern waren der Oberbürgermeister von Weimar, Stefan Wolf, der Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Christoph Stölzl, Historiker und Neffe der ersten Bauhausmeisterin Gunta Stölzl. Die Enkelin von Walter Determann, Christine Lieberknecht, sprach als Ministerpräsidentin des Freistaats über Politik, Kunst, Bildung, Architektur und Solaranlagen. Ein Zitat Schillers aus dem Jahr 1795, “Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.” (aus: Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen, 2. Brief) stand im Mittelpunkt ihrer Rede. Auch sei “jeder Tag ein stolzes Jubiläum”. Man solle Erreichtes immer wieder In-Frage-stellen und den Ideenreichtum pflegen.

Die Einführung gab Gerd Zimmermann, Rektor der Bauhaus-Universität Weimar. Er belegte, dass  ”man Geschichte nicht nachahmte, man machte Geschichte.” Auch “Avantgarde ist heute, Neues ist nötig,” um auf die ökonomische und ökologische Globalisierung zu reagieren. Und in den Wirren von 1989 entstand ein neues, radikalisiertes Bauhaus. Bauhaus – “kein Museum sondern ein zukunftsorientiertes Unternehmen”, auch „Schlüsselagentur der Avantgarde dieser Stadt.“

Der Bauhäusler Bastian Bas Böttcher lockerte sprachgewaltig, wortgewandt mit “Spoken Word”, einer Art poetry Slam mit musikalischen Elementen, das Publikum auf. Freiheit zum Quadrat. “Man will blos etwas Abwechslung, was man Vielfalt nennt.” Weimar ist anders. Die Höhen und Tiefen, Goethe und Buchenwald, Bauhaus und Gauforum, all dieses wurde in den Festreden angesprochen. Prof. Stölzl faßte es ebenfalls wortgewaltig zusammen: Bei Familiengeburtstagen werde auf die Familienmitglieder geschaut, die es zu etwas gebracht haben, auf die schwarzen Schafe gehe man kaum ein. Aber: “Wer spricht von Siegen, Überstehen ist alles.”

Bauhausmaschine Sextett/Foto: Bauhaus-Universität Weimar

Absolut sehens- und hörenswert war das, was dem Publikum in den Programmpunkten zwischen den Reden geboten wurde. So wunderte man sich anfänglich über sechs, dem Rücken zum Publikum gewandten “Technikern”, die an PC´s und Laptops für die multimediale Umrahmung mit einer mehrminütigen Einführung zur Geschichte der Bauhaus-Universität und der Präsentation der Redner sorgt. Doch dann wurde innerhalb des Festaktes, der gut 90 Minuten dauerte, eine Liveperformance aus Musik, Präsentation und Zitaten aus den kurz zuvor gespochenen Redebeiträgen vorgeführt. Zum Bauhausmaschine Sextett gehören, neben Bas Böttcher, Stefan Kraus (MXZEHN), Bahadir Hamdemir (MXZEHN), Timm Burckhardt (YouAreWatchingUS), Julian Hetzel (Pentatones), Marc Sauter (Psychon) auch Martin Hirsch (Neo Ouija).

Für die nächsten 150 Jahre wünschen alle weiterhin nicht nur ein produktives Mißverständnis, sondern einen kreativen Geist, der in der Welt durch Bauhaus und über das Design der deutschen Firma Braun auch im heutigen Apple-Design wieder zu finden ist. Im eigenen Bauhaus-Anspruch liest sich das so: “Wir sind! Wir wollen! Und wir schaffen!” (Oskar Schlemmer, 1923).

Die Ausstellung im Oberlichtsaal in der Bauhaus-Universität Weimar läuft bis zum 12. Dezember. Die von Frank Simon-Ritz, Klaus-Jürgen Winkler und Gerd Zimmermann im Verlag der Bauhaus-Universität Weimar herausgegebe Publikation zur Geschichte von der Großherzoglichen Kunstschule zur heutigen Bauhaus-Universität  ist ebenfalls erhältlich (ISBN 978-3-86068-419-1).

Eine Beschreibung der Ausstellung “Chroma” an der Bauhaus-Universität in Weimar finden Sie hier.

Zum Video “Festakt zur Kunstschulgründung der Bauhaus-Universität Weimar” gelangen Sie hier.

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