Jenaer Forscher gleich mehrfach beim Innovationswettbewerb Medizintechnik erfolgreich
Bonn/Jena. Beim diesjährigen Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung waren Jenaer Wissenschaftler sehr erfolgreich. Von den 15 Gewinnerprojekten stammen gleich zwei ausgezeichnete Ideen aus Jena: Mediziner des Universitätsklinikums und die Occlutech GmbH wollen eine Methode entwickeln, bei der erstmals eine Mitralklappenprothese über ein Blutgefäß von der Leiste aus genau an der richtigen Stelle im Herzen platziert werden kann. Wissenschaftler der Asclepion Laser Technologies GmbH arbeiten an einem neuen Laser-Verfahren, mit dem Zahnersatz so gelöst und entfernt werden kann, dass er wieder verwendbar ist.
Minimalinvasiver Mitralklappenersatz
Eine Herzenklappenerkrankung kann zu ausgeprägten Symptomen wie Luftnot und Belastungseinschränkung führen und lebensbedrohliche Folgeerkrankungen auslösen. Besonders häufig tritt bei älteren Menschen eine Undichtigkeit der Segelklappe der linken Herzkammer, eine „Mitralklappeninsuffizienz” auf. Behandelt wird diese durch eine Operation am offenen Herzen und unter Einsatz der Herz-Lungenmaschine. Dabei wird die Mitralklappe „repariert” oder in schwerwiegenden Fällen durch eine Klappenprothese ersetzt. Ein derart aufwändiger Eingriff ist jedoch mit beträchtlichen Risiken verbunden und nicht immer erfolgreich. Ein Team um den Herzspezialisten Dr. Alexander Lauten am Universitäts-Herzzentrum Thüringen in Jena arbeitet in Zusammenarbeit mit der Occlutech GmbH daran, ein Verfahren zu entwickeln, bei dem erstmals eine Mitralklappenprothese über ein Blutgefäß von der Leiste aus genau an der richtigen Stelle im Herzen platziert wird. Dazu wollen die Ärzte und Wissenschaftler einen Katheter nutzen, über den ein neues, besonders flexibles Gerüst, ähnlich einem Stent, in das Herz eingeführt wird. Die Klappenprothese selbst ist zunächst eng zusammengefaltet und öffnet sich erst im Herzen, um dort die defekte Klappe zu ersetzen. Wenn sich das Verfahren bewährt, wäre die Behandlung erheblich schonender und kostengünstiger. Zudem könnten Risikopatienten behandelt werden die bisher – zum Beispiel aufgrund von Begleiterkrankungen – nicht operiert werden können.
Die Laser-Lösung
Defekte Zähne werden unter anderem mit Kronen oder Brücken wiederhergestellt. Zur Befestigung werden spezielle Zemente verwendet. Wenn jedoch Schmerzen auftreten, eine Wurzelkanalbehandlung nötig ist oder sich bei Kronen auf künstlichen Zahnwurzeln (Implantaten) eine Verankerungsschraube lockert, muss der Zahnersatz wieder entfernt werden. Da er fest mit dem Zement verbunden ist, wird er zumeist beschädigt oder unbrauchbar. Die dann notwendige Neuanfertigung verursacht erhebliche Kosten. Die neue „ReversFix-Technologie” soll nun eine Auflösung der Zementverbindung ermöglichen, ohne dass der Zahnersatz leidet. Sie wird gemeinsam von Forschern um Dr. Ingolf Streit der Asclepion Laser Technologies GmbH mit Medizinern und Wissenschaftlern aus Ulm entwickelt. Der technische Clou besteht darin, eine zusätzliche Substanz im Zement einzubringen oder den Zahnersatz derart zu beschichten, dass der Zement oder die Beschichtung in der Lage ist, Energie aufzunehmen. Durch Bestrahlung mit einem Lasersystem kommt es zur Aktivierung der verwendeten Substanz, die Verbindung wird gelöst und der Zahnersatz kann abgenommen werden. Mit dieser Technik ließe sich festsitzender Zahnersatz unbeschädigt entfernen und nach der Behandlung auch wieder einsetzen. Die Kostenersparnis alleine in Deutschland könnte hunderte Millionen Euro betragen.
Doch eine gute Idee allein reicht nicht immer aus. Um ein Produkt oder eine Technik schnell in die klinische Anwendung zu bringen, ist die gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung hilfreich. Deshalb lobt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal den „Innovationswettbewerb Medizintechnik“ aus. Besonders innovative, originelle und wegweisende Forschungs- und Entwicklungsideen der Medizintechnik werden ausgewählt und vom BMBF gefördert. Die Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für praktische medizinische Anwendungen eignen und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern. Ziel dieses renommierten Wettbewerbs ist es, den Weg von der ersten Idee bis zur Markteinführung innovativer Medizintechnik zu beschleunigen. Hierzu fördert das BMBF die diesjährigen 15 Gewinnerprojekte mit mehr als 9,1 Millionen Euro. Davon entfallen etwa 700.000 Euro auf die Ideen aus Jena.
Autor: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:- Bund fördert Unternehmen in Bad Langensalza
- Förderung für Medizintechnik-Projekt Jenaer Kardiologen – Auch Mitralklappen minimal-invasiv mittels Katheter implantieren
- Innovationskraft in Erfurt wird gefördert
- Studenten der Uni Jena gewinnen beim Bundeswettbewerb „Energie für Ideen“
- Erfolgreiche Innovationsförderung in den neuen Ländern






