Stadträtin Julia Langhammer (DIE LINKE) antwortet zur Frage – Projekt "Go West" von Jenawohnen
Jena. Über die Rubrik “nachgefragt” werden Stadträte zu ihren Meinungen zu ausgewählten Themen befragt. Hier geht es um die Bürgerinitiative “Mein Eichplatz”:
Frage: Guten Tag, Jenawohnen kündigt mit seinem neuen Projekt “Go West” (siehe Beitrag “Und es wird doch noch in Jena gebaut – jenawohnen mit neuem Projekt” an, in das “höherpreisige Mietsegment” einzuzsteigen. Begründet wird der Schritt mit der gestiegenen Nachfrage in diesem Segment. Was halten Sie von dem Schritt der Jenaer Wohnungsgesellschaft? In der Firmenphilosophie des Unternehmens heißt es: “Wir bieten Wohnungen an, die bezahlbar sind und es auch weiterhin bleiben.” Sehen Sie diesen Grundsatz nicht gefährdet, wenn jetzt die Wohnungsgesellschaft in das höherpreisige Mietsegment einsteigt? Sie als Stadtrat sind Mitglied im Beirat von jenawohnen. Haben Sie über das neue Projekt im Beirat diskutiert? Wenn ja, welche Meinung haben Sie dort vertreten? Vielen Dank für die Antwort Sven Woltert
Antwort: Lieber Herr Woltert, vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich finde ich es in Ordnung, dass Jenawohnen sein Geschäftsfeld strategisch entwickelt und ausweitet. Es gibt einen anhaltenden Bedarf für höherwertiges Wohnen in
Jena. Außerdem sorgt das Angebot neuer Wohnobjekte, egal in welchem Preissegment, für eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt. Seinen Kernbestand hat Jenawohnen aber weiterhin in den Geschossbauten der Großwohngebiete, im unteren und mittleren Preissegment. Den dort Lebenden sollte weiterhin das Hauptaugenmerk gelten. Als Stadtratsfraktion thematisieren wir regelmäßig das Mietniveau in Jena. Nach meinem Eindruck verhält sich Jenawohnen als größter Akteur auf dem quasi nicht vorhandenen Jenaer Wohnungsmarkt aber auch verantwortungsbewusst. Es werden, allerdings in weniger beliebten Wohnlagen, sehr günstige Wohnungen angeboten. An dem Überbietungswettbewerb anderer Vermieter gerade gegenüber Studierenden nimmt Jenawohnen nicht teil. Dennoch haben wir in Jena einfach nicht genügend Wohnungsangebote. Deshalb würde ich mir wünschen, dass Jenawohnen auch in Neubauten im unteren und mittleren Preissegment investiert. Bisher wurde dies durch die Geschäftsführung und durch den Gesellschafter Stadtwerke Energie immer abgelehnt. Im Jenawohnen-Beirat wurde über das Bau-Projekt am Friedensberg nicht diskutiert. Der Beirat wurde schon Ende letzten Jahres einberufen, hat sich erst einmal regulär getroffen. Es ist aber schon deutlich geworden, dass innerhalb des Beirats unterschiedliche Auffassungen dazu bestehen, was Aufgabe des Beirats ist. Ich denke, hier sollten die politischen mit den unternehmerischen Anliegen vermittelt werden. Eine Möglichkeit, direkt auf die Geschäftspolitik von Jenawohnen Einfluss zu nehmen, habe ich allerdings weder als Beiratsmitglied noch als Stadträtin. Eine entscheidende politische Einflussnahme ist nur indirekt über den Gesellschafter Stadtwerke möglich. Auch deswegen möchte ich im Beirat über die Wahrnehmung sozialer- und städtebaulicher Verantwortung diskutieren. Andere sehen das vielleicht anders. Ich werde mich aber bemühenden, im Beirat die politischen Themen präsent zu halten.
Anmerkung der Redaktion:
Weitere politische Vertreter des Beirates Jenawohnen haben bisher nicht geantwortet. Dies sind im Einzelnen: Dr. Eckhard Birckner, Volker Blumentritt, Ralf Kleist, Yvonne Probandt, Mario Schmauder
Alle Antworten bei “nachgefragt” finden Sie hier. Die offenen Fragen hier.
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