OFFENER BRIEF von Benjamin Ortmeyer zur Absage der Peter Petersen Konferenz in Jena
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schröter,
AUSDRÜCKLICH werde ich mich der Entscheidung Torsten Schwans (die ich am Wochenende erhielt) anschließen, auf der doch sehr einseitig vorbereiteten zweitägigen Konferenz ein zugesagtes 15minütiges Referat nicht zu halten und ich werde ebenfalls – auch aus Solidarität mit Torsten Schwan – an der Konferenz nicht teilnehmen.
Darf ich Ihnen (mit der Bitte um Weiterleitung an die Mitglieder des Kulturausschusses und an die Teilnehmer des Workshops) meine Hintergründe und Gründe mitteilen?
1.
Es erreichte mich der Ihnen auch vorliegende 18seitige Brief von Torsten Schwan, der aus einer Reihe von Ursachen, Umständen und Anlässen sich kategorisch entschieden hat, an dieser Konferenz nicht teilzunehmen. Ich erlaube mir, in meinen Worten zusammenzufassen:
Kernpunkte des Briefes von Torsten Schwan
1. Torsten Schwan sagt eindeutig seine Teilnahme ab und sieht es mittlerweile als Fehler, dass er sich für die Stadt Jena engagiert hat. („ich bezahle dieses Engagement nun mit massiven Angriffen auf meine Person und meine wissenschaftliche Reputation“)
2. Torsten Schwan sieht einen „Rollenkonflikt“ bei einem Teil der Konferenzleitung (insbesondere Herr John), die einerseits intern sagt, dass gegen die Umbenennung des Jena-Plan-Platzes Bedenken bestehen, öffentlich aber „neutral“ das Kolloquium leiten soll.
3. Torsten Schwan wehrt sich gegen den Versuch einer künstlichen Trennung von Erziehungswissenschaft, Pädagogik und Politik.
4. Torsten Schwan problematisiert den unklaren Doppelcharakter der geplanten Konferenz, die gleichzeitig der wissenschaftlichen Vertiefung dienen und der Entscheidungshilfe bei der Frage der „Platzumbenennung“ dienen soll.
5. Torsten Schwan kritisiert im Detail anhand der im Vorfeld verbreiteten Thesen zur Konferenz:
Eine Abschwächung der Positionen einzelner Referenten zu Petersen gegenüber vorher vertretenen Positionen. [u.a. Ulbricht: Petersen „keinesfalls zum völkischen Spektrum der bürgerlichen Pädagogik in der Zwischenkriegszeit (sic!! BO) zählen“! und Harten: „allenfalls Charakter von Lippenbekenntnissen“ und die These („schlage ich vor, die ganze Jena-Planpädagogik aus der Diskussion (Petersen im NS, B. Ortmeyer) herauszunehmen“]. Eine problematische Ausklammerung wichtiger Fragen: Die Zeitspanne 1929-32 werde nicht zum Thema gemacht und damit auch nicht Petersens Unterstützung der NS-Thesen von Ernst Krieck noch vor 1933! Pauschalisierende und undifferenzierende Einordnung Petersens in der Nähe der SPD in der Weimarer Republik durch John. Offensichtliches Unverständnis der Tatsache, dass antisemitische Theorien und dieses oder jenes menschliche Handeln im Einzelnen sich nicht ausschließen.
6. Torsten Schwan kritisiert, dass sein Themenvorschlag „Petersens theoriegeleitetes Handeln während der NS-Zeit“ nicht angenommen wurde, sondern auf einen Bericht über das Petersen Archiv in Vechta umgeleitet wurde (und – selbstkritisch -er sich hat umleiten lassen).
7. Torsten Schwan erklärt, dass er nicht bereit ist Hein Retters „Diskurs- und Debattenkultur“ als Maßstäbe für die Petersen-Debatte anzuerkennen, wie Herr John das im Vorwort zum kurz vor der Konferenz herum geschickte Buch vertreten hat. Dies wiege umso mehr, da in diesem Buch Hein Retter Torsten Schwan mit einer Überschrift zitiert, die Schwan gar nicht verwendet habe. Willkürlich würde von Retter statt „Jenaplan-Pädagogik“ einfach „Peter Peter- sen“ eingefügt, um dann zu unterstellen, Schwan habe ein Zitat Petersen untergeschoben, das gar nicht von Petersen stammt.
Torsten Schwans Erfahrungen decken sich weitgehend mit meinen Erfahrungen und Positionen. Auch ich hatte ähnliche und schärfere Auseinandersetzungen im Vorfeld über die Konzeption der Veranstaltung und ich kann seine Entscheidung nicht nur verstehen, sondern akzeptiere sie auch voll und ganz.
Petersen-Workshop in der Imaginata: Stadt und Universität hinterfragen Leben und Werk
Beitrag von Jenatv zum Workshop
2.
Die Debatte in Jena erhält auch durch ein recht durchsichtiges Manöver kurz vor der Konferenz eine sehr unerfreuliche Wendung. Um nicht mehr über die eindeutige pronazistische Positionierung von Petersen anhand aller vorliegenden Texte aus der NS-Zeit weiter streiten zu müssen, wird das Thema gewechselt und ein anderes Thema angeschnitten, über das für die Öffentlichkeit so gut wie kein Material vorliegt, da die Akten entweder nicht vollständig oder nicht zugängig sind oder im Familienbesitz der Familie Petersen noch zerstreut sind oder gar schon „zurechtgeschnitten“ wurden. (Es wird Zeit, dass sämtliche Petersen Unterlagen endlich dem Bundesarchiv übergeben werden!!) Um eins klarzustellen: Es ist gut und nicht schlecht, dass über die Kinder verfolgter oder bedrohter Eltern in Jena geforscht wird. Die Ergebnisse können dann wertvoll und weiterführend sein, wenn klare Begriffe verwendet und klare Sachverhalte konstatiert werden – auch wenn das Motiv nicht die Leiden dieser Kinder, sondern allzu offensichtlich der „Persilschein“ für Peter Petersen ist. Nicht akzeptiert werden kann jedoch die typische Methode, verschiedenartige Fragen zu EINER Frage zusammenzuziehen und nicht zu differenzieren, mit welchen Methoden das Nazi-Regime in welchen Phasen und Etappen gegen doch sehr unterschiedliche Gruppen vorgegangen ist – bis in den letzten Schulwinkel, auch bis in die Universitätsschule in Jena. Die Frage, wie die Nazis definierten wer „Jude“ ist, wer „Halbarier“, „jüdisch-mischblütig“, „Vierteljude“ ist, war in Hinblick auf die Deportation zur Vernichtung eine Frage auf Leben und Tod. Das Problem ist, dass ich in dem Moment, wo ich die begrifflichen Unklarheiten zu diesem als provokative Ehrenrettung für Petersen gedachten Projekt aufzeige, schon die Diskussion verschiebe. Ich begebe mich trotzdem und im Bewusstsein dieser Gefahr der Ablenkerei auf dieses Gebiet, denn es geht gar nicht so sehr um Peter Petersen als um Methoden des Geschichtsrevisionismus. Die Gleichsetzung der Diskriminierung der Kinder von Widerstandskämpfern, die schikaniert und bedroht wurden mit dem Schicksal der jüdischen Kinder und der Kinder der Sinti/Roma in den Gaskammern ist schon ein Schritt, die Einmaligkeit der Geschichte des staatlich organisierten und industriell betriebenen Völkermordes zu relativieren und beiseite zu schieben!
3.
In Kürze:
Ich gehe fest davon aus, dass die geschilderten Fälle von Unterstützung von Peter Petersen für einzelne Schüler, deren Eltern vom NS-Regime verfolgt oder bedroht waren, durchaus existieren und habe nicht das geringste Problem damit, dies anzuerkennen. Es gehört eben zum Verständnis der handelnden Personen in der NS-Zeit, dass solche Handlungen gleichzeitig möglich waren – gleichzeitig mit der Propagierung von Antisemitismus, Rassismus und NS-Propaganda. Es gehört zur wahrhaften Biographie, diese Handlungen in das Leben Petersens einzuordnen, denn niemand hat je behauptet, dass Peter Petersen ein Julius Streicher oder Heinrich Himmler war. Er war nicht der „Scharfmacher“ er ähnelte eher den Diplomaten des Auswärtigen Amtes, gebildet sich vorstellend, im Einzelfall gütig, in der Sache kompetent. Und dennoch kein Vorbild, das geehrt werden darf, wie es in Jena immer noch geschieht!
Was jedoch nicht hingenommen werden kann, ist die Verfälschung des Sachverhaltes, um den es bei diesen Handlungen Petersens ging: In keinem geschilderten Fall handelte es sich um Kinder, die nach der inhumanen Logik des NS-Regimes für die Vernichtung bestimmt waren. Petersen hat Kindern mit jüdischen Großeltern, in einem Fall wohl auch mit einer jüdischen Mutter und einem „arischen Vater“, sowie Kindern von Widerstandskämpfern schon dadurch geholfen, dass er sie nicht besonders gedemütigt und degradiert hat. Petersen hat sich dabei streng an das Gesetz, an die Erlasslage gehalten, insofern ging er kein großes Risiko ein – aber immerhin, auch das war in diesen Zeiten nicht immer selbstverständlich, da viele untere Behörden im absurden Rassenwahn wirklich planten und vereinzelt auch durchführten, verschärft gegen sogenannte „Halbjuden“ und „Vierteljuden“, ja noch weiter vorzugehen, was die NS-Führungsspitze aus einer Reihe von pragmatischen Gründen abgelehnt hat. Für die „Halbarier“, die „jüdisch-mischblütigen“, wie es im NS-Jargon hieß, galt die Schulpflicht, es galt auch in der HJ für sie die obligatorische Mitgliedschaft, seit dem sie erlassen worden war. Das gilt es als erstes festzuhalten. Das war so. Das allein wäre aber ungenügend, da dennoch Schikane und Benachteiligungen auf allen Ebenen warteten. 1942 wurde noch zusätzlich der Besuch höherer Schulen für „Halbarier“ eingeschränkt und auch in der HJ gab es im Gegensatz zum HJ-Gesetz ab 1942 von der HJ-Führung mehr oder minder interne Anweisung gegen die „Halbjuden“ vorzugehen, wie auch in der Wehrmacht usw.
So schlimm und bedrückend im Einzelfall das Schicksal der „halbarischen“ Kinder und der Kinder der Widerstandskämpfer war, das ganze System, die historische Einmaligkeit des NS-Regimes wird daran NICHT wirklich sichtbar: Zur Vernichtung bestimmt und vernichtet wurden die jüdischen Kinder, die Kin- der der Sinti und Roma, die zur Euthanasie ausgewählten behinderten Kinder. Gibt es überhaupt ein Bewusstsein davon, dass hier ein prinzipieller Unterschied etwa zu Kindern von Widerstandskämpfern existierte?? Gibt es auch nur einen einzigen Hinweis oder gar Beweis, dass der NS- Kollaborateur Peter Petersen DIESEN von Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Chelmno, von den Gaskammern und der Ermordung bedrohten Kindern geholfen hat?
Die reißerische Aufmachung „Zufluchtsort“ verschleiert diesen Unterschied und lässt die im Einzelnen bei genauerer Quellenlage zu betrachtenden Hilfshandlungen in einem Licht erscheinen, als habe Peter Petersen Kinder vor der Gaskammer gerettet. Das Manöver ist arg durchsichtig – im Ziel geht es nicht um das Gedenken an die Kinder, es geht dieses Schicksal instrumentalisierend um das „ehrende Gedenken“ an Peter Petersen, um einen „Persilschein“ für Peter Petersen. Wäre der Verfasser der These vom „Zufluchtsort“ sich sicher, dass Petersen unter Einsatz seines Lebens, Leben von Kindern vor der Gaskammer gerettet hätte, müsste er einen Antrag bei Yad Vashem auf einen Platz in der Allee der Gerechten stellen. Ich wäre der Erste, der dies unterstützt, wenn es dafür Beweise gibt.
„Wer ein Leben rettet, rettet eine ganze Welt” heißt es in Anlehnung an den Talmud und diese Menschen, so das Anliegen der Gedenkstätte in Israel, sind Vorbilder, die wirklich geehrt werden können und müssen. Peter Petersen gehört nicht dazu, er war kein „Gerechter der Völker“, er war für eine NS-Kollaboration und hat sich selbst am NS-System – nicht zu seinem Schaden – beteiligt. Seine Texte waren wirkungsmächtige Taten:
Antisemitismus
„Weil es dem Juden unmöglich wird, unsre Art innerlich mitzuleben, so wirkt er in allem, das er angreift, für uns zersetzend, verflachend, ja vergiftend und tritt alles in den Dienst seines Machtstrebens.“ (Petersen 1933, S. 285 f., siehe Anhang)
Hautfarbenrassismus
„Einen einzigen Tag gründlich eine Schule für Farbige besuchen, etwa in Südafrika, wobei ich dann besonders die von Pietermaritzburg in Natal empfehle, oder in Neuyork oder Cleveland, Ohio oder Chicago dürfte genügen, jeden der den Menschen liebt und achtet, von Rassenmischung abzuschrecken. Er wird mit Grauen feststellen, was für ein Verbrechen es ist, Gelbe mit Weißen, Schwarze mit Gelben, Schwarze mit Weißen, Mischlinge wieder mit Mischlingen usf. zu paaren, und zwar wegen der seelischen Entartung, die so oder so letzten Endes unvermeidlich ist.“ (Petersen 1941, S. 41, siehe Anhang)
Militarismus
„Und wer die Fahne um seinen Leib gewickelt tot auf dem Schlachtfelde niedersinkt, vor dem neigt sich ehrend noch jeder Gegner; denn er legt sich in das heiligste Leichentuch, das ein Volk seinen Söhnen schenken kann.“ (Petersen 1934a, S. 7, siehe Anhang)
Völkischer Nationalismus
„Die Erziehungswissenschaft, auf deren Grundlagen der Jenaplan ruht, ist die erste, welche volkstheoretisch begründet wurde. Wie sie sich eindeutig gegen jeden Liberalismus und Internationalismus, gegen Demokratie und Individualismus wandte, so auch gegen die idealistischen Theorien von der Menschheit. Es gibt keine Menschenbürger, es gibt nur Volksbürger.“ (Petersen 1935b, S. 3, Hervorhebung im Original, siehe Anhang)
Eugenik
Petersen begründet zwei Jahre nach den Sterilisationsgesetzen des NS-Regimes ausgerechnet, dass die Theorie und Praxis des Jenaplans „von jeher offen für alle Forderungen der Hygiene und Eugenik, der Rassenlehre und der Erbwissenschaft“ gewesen sei (Petersen 1935b, S. 3, siehe Anhang).
Antidemokratisch
„So kennzeichnet es auch das Schulleben nach dem Jenaplan von Anfang an (seit 1924), dass darin alles parlamentarische Wesen ausgeschaltet ist“. Er betont die Forderung nach „schärfster Kampfansage gegen die dem deutschen Wesen ganz und gar zuwiderlaufende Überfremdung mit den Formen der parlamentarischen Demokratie“ (Petersen 1935b, S. 3, siehe Anhang).
Führungslehre
„Der neue Dienst, den die Lehrer zu leisten haben, ist von Anfang an als ‚Führung‘ der Kinder und Jugendlichen bezeichnet worden, dieses Wort im Vollsinne genommen und damit zugleich als Absage an jede Spielform: an die romantische und sentimentale Verfälschung des ‚Vom Kinde aus‘, an die weichliche Auffassung von Kamerad und Freund.“ (Petersen 1937, S. 6 bzw. 1984, S. 7, Hervorhebung im Original)
SA, SS Adolf Hitler als Vorbild
„…denn im Gegensatz zum alten militärischen Drill, der oft falsche Überheblichkeit und gelegentlich selbst schroffe, barsche Naturen hochkommen ließ, beherrscht der SA- und SS-Dienst die kameradschaftliche Gesinnung des Frontsoldaten aus dem Weltkriege.“ (Petersen 1934a, S. 6, siehe Anhang)
„Neue Erziehungswissenschaft gibt dem Satz seinen vollen Sinn: Adolf Hitler, der Erzieher des deutschen Volkes.“ (Petersen 1935a, S. 257, siehe Anhang)
Nach 1945
Nach 1945 lautet seine Kritik an Hitler nach seiner These, dass sich der „Nationalsozialismus zum teuflischen Nazismus“ gewandelt habe: „Auf jedem Gebiete der Politik wie der Kultur war bei seinem Zusammenbruch das Entgegengesetzte der so laut verkündeten Forderungen erreicht: die Zeugen einer Kultur von tausend Jahren für immer vernichtet, das Volks- leben in seinen Grundlagen erschüttert und verwildert, das deutsche Volk rassisch verunreinigt und aufgelöst“ (Petersen 1954, S. 196, siehe Anhang)
Kritik an Hitler von rechts, an seiner Erfolglosigkeit: „das deutsche Volk rassisch verunreinigt“! Was für eine Anklage gegen Hitler nach Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Chelmno, Sobibor, Belzec und Majdanek!
Seine eigene Rolle im NS-System?
Fehlanzeige. In einer Erklärung Petersens aus dem Jahr 1948 heißt es: „Dass ich deswegen jeden Vorwurf eines Nazismus in meinem Verhalten oder in meinem Schrifttum als böswillige Verleumdung mit Entschiedenheit zurückweise ist nur natürlich.“ (zitiert in Kluge 1992, S. 173)
Pure Verleumdung? Soll Peter Petersen angesichts dieser „Taten“ als Vorbild wirklich in Jena weiter geehrt werden? Ein Volksverhetzer in mörderischen Zeiten als Namensgeber? Was den Schulen in Weiterstadt (bei Darmstadt) und in Hamburg, die nach Petersen benannt waren und sich nun umbenennen, was den Schulen in Köln, Mannheim, Hannover und Frankfurt möglich sein wird, die sich auch in naher Zukunft umbenennen wollen – das soll der Stadt Jena nicht möglich sein?
Peter Petersen weiter zu ehren ist angesichts seiner nun offen für alle erkennbare „Taten“ in seinen Publikationen als NS-Propagandist, Rassist und Antisemit unverzeihlich. Er ist kein Vorbild. Der Peter-Petersen-Platz muss umbenannt werden, am besten vielleicht mit dem Gedenken an einen Reformpädagogen, der diese Ehrung wirklich verdient, wie etwa Janusz Korczak.
Mit freundlichen Grüßen
Benjamin Ortmeyer
- Peter Petersen und kein Ende: Hein Retter meldet sich zu Wort
- Dr. Torsten Schwan zur Peter-Petersen-Debatte in Jena
- OFFENER BRIEF von Benjamin Ortmeyer zur Absage der Peter Petersen Konferenz in Jena
- Dr. Henning Pietzsch zum Beitrag: Offener Brief von Torsten Schwan an den Oberbürgermeister zur Petersen-Debatte
- Dr. Benjamin Ortmeyer zur Petersen-Debatte: „Wissenschaftliches und politisches Totaldesaster“
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Eine Reaktion zu “OFFENER BRIEF von Benjamin Ortmeyer zur Absage der Peter Petersen Konferenz in Jena”-
Heinz
Am 4. November 2010 um 13:07 Uhr
Ortmeyer bedient – unabhängig davon, wer nun Recht hat oder erhält – sich derselben Methoden, die er den Ausrichtern der Konferenz vorwirft.
Ortmeyer redet die Unterstützung Petersens für nichtarische Kinder klein (In keinem geschilderten Fall handelte es sich um Kinder, die nach der inhumanen Logik des NS-Regimes für die Vernichtung bestimmt waren.), während er anderen vorwirft, die Rolle Petersens während des Nationalsozialismus nicht ausschließlich in den Mittelpunkt zu stellen.
Er bedauert, daß manche Quellen “zurechtgeschnitten” sein könnten (ohne Beleg! für die Öffentlichkeit so gut wie kein Material vorliegt, da die Akten entweder nicht vollständig oder nicht zugängig sind oder im Familienbesitz der Familie Petersen noch zerstreut sind oder gar schon „zurechtgeschnitten“ wurden.), verwendet aber selbst eine Reihe von Zitaten, die erst von anderen wieder in den verwendeten Kontext gestellt werden mußten.
Er wirft der Konferenz vor, daß sie sehr einseitig vorbereitet sei, will aber selbst das Werk eines Pädagogen, der 40 Jahre an einem Schulkonzept arbeitete, auf selektiv zitierten Äußerungen aus 12 Jahren eindampfen.
(Daß ein Zitat auf zwei Jahre nach Petersens Tod datiert ist, wird wohl nur ein Tippfehler sein.)
War Ortmeyer eigentlich mal auf dem Jenaer Petersenplatz? Dort könnte er Anhaltspunkte für seine weitere Arbeit – nachdem er schon v. Fallersleben und Petersen als Ausländerfeinde, Rassisten und Antisemiten entlarvt hat – finden, nämlich das Relief von Marx und Engels: “Die Bauernschaft – die stupideste Menschenansammlung auf Erden”, über die Schweizer: “hoffentlich werden die Exekutionstruppen ihr Möglichstes tun um aller Biederkeit Urkraft und Einfalt des Garaus zu machen”, über die Inder “die indische Gesellschaft hat überhaupt keine Geschichte, zumindest keine bekannte Geschichte”, zu den Mauren: “stehen in moralischer Beziehung auf sehr niedriger Stufe”, zu den Dänen: “lügen direkt und wissentlich”, zu den Franzosen: “Es ist eine fixe Idee bei den Franzosen, daß der Rhein ihr Eigentum sei, aber die einzige des deutschen Volkes würdige Antwort auf diese anmaßende Forderung ist: Heraus mit dem Elsaß und Lothringen. Denn ich bin der Ansicht, daß die Wiedereroberung der deutschsprechenden linken Rheinseite eine nationale Ehrensache, die Germanisierung des abtrünnig gewordenen Hollands und Belgiens eine politische Notwendigkeit für uns ist.”, über Ferdinand Lassalle “der jüdische Neger Lassalle [...] wie seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, stammt er von den Negern ab [...]”
(Quelle der Marx- und Engelszitate: CD “Marx & Engels intim. Harry Rowohlt und Gregor Gysi aus dem unzensierten Briefwechsel.”)
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