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Schnee auf Gehwegen: Die Kleinen räumen es, die Großen versäumen es



Jena. “Jedes Mal derselbe Ärger.” Die 85-jährige Dame aus der Löbstedter Straße macht ihrem Unmut freie Luft. “Ich lasse meinen Hausbewohner schon am frühen Morgen Schnee vom Gehweg schippen und die Bahn tut wieder nichts.” Heute war er schon um kurz nach 6 Uhr draußen gewesen und habe fast eine Stunde geschippt, gekippt, gestreut und gesalzen, nur damit die Fußgänger nicht ins Rutschen kommen. “Schließlich ist das meine Pflicht ais Hausbesitzer”, sagt die alte Dame.

Was sie aufregt, das regt viele andere Hausbesitzer ebenso auf. Jeder von Ihnen (egal ob Großmutter oder Wohnungsgesellschaft) ist laut Aussage des Vereins “Haus und Grund Jena” verpflichtet, bei starkem Schneefall den Gehweg “vom Schnee zu reinigen”, wie es in der entsprechenden Satzung der Stadt Jena so schön heißt. Ansonsten droht ein saftiges Bußgeld; gar nicht vorstellen mag man sich, dass irgend jemand vor dem eigenen Haus stürzt und zu Schaden kommt – hier ist jeder einzelne Hausbesitzer für das Schneeräumen selbst verantwortlich. Die Streupflicht beginnt üblicherweise mit dem Berufsverkehr um 7 Uhr und endet um 20 Uhr. Wenn es den ganzen Tag über schneit, muss unter Umständen auch mehrmals gestreut werden. Geräumt und gestreut werden muss der Gehweg je nach kommunaler Bestimmung auf einer Breite zwischen 0,80 und 1,20 Meter.

Aber es sind, und das bemängelt die alte Dame am Beispiel der Deutschen Bahn, oft auch Grundstücksbesitzer “am Start”, die nicht nur nicht täglich sondern in Extremfällen überhaupt nicht Schnee räumen. “De Bahn hat in den letzten zehn Jahren ganze drei Mal Schnee geräumt”, sagt sie. “Nicht drei Jahre lang sondern in zehn Jahren drei Mal und zwar als es massive Beschwerden gab und Menschen gestürzt waren. Dabei ist deren Grundstück mehrere hundert Meter lang und meines nur knapp zehn Meter. Trotzdem muss ich jeden Tag, an dem Schnee fällt, meinen Gehweg reinigen lassen. Und denen von der Bahn passiert überhaupt nichts”, sagt sie verärgert.

Warum dies so ist, das kann sie nur vermuten. “An die Großen traut sich eben niemand ran!” ist ihr Resume. Ob das stimmt, darüber kann sich derzeit in unserer Stadt jeder seine eigenen Gedanken machen.

Autor: ZONO Radio. Lichtstadt.Netz

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8 Reaktionen zu “Schnee auf Gehwegen: Die Kleinen räumen es, die Großen versäumen es”
  • Thomas Hennig Am 9. Dezember 2010 um 17:51 Uhr

    Es ist nicht nur die Bahn!

    Die Stadt oder vielmehr ihre Beauftragte KSJ bekleckert sich nicht mit Ruhm. Ob es nun die vielen Schneewälle an Fußgängerübergängen/Ampeln sind, oder der nur mieserabel und halbherzig geräumte Radweg entlang der Stadtrodaerstrasse ist.
    Es ist an vielen Stellen in der Stadt gefährlich glatt und manchmal schwierig überhaupt durchzukommen.

    Gibt es bei KSJ eigentlich irgendwelche Qualitätskriterien, wann ein Weg als geräumt anzusehen ist?

    Einmal drüber gefahren gilt nicht!!!!

    Bin ja mal gespannt, ob man morgen den Radweg wieder nutzen kann, oder ob wieder erst gewartet wird, bis alles festgetrampelt und -gefroren ist.

    Liebe KSJ, evtl muss man dann am 3. Tag nach den Schneefällen dort nochmal kehren oder schieben, wenn die Mittagssonne alles schön durchgematscht hat und es der Technik nicht mehr so schwer macht!

    Deutlich beser funktioniert das in Göschwitz, dort sieht man auf den Bürgersteigen das Pflaster und kann ohne Gefahr dort laufen. Allerdings nur bis zur nächsten Kreuzung, wo sich dann meist ein hoher Schneewall auftürmt und überwunden werden muss …

    … und trotzdem find ich das Wetter toll!

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  • Bernd Haedrich Am 9. Dezember 2010 um 20:43 Uhr

    Auch an dieser Stelle nochmal ein Lob an den aufgeweckten Winterdienst der Stadt Jena, in diesem Winter!

    Die Hauptstrassen sind wirklich gut befahrbar, trotz dem ständigen Schneefall, und sogar dem Eisregen vom Mittwoch.

    Allerdings ist man als Fussgänger, Radfahrer, ÖPNV-Benutzer wirklich stark eingeschränkt. Aber es ist ja halt WINTER^^ a sollte man ordentliches Schuhwerk tragen, sich dick anziehen, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren will, und vor allem auf Fahrrad Fahren verzichten! ;) ))

    …Und das Wetter ist nicht toll! Zuuu schmuddelig, meisst.

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  • Vinzenz Hilbert Am 10. Dezember 2010 um 11:59 Uhr

    Eigentlich war es doch nur eine Frage der Zeit, wann diese Beschwerden wieder losgehen. Jedes Jahr das Gleiche. Kaum fällt der erste Schnee beschwert sich X über Y, dass nicht geräumt wird. Meistens ist die Stadt “Schuld”.
    Es hat nun mal nicht jeder Mensch soviel Freizeit wie die 85-jährige Rentnerin. Der Stadt kann ich laut meiner Erfahrung nur bescheinigen, dass sie alles dafür tut, dass zumindest die großen/vielbefahrenen Straßen und Gehwege geräumt sind. Und die Bemerkung zum Bußgeld mag vielleicht stimmen, aber ich kann beim besten Willen nicht glauben, dass bei den momentanen Schneemengen jeder zahlen muss, der nicht mehrmals täglich den Weg vor seinem Haus säubert.

    Mein persönlicher Schnee-weg-sicherheitsfavorit ist übrigens Rollsplit. Auf einer dünnen Schneedecke leicht festgetreten kann man so einfach nicht wegrutschen. Tut der Umwelt gut und führt auch nicht zu glitschigen Schneematsch so wie bei Salz

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  • Thomas H. Am 10. Dezember 2010 um 16:26 Uhr

    Klar jedes Jahr wieder die Beschwerden, weil es wieder und wieder und wieder nicht klappt in Jena. Aber offensichtlich gewöhnen sich einige schon daran.
    Und wenn eine Rentnerin (im Ruhestand) aus Verantwortungsbewußtsein und vermutl. eigener leidvoller Erfahrung sich die Mühe macht und “vor ihrer Türe” kehrt, sollte man das nicht ins Lächerliche ziehn. Ein Oberschenkelhalsbruch mit 85 ist nicht witzig.

    To Bernd: … und schön dass es wenigstens für die Autofahrer klappt, ist wahrscheinlich systembedingt, die KSJ Mitarbeiter sitzen ja schliesslich auch im Auto.

    To Vincent: … und wir wollen mal festhalten, dass es im wesentlichen 2x geschneit hat:
    1. Mal 1.12.
    2. Mal am 8./9.12. (bis gegen Mitternacht)

    Die paar Fussel davor und danach zählen nicht und haben ja auch keine sichtbaren Aktionen zur Folge gehabt. Also hält sich der Stress bei KSJ und den anderen Schneeschiebern doch wohl in Grenzen und es waren auch nicht dauerhaft -15 oder -10°, so dass man nicht hätte mit Salz arbeiten können, wurde ja auch, aber dann setzt dass mal für 500m auf dem Radweg aus (genauso wie an diversen Übergängen an Ampeln oder Gleisen), ganz toll, wenn man da unterwegs ist. Deshalb die Frage nach dem Qualitätsmanagement.

    … in Zukunft geselle ich mich dann halt wieder zu den Autos auf die geräumten Strassen. Da haben mich heute früh auch schon einige ganz nett gegrüßt … :-)

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  • Direkt Am 11. Dezember 2010 um 01:01 Uhr

    Der Überheblichkeit und Arroganz der Stadtverantwortlichen folgend, ist es immer das Gleiche: Bussgelder für Hausbesitzer und die KSJ erfindet Ausreden, warum nicht alles räumbar ist. Warum sind viele Gehwegen nicht geräumt? Aus welchem Grund streuen Standbetreiber des Weihnachtsmarkts eigeninitiativ Sand vor ihren Ständen? Kann ich als Hausbesitzer eigentlich auch darauf verweisen, dass das Personal nicht ausreicht oder die Finanzlage keine flächendeckende Räumung zulässt?

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  • Bernd Haedrich Am 11. Dezember 2010 um 11:41 Uhr

    @Thomas, da waerst du nicht der einzige gewesen, der sich als Radfahrer mitten auf die Fahrspur gewagt haette… Aber ein bissl sehr gefaehrlich ist das fuer beide Verkehrsteilnehmer schon! Vielleicht sollten die Radfahrer an den paar Wintereinbruchtagen doch mal ihr Auto benutzen. Das freut auch die Krankenkassen und Arbeitgeber ;)

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  • TomWed Am 12. Dezember 2010 um 14:32 Uhr

    Das Thema ist wohl endlos diskutierbar. Ich bin z.Z. in einem Teil meiner Arbeitszeit Winterdienstler (nicht für Fahrbahnen) und kann nur sagen: Man kann es keinem recht machen.

    Es gibt nun mal eine gesetzliche Pflicht, und die heißt lediglich: Abstumpfen der Oberfläche, damit sich kein Fußgänger hinlegt. Räumen ist dann die Kür; theoretisch (m.W. gab es dazu Urteile von hohen Gerichten) sollte es reichen, wenn auf eine feste Schnee- oder Eisfläche gestreut wird. Es gibt Auftraggeber (und Arbeitgeber von Winterdienstlern), die schnee- und eisfreie Wege in bestimmter Breite fordern, was aber ggf. in stundenlange Handarbeit ausarten kann; die muss bezahlt werden. Motorgeräte als Hilfsmittel haben ihre Vor- und Nachteile, ebenso der zentnerweise Einsatz von Salz. Ob der Begriff “Räumen” in der Jenaer Satzung das Ergebnis der “schwarzen” Oberfläche fordert oder nur einen problemlos begehbaren Weg, müsste sicher auf dem Rechtsweg geklärt werden.

    Im Übrigen sind Eltern durchaus frustriert, wenn sie ihre Kinder früh auf Schlitten zum Kindergarten bringen und in dessen Umgebung sind die Gehwege schwarz. Interessant auch, vor meiner Haustür: Die ersten Busse der Linie 15 zwischen 5 und 6 Uhr kommen immer zum Rautal (auf 13% Steigung), da der Kommunalservice gegen 5 Uhr erstmal nur mit dem Schiebeschild räumt. Die festgefahrene Schneedecke ist eine gute Fahrbahn. Eine Stunde später klemmt es; es wurde gesalzt, und in der entstehenden Pampe drehen sich die Räder auf der Stelle. Vielleicht weiß hier noch jemand, dass in den 80er Jahren über mehrere Winter überhaupt nur planiert und Splitt gestreut wurde, jedenfalls im Arbeitsbereich des damaligen VEB Stadtwirtschaft. Die Stadt funktionierte damit, und zwar recht gut. Die JeNah hatte allerdings noch einen Arbeitswagen mit richtigem Schneepflug, den ich letztens vermisst habe.

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  • Klaus D. Am 16. Dezember 2010 um 12:52 Uhr

    es gibt auch genossenschaften, wo der räumdienst, der an hausmeister vergeben wurde, mehr als super schlecht läuft. z.b. in der gustav-fischer-str. wir extrem selten der schnee geschippt und die anwohner müssen sich selber mit der beseitigung beschäftigen, wenn sie und andere nicht auf die nase fallen wollen.

    auch wird dort nie der schnee von der strasse entfernt, was zu extremen fahrrillen führt, die dann kaum überwindbar beim ein- oder ausparken sind.

    wie ist es eigentlich mit dem schneeräumen auf nebenstrassen in jena geregelt?

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