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Steffen Cyrus exklusiv über Kunst und legalen Diebstahl im Museum



Jena. Vom 3. bis 14. August letzten Jahres bereiste der Künstler Steffen Cyrus im Rahmen seines Graduiertenstipendiums Deutschlands Museen. Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle Erfurt, sagte dazu: „Steffen Cyrus will als Künstler wahrgenommen werden und in zehn Museen vertreten sein, wo sonst nur etablierte Künstler ihren Auftritt haben. Seine Arbeiten möchte er jeweils im Waschraum der Museumstoiletten ausstellen, einen Ort des kunstfernen Transits, dem sich zugleich viele Museumsbesucher nicht entziehen können. Er provoziert damit kuratorische und konservatorische Standards der Kontextualisierung von Kunst und befragt sie zugleich.“

Steffen Cyrus (29) wurde 1981 in Suhl geboren und ist in der Rhön aufgewachsen. Von 2001 bis 2006  studierte er an der Bauhaus-Universität in Weimar Freie Kunst. Graduiertenstipendium der Bauhaus Universität Weimar und des Freistaats Thüringen 2009/ 2010 unter Betreuung von Prof. Elfi Fröhlich, bei dem das Projekt: „Die hohen Hallen der Kunst und ihre Örtchen“ realisiert wurde.

Einige Reaktionen von Museumsbesuchern werden im Folgenden wiedergegeben: Isolde W. (München): „…bei einer Stippvisite am 11. August 2010 im Museum gab ich – obwohl es bereits nachmittags war, meiner Neugierde nach. Tatsächlich, als ich ums Eck der Klotüre lugte, hing da ein Bild. Quadratisch-klein, pastellig-bunt. Mit einem seltsamen Gefühl, fast etwas Verbotenes zu tun, nahm ich das Bild von der Wand. Es hat in Haidhausen ein neues Quartier bezogen.“ Wolfgang M. (Köln): „Hallo aus Köln – mir gefiel die im Kölner Stadtanzeiger beschriebene Aktion sehr (Idee, Konzept, Ausführung), und ich wünsche sehr viel Erfolg dafür… Bin sehr kunstinteressiert und wünschte ich hätte die Chance gehabt, der erste Finder zu sein …“ Rita H. (Stuttgart): „Hallo Herr Cyrus, ich fand ihre Idee genial und freue mich besonders dass ich eine glückliche Finderin bin (in Stuttgart). Das Bild hängt jetzt in meinem Esszimmer. Leider hat es etwas gedauert, bis ich ein digitales Foto hatte. Ich bedanke mich herzlich, wünsche Ihnen viel Erfolg und gute Ideen, damit sie es auch in die offiziellen hohen Hallen schaffen.“

In der Jenaer Galerie pack of patches bekommt Steffen Cyrus eine Einzelausstellung. Am  20. Januar um 20 Uhr wird die Austellung eröffnet. Der Künstler wird anwesend sein und über sein Kunstprojekt berichten. Im Exklusiv-Interview mit Jenapolis berichtet Cyrus über seine Kunst, sein Anliegen und den Wettlauf im Museum. Tobias Netzbandt sprach mit Steffen Cyrus für Jenapolis.

Jenapolis: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Kunstwerke in Museen und Ausstellungshallen zu schaffen, ohne angefragt worden zu sein?

Steffen Cyrus: Inspiration erhielt ich bei meinen Museumsbesuchen, denn da entdeckte ich die Unterschiede der Toiletten zwischen den einzelnen Museen. So z. B. mit ihren Fließen oder dem Toilettenporzellan. Außerdem entdeckte ich die vielen freien Flächen in den Toilettenräumen und so kam ich auf die Idee hier doch meine Arbeiten hinzuhängen. Hinzu kommt natürlich, dass es für einen Künstler wichtig ist im Museum auszustellen, denn nur die erfolgreichsten Künstler wie Georg Baselitz,  Gerhard Richter oder Neo Rauch und Katharina Grosse sind in mehreren Ausstellungen in Museen gleichzeitig vertreten. Das soll bedeuten, ihre Arbeiten sind nur temporär, am Ende der Ausstellung sind diese wieder weg.

Jenapolis: Du hast die Aktion angekündigt. Wurden Fotos von Dir in Umlauf gebracht?

Steffen Cyrus: Ja, denn im Vorfeld habe ich mit der Presse zusammengearbeitet, ich war auf www.art-in.de, sueddeutsche, Kölner-Stadtanzeiger, TA, Frankfurter Rundschau. Außerdem brachte ich hinter jeder Arbeit, im Museum ein Flyer an, sodass der Finder weiß wie ich aussehe, außerdem legte ich Flyer ins jeweilige Museum am Tag der Aktion.

Jenapolis: Du hast zwanzig Werke ausgestellt. Waren diese auf die Museen abgestimmt oder sollten sie auf Dich als Künstler verweisen?

Steffen Cyrus: Im Atelier wählte ich aus welches Werk für welches Museum. Alle zwanzig Arbeiten ergeben eine große Arbeit. [Anm. d. Red.: Diese Arbeit ist oben abgebildet.]

Steffen Cyrus:  Ich bereiste folgende Stationen: 3. August Hamburger Bahnhof Berlin, 4. August Hamburger Kunsthalle, 5. August Kunst- und Ausstellungshalle Bonn, 6. August Museum Ludwig Köln, 7. August Museum für Moderne Kunst Frankfurt,10. August Kunstmuseum Stuttgart, 11. August Pinakothek der Moderne München, 12. August Museum der Bildenden Künste Leipzig, 13. August Kunsthalle Erfurt und 14. August Neues Museum Weimar. Dabei hinterließ ich je ein Werk auf der Damen- und eines auf der Herrentoilette. Die Arbeiten in ihrer neuen Museumsatmosphäre dokumentierte ich fotografisch.

Jenapolis: Was hast Du mit der Aktion gewollt? Welche Rückkoppelung gibt es? Welches Museum hat Deine Werke auf diese Weise erworben?

Steffen Cyrus: Die Arbeiten habe ich für den ersten Finder vor Ort zurück gelassen. Sei es ein Besucher oder das Museum selbst.

Steffen Cyrus: Bisher weiß ich nur von wenigen neuen Besitzern, dies sind bisher Privatpersonen. Die Aktion stand im Sinne von Bekanntwerden und im Museum auszustellen zu können. Was einem Newcomer wie mir bisher noch verwehrt blieb.

Jenapolis: Du warst an Ausstellungen in Weimar und Jena beteiligt. Wie wichtig ist Dir Thüringen?

Steffen Cyrus: Ich bin Thüringer, habe in Weimar studiert und lebe in Thüringen, daher habe ich auch einen besonderen Bezug dazu. Die Kunsthalle Erfurt und Neue Museum kannte ich natürlich von unzähligen Besucher zuvor. Das war quasi ein Heimspiel …

Jenapolis: Herr Schierz hat die Aktion ja kommentiert. Gibt es Neues aus der Kunsthalle?

Steffen Cyrus: Ich hatte mit Herrn Schierz E-Mail Kontakt, dass er die Werke sah und ein Foto machte, diese aber später weg waren, als er nochmal nach schaute.

Jenapolis: Ein Krimi … Hat sich dieser neue Besitzer gemeldet?

Steffen Cyrus: Ja, eine Thüringerin und ein in Leipzig lebender junger Mann. Es war sehr spannend und mit Nervenkitzel verbunden, die zwei Werke ins Museum zu schmuggeln. Und dann unbemerkt anzubringen. Gerade die Damentoilette war immer eine Herausforderung.

Jenapolis: Du hast erzählt, dass es schwierig war, einen richtigen Moment abzupassen.

Steffen Cyrus: Die Gemälde haben eine Größe von 35 x 35 cm, das war praktisch das kleinste Format, was ich als Museumsbesucher unbemerkt in die Museen nehmen konnte, denn die offiziellen Genehmigungen und den möglichen Verboten wollte bzw. bin ich umgangen. So begab ich mich mit zwei Gemälden in meiner Tasche in eine Toilettenkabine und bereitete dort alles vor. D.h., ich habe eine Arbeit auf der Damen- und eine auf der Herrentoilette, mit einer wieder entfernbaren Klebemasse, angebracht. Anschließend habe ich diese Arbeiten fotografiert. Und da die Malereien deutschlandweit verstreut sind, zeige ich andere abstrakte Malereien, welche größtenteils im letzten Jahr entstanden sind.

Jenapolis: Du bekommst in diesem Jahr eine Solo-Show in Jena. Wie kam es dazu?

Steffen Cyrus: Da ich von der Galerie pack of patches vertreten werde, war es klar, die Fotos erstmalig dort der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies ist doch ein schöner Anlass für eine Einzelausstellung. Ich freue mich auf meine erste Einzelausstellung in Thüringen. Während meiner Studienzeit war ich öfters in der Kunstsammlung und im Theaterhaus in Jena und nun bin ich eben öfters wegen der Galerie dort.

Jenapolis: Was möchtest Du den Besuchern in deiner Ausstellung vermitteln?

Steffen Cyrus: Vermitteln würde ich nicht sagen, sondern eher eine Faszination für moderne Kunst wecken. Den Blick des Betrachters fordern, einfach zu schauen und danach zu fragen.

Jenapolis: Du wirst ja bei der Eröffnung anwesend sein. Was kann der Besucher erwarten?

Steffen Cyrus: Zum einen werde ich von meiner Tour berichten, da ich die zwanzig Fotos zeige. Weiterhin wird es ein Objekt im Raum geben und abstrakte Malerei auf Leinwand.

Jenapolis: Vielen Dank für das Interview.

Zur Ausstellung gibt es auch ein Video von Jenatipps:



Veranstaltungshinweis:

Eröffnung der Ausstellung am 20. Januar um 20 Uhr

Ort: Galerie pack of patches, Lutherstraße 160, 07743 Jena

„Steffen Cyrus: Die hohen Hallen der Kunst und ihre Örtchen“, Einzelausstellung vom 20. Januar bis 3. Februar

Öffnungszeiten:

mittwochs und donnerstags 10 – 20 Uhr

Autor: Tobias Netzbandt

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6 Reaktionen zu “Steffen Cyrus exklusiv über Kunst und legalen Diebstahl im Museum”
  • Sarah Am 24. Januar 2011 um 20:50 Uhr

    Wer hätte das gedacht? Kunst zum Anbeißen und Mitnehmen (gut, wenn man denn zum richtigen Zeitpunkt da gewesen wäre…) und das in Jena!

    Für mehr junge Kunst in Jena! Werde auf jeden Fall meine Entdeckung Freuden zeigen.

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  • Franziska C. Am 24. Januar 2011 um 20:58 Uhr

    In die eine Malerei, in dem kleinen Raum habe ich mich ja verliebt. Hätte das Bild gerne mitgenommen. Da muss ich aber noch etwas sparen.

    Herr Cyrus, Ihnen wünsche ich aber noch tolle Interessenten.

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  • Luise F. Am 29. Januar 2011 um 08:33 Uhr

    Ich wurde durch das Interview neugierig und schaute mir am Mittwoch die Fotos von Steffen Cyrus in der Galerie an.
    Frau Höhn stand mir dabei mit weiteren Informationen zur Seite.

    Herzlichen Dank dafür
    Luise F.

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  • Christian Am 31. Januar 2011 um 08:57 Uhr

    Tolle Bilder und sehr gute Idee mit der eigenen Kunst auf diesem Weg an die Öffentlichkeit zu gehen.

    Vielleicht sieht man die Bilder der Ausstellung auch einmal in Berlin?

    Würde mich freuen

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  • st roe Am 31. Januar 2011 um 11:25 Uhr

    Schade, dass die Galerie so versteckt liegt und nur zwei Tage in der Woche geöffnet ist. So entgeht vielleicht dem einen oder anderen eine wunderbare und überraschende Ausstellung.

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  • Grit Höhn Am 7. Februar 2011 um 22:46 Uhr

    Das war eine sehr schöne erste Einzelausstellung hier in der Galerie. Morgen wandern die Arbeiten von Steffen vorerst wieder in sein Atelier nach Berlin.
    Wir hoffen, bald wieder neue spannende Arbeiten des Künstlers in Ausstellungen oder bald auch auf der einen oder anderen Messe zu entdecken. Und wer weiss – vielleicht gibt es ja bereits heimliche Sammler des Künstlers, die ihn nun besonders stark beobachten!
    Die nächste Ausstellung kommt bestimmt. Bis bald. Viele Grüße aus der Galerie pack of patches.

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