Bildungsinitiative Teach First in Lobeda: Sechs Fragen an Fellow Bastian Stein
Jena. Bastian Stein unterrichtet als Fellow mit einer Kollegin seit August an der Lobdeburgschule in Jena. Auch außerunterrichtlich wird einiges getan.

Bastian Stein im Unterricht an der Lobedeburgschule. Foto: privat
Das Programm Teach First Deutschland und die Stadt Jena machen es möglich. Für Jenapolis stellte Tobias Netzbandt die Fragen.
Was ist Teach First?
Die gemeinnützige Bildungsinitiative Teach First Deutschland will bessere Bildungschancen für Kinder und Jugendliche mit schlechten Startchancen schaffen. Dafür stehen Fellows wie ich als zusätzliche Fachkräfte für zwei Jahre in Vollzeit an Schulen in sozialen Brennpunkten zur Verfügung. Teach First Deutschland bildet uns weiter und organisiert und vermittelt unseren Einsatz an den Schulen. Ursprünglich stammt die Idee aus den USA und ist schon über 20 Jahre alt. Mittlerweile hat sich die Initiative in vielen Ländern ausgebreitet, von Estland bis Indien.
Was ist ein Fellow?
Fellows (engl. für Gefährte) sind Hochschulabsolventen aller Studienrichtungen mit sehr guten Abschlüssen. Wir sind allerdings keine Lehrer, deswegen der englische Begriff, der viel besser passt. Wir fördern Schüler individuell und bringen zusätzliche Angebote an die Schulen. Fellows unterstützen im Unterricht, geben Gruppen- und Einzelförderung und schaffen zusätzliche Angebote am Nachmittag, wie zum Beispiel Berufswahlkurse, Hausaufgabenbetreuung und Schülerfirmen.
Alleine unterrichten wir in der Regel nicht. Wie gesagt, wir sind zusätzliche Lehrkräfte, kein Ersatz für Lehrer. Was Fellows konkret unternehmen hängt vom Bedarf der jeweiligen Schule und natürlich von den Fähigkeiten des Fellows ab. Zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe absolvieren wir ein intensives Trainingsprogramm. Während der Arbeit an den Schulen werden wir kontinuierlich begleitet und weiterqualifiziert.
Was haben Sie studiert und welche Fächer lehren Sie?
Ich habe Wirtschaft und Recht studiert. Auch ein wenig Politik war dabei. Dazu passen meine Fächer an der Lobdeburgschule: Deutsch, Medien und Kommunikation, Mathematik, Englisch, Gemeinschaftskunde. Für Chemie zum Beispiel, tauge ich persönlich gar nicht. Außerunterrichtlich probiere ich den Schülern etwa Boxen schmackhaft zu machen und betreue sie in der Hausaufgabenzeit. Ich will auch was Schulübergreifendes anbieten.
Wieviele Fellows seid ihr und gibt es gemeinsame Veranstaltungen?
Insgesamt sind wir ca. 100 Fellows in den Bundesländern NRW, Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg. In Thüringen gibt es nur zwei Fellows, nämlich mich und Marie Ting in Jena. Dennoch sind wir gut angebunden. Monatlich gibt es eine Fortbildungsveranstaltung am Wochenende in Berlin und ein Austauschtreffen mit anderen Fellows. Darauf freue ich mich, ich kann viele neue Ideen von den anderen aufgreifen.
Wie stehen die Schule und die Stadt Jena zu euch?
Mein Eindruck ist, dass wir sehr gut aufgenommen werden, auch ohne Lehrer zu sein. Wir fühlen uns durch die Schule gut unterstützt und haben wirklich große Freiheiten und genießen großes Vertrauen, in dem, was wir tun. Entscheidender ist noch die Unterstützung der Stadt Jena. Sie hat es schlussendlich möglich gemacht, dass wir als Fellows hier aktiv werden können. Die Bildungslandschaft in Jena ist wirklich einmalig und jetzt bin ich ein Teil davon. Dabei habe ich schon einige Städte gesehen.
Wie sehen die Schüler und Eltern euch als “Nicht-Pädagogen”?
Ich empfinde meine Rolle als große Erleichterung und bin erstaunt, wie offen die Schüler mir gegenüber sind. Da spielt vielleicht hinein, dass ich kein Lehrer bin und es eventuell auch einfacher habe, zum Beispiel keine Noten geben muss. Durch die Zeit außerhalb des Unterrichts lerne ich die Schüler auch ungezwungener kennen. Deswegen finde ich meine Bezeichnung als „Fellow“/Gefährte so passend. Durch meinen Hintergrund und meine Erfahrungen von außen kann ich auch eine andere Perspektive einnehmen und Meinungen vertreten, zum Beispiel wenn wir Themen der Wirtschaft behandeln. Ich habe bisher nur Zustimmung zur Rolle erfahren, vorausgesetzt, ich kann gut erklären, inwiefern ich mich von Lehrern oder Schulsozialarbeitern unterscheide. Gefragt wird natürlich schon.
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