Freie Musikpädagogen Jena fordern von Politik und Jenakultur bessere Arbeitsbedingungen
Jena. Seit Jahren versucht die Stadt Jena Kosten zu sparen, indem sie den Anteil der angestellten Mitarbeiter am Gesamtkollegium stetig verringert (derzeit sind es nur noch 25% Angestellte).
Das bedeutet für die freien Mitarbeiter:
- kurzfristige Arbeitsverträge,
- fehlende soziale Absicherung,
- der Qualifikation nicht angemessene Honorare
Jenakultur, als Träger der MKS, hat in der Vergangenheit mehrfach die Gebühren für die Nutzer angehoben, ohne die Honorare der freien Mitarbeiter anzupassen. Diese stagnieren auf dem Niveau von 1998, von der allgemeinen Inflation effektiv reduziert. Über viele Jahre hat die faktische Subvention des Schulbetriebes über den Idealismus der Mitarbeiter funktioniert. Mittlerweile ist jedoch die Grenze des Zumutbaren überschritten. Um der wachsenden Unzufriedenheit im Kollegium eine Stimme zu geben, gründete sich vor über einem Jahr die Interessenvertretung der freien Mitarbeiter der MKS Jena „Freie Musikpädagogen Jena (FMPJ)“. In ihr sind alle freien Mitarbeiter der MKS organisiert.
Der Aufruf auch nachfolgend im Video:
Um mit Jenakultur ins Gespräch zu kommen, verfassten die freien Mitarbeiter im Mai 2010 eine Petition, welche Jenakultur und dem zuständigen Ausschuss des Stadtrates vorgestellt und erläutert wurde. Leider haben wir, auch auf wiederholte Nachfrage, darauf keine Reaktion erhalten. Da wir inzwischen deutliche Anzeichen für eine Gefährdung der Qualität des Schulbetriebes sehen, denken wir, dass es an der Zeit ist, erneut zu handeln.
Mit unserem Elternbrief “Gelbe Karte für Jenakultur” möchten wir die Öffentlichkeit über unsere Arbeitsbedingungen informieren und Druck auf Jenakultur ausüben. Der Elternbrief wird derzeit an unsere ca. 2 000 Kunden verteilt. Um unseren Forderungen Gewicht zu geben, haben wir eine Protestnote online gestellt. Weiterhin haben wir eine Demonstration am Mittwoch, 8.Juni 2011, 17 Uhr auf dem Markt in Jena angemeldet.
Wir bitten herzlich um Ihre Unterstützung
Wenn Sie der Meinung sind, dass für die Gewährleistung eines niveauvollen Unterrichtes an der Musik- und Kunstschule Jena auch eine gerechte Honorierung und faire Behandlung der Mitarbeiter angebracht wäre, dann unterstützen Sie uns bei unserer Forderung nach Gesprächsbereitschaft und fairen Vertragsverhandlungen!
Am 25. Mai um 19.10 Uhr zählen wir bereits 185 versendete Protestnoten. Vielen Dank! Wir hoffen auf viele weitere Unterstützer. Zur E-Mail-Protestaktion >
oder/und zeichnen Sie die Petition nachfolgend öffentlich auf Jenapolis:
Petition jetzt Mitzeichnen: KLICK
Autor: Freie Musikpädagogen Jena (FMPJ)
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:- Geh einfach schon mal heute wählen!
- Finanzierung staatlicher und freier Schulen nicht ausgeglichen
- Jenapolis startet Online-Petitionssytem für Jena mit "Jenaplan-Petition"
- “Auf vielen Wegen. Wie Inklusion Praxis wird.”: 3. Fachtage des Vereins QuerWege
- “aspekte” reagiert auf Jenas Kritik: Nach dem Beitrag ist vor der Recherche?
Einen Kommentar schreiben
6 Reaktionen zu “Freie Musikpädagogen Jena fordern von Politik und Jenakultur bessere Arbeitsbedingungen”-
Hans-Martin Moderow
Am 27. Mai 2011 um 20:23 Uhr
Ich gebe zu bedenken:
- Die Honorare für die freien Musikpädagogen sind in Jena die höchsten in Thüringen und brauchen auch deutschlandweit keinen Vergleich zu scheuen.
- Soziale Absicherung und langristige Arbeitsverträge widerspricht dem Status einer Honorarkraft. Man fordert also im Grunde eine Festanstellung.
- Das würde die Kosten für die MKS um erhebliche Summen steigern.
- Wir hatten gerade eine Gebührenerhöhung für die MKS.
- Wer von JenaKultur mehr Geld will, muss auch sagen, wem JenaKultur das Geld wegnehmen soll.Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Frank Nebel
Am 28. Mai 2011 um 08:58 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Moderow,
die Lebenshaltungskosten in Jena gehören ebenfalls zu den höchsten in Thüringen.
Dass die Honorarhöhe für studierte Pädagogen in den ländlichen Regionen Thüringens noch geringer ausfällt, kann nicht ernsthaft ein Argument in dieser Diskussion sein.
Die Aussage zum deutschlandweiten Vergleich bitte ich Sie zu belegen. Die mir vorliegenden Zahlen in vergleichbaren deutschen Städten zeigen ein anderes Bild.
Sie haben recht, freie Mitarbeiter sind für Ihre soziale Absicherung selbst verantwortlich. Das gelingt ihnen jedoch nur, wenn die Honorare so gestaltet sind, dass neben den aufzuwendenden Lebenshaltungskosten noch Spielräume für Sozialbeiträge bleiben.
Wir hatten in den vergangenen Jahren mehrere Gebührenerhöhungen an der MKS, ohne dass die Honorare der freien Mitarbeiter angeglichen wurden.
Die Frage ist doch: Wo fließt dieses Geld hin?
Es geht hier nicht darum, jemanden etwas „wegzunehmen“. Es geht um gerechte Verteilung und um faire Honorierung von Leistung.Mit freundlichen Grüßen,
Frank Nebel
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Stephan-nordhoff
Am 3. Juni 2011 um 16:24 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Moderow,
da halte ich es mit unserem ehemaligen Innenminister und seinem viel zitierten Satz “Wer Musikschulen schließt, schadet der inneren Sicherheit!” und “gebe zu bedenken”:
Wer als Arbeitgeber die Sorgen und Nöte seiner Musikschullehrer auf Dauer ignoriert und nicht zu Neuerungen bereit ist, schadet nicht nur eben diesen Lehrern und deren Schülern, sondern auch den Schulen selbst.Stephan Nordhoff
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Dr. Harald Mertes
Am 5. Juni 2011 um 19:37 Uhr
@ Herr Moderow
Was ist denn an einer Festanstellung negativ?
Wer Qualität will, muss auch etwas bieten.
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Hans-Martin Moderow
Am 5. Juni 2011 um 22:09 Uhr
An einer Festanstellung ist nichts schlecht. Man muss aber sehen, ob sie finanziell sinnvoll ist. Bietet sie die sachgerechte Antwort auf einen schwankenden Bedarf? Wie hoch dürfen nach Meinung der Stadt die Gesamtkosten sein?
Bisher ist es der Musik- und Kinstschule durchweg gelungen, für das angebotene Honorar fachlich einwandfrei qualifizierte Honorarlehrkräfte zu bekommen.
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Monika Herold
Am 6. Juni 2011 um 23:23 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Moderow,
mit Verlaub, ich verstehe unter “schwankendem Bedarf” ein abwechselndes Anwachsen und Einbrechen der Zahlen an Neuanmeldungen. Tatsächlich gibt es jedoch Unmengen an Schülern, die auf lange Wartelisten gesetzt und nicht mehr zugelassen werden. Die Arbeit der, wie Sie selbst einräumen, “fachlich einwandfrei qualifizierte[n] Honorarkräfte” scheint also einen stetig wachsenden Bedarf zu produzieren.
Wie Sie weiterhin bemerkt haben sollten, ist die Schmerzgrenze, bis zu der diese Fachkräfte (und Multiplikatoren des Erfolges der Musik- und Kunstschule) bereit sind, diese wichtige Arbeit zu verrichten, inzwischen überschritten. Das Zulassen steigender Schülerzahlen würde meines Erachtens das Mindeste an “sachgerechter Antwort” auf die Situation darstellen – seit wann verursachen mehr zahlende “Kunden” in einem Betrieb denn höhere Gesamtkosten? Und warum sollten die Mitarbeiter eines Betriebes nicht am Gewinn ihres Arbeitgebers, den sie selbst mitproduzieren, teilhaben? Hier bitte ich um etwas Aufklärung!
Zudem: die “einwandfrei qualifizierte[n] Honoralehrkräfte” SIND die Musik- und Kunstschule! (Zum größeren Teil von 75%).
Mit freundlichen Grüßen,
Monika Herold(junge Musikerin und Musikpädagogin aus Leidenschaft, die nunmehr ein Drittel ihres Lebens in Ausbildungen investiert hat, um von ihrer Liebe zur Musik und zur Pädagogik einmal leben zu können)
Stimme zu / Lehne ab:
0
0

