Sechs neue Stolpersteine werden in Jena gesetzt
Jena. Der „Jenaer Arbeitskreis Judentum“ und die Stadt Jena laden herzlich ein zur nächsten Setzung von sechs Stolpersteinen an vier verschiedenen Plätzen zur
Erinnerung an die jüdischen Opfer, die Mitbürger unserer Stadt waren.
Die sechs Stolpersteine werden am 18. Juni für diese ehemaligen jüdischen Mitbürger gesetzt:
14.30 Uhr Zwätzengasse 14 für für Bertha Kiewe, geb. Anschlewitz, verw. Geist (1890-1942) und Martin Kiewe (1891-1942)
Der Kaufmann Martin Kiewe stammte aus Schlesien und wohnte in Berlin, als er die aus Leipzig stammende Witwe Bertha Geist 1926 in Jena heiratete. Das Ehepaar wohnte dann in der Zwätzengasse 14 und betrieb dort ein Textilgeschäft. Wie anderen jüdischen Geschäftsinhabern auch wurde ihnen 1938 ihr Geschäft weggenommen und „arisiert“. Mit einem großen Transport aus Thüringen und Sachsen erfolgte am 10. Mai 1942 ihre Deportation nach Polen in den kleinen Ort Belzyce. Am 13. Oktober 1942 wurde das Ghetto von der SS geräumt, Bertha und Martin Kiewe sind wahrscheinlich dabei umgebracht worden.
15.30 Uhr Forstweg 31 für Max Grossmann ( 1877-1938)
Max Grossmann wurde als Sohn eines jüdischen Arztes in Bielitz geboren. Er studierte an der Technischen Hochschule in Darmstadt Elektrotechnik. Seit 1909 arbeitete er in der Firma Otto Schott auf dem Gebiet der elekrolytischen Zählerfabrikation. 1921 bezog er mit seiner Frau und den beiden Söhnen das Haus Forstweg 31. Am 10. November 1938, nach der sogenannten „Reichskristallnacht“, wurde er, wie andere jüdische Bürger von Jena auch, in das KZ Buchenwald deportiert. Dort wurde er am 21. November umgebracht.
15.50 Uhr Scheidlerstr. 3 für Martha Walter (1900-1942) und Alfred Walter (1894-1942)
Martha Walter wurde in Jena als Tochter des Darm- und Fellhändlers Hermann Friedmann geboren, Alfred Walter stammte aus Rudolstadt, wo er Inhaber eines Zigarren- und Wettgeschäfts war. Seit 1938 wohnte die Familie zunächst im Haus des Schwiegervaters, dann in der Scheidlerstraße 3. 1942 mussten sie dieses Haus verlassen; sie wurden in das Waggon-Lager in der Löbstedter Straße 56 eingewiesen. Alfred Walter wirkte als Vertrauensmann der Juden von Jena. Am 10. Mai 1942 wurde das Ehepaar nach Belzyce deportiert, wo sich seine Spur verliert.
16.30 Uhr Brauhofstr. 5 für Gitta Reinhardt (1891-1943)
1908 kam sie mit ihren Eltern aus Lowicz (Polen) nach Chemnitz. Ihr Vater hatte in Polen eine Schule für jüdische Buben geführt und war Kantor an der heimatlichen Synagoge gewesen. Gitta lernte an der Stickerei-Fachschule in Plauen Maschinensticken. Sie lebte dann mehrere Jahre bei ihrer Schwester Rosa in Berlin. 1920 heiratete sie den nichtjüdischen Drucker Fritz Reinhardt und wohnte seitdem in Jena. 1922 wurde die Tochter Margot geboren. 1930 verstarb ihr Mann, seither fehlte ihr jeder Schutz. Mehrfach wurde ihr wegen ihrer jüdischen Herkunft die Wohnung gekündigt. Im Dezember 1942 wurde sie aus ihrer Wohnung verschleppt und am 2. Mai 1943 in Auschwitz umgebracht.
Autor: „Jenaer Arbeitskreis Judentum“ – Gisela Horn
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