Bahnchef Grube: “Weimar wird künftig anders berücksichtigt!”
Weimar. Gestern, 29. Juli, war Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, zu einem privaten Besuch in der Kulturstadt.

OB Stefan Wolf ist stolz auf die Akteure des Aktionsbündnisses und geht optimistisch in die nächsten Verhandlungen. Foto: Tobias Netzbandt/Jenapolis
“Er ist weimarisiert”, verkündete stolz Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). Bahnchef Grube war bereits zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen in Thüringen. Ein Achtungserfolg des Aktionsbündnisses “Nächster Halt- Weimar”. Ohne die beständige Arbeit wäre die langsame Abkopplung Weimars vom Fernverkehr ohne Kompromisse 2015 beendet worden.
Doch das Aktionsbündnis, ein loser und offener Zusammenschluss von Studenten und Hochschullehrern der Hochschulen in Weimar sowie Angestellten der Stadt Weimar, Gastwirten und Hoteliers sowie vielen Engagierten aus der Bevölkerung schaffte es, dem Bahnchef zwar keine Änderungen der Pläne für die Abkopplung vom ICE-Netz abzuringen, dennoch war Grube nach dem Besuch “weimarisiert”: “Sie haben mich als absoluten Fan gewonnen. Alles, was ich für Weimar tun kann, werde ich tun. … Ich werde Weimar ein bisschen zu meinem Hobby machen.”, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn. Der Besuch in Weimar dauerte drei Stunden. Mit Vertretern des Aktionsbündnisses traf er sich 45 Minuten. “Es war eine ganz entspannte Atmosphäre”, so Wolf im Pressegespräch. Grube folgte damit auch einer persönlichen Einladung im Vorfeld, wollte sich aber auch gleichzeitig selbst ein Bild von der “kleinen Stadt” machen. Mit über 400 000 Übernachtungen steht Weimar an der Spitze des Pro-Kopf-Einwohnerverhältnisses zu Touristen. Die Bahn werde von nun an nicht nur die großen Metropolen im Blick haben. “Weimar wird künftig anders berücksichtigt!”, so Grube im Gespräch mit dem Aktionsbündnis. Ein kleiner Erfolg.
Grube ist nun ein “großer Weimar-Fan”, sicherte zwar keine Änderungen am Fahrplan zu, versprach aber, sich persönlich bei den Fahrplanwechseln für Weimar einzusetzen. “Wir gehen optimistisch aus diesem Treffen.” so Pressesprecher Friedrich v. Klinggräff. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe, die sich mit dem Fernverkehr in Thüringen beschäftigt und aus Vertretern der Bahn, des Thüringer Verkehrsministerium und den Oberbürgermeistern der zwei betroffenen Kommunen Weimar und Jena besteht, werden in Weimar und nicht am Tagungsort Erfurt veröffentlicht. Am 8. August wird die Gruppe zum ersten Mal tagen.
Aus dem Hochschul-und High-Tech-Standort Jena kamen keine Aktionen oder Proteste seitens der Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik, auch wird mit dem Weimarer Bündnis nicht zusammen gearbeitet. Die Treffen des Bündnisses “Nächster Halt – Weimar” sind regelmäßig und finden öffentlich statt. (tn)
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Eine Reaktion zu “Bahnchef Grube: “Weimar wird künftig anders berücksichtigt!””-
konservativ-kritisch
Am 30. Juli 2011 um 23:44 Uhr
Nicht nur, dass die Bahn nun nicht gerade der glaubwürdigste Partner ist, wie die vom “Stern” neulich veröffentlichte, zuvor von der Bahn geheim gehaltenen Analyse(http://www.stern.de/politik/deutschland/geheimpapier-zu-stuttgart-21-wie-die-bahn-die-wahren-kosten-verschleiert-1708627.html)erneut eindrucksvoll beweist. Etwas anderes stößt mich an diesem Text ziemlich sauer auf:
Da kommt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn Ag für 3 Stunden nach Weimar, und weil es ihm in Weimar – auch durch frühere Besuche – nun immer besser gefällt, kann er sagen: “Weimar wird künftig anders berücksichtigt!” ???
Das ganze erinnert mich eher an einen Obrigkeitsstaat als an eine Demokratie. Nicht, dass es Herrn Grube demnächst mal in Weimar nicht so richtig schmeckt, und Weimar wird dann doch wieder nur – nunja – nicht “anders”, sondern “normal” berücksichtigt. Und das man nicht vergisst, den roten Teppich auszurollen, sollte Herr Grube demnächst mal wieder vorbeikommen. Denn enttäuschte Hoffnungen könnten dazu führen, dass in Weimar, nun ja, bald gar kein Zug mehr hält.
Und ich dachte immer, dass Experten den Fahrplan der Bahn durch eine Vielzahl fachlicher Überlegungen gestalten, und zwar in einer Art, dass eine gute Verkehrs- Infrastruktur gewährleistet wird (und demokratische Willensbekundungen nicht völlig außen vor bleiben).
Aber die Bahn ist wohl eher das neue Politbüro? Oder ist Herr Grube der neue Kaiser? Und sollte man, statt vom Wutbürger, bald vom Wut-Untertanen sprechen?
Ich bin doch sehr verwirrt, wie bei der Bahn Entscheidugen getroffen werden! Das hatte ich mir wahrlich ganz anders vorgestellt!
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