Letztens in Jena: Die Truman-Show in Jena
Jena. Es fällt auf: In Jena wird gerade sehr viel gebaut. Es gibt Streit darüber, ob jedes Bauvorhaben sinnvoll ist und wenn ja, ob auf jene oder doch besser andere Weise umzusetzen. Die vielen Diskussionen darüber vermitteln den Eindruck, dass diese Projekte nicht nur ihrem eigenen, sondern auch einem höheren Zweck dienen. Wagen wir doch einmal das folgende Gedankenexperiment: Jena sei darin ein riesiges Spiel- und Forschungsfeld für eine großangelegte Studie zum Thema Stressbewältigung. Und nehmen wir einfach einmal Jena West als Beispiel zur Erörterung verschiedener Verdachtsmomente:
In der ersten Phase des Experiments wurden Jahnstraße und Jahnplatz gesperrt. Erste wichtige Parkplätze fielen weg. Folge: Der Stresspegel leicht erhöht, es herrscht Unverständnis über die Baumaßnahmen, die Betroffenen solidarisieren sich untereinander.
In Phase Zwei wurde die Humboldtstraße für den Durchgangsverkehr in Richtung Weimar gesperrt, so dass der Hauptteil dessen über die Luther- und August-Bebel-Straße geleitet werden musste. Auswirkungen: Der Stresspegel steigt stark an, flacht aber relativ schnell wieder ab.
Eine Ausnahme bilden die Freitage, an denen gewohnheitsgemäß stadtauswärts zwischen 10.00 und 12.00 Uhr rechts anstatt links geparkt wird, obgleich diese Ausnahmeregelung für die Dauer des Bauvorhabens aufgehoben ist. Folglich parken in diesem Zeitraum sowohl links als auch rechts Fahrzeuge.
Auswirkungen: Der aufgestaute Stress sucht seine Entladung in zwischenmenschlichen Konflikten:
Verbale Übergriffe verschiedener Verkehrsteilnehmer untereinander, bewusst in Kauf genommene Verkehrsregelüberschreitungen und gesteigertes maßregelndes Hupen sind Marker des hohen individuellen Frustrationsniveaus. Die Schwelle für gewalttätige Übergriffe (zumindest der Androhung dieser) sinkt dramatisch ab, obgleich nach 12.00 Uhr ein relativ schnelles Abflauen der zuvor genannten Symptome beobachtet werden kann.
Mein Vorschlag für Phase drei: Vollsperrung der A4 zwischen den Abfahrten Jena Lobeda und Jena Göschwitz, halbseitige Sperrung der Lutherstraße und der August-Bebel-Straße. Zwischen Lutherstraße und A.-Bebel-Straße kann wahlweise auch im Minutentakt variiert werden. Zu erwartende Auswirkungen: Da lassen wir, respektive die forschenden Soziologen, Psychologen und Anthropologen, uns besser überraschen! Ich besorge mir auf jeden Fall schon mal eine schusssichere Weste…!
Autorin/Comic: Julia Tripke
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8 Reaktionen zu “Letztens in Jena: Die Truman-Show in Jena”-
ovubac
Am 3. August 2011 um 18:36 Uhr
Nicht auszuhalten! Zum Glück habe ich nur zeitweise ein Auto.
Anmerkung:
Truman wird, zumindest wenn es um den Film geht, ohne e geschrieben. Wenn das ein beabsichtigtes Wortspiel war, das ich nicht verstanden habe, dann habe ich nichts gesagt.
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Julia Tripke
Am 3. August 2011 um 20:32 Uhr
Nein, nein, Sie haben Recht…der Film ist gemeint.
Danke für den Hinweis!:)
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moni
Am 4. August 2011 um 10:43 Uhr
Der Artikel beschreibt die Situation sehr gut. Am Freitag waren viele Autofahrer in der Lutherstraße schon so genervt, dass die Ampel gar nicht mehr interessiert hat. Das war teilweise ein gefährliches Spiel.
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Julia Tripke
Am 4. August 2011 um 12:26 Uhr
Ich wundere mich, dass es noch keine ersten Verpflegungs-Drive-In bzw.-Drive-By gibt. Die Händler hätten sicherlich keinen schlechten Umsatz und nebenbei würde sich vielleicht sogar die Laune der Verkehrsteilnehmer etwas bessern.
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Dominique
Am 4. August 2011 um 16:24 Uhr
Alternativ fahren vermutlich alle lieber weiter über Holperpisten. Das freut die Anwohner und den Autohändler des Vertrauens beim Austausch der Stoßdämpfer.
Mal ganz ehrlich: Kauft euch ein Fahrrad und regt euch nicht so auf. In räumlich beengten Städten wie Jena kann man eben nicht immer eine vierspurige Ausweichstraße bauen. Warum freut sich eigentlich niemand auf die im Anschluss schicken und sicheren Straßen?
Wenn danach lebensgefährliche Schlitterpartie auf den überfrohrenen oder nassen Kopfsteinpflasterstrecken ein Ende hat, nehme ich auch gerne ein halbes Jahr Baulärm vor meiner Tür in Kauf!Stimme zu / Lehne ab:
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Julia Tripke
Am 4. August 2011 um 20:34 Uhr
Hier regt sich doch keiner auf…wir beobachten nur;)
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Bernd
Am 6. August 2011 um 11:17 Uhr
Liebe Julia,
es ist gut, Deine Comics mal hier zu finden. Danke an Jenapolis für die Veröffentlichung.
Die Zeichnungen und die Texte finde ich echt spitze!Stimme zu / Lehne ab:
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Julia Tripke
Am 8. August 2011 um 10:14 Uhr
Das ist aber ein schönes Kompliment:)
Danke sehr!Stimme zu / Lehne ab:
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