Vortrag: Angesteckt im Krankenhaus? Wie gefährlich sind Krankenhauskeime?
Jena. Wie gefährlich sind die viel gefürchteten Krankenhausinfektionen, und was kann ich tun, um mich zu schützen?
Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema „Gefährliche Infektionen“ gibt am 11. August ein Vortrag in der Ausstellung „MenschMikrobe“. Professor Frank Martin Brunkhorst, Sepsis-Experte am Universitätsklinikum Jena, wird über die Bedrohung durch Krankenhauskeime und Hygiene- und Schutzmaßnahmen sprechen. „Dabei ist vor allem eines wichtig – die Bedrohung durch eine Ansteckung mit sogenannten Krankenhauskeimen wird überschätzt“, sagt Prof. Brunkhorst. „In den meisten Fällen ist nicht mangelnde Hygiene schuld, wenn bei einem kranken Menschen während der Klinikbehandlung eine gefährliche Infektion auftritt“, so Brunkhorst. Die Keime kommen mit dem Patienten selbst, der unbemerkt damit lebt, ins Krankenhaus. Fällt dann das Abwehrsystems aufgrund schwerer Erkrankungen aus, vermehren diese sich ungehindert und werden zu einer Gefahr. Dazu kommt, dass die größte Gefahr von antibiotikaresistenten Erregern ausgeht, vor allem den sogenannten multiresistenten gram-negativen Bakterien. „Kommt es zu einer solchen Infektion, sind wir faktisch machtlos, weil unsere stärksten Waffen, die Antibiotika, versagen“, erklärt Prof. Brunkhorst.
Mögliche Schutzmaßnahmen sind neben einer gründlichen Händedesinfektion, die auch Besucher Schwerkranker immer durchführen sollten, vor allem ein zurückhaltender Einsatz von Antibiotika im ambulanten Bereich. „Jeder kann tatsächlich etwas tun, um sich und als Angehöriger andere zu schützen“, beschreibt Prof. Frank Martin Brunkhorst. „Fragen Sie beispielsweise Ihren Hausarzt, ob Antibiotika wirklich notwendig sind. Achten Sie mit darauf, dass Katheter nur so lange wie unbedingt nötig zum Einsatz kommen, und schützen Sie sich durch Impfungen zum Beispiel gegen Pneumokokken“.
Terminhinweis:
Donnerstag, 11. August, 18.00 Uhr
Hörsaal 5, Campus Carl-Zeiss-Straße 3
„Wie gefährlich sind Krankenhausinfektionen wirklich?“
Prof. Dr. Frank Martin Brunkhorst, Universitätsklinikum Jena, Paul-Martini-Forschergruppe Clinical Septomics
- Abendvorlesung der UKJ zur neuen Studie zu Krankenhausinfektionen
- Jenaer Experten koordinierten Überarbeitung der Leitlinie zur Sepsis-Behandlung
- 959 Maßnahmen zum Schutz für Kinder und Jugendliche 2010 in Thüringen
- Gefährliche Keime auf Geflügelfleisch nicht verharmlosen
- Fußball-Vergleich der Professoren-Mannschaften
Einen Kommentar schreiben
2 Reaktionen zu “Vortrag: Angesteckt im Krankenhaus? Wie gefährlich sind Krankenhauskeime?”-
konservativ-kritisch
Am 8. August 2011 um 16:18 Uhr
Ein sehr interessantes Thema, vorgetragen von einem anerkannten Experten auf seinem Gebiet:
Man kann die Veranstaltung nur empfehlen.
Jedoch würde ich aus den Befund: “die Bedrohung durch eine Ansteckung mit sogenannten Krankenhauskeimen wird überschätzt” nicht in die Richtung auslegen, dass vernachlässigte Krankenhaushygiene kein Risikofaktor für die Ansteckung mit gefährlichen Keimen ist. Man schaue hierzu auf die Niederlande.
Die Niederlande können, indem sie die Krankenhaushygiene verbessert haben UND indem sie mehr Pflegekräfte für die Kranken eingesetzt haben UND indem sie mehr Fachärzte für Mikrobiologie eingestellt haben (somit reagiert man auf alle Risikofaktoren gleichzeitig) große Erfolge bei der Bekämpfung dieser Krankenhauskeime verzeichnen
http://www.wdr.de/themen/gesundheit/hygiene/mrsa/091119.jhtml
Mich macht es immer wieder traurig, dass man in Deutschland nicht einen ähnlichen Weg geht. Aber wahrscheinlich gibt es dafür keine mächtige Lobby, denn schon der Einsatz einer größeren Anzahl von Fachärzten und von Pflegekräften ist wohl der Krankenhaus- Lobby zu teuer. Und dass, obwohl im Gesundheitswesen sonst kaum etwas zu teuer scheint, solange die Richtigen daran verdienen.
Armes reiches Deutschland
Stimme zu / Lehne ab:
0
0 -
Wieland Rose
Am 8. August 2011 um 20:20 Uhr
Konsequentes Isolieren alles Risikopatienten ist nun mal die einzige Möglichkeit wenn man Krankenhauskeime effektiv bekämpfen will.
Leider will dafür in Deutschland niemand das nötige Geld für Personal und Zimmer zur Verfügung stellen. Langfristig würde es zwar billiger werden aber nur die aktuelle Rendite ist leider relevant.
Auch in der Uniklinik Jena könnten viele Infektionen verhindert werden wenn Isolationsmaßnahmen umgesetzt werden würden. Aber das ist nicht gewollt. Auch in der Planung des neuen Haus spiegelt sich das wider. Über 60% 3 Bettzimmer sprechen für sich.
Stimme zu / Lehne ab:
0
0

