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Schließung der Schott-Solarwaferproduktion in Jena „herber Dämpfer“ für Solarstandort Thüringen



Machnig: Faire Rahmenbedingungen für Solarwirtschaft sichern

Erfurt. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat die Ankündigung der Schott AG, die Solarwaferproduktion in Jena zu schließen, als „herben Dämpfer“ für den Solarstandort Thüringen bezeichnet. Dies sei die Reaktion auf massive weltweite Überkapazitäten und den Preisverfall in der Solarbranche. „Dennoch: Die Solartechnologie wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle für die weltweite Energieversorgung spielen“, sagte Machnig: „Die Frage ist nur, ob Deutschland dann noch dabei ist oder nicht.“ Die Bundesregierung habe die Investitionsbedingungen in der Solarwirtschaft ständig verschlechtert und die Unternehmen damit zusätzlich verunsichert, so der Minister: „Mit ihrer Kürzungsorgie bei der Solarförderung hat die Bundesregierung die Substanz vieler Unternehmen geschwächt.“

Seit langem stünden deutsche Solarhersteller in direkter Konkurrenz zu massiv subventionierten asiatischen Unternehmen. Diese hätten in den letzten beiden Jahren die Modulpreise um jeweils mehr als 40 Prozent gesenkt. Zugleich werde der Zugang zu den abgeschotteten asiatischen Märkten durch die dortigen Regierungen erschwert. „In dieser Situation ist der Bundesregierung nichts Besseres eingefallen, als die deutschen Hersteller durch einseitige, unvorhersehbare Förderkürzungen noch zusätzlich zu belasten“, sagte Machnig. Das seien zum Teil dramatische Einschnitte gewesen, die auch die wettbewerbsfähigste Industrie nur schwer verkraften könne. „Der richtige Weg wäre gewesen, stattdessen auf eine Marktöffnung zu drängen und Local-Content-Regelungen zu unterstützen“, so der Minister.

Mit Blick auf den Schott-Standort Jena sagte Machnig, er begrüße die Ankündigung des Unternehmens, auf betriebsbedingte Kündigungen weitgehend zu verzichten. „Ich gehe davon aus, dass Schott alles tun wird, um den 290 betroffenen Beschäftigten einen neue berufliche Perspektive im Unternehmen zu geben.“ Positiv bewertete der Minister die Zusicherung des Unternehmens, wichtige Geschäftsbereiche am Standort zu erhalten, so insbesondere die Fertigung von Dünnschicht-Solarmodulen. „Das zeigt, dass Schott an die Zukunft der Branche und der Technologie glaubt.“

„Ich habe den Eindruck, dass das Unternehmen an einer langfristigen Weiterentwicklung des Standorts interessiert ist und alles dafür tun wird“, so der Minister. Machnig kündigte an, die Thüringer Solarhersteller in der kommenden Woche zu einem „Thüringer Solargipfel“ in das Wirtschaftsministerium einzuladen. „Es geht darum, die aktuellen Entwicklungen richtig einzuordnen und Strategien für die Zukunft zu erörtert“, so der Wirtschaftsminister.

In jedem Falle sei es entscheidend, faire Rahmenbedingungen und die Offenheit der internationalen Märkte – auch in China – für die deutsche Solarbranche zu sichern, sagte der Minister. „Vor allem können wir die ruinöse Übersubventionierung auf chinesischer Seite nicht länger kommentarlos hinnehmen.“ Er hoffe, dass eine derzeit laufende US-amerikanische Klage gegen chinesische Solarhersteller wegen Wettbewerbsverzerrung Erfolg haben werde. „Das könnte auch eine Signalwirkung für den europäischen Markt haben.“

Hintergrund – Solarbranche in Thüringen:

80 produzierende Unternehmen, davon 8 weltweit agierende Produzenten, 3 Forschungseinrichtungen, 5 Hochschulen. Die Branche bietet allein in Thüringen rund 5.000 Arbeitsplätze und hat in den vergangenen Jahren rund 1,2 Milliarden Euro am Standort investiert. Wichtig ist die Solarwirtschaft auch für das Handwerk – so sind allein im Kammerbezirk Erfurt rund 370 Betriebe im Bereich solarer Dienstleistungen tätig.

MDR Thüringen: Schott zieht sich aus Waferfertigung in Jena zurück

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4 Reaktionen zu “Schließung der Schott-Solarwaferproduktion in Jena „herber Dämpfer“ für Solarstandort Thüringen”
  • Radiowaves Am 12. Januar 2012 um 08:30 Uhr

    Jena, Tatzendpromenade, Juni 2009:

    http://s14.directupload.net/file/d/2767/mr5in2r2_jpg.htm

    Zeiten ändern sich. Solar ist nicht das erste, was weitgehend komplett Deutschland verlassen wird. Der Energiewende wird dies keinen Abbruch tun, im Gegenteil: die Preise werden weiter sinken, die Energiewende wir beschleunigt durch niedrige Lebens- und Umweltstandards anderswo. Unsere Großbildfernseher kaufen wir doch ganz genau so, nach den gleichen Kriterien. Die wenigsten kommen aus Deutschland.

    Hot debate. What do you think? Daumen hoch 13 Daumen runter 0

  • ulf Am 12. Januar 2012 um 20:50 Uhr

    schade fuer alle mitarbeiter die in jena ihren job verlieren aber “produktion” findet heutzutage nunmal in china, oder besser wo es noch billiger ist, statt.

    “Komplettiert wird die Neuausrichtung durch das Technologiezentrum für die Entwicklung monokristalliner Wafer am Standort Jena. Die Fertigung von Photovoltaik-Dünnschichtmodulen in Jena wird fortgeführt. Somit bleibt Jena als Solarstandort erhalten.” schrieb Klaus Bernhard Hofmann gestern auf schottsolar.com

    ein Technologiezentrum also, da bin ich mal gespannt. im grossen und ganzen kann man schon feststellen dass es bei schott einfach kein wirkliches ”commitment” zum urstandort jena gibt und das ist natuerlich schade. ein bisschen erweiterte werkbank gibt es ja mit der “Fertigung der Dünnschichtmodule” dann noch, fragt sich nur wie lange…..

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  • Holger Herrmann Am 13. Januar 2012 um 10:37 Uhr

    Ein Hauptproblem ist doch, dass die EU und unsere Regierung nicht in der Lage sind unsere Erfindungen patentrechtlich zu schützen und diesen Schutz weltweit durchzusetzen.
    Hier wird geforscht und entwickelt und in China wird nach Herzenslust abgekupfert.
    Schott kauft die Wafer für seine Module künftig ja selbst in Fernost.
    Der Endkunde kommt wahrscheinlich erst dann in´s Nachdenken, wenn seine billige Solaranlage abfackelt:

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  • Hava Sanning Am 13. Januar 2012 um 11:28 Uhr

    Vorsicht lieber Holger Herrmann!!!

    Mit derartigen Argumenten wurde vor rund 130 Jahren der Name “Made in Germany” großgemacht!!!

    Einfach mal recherchieren, wieso wir jetzt auf alle Artikel eine Ursprungsdeklaration schreiben.

    Nicht dass wir jetzt ähnliches mit “Made in China” oder ähnlichen Ländern machen….

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