Studie belegt dramatische Kinderarmut durch Hartz IV |

Studie belegt dramatische Kinderarmut durch Hartz IV

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Neudietendorf. Vor einer Verhärtung der Kinderarmut in Deutschland auf hohem Niveau warnt der Paritätische in einer neuen Studie. Laut Studie ist immer noch jedes siebte Kind unter 15 Jahren von Hartz IV betroffen, in Ostdeutschland sogar jedes vierte. Zwar zeichne sich in allen ostdeutschen Bundesländern ein deutlich positiver Trend ab, doch verharrt der Anteil armer Kinder bundesweit seit Einführung von Hartz IV auf fast gleichbleibend hohem Niveau. Trotz der positiven Entwicklung in Thüringen sieht der Paritätische keinen Grund zur Entwarnung. „Die gute Arbeitsmarktentwicklung kommt bei Kindern in Hartz IV kaum an“, so Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des PARITÄTISCHEN Thüringen. Deshalb fordert der Verband eine arbeitsmarktpolitische Kehrtwende, die bessere Unterstützung von Alleinerziehenden sowie eine Reform der Hartz IV-Leistungen für Kinder. In Thüringen
kommt jedes zweite Kind, das in Hartz IV lebt, aus einem Alleinerziehendenhaushalt.

Die Studie, die auch Ländertrends abbildet, belegt einmal mehr, dass kinderreiche Familien und Alleinerziehende besonders gefährdet sind. Dabei spiele der Wohnort oder das wirtschaftliche Umfeld keine Rolle. So lebt im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg jede dritte Alleinerziehende mit ihren Kindern von Hartz IV. Den Fokus nur auf den Ausbau der Kinderbetreuung legen greift nach Ansicht des Paritätischen zu kurz. Scharfe Kritik übt der Verband in diesem Zusammenhang an der Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung. „Die aktuelle Instrumentenreform und die damit verbundenen Kürzungen drohen insbesondere auch Alleinerziehende und ihre Kinder weiter ins Abseits zu stellen“, warnt Reinhard Müller.

Aus Sicht des Verbandes wird man ohne passgenaue Hilfen bei der Qualifizierung und ohne öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote den meisten Alleinerziehenden im Hartz IV-Bezug nicht helfen können, da viele der Frauen keinen Berufsabschluss haben. Schon im November vergangenen Jahres wies der Paritätische darauf hin, dass die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung einen falschen Kurs eingeschlagen hat und Langzeitarbeitslosigkeit und Armut verfestigt. In diesem Kontext erneuert der Paritätische die Forderung nach einer Reform des Kinderzuschlags sowie der Hartz IV-Leistungen selbst.

„Neben der Erhöhung der Kinderregelsätze brauchen eine schulische Bildungsoffensive sowie einen Rechtsanspruch für einkommensschwache Kinder auf Teilhabe – vom Sportverein über die Musikschule bis zur Ferienfreizeit mit dem Jugendclub“, sagt Müller abschließend.

 


Die Studie des PARITÄTISCHEN können Sie hier herunterladen.