OB Kandidat Thomas Nitzsche (FDP) antwortet zu den Fragen vom Kitaelternbeirat
Der Jenaer Kitaelternbeirat hat die OB Kandidaten befragt. Nachfolgend die Antwort von Thomas Nitzsche (FDP) :
1. Ist Jena in ihren Augen eine kinderfreundliche Stadt? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
Aber ja! Die Kita-Landschaft unserer Stadt ist bundesweit beispielhaft, die Nutzungsquote übrigens auch. Wir haben alle denkbaren pädagogischen Konzepte in der Stadt vertreten und tragen seit einigen Jahren einer demographischen Entwicklung Rechnung, die auch eine sehr dynamische Stadt wie unsere noch mit Stolz erfüllen kann. Und wir haben uns dabei nicht auf die reine Bedarfsdeckung beschränkt, sondern immer, und in jüngster Zeit auch zunehmend zielgenau, Qualitätsentwicklung betrieben. Dabei helfen inzwischen sogar Sozialdaten aus Kooperationen mit bundesweit agierenden Stiftungen (KECK, KOMPIK), die sich bewusst für Jena als Pilotstadt entschieden haben. Und es spielt auch eine Rolle, dass die Stadt immer bereit war, dafür erheblich Geld in die Hand zu nehmen. (Ähnliches ließe sich übrigens für die Schulen sagen, aber das ist ja hier nicht der Fokus.)
2. Was möchten sie als neuer OB für die Kindergärten in Jena tun?
Ich wirke als Vorsitzender des mit dem Thema betrauten Ausschusses schon seit Jahren an der Gestaltung der Jenaer Kita-Landschaft mit. Also wären für mich als OB nicht die Ziele neu, wohl aber der direkte Zugriff als Chef der Verwaltung. Mir geht es seit jeher um ein bedarfsdeckendes Angebot an Kitaplätzen und um gut qualifiziertes Personal. Den Bedarfen der Eltern auch nach längeren Öffnungszeiten soll Rechnung getragen werden, auch wenn das freilich nicht in jeder Kita geht. Die ererbte Schieflage bei der Verteilung der Kapazitäten im Stadtgebiet (relativ zur Nachfrage: Überangebot in der Südstadt, Mangel in der Kernstadt) soll mittelfristig ausgeglichen werden.
Dass es sich zu Beginn eines jeden Kita-Jahres für viele Eltern sehr knapp anfühlt, weiß ich, ich habe das mit meinen beiden Kindern auch durch. Das ist zum Teil einem Zielsuch-Effekt geschuldet (Mehrfachanmeldungen), zu dessen Milderung wir vor einiger Zeit die Kita-Card eingeführt haben. Ganz vermeiden lassen wird sich das aber nie, denn verschiedene Kitas sind nun mal unterschiedlich stark nachgefragt. Die Garantie auf den Platz in der Wunsch-Kita wird die Stadt also nicht geben können, es hat aber noch immer jedes Kind einen Kita-Platz bekommen. Im vergangenen Jahr haben wir außerdem die jährliche Bedarfsplanung um eine mittelfristige ergänzt, um bei Kita-Neubauten – vor der demographischen Trendwende in unserer Stadt nie erforderlich – die Vorlaufzeit von mind. einem Jahr überhaupt zu haben.
3. Welchen Stellenwert hat das Thema Kinderbetreuung bei ihnen?
Für mich ganz persönlich: Ohne ginge es nicht! Zwei Kinder, meine Frau genauso berufstätig wie ich, die Großeltern nicht am Ort. Das kann sich jeder ausrechnen. Gesamtgesellschaftlich gilt das genauso. Ich respektiere das Familienbild des Erziehens zu Hause, aber wenn alle Eltern bis zum Eintritt der Schulpflicht bei den Kindern bleiben müssten, weil es kein Angebot zur Kinderbetreuung gibt, hätten wir volkswirtschaftlich ein großes Problem. Daher kommt auch meine Bereitschaft, dafür gutes (und zuständigkeitshalber : städtisches) Geld in die Hand zu nehmen. Das muss es uns als Gesellschaft einfach wert sein – und zwar nicht allein unter dem Blickwinkel der Betreuung, sondern auch unter dem der frühkindlichen Bildung. Den Gruppenkontakt zu Gleichaltrigen können Eltern auch mit noch so viel Zeit und Liebe nicht ersetzen. Und wir wollen ja auch, dass die Kinder mit vergleichbarer Lern- und sozialer Kompetenz in die Grundschulen kommen.
4. Welche konkreten Maßnahmen stehen zum Thema Kinderbetreuung auf ihrer Agenda?
Siehe Frage 2.
5. Wie stehen sie zur KiTa-Gebührenerhöhung? Was wird da in der Zukunft geschehen? Wird es ein neues gerechteres Gebührenmodell geben?
Zwei sehr unterschiedliche Fragen.
Zur Erhöhung der Gebühr selbst, genauer: zur Summe des elterlichen Gebührenaufkommens. Ein mehrstufiges Problem, zu dessen Verständnis ich dringend auf die Stadtrats-Niederschrift vom 15.12.2010 verweise (leider schwer zu finden: www.jena.de Stadtverwaltung/Stadtrat Stadtrat Politische Gremien Stadtrat der Stadt Jena Sitzungen). In aller Kürze: Die Novelle des KitaG ist für die Stadt Jena teuer, weil durch das Land nicht wirklich ausfinanziert. Landespolitik erzeugt also ein kommunales Problem, auf das die Stadt (genauer die Koalition und der OB) mit Sozialpolitik nach Kassenlage reagiert: Erst wird die Weisung ausgegeben, das durch das KitaG gerissene Loch durch eine Gebührenerhöhung zu füllen. Soweit richtig, denn WENN beim Land da nichts zu erreichen ist (dem war so), DANN ist eine Gebührenerhöhung systematisch richtig, denn laut KitaG haben sich die Eltern angemessen an den realen Kosten zu beteiligen. Das ist Landesrecht, an dem wir kaum vorbeikommen; daher wäre ich als Kommunalpolitiker auch sehr dankbar, wenn die Kritik an höheren Gebühren zunächst in den Erfurter Ministerien landet. Während nun in Jena die beiden großen Koalitions-Parteien bei der Problemlösung rumeierten, hat sich die FDP in diesem Punkt ehrlich gemacht. Auch der Jugendhilfeausschuss ging mit viel Kraftaufwand und unter heftigen Beschimpfungen an die Umsetzung der Weisung. Und dann kommt bei den Haushaltsberatungen die Koalition um die Ecke, verweist auf glücklicherweise gefundene Überschüsse und präsentiert sich als der große Retter, indem sie ca. zwei Drittel der geplanten Gebührenerhöhung von dorther deckt. Das mag für den Moment schön sein, aber es ist keine Lösung des Problems. Das wird unsere Stadt gnadenlos und sofort einholen, sobald wir mal in einem Jahr keinen so komfortablen Überschuss haben wie damals 2010 und erneut 2011.
Zur Gerechtigkeit. Da geht es um die Binnenstruktur der Gebührensatzung, oder: wer leistet welchen Anteil am Gesamtaufkommen. Die Frage suggeriert, es gehe aktuell nicht gerecht zu, das finde ich nicht gut. Was ist gerecht? Wenn es um die Staffelung nach Einkommen und nach Kinderzahl oder ganz allgemein um die Zumutbarkeit der Kita-Gebühren geht: das alles ist gesetzlich vorgeschrieben und im Rahmen des städtischen Ermessensspielraums auch gut umgesetzt. Im unteren Einkommensbereich kann man nach Sozialgesetzbuch von den Gebühren ganz befreit werden. Man kann sich freilich daran machen, eine bestimmte Klientel noch besser zu stellen; aktuell hat die Fraktion der Linken einen solchen Antrag im Verfahren. Das geht aber immer zu Lasten anderer (solange man nicht stillschweigend davon ausgeht, dass die Stadt das mit unbegrenzt viel Geld auffangen kann), dafür sollte man dann schon eine sehr gute Begründung mitbringen.
6. Ist es ihrer Meinung nach berechtigt, Kindergeld, Wohngeld und den Unterhalt von Geschwisterkindern in die KiTa-Gebührenberechnung einzubeziehen, so wie dies momentan geschieht?
Die Stadt Jena hat sich für eine pauschalierte Regelung entschieden. Statt einer komplizierten Einzelfallberechnung wie bei der Einkommensteuer wird hier das verfügbare Einkommen in einfacher Summe betrachtet und ein bestimmter Prozentsatz zur Veranlagung abgezogen. Das spart Prüfaufwand in erheblichem Maße, also Kosten die sonst weitergegeben würden; und die meisten Familien dürften mit der pauschalierten Regelung sogar besser fahren als anders herum. Absolute Einzelfallgerechtigkeit wird man mit einem solchen System nicht erreichen. Das gilt aber genauso für den Versuch, jeden denkbaren Fall durch Ausnahmetatbestände zu regulieren, wie wir am oben genannten Antrag der Linken gerade sehen. Da bin ich ein Fan der schlankeren Lösung – wobei unbillige Härten auf dem Weg über das Sozialgesetzbuch ausgeglichen werden können.
7. Sollte ihrer Meinung nach die Kommune die Kosten für gebührenbefreite KiTa-Plätze tragen? Oder sollten diese Kosten weiter von den Gebühren zahlenden Eltern finanziert werden?
Man könnte die Eltern-Beteiligungs-Verpflichtung des KitaG (vgl. Frage 5) umgehen, wenn man das als Stadt politisch unbedingt will, es sich finanziell leisten kann, und einen wichtigen Grund dafür hat. Die Gebühr ist aber weder Steuer noch Abgabe, man bekommt dafür sehr direkt eine ordentliche Gegenleistung. Da gefällt mir der Gratis-Anspruch nicht. Hätten wir in der Stadt das Problem, dass kaum jemand sein Kind in die Kita gibt, dann sollten wir sogar dringend darüber nachdenken, durch Gebührenabsenkung positive Anreize zu setzen. Die Nutzungsquote liegt aber bei den ab Dreijährigen nahe 100%, und die Qualität in den Kitas ist exzellent; bildungspolitisch geboten ist eine generelle Gebührenbefreiung also nicht.
Auch suggeriert die zweite Frage etwas nicht Zutreffendes. Mit ihren Gebühren tragen die Eltern zwar deutlich, aber eben doch mit unter 20% zur Deckung der realen Platzkosten bei. Den Rest schultern schon jetzt die Stadt und das Land. Konkret gibt die Stadt Jena etwa ein Sechstel ihres gesamten Etats allein im Bereich Kita aus, Jahr für Jahr. Das lässt sich nicht ohne Schaden für andere städtische Aufgaben beliebig steigern.
8. Werden sie die von der SPD/CDU und Grünen unter falsche Berechnungen (Erzieherkosten) beschlossene Kitagebührenerhöhung zurück nehmen und entsprechend die mittleren und unteren Einkommen entlasten?
Siehe Frage 5, ähnlich zweistufig. Die Forderung nach einer Korrektur des KitaG habe ich im Stadtrat (auf eben jener Sitzung am 15.12.2010) bereits erhoben, Dezernent Schenker ist dem ausdrücklich gefolgt. Freilich krempelt der Wille eines Jenaer FDP-Stadtrates im Ministerium Matschie nicht gleich das Unterste zuoberst; aber als OB könnte und würde ich dort mit ganz anderem Gewicht auftreten. Allein kommunale Versprechungen werde ich heute nicht geben, auch dazu siehe Frage 5. Es ist nicht Aufgabe der Stadt, alles wegzufedern, was uns das Land an Mehrkosten beschert, ohne sich um das Konnexitätsprinzip zu kümmern (wer bestellt, der zahlt auch). Machen wir das zu oft, laden wir das Land nur ein, genauso immer weiter zu verfahren – nach dem Motto: ihr in Jena schafft das schon.
9. Mit dem neuen KitaG gibt es thüringenweit 2500 zusätzliche Stellen. Allerdings ist es für die Kitas schwer qualifiziertes Fachpersonal zu finden. Was sind ihre Ideen und Möglichkeiten um mehr Fachpersonal zu erreichen?
Das ist genau das Problem, wenn es sich auch in Jena nicht ganz so schlimm ausgewirkt hat, wie ich seinerzeit befürchtete. Durch das KitaG selbst ist ja noch keine einzige neue Stelle besetzt. Auch hier aber greift mein Ansatz, auf eine Korrektur des KitaG hinzuwirken. Mit den Zahlen, die Prof. Merten selbst erstellt hat, bevor er Staatssekretär wurde, komme ich für das Land Thüringen auf einen Mehrbedarf an etwa 1000 zusätzlichen Erziehern, nicht 2500. Diese Zahl ist mit qualitativ hochwertigem Personal gut zu untersetzen; und eigenartigerweise würde sich bei dieser Zahl auch finanziell das berühmte Delta, das Minister Matschie über den Kommunalen Finanzausgleich wegzutricksen versuchte, konkret für Jena zu Null reduzieren.
10. Was wird aus den Freiwilligenstellen? Mit dem neuen KitaG wurden die Mittel für FSJ Stellen u.ä. von der Stadt gestrichen. Warum? Sehen Sie eine Möglichkeit derartige Stellen wieder zu unterstützen?
Auch hier krankt das KitaG an sich selbst. Nicht die Stadt hat die Stellen gestrichen, sondern sie sind auf dem Weg, den Prof. Mertens Jenaer Studie bis hin zum verabschiedeten KitaG genommen hat, sang- und klanglos entfallen – und mit ihnen die Förderung durch das Land. Das kann die Stadt nicht mal eben ausgleichen. Die sogenannten Assistenzkräfte waren eine der drei großen Säulen der Merten-Studie, und ich habe bis heute nicht verstanden, warum und wo im Gesetzgebungsprozess dieser wunderbare Ansatz verloren ging.
11. Mit dem neuen KitaG gab es zwar mehr Stellen aber trotzdem ist der Betreuungsschlüssel pro Kind so gering ausgelegt, daß Krankheiten/Urlaub von mehreren Erziehern gleichzeitig nur schwer kompensiert werden kann. Sehen sie die Möglichkeit, Jena weite Springer einzustellen und durch die Stadt zu finanzieren?
Ja. Vor allem kleine Einrichtungen können solche Ausfälle kaum intern ausgleichen. Um hier zu helfen, hat die Stadt mit den Qualitätsbeschlüssen vor Jahren einen Aufschlag speziell für kleine Kitas eingeführt. Möglicherweise ist der entfallen, als die Qualitätsentwicklung nicht mehr pauschaliert angegangen wurde. Falls dem so ist, muss dieser Fehler korrigiert werden. Mit dem Aufschlag können die Träger der Einrichtungen in Kooperation miteinander Springer einstellen – besser und zielgenauer als wenn es die Stadt selbst täte.
- Der Jenaer Kitaelternbeirat befragt die Jenaer OB Kandidaten
- Stadtelternbeirat fragte beim Jenaer Finanzdezernenten nach – Der hat nun geantwortet!
- Die Linke lehnt Kita-Gebührenerhöhung in Gänze ab
- Ein Elternbeitrag zur Kitadiskussion im letzten Jugendhilfeausschuss
- Gebührenerhöhung in Jena: Der Stadtelternbeirat will sich mit Bürgerbegehren dagegen wehren
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11 Reaktionen zu “OB Kandidat Thomas Nitzsche (FDP) antwortet zu den Fragen vom Kitaelternbeirat”-
konservativ-kritisch
Am 20. Februar 2012 um 08:26 Uhr
Zur Aussage: “Die Stadt Jena hat sich für eine pauschalierte Regelung entschieden. Statt einer komplizierten Einzelfallberechnung wie bei der Einkommensteuer wird hier das verfügbare Einkommen in einfacher Summe betrachtet und ein bestimmter Prozentsatz zur Veranlagung abgezogen. Das spart Prüfaufwand in erheblichem Maße, also Kosten die sonst weitergegeben würden; und die meisten Familien dürften mit der pauschalierten Regelung sogar besser fahren als anders herum…”
Diese pauschalisierte Regelung scheint – soweit ich die Diskussion mitbekommen habe – vor allem im unteren Einkommensbereich für Härten zu sorgen. Denn hier wird alles eingerechnet, was eingerechnet werden kann. Und es ist noch nicht einmal raus, ob dies auch angerechnet werden darf. Umstritten ist z. Bs. die Anrechnung des Unterhalts eines Schulkindes auf die Gebühr eines Geschwisterkindes. Warum die Eltern besser fahren, wenn man selbst bei geringen Einkommen einrechnet, was einzurechnen geht, verschließt sich mir doch.
Siehe hierzu auch den älteren Beitrag auf “jenapolis”:
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Heiko H.
Am 20. Februar 2012 um 22:33 Uhr
Um es mal übersichtlich zu gestalten:
1. Sehen Sie, Sie haben es nicht verstanden, was es heißt, eine familienfreundliche Stadt zu sein. Es liest sich ein bisschen wie eine Schröter/Matschie Lobesrede. Sicher sind pädagogische Konzepte und Kitaplätze ein wichtiger Punkt. Aber was ist mit den Wohnungen, die sich kaum noch eine Familie leisten kann? Was ist mit den deutschlandweit wahnsinnig hohen Kitagebühren, gerade im mittleren Einkommensbereich? Was ist mit einem Nahverkehr, wo man für 1-2 Stationen schon den vollen Preis bezahlt? Was ist mit einem Freibad, wo sich die Kinder die Knie aufschürfen. Wichtiger sind hier natürlich ihre Pilotprojekte, das finden sie erwähnenswert unter dem Punkt “familienfreundlich”!
5. Ich lese hier zwei wichtige Punkte raus. Wenn das Land nicht zahlt, dann zahlen die Eltern. (Das Land zahlt übrigens und die Stadt verwendet die Mittel nicht für die Zwecke, für welche sie in den KFA eingestellt wurden)- oder wenn Zwei sich streiten, zahlen die Eltern.
Und zum Thema gerecht. Gerade niedrige und mittlere Einkommen haben es finanziell extrem schwer in Jena. Jena verlangt von eben diesen Einkommensgruppen absolute Höchstgebühren, was bundesweit anerkannte Studien belegen. Dazu kommen noch Betreuungspauschalen, Essengeld u.a… Andererseits werden weder die Kosten (Miete, Verwaltung) noch die finanzielle Verteilung (kostenlose Kitaplätze) auch nur ansatzweise auf den Prüfstand gestellt. Man denke nur auch mal an Schenkers Aussage vor ein paar Wochen, dass man sich bei den Personalkosten um eine riesige Summe vertan hat.6. Ein bisschen drücken Sie sich um eine klare Aussage. Wenn Sie die Berechnung in Jena dann noch als einfach deklarieren, dann kennen Sie wohl noch ein anderes Berechnungsmodell. Fakt ist, die meisten Städte in Thüringen tun das nicht. Aber solange man die Eltern als Einnahmequelle sieht wir man es wohl so beibehalten.
7. Um mit dem zweiten Teil anzufangen. Es ist die gleiche Milchmädchenrechnung mit der die Gebührenerhöhung begründet wurde. Der Sinn der Frage war ja die Kostenübernahme der kostenlosen Kitaplätze durch die zahlenden Eltern. Das sie jetzt die 20% ins Spiel bringen, zeigt das auch sie versuchen den Bürger zu täuschen. Oder aber sie haben die Frage nicht verstanden, was ich mir bei Ihnen als JHA-Vorsitzenden nicht vorstellen kann. Richtig die Durchschnittliche Kitagebühr liegt bei ca.20% oder auch um die 105,- €. Nehmen wir jetzt mal den Zahler im mittleren Einkommen so zahlt dieser schon 190,00 € und wenn die Gebührenerhöhung umgesetzt wird, (woran sie mit ihren Aussagen ja keinen Zweifel aufkommen lassen) sogar noch mehr. Auch ohne die anderen Kosten wie Pauschalen (bis 40,- €)und Essengelder (bis 95,- €) ist man plötzlich bei 30-40 Prozent! Und noch ein Hinweis. Sie geben 1/6 nicht für Kitas aus, sondern für die Zukunft einer Stadt oder Gesellschaft.
Ich will gar nicht bestreiten, dass Sie im JHA eine hervorragende Arbeit leisten und auch den Eltern bei der Gebührenerhöhung letztes Jahr alle demokratischen Möglichkeiten zugestanden haben. Die Beantwortungen der Fragen halte ich aber jetzt schon für eine Rechtfertigung einer Politik von der Familien nicht viel zu erwarten haben. Wobei es natürlich auch nichts nutzt, hier alles Mögliche zu versprechen (wie es OB Schröter getan hat) und dann das genaue Gegenteil umzuschwenken …
Und danke an die Beantwortungen der Fragen, was natürlich zeigt, dass Sie sich mit dem Thema intensivst beschäftigt haben.
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Andreas H.
Am 21. Februar 2012 um 00:50 Uhr
Frage 7 war vielleicht etwas unklar formuliert. Es geht hier um § 9 (Übernahme der Benutzungsgebühr ) der “Gebührensatzung für die Benutzung der Tageseinrichtungen für Kinder in kommunaler Trägerschaft der Stadt Jena ” (http://www.jena.de/fm/41/Geb%FChrensatzung%20vom%2027.pdf)
Dort wird festgelegt: „Die Benutzungsgebühr soll nach § 90 Abs. 3 SGB VIII auf Antrag ganz oder teilweise vom örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe übernommen werden, wenn die Belastung den Eltern und dem Kind nicht zuzumuten ist.“
Nach allen Zahlen und Fakten die dem Stadtelternbeirat zur Verfügung stehen, ist dem aber nicht so. Sondern es sieht so, aus als ob dieser Teil der Gebühren mit durch die anderen Eltern, welche Gebühren zahlen, finanziert wird. Auf detaillierte Fragen dazu gab es von der Stadt nie eine Antwort und wir davon ausgehen müssen, daß unsere Vermutung richtig ist und die Stadt sich hier um eine ihrer Pflichtaufgaben drückt.
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konservativ-kritisch
Am 18. März 2012 um 21:42 Uhr
“Dabei helfen inzwischen sogar Sozialdaten aus Kooperationen mit bundesweit agierenden Stiftungen (KECK, KOMPIK), die sich bewusst für Jena als Pilotstadt entschieden haben…”
Keck und Kompik sind Projekte nur einer Stiftung: der Bertelsmannstiftung. Zwar: das Anliegen dieses Projektes ist eventuell positiv. Der Einfluss des Lebensumfelds auf das Wohl und die Fähigkeiten der Kinder soll herausgefunden werden. Nur führt dies zu einem doch problematischen Datentauschgeschäft. So werden Daten zur sozialen Lebenslage aufgenommen und auf kleinere Wohnquartiere heruntergebrochen: Wieviele Kinder mit ausländischen Wurzeln wohnen in einer Gegend, wie viele Vereine gibt es, wieviele Personen beziehen Hartz4, wie hoch ist die Scheidungsrate usw. ? Diese Daten fließen in einen für die Region äußerst detaillierten “Keck-Atlas”. Zugleich aber werden durch die Kitas der Stadt Daten zu den Fähigkeiten und Defiziten der einzelnen Kinder gesammelt: 160 Fragen pro Kind. Bertelsmann stellt die EDV-Version des Datenerfassungsprogramms zur Verfügung sowie Tools zur Auswertung der Daten für die Erzieher/innen. Die Erzieher/innen können über den durch Bertelsmann mitentwickelten Fragebogen die Kinder einschätzen und den Fragebogen zur Erziehungsarbeit nutzen. Zugleich aber sammeln die Erzieherinnen diese Daten auch für den “keck-atlas”. Denn die Stadt nutzt zwar das EDV-Angebot von Bertelsmann und den Fragebogen kostenlos, sie muss dafür aber Daten für den “Keck-Atlas” zur Verfügung stellen. Die Erzieherinnen nutzen somit die Arbeitszeit AUCH, um für die Bertelsmannstiftung Daten zu sammeln. Der Fragebogen ist äußerst umfangreich: 160 Fragen pro Kind führen zu einer Art umfangreichen Einschätzung aller Fähigkeiten und Interessen jedes einzelnen Kindes. Dies mag für eine Erzieherarbeit sinnvoll sein. Da aber ein Datenaustausch stattfinden soll – bei Einwilligung in anonymer Form (insofern dies heutzutage über Internet noch möglich ist) und auf bestimmte Kerndaten reduziert (über zwei Schritte: zunächst gehen die Daten bei Freigabe an die Kommune und diese gibt einen Teil der Daten für den Atlas frei), begegnen einige Eltern diesem “Arrangement” mit gewisser Skepsis.
Die Frage ist: warum gelang es dem Land jahrelang nicht, einheitliche Beobachtungsstandarts festzulegen? Und warum gelingt dies nun – in nur 2 Jahren Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen und mit wissenschaftlichem Beistand – der Bertelsmannstiftung? Und warum überläßt man dieses Feld einer Stiftung, deren Gemeinnützlichkeit kontrovers diskutiert wird? Denn da die Evaluationsinstrumente und die Software zur Datenerfassung in der Hand der Stiftung bleiben, gewinnt die Stiftung auch hier erhöhten Einfluss auf eine Bildungslandschaft, die durch die “Reformwerkstatt Centrum für Hochschulentwicklung/ CHE” in den letzten Jahren einen großen Einfluss darauf hatte, dass Hochschulen immer mehr wie Unternehmen (statt wie staatliche Bildungseinrichtungen) agieren.
Denn die Stiftung selbst hätte nie die Ressourcen gehabt, derart detaillierte Daten über einzelne Kleinkinder zu sammeln. So aber macht man sich das Unvermögen des Landes zu Nutze, um – über die Arbeit der Erzieherinnen – wichtige (und durchaus evaluationsbedürftige) Daten unter dem eigenen Einfluss zusammenzutragen. Aus dieser Perspektive ist der vermeintlich günstige Tausch ein doch recht teurer Tausch. Denn nicht wenige Eltern hätte sich gewünscht, dass die notwendige Evaluierung der sozialen- und der Bildungssituation von Kleinkindern möglich gewesen wäre, ohne dass man den Einfluss zur Evaluation an die Bertelsmannstiftung abdrückt.
Zu den Teilnahmebedingungen der Kommunen existiert zur Zeit leider nur die Seite der Stiftung selbst mit ihrer positiven Selbstdarstellung. Dennoch empfehle ich die Lektüre und ein genaues Lesen unter den Teilnahmebedingungen:
http://www.keck-atlas.de/keck/kommune.html
und insbesondere die Lektüre der Broschüre
http://www.familientext.de/img/downloads/KeckBroschuere_END_A4Web.pdf
In der Broschüre kommen auch die Lokalpolitiker und ihre Motive zu Wort. Auch ein Inverview mit Frank Schenker findet sich hier. Jedenfalls sollte man sehr genau lesen. Denn erst, wenn man sich genau über die Bedingungen (für Eltern und Kommunen) im Klaren ist, sollte man über eine Teilnahme des Kindes (die derzeit für ganz Jena angestrebt wird) entscheiden.
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konservativ-kritisch
Am 18. März 2012 um 22:06 Uhr
Übrigens unterstützt auch der Steuerzahler hier die Bertelsmannstiftung. Ist doch auf der Seite zu lesen:
“Die „Anschubfinanzierung“ der KECK-Kommunaltrainings ist von den Ländern Baden-Württemberg und Thüringen zugesichert. Ab Anfang nächsten Jahres wird sie zur Verfügung stehen…. Außerdem unterstützen sie die Verbreitung von KOMPIK als Beobachtungsinstrument…”
Zur Erinnerung: es war in den letzten Jahren – trotz mehrfacher Absichtsbekundung – dem Land Thüringen nicht möglich, ein eigenes Beobachtungsinstrument zur Beobachtung von Kleinkindern im Kindergarten zu entwickeln. Nun aber unterstützt das Land Bertelsmann. Zudem schafft sich die Stadt Jena Laptops (und nach Angabe von Herrn Schenker sogar Personal) für die Beobachtung durch und den Einsatz der Bertelsmann-Software an. Und die Erzieherinnen werden angehalten, Kompik in den Erzieherinnenalltag zu integrieren.
Nun sind die wissenschaftlichen Annahmen, die der Idee von Keck/ Kompik vorausgehen, aus pädagogischer Sicht durchaus lobenswert. Selbst der Beobachtungsbogen ist gut. Nur gibt die Politik hier wieder Einfluss aus der Hand. Denn die Bertelsmannstiftung scheint bei der Umsetzung und Koordination aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse dem Land Thüringen mit seinen Universitäten eine Nasenlänge voraus. Und stärkt so erneut ihren Einfluss auf die Bildungspolitik, da die Politiker selbst lieber auf den fahrenden Zug aufspringen, statt selbst etwas in Bewegung zu setzen.
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Annedore Kübel, Jena
Am 29. März 2012 um 17:19 Uhr
Annedore Kübel, Jena
Achtung: Der Kommentar muß erst noch freigegeben werden. Am 29. März 2012 um 15:11 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Nitzsche,
aus aktuellem Anlaß frage ich Sie: Wie wichtig ist Ihnen ein Erhalt der Thüringer Spezialschulen, insbesondere (als ehemaliger Abiturient) des Carl-Zeiss-Gymnasiums Jena?
Wieder einmal nähert sich der jüngste “Schulversuch” dem Ende, und wieder steht mit der fehlenden Finanzierung, der fehlenden gesetzlichen Rahmenverordnung, der fehlenden Unterstützung durch die gegenwärtige Bildungspolitik (repräsentiert durch den amtierenden “Minister für Bildung und Kultur”) die Existenz dieser über die Grenzen Jenas hinaus bekannten Schule auf dem Spiel. Vom fehlenden Lehrernachwuchs muß an anderer Stelle gesprochen werden….
Gerade in Zeiten des Wahlkampfes fällt es mitunter schwer, die Augen wachsam in alle Richtungen zu wenden – gerade dann ist es aber von besonderem Gewicht! Für Jena und die gesamte Region Ostthüringen ist das Carl-Zeiss-Gymnasium von unschätzbarem Wert. Sehen Sie konkrete Möglichkeiten, für diese besondere Bildungsinstitution aktiv etwas zu tun?
Verbindlichen Dank, freundliche Grüße!
Annedore Kübel, JenaStimme zu / Lehne ab:
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Thomas Nitzsche
Am 30. März 2012 um 21:04 Uhr
Sehr geehrte Frau Kübel,
den generellen Lehrermangel (ein Problem zu kraftloser Politik) blende ich in der Tat mal aus. Auch die Auseinandersetzung um die Einführung der Gemeinschaftsschule (hier spielt bereits Ideologie mit rein) kann hier mal beiseite bleiben. Aber neben den reformpädagogischen und den eher klassischen Ansätzen finde ich ein weiteres, speziell auf Hochbegabung und Elitenförderung zugeschnittenes Schulangebot ungeheuer wichtig. Ich kann zwar aus eigenem Erleben nur für das Carl-Zeiss-Gymnasium sprechen, glaube aber, dass man gleichermaßen für alle Spezialschulen sagen kann, dass sie der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt hervorragende Absolventen bescheren, und zwar auch dann, wenn diese (wie ich) später an ganz anderer Stelle als dem Schwerpunktbereich der jeweiligen Schule ihren Platz finden. Nicht umsonst bin ich aktives Mitglied des Fördervereins der „Spezi“.
Eine Bildungspolitik, die gegenüber solchen Angeboten grundsätzliche Vorbehalte hat, halte ich für kurzsichtig und gleichmacherisch. Wenn Sie in diesem Sinne auf den amtierenden Minister zielen, werde ich Ihnen nicht widersprechen. Da sind wir aber auch beim Kern des Problems:
Was der Schule aktuell droht, ist nur auf Landesebene abzuwenden. Der Weg über „meine“ Landtagsfraktion bietet leider keine Gewähr, denn die FDP ist auch in Erfurt nicht Teil der Koalition – gleichwohl werde ich sie für das Thema sensibilisieren. Direkten Zugang zum Minister habe ich nicht, das könnte sich allerdings in der Rolle des OB ändern.
Kommunal kann ich bislang nur darauf achten – und habe das auch getan, im Punkt a) sogar tun müssen -, a) dass sich in puncto Schuljugendarbeit (also städtische Finanzierung der AGs) bei der Verwaltung und im zuständigen Unterausschuss nicht der gleiche egalitäre Reflex Bahn bricht wie beim Minister, b) dass die Schule im Rahmen des Schulnetzplans nicht ohne Not belastet wird.
Darüber hinaus hilft nur Öffentlichkeit – aber das dürfte der Schule leicht fallen, sie hat ja Jahr für Jahr ungeheuer viel vorzuweisen.
Beste Grüße
Thomas NitzscheStimme zu / Lehne ab:
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jenenserin
Am 1. April 2012 um 09:21 Uhr
Herr Nitzsche, etwas mehr Kampfgeist bitte. Ein Herr Blumentritt/SPD würde nie sagen . “..Ich sensibilisiere meine Landtagsfraktion oder ich habe keinen Zugang zum Minister.”
Herr Blumentritt ist nun etwas ruhiger geworden aber in seinem Lobeda hat er sicher einiges bewegt, er hat sich halt n i c h t abwimmeln lassen und war lieber auch für seine Partei etwas unbequem. Auch wenn Sie eine Sache nicht direkt beeinflussen können, muß man lauter “trommeln”. Ich finde die Schulvielfalt ein großes plus für Jena. Dies sind aber nicht die Früchte unserer Politiker sondern sehr engagierter Lehrer und Schulleiter und vor allem hat man Ihnen keine Fesseln auferlegt. Kurzum je weniger sich von oben eingemischt wird, um so mehr kann von unten bewegt werden !!!Stimme zu / Lehne ab:
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Thomas Nitzsche
Am 1. April 2012 um 14:46 Uhr
Liebe Jenenserin, die richtigen Mittel zur richtigen Zeit.
Dass ich auch anders als leise kann, dürfte bekannt sein. Aber ich spanne mich nicht laut vor einen Karren, der noch gar nicht mit Getöse gezogen werden muss. Der Schulleiter hält bislang nach außen die leisen Töne für zielführender.
Schule ist ein sensibles Feld, und einen Skandal kann man nicht steuern. Zur Unzeit öffentlich losgetreten, richtet man so eher Schaden an als der Sache zu nützen.
Meine Antwort an Frau Kübel zeigt den geordneten Weg, den man immer zuerst gehen sollte – hier also zunächst über das Land.
Skandalisieren kann man immer noch – von jeder Politikebene her, da interessieren Zuständigkeiten dann wenig. Aber das ist für mich aus guten Gründen immer nur ultima ratio.
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jenenserin
Am 1. April 2012 um 14:51 Uhr
na , wenn es dann mal nicht zu spät ist, Hinterher geht dann dos große geheule los, warum hat den keiner …..
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jenenserin
Am 1. April 2012 um 15:38 Uhr
Lieber Herr Nitzsche, finde es aber schön , dass Sie auf dieser Seite mit uns “reden”
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