Carius: Neubau-Nachfrage trotz Leerstand |

Carius: Neubau-Nachfrage trotz Leerstand

Bauminister präsentiert den 1. Thüringer Wohnungsmarktbericht

Erfurt. „Obwohl wir Leerstände auf dem Thüringer Wohnungsmarkt haben, ist weiterer Neubau auch in den nächsten Jahren notwendig. Bis zum Jahr 2025 wird deshalb der Neubaubedarf landesweit pro Jahr auf rund 6.600 Wohneinheiten geschätzt: knapp 4.900 Ein-/Zweifamilienhäuser und knapp 1.800 Mehrfamilienhäuser. In dieser Prognose enthalten ist der jährliche Mehrbedarf an zirka 3.000 seniorengerechten Wohnungen. Diese Aufwärtsentwicklung wird besonders geprägt von einer steigenden Zahl von Seniorinnen und Senioren mit hohen Qualitätsansprüchen bei Wohnlage, Technik Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Nach wie vor gibt es zudem den Trend von Mehrpersonen- zu Singlehaushalten.“ Dieses Fazit zog heute (Donnerstag) Christian Carius, Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, bei der Präsentation des 1. Thüringer Wohnungsmarktberichts in Sömmerda.

„Wir haben das Berliner Beratungsunternehmen Empirica beauftragt, erstmals eine Wohnungsmarktanalyse unter wirtschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Aspekten mit Fokus auf den demografischen Wandel für den Freistaat zu erstellen“, so Carius weiter. „Der vorliegende 180-Seiten-Bericht zeigt die Entwicklung des Wohnungsangebots und der Wohnungsnachfrage rückblickend bis heute auf. Er prognostiziert zudem die künftige Entwicklung in Thüringen bis zum Jahr 2025.“

Auch der Trend der Binnenwanderung setzt sich in den nächsten Jahren fort und löst vor allem eine Wohnungsnachfrage in den Städten und deren Umfeld aus. „Das betrifft insbesondere urbane Regionen wie Eisenach, Erfurt, Weimar oder Jena“, bilanzierte Carius. Förderprogramme im Städte- und Wohnungsbau seien hilfreiche Instrumente bei der Umsetzung der Trends. Er nannte in diesem Zusammenhang Maßnahmen wie Initiative zum energetischen Stadtumbau, die steuerliche Förderung oder die Selbstverpflichtung der Thüringer Wohnungswirtschaft im Bereich der energetischen Sanierung.

„Die Wohnungsmärkte aller Thüringer Regionen werden vom demografischen Wandel beeinflusst“, betonte zudem der Bauminister. „Das bedeutet, unabhängig von der Aufwärtsentwicklung in einigen Bereichen wird der Thüringer Wohnungsmarkt von seinem jetzigen Bestand (rund 1,1 Millionen Wohneinheiten) insgesamt bis zum Jahr 2025 um etwa zehn Prozent zurückgehen.

Die Empirica-Studie kommt auch zu dem Ergebnis, wonach die Mietpreise viele Jahre stabil blieben. Bei Mietwohnungen mit Baujahr ab 2000 wurden im Durchschnitt rund 5,50 Euro/m² berechnet. Seit Anfang des Jahres 2009 zeigt sich dagegen eine Tendenz hin zu steigenden Mietpreisen bei Neuvermietungen. Lag die mittlere jährliche Steigerung im Zeitraum 2004 – 2008 noch bei 0,5 Prozent, so schnellte sie in den Jahren 2008 – 2010 auf 1,0 Prozent. Am deutlichsten macht sich die Aufwärtsbewegung der Mieten in demografisch stabilen Wachstumsregionen bemerkbar. Dort stiegen die Mieten von 5,60 Euro/m² (2004) auf heute 6,50 Euro/m². Das entspricht einer jährlichen Zuwachsrate um 1,5 Prozent bis Ende 2008 und 2,6 Prozent seit Anfang 2009. Die größten Zuwächse verzeichneten seit 2008 der Saale-Holzland-Kreis (plus 5,7 Prozent) und die Städte Jena (4,8 Prozent) und Erfurt (3,8 Prozent). Die Landkreise Hildburghausen (minus 4,3 Prozent) und das Altenburger Land (minus 2,1 Prozent) verzeichnen seit 2008 die deutlichsten Mietrückgänge.

Die Zahl der Thüringer Bevölkerung wird, so das Thüringer Landesamt für Statistik (TLS), von 2,25 Millionen Einwohnern im Jahr 2009 auf voraussichtlich 1,94 Millionen Einwohner im Jahr 2025 zurückgehen.

Der komplette 1. Thüringer Wohnungsmarktbericht ist unter www.tmblv.de abrufbar.

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