Stadtrat beschließt Leitbild „Jena – familienfreundliche Stadt“ |

Stadtrat beschließt Leitbild „Jena – familienfreundliche Stadt“

Family_Portrait_

Jena. Auf der Stadtratssitzung am 28. März wurde das Leitbild „Jena – familienfreundliche Stadt“ beschlossen. Das Jenaer Bündnis für Familie legte dieses Leitbild vor, das sich das Kuratorium des Bündnisses am 14. März zu eigen machte. 55 Mitglieder, darunter die Stadt Jena, sind Mitglied des Familienbündnisses. Was es für die Stadt bedeutet, familienfreundlich zu sein, wird im beschlossenen Papier erläutert.

  1. Familienfreundlichkeit ist ein Standortfaktor für Unternehmen. Es soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werden. Als Beispiele für das Gelebtwerden in der Stadt werden im Leitbild bezahlbarer Wohnraum, generationenübergreifendes Wohnumfeld, Angebote in den Stadtteilen mit Einkaufs-, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten genannt. Alle Bürger jeden Alters sollen bewusst in die Konzeption, Entwicklung und Umsetzung städtebaulicher Maßnahmen einbezogen werden. Die Familienfreundlichkeit wird durch die Partner des Bündnisses selbst gestaltet.
  2. Vor sechs Jahren wurde das Familienbündnis gegründet. Es vernetzt sich seitdem ständig. Bildungsträger, Jenaer Unternehmen und die Verwaltung spielen dabei eine wesentliche Rolle.
  3. Die Menschen in Jena sind Botschafter einer toleranten, couragierten und gewaltfreien Stadt. Durch die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten, zum Beispiel in einem Sportverein, kann dieses im Alltag gelebt werden.
  4. Vielfältige Angebote an Sport,- Erholungs- und Freizeitangeboten wirken sich positiv auf ein generationsübergreifendes Miteinander aus. Barrierefreiheit sowie ein auszubauendes Modell des Mehrgenerationenwohnens führt Menschen aller Altersgruppen zusammen.

Warum ein Leitbild?, fragt Dr. Beate Jonscher (Die Linke) bei der öffentlichen Debatte im Stadtrat. Für sie ist es ein Idealzustand. Außerdem merkte sie an, dass es keine Vorarbeit in den Ausschüssen gab und die ältere Generation zu wenig im Leitbild vorkäme.

Mit „Augenzwinkern“ antwortete der einreichende Oberbürgermeister, dass das ein oder andere Manifest, wie man das Leitbild auch hätte nennen können, erreicht wurde. Er warb dafür, dieses Leitbild als eine Basis anzuerkennen. Der Beschluss wurde mit einer Enthaltung mehrheitlich gefasst. Ob es sich dabei um einen „Papiertiger“ handelt, ein bald vergessenes Ideal oder um eine gelebte, in die Zukunft orientierte Selbstverständlichkeit handelt, liegt an den Menschen in Jena. (tn)

Die Diskussion im Stadtrat können Sie hier verfolgen:


Hier können Sie das Leitbild „Jena – familienfreundliche Stadt“ lesen. Die Beschlussvorlage für den Stadtrat mit der Begründung können Sie hier lesen.

6 Kommentare zu "Stadtrat beschließt Leitbild „Jena – familienfreundliche Stadt“"

  1. was ist eigentlich dran an der Bedrohung von Spezialschulen in Jena.Ich finde das C.Zeiss Gymnasium für unsere Schulvielfalt sehr wichtig. Die vielen schularten sind eine große Bereicherung für unsere Stadt. Mal ein positives Aushängeschild von Jena


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  2. Radiowaves | 30. März 2012 um 11:17 |

    Siehe auch die für das Bündnis beklebte Straßenbahn 633:
    http://www.tippner-home.de/jena%20633.jpg

    Meine Lieblingsbahn, gespickt mit platten Durchhalteparolen („Ich lebe gern in Jena, weil der FCC so ein schönes Stadion hat.“) Auffällig auch, daß einige der vermeintlichen Kindersprüche sehr offensichtlich nicht aus Kindermund stammen: „…ich bin auf Zack, dank meiner schönen Jena-Stadt“ kommt von keinem Kind, sondern eher von der zugehörigen Oma oder Ur-Oma („auf Zack“).

    Der hier ist auch gut:
    http://www.kws-verkehrsmittelwerbung.de/files/dynamic/generic/525×273-901_51d29.jpg

    Für wieviele Jenaer Familien trifft das zu? Das sind Minderheiten, definitiv.

    Angesichts der Zustände, die in der Realität herrschen (Wegzug von Familien aufgrund nicht vorhandenen Wohnraumes, gar-nicht-erst-Zuzug von Fachkräften aus gleichem Grund, aus finanziellen Gründen zufriedengeben-müssen mit unsanierten, schimmligen Wohnungen, obwohl das Kind z.B. Allergien hat, nicht-Kinder-kompatible Arbeitszeiten) hat mich diese Demagogie immer sehr erzürnt. Letztlich ist es aber doch so: es ist Werbung und Werbung betreibt der, der es ohne Werbung nicht schafft, überzeugend zu sein. Und dann paßt alles wieder hervorragend.


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  3. Simon Sachse | 30. März 2012 um 07:52 |

    Das ganze Bündnis für Familie ist ein Papiertiger. Bei Zeiss hat man in den Treppenhäusern Plakate aufgestellt, auf denen man so tolle Dinge lesen kann wie: „Ich finde Jena toll, weil ich hier so viele Freunde habe“. Das ist natürlich ein großartiges Argument für die Kinderfreundlichkeit der Stadt.
    Noch absurder wird es, wenn das Bundesfamilienministerium Zeiss als Vorbild bei der betrieblichen Kinderbetreuung anpreist, weil das Unternehmen mehrere Betriebskindergärten unterhält. Allerdings nicht in Jena, sondern in Oberkochen. So sieht selbstgestaltete Familienfreundlichkeit aus.
    Das Geld für großflächige Werbung mit Nullaussage sollte man besser in irgendeine konkrete, wirksame Maßnahme stecken.


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  4. jenenserin | 30. März 2012 um 07:41 |

    familienfreundliche Stadt:
    es soll ja schon Familien mit 2 oder 3 Kindern geben, die bei der Suche einer 4 oder 5 Raumwohnung keine Angebote finden, welche für Ihren Geldbeutel bezahlbar sind. Da hilft kein Leitbild, man muß Jena verlassen und im Umland seine Wohnung finden. Herr Schröter hat sein Wahlversprechen, die Wohnraumsituation zu verbessern ins Gegenteil gewandt, z.Z. herrscht ein knappes Angebot und Jena puscht noch die Preise von Bauland, in dem sie das Angebot verknappt, es wurden stehts nur max 6 Bauplätze (Ringwiese, Paraschkemühle) auch wenn gleichzeitig mehr erschlossen wurde versteigert. Mir ist nicht bekannt, daß es hier nach sozialen Aspekten ging, z.B. wenn eine Familie vielleicht 3 Kinder hatte und eine 3-Raumwohnung nicht mehr ausreichend ist.

    Zum Theme Kita gebühren, es ist doch längst bekannt, daß sich Arbeit nicht lohnt. Entweder eine Familie hat 2 bis 3000 € netto, wenn nicht kann man nur noch harzen, da die Nebenkosten GEZ-Gebühren, Kita-gebühren, Essengeld für die Schulkinder usw. vom Staat übernommen werden. Das heißt in Jena ist immer der der Dumme, der noch für 800 netto auf Arbeit geht, da ja das Wohngeld auch sehr beachtlich ist.


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  5. konservativ-kritisch | 29. März 2012 um 22:31 |

    Da hat man doch, unter dem Banner der „Familienfreundlichkeit“, einen Versuch der Linken abgeblockt, folgenden Missstand abzuschaffen:

    http://www.jenapolis.de/2011/02/wie-die-stadt-jena-mit-der-kitagebuehrensatzung-ihre-finanzen-auf-kosten-der-kinder-aufbessert/

    Nun gibt es Argumente für und Argumente gegen die von den Linken eingereichten Vorschläge. So hätte der erste Vorschlag der Linken all jenen geholfen, die nur durch den Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss eines Kindes (oder mehrerer Kinder) in die Gebühren „rutschen“ (denn insbesondere Alleinerziehende mit geringem Einkommen werden durch diese Regelung hart getroffen). Hinzu kommt ja dann auch noch, dass diese Betroffenen auch das Essen der Kinder bezahlen müssen (obwohl sie vielleicht nur knapp und nur durch den Unterhalt weiterer Kinder über der Einkommensgrenze liegen). Gegen den Vorschlag der Linken könnte man (eventuell) einwenden, dass auch einkommensstarke (getrennt lebende) Eltern vom Nicht-Anrechnen des Unterhalts profitieren würden. Aber eine ausgewogene Diskussion fand nicht statt.

    Nun existiert in Jena das Problem, dass Eltern relativ schnell (und schon bei vergleichsweise geringem Einkommen) eine – im Vergleich zu anderen Städten – hohe Gebühr zahlen müssen. Dass die Linke die einzige Partei ist, die Auswirkungen relativ hoher Gebühren auf mittlere und niedrige Einkommen abmildern will, ist eigentlich traurig. Und deswegen hat mich auch die Art entsetzt, wie diese Vorschläge abgebügelt wurden.

    So verwies der Redner für die FDP auf die vermeintlich familienfeindliche Tendenz des Vorschlags. Seine Rede zielte auf die Pointe ab: Eltern könnten sich – würde sich der Vorschlag der Linken durchsetzen – einfach scheiden lassen, um KitaGebühren zu sparen.

    Abgesehen davon, dass einige Euro Ersparnis nur wenige zur Scheidung „motivieren“ würden. Hinzu kommt: Wahrscheinlich hat dieser FDP- Abgeordnete nicht bedacht, dass (zu Recht) für viele Ehepartner der Wechsel der Steuerklasse Ersparnisse bringen kann (man denke nur an das Ehegattensplitting bei ungleichen Einkommen). Wahrscheinlich hat dieser Abgeodnete auch nicht bedacht, dass durch die Ehe – zumindest häufig – bei Versicherungen und bei der Krankenversicherung (zum Beispiel durch die Familienversicherung) gespart werden kann. Nicht zu sprechen von den höheren steuerlichen Freibeträgen für Ehepartner.

    Kurz: die Idee, plötzlich könnten sich alle scheiden lassen, um Kita- Gebühren zu sparen, erweist sich als ziemliche Milchmädchenrechnung. Die Ehe würde sich – auch aus finanzieller Sicht – dennoch lohnen, und zwar auch dann noch, wenn der Vorschlag der Linken angenommen worden wäre.

    Denn die meisten Ehepaare hätten durch die Scheidung Verluste, die sie durch die Ersparnis bei den KiTagebühren nie ausgleichen könnten.

    Es ist traurig, dass die Debatte auf einem derart polemischen Niveau stattfindet. Und dass der Beitrag auch noch (bei den meisten Anwesenden im Stadtrat) Zustimmung gefunden zu haben scheint. Zumindest, wenn ich die Reaktionen beim Anschauen der Aufzeichnung richtig gedeutet habe.

    Aber wenn es um die Höhe der (und die Härten durch) KiTa-Gebühren geht, ist bei unserem Stadtrat wohl Hopfen und Malz verloren. Und hier geht es nicht darum, ob der Vorschlag der Linken der Weisheit letzter Schluß ist. Aber zumindest ist der Vorschlag Ausdruck eines Problem- und Realitätsbewusstseins hinsichtlich der hohen Gebühren, welches den anderen Parteien völlig abgeht.


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  6. Hach ja, da will ich mal meinen Senf dazu geben:

    Punkt1:
    Bei dem bezahlbaren Wohnraum kann man den Punkt schon mal abhaken. Unser amtierender OB ist ja im Bündnis und versprach zu seinem letzten OB-Wahlkampf das Wohnproblem zu lösen. Würde mich schon mal interessieren, warum man ihm und dem Bündnis diesmal irgendwas glauben soll. Es schein in Jena in Mode zu kommen vielen Worten keine Taten folgen zu lassen. Und ein Beispiel, familienfreundlich heißt nicht das man sein Kind bis 20:00 Uhr in die Kita geben kann. Das ist allenfalls Unternehmer-freundlich.
    Punkt2:
    Und da haben wir das Hauptproblem des Familienbündnisses. Bildungsträger, Unternehmen und Verwaltung spielen eine wichtige Rolle … und die Familien und Eltern? Spielen die nicht die wichtigste Rolle und werden gar nicht gefragt oder einbezogen?
    Punkt3:
    Den ersten Schritt macht unsere Koalition ja gerade mit der Arena. Sämtliche Sportvereine und Jugendclubs fahren auf Sparflamme und wissen nicht wie sie sich noch finanzieren sollen aber eine Arena zu unterhalten ist immer drin. Zufällig sind ja Kultur uns Sport im selben Topf und drei mal darf geraten werden was auf der nächsten Streichliste von Herrn Schröter steht. Kleiner Tip, Kitas sind auch mit im selben Finanztopf.
    Punkt4:
    Ja das stimmt, vielfältige Sport, Freihzeit- und Erholungsangebote … so da wären das überfüllte Ostbad mit seinen kaputten Fliesen im Planschbecken, das Galaxsea mit seinen Baumängeln und der Schottplatz mit seinen verfallenen Hütten und ähm …? (Gibt auch was wirklich positives, Spielplätze gibt es in Jena wirklich viele und sehr schöne.)

    Als es jedenfalls um die Kitagebührenerhöhung ging, da war das Bündniss ganz still, bloß um ihren Mitstreiter Herrn Schröter nicht zu verärgern.
    Ich fand die Aktion mit der Straßenbahn vor einiger Zeit ganz lustig. Die war ja mit riesengroßer Familienbündnis Werbung zugepflastert. Als ob man Familienfreundlichkeit mit Werbung erreichen kann.


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