Wann kommt ein Solaratlas für Jena? |

Wann kommt ein Solaratlas für Jena?

Solar

Jena. Mit dem Beginn der Koalition 2009 im Jenaer Stadtrat, die aus CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen besteht, wurde ein Vertrag zwischen den Parteien geschlossen. Die Parteien bekräftigen, am Leitbild Energie der Stadt festzuhalten und mit konkreten Maßnahmen das Energiekonzept umzusetzen. Mit Schott Solar existierte ein wichtiger Standort der Waferproduktion in Jena. Die Jenaer Kommunalpolitiker machten damals darauf aufmerksam, dass „die Nutzung der Solartechnik … in Jena allerdings noch in den Kinderschuhen“ steckt. Das angeschobene 200-Dächer-Programm „begrüßen“ die Parteien, jedoch sei wegen der relativ kleinen Zielgruppe der Eigenheimbesitzer nur ein Teil der Jenaer betroffen. „Zusätzlich soll für Dachflächen wie z. B. auf Industriebauten und Wohnblöcken ein Solaratlas erarbeitet werden, der potenziell geeignete Dachflächen erfasst und für interessierte Investoren zugänglich macht.“, heißt es im 8. Kapitel.

Ähnlich, aber noch weiter gefasst, steht es im Programm der SPD zur Kommunalwahl 2009 unter „Wir wollen“: „Jena als solarfreundliche Stadt ausbauen. Dazu gehören ein Solaratlas für Bürger und Investoren.“ Im Juni 2011 wollte der CDU- Kreisvorsitzende Prof. Dietmar Schuchardt einen stärkeren Ausbau der Photovoltaik und der Solarthermie: „Eine Forderung, welche die Jenaer Union schon seit Jahren stellt, ist die Erarbeitung eines Jenaer Solaratlas. Die Stadtverwaltung ist jetzt in der Pflicht zu sagen wie der Jenaer Beitrag zur Energiewende geleistet werden kann.“  Ebenfalls im Juni wurden Antworten der Großen Anfrage der bündnisgrünen Stadtratsfraktion beantwortet:

„Gibt es Ideen für weitere Instrumente, die geeignet sind, die Nutzung zu intensivieren?

Die Möglichkeiten der Stadtverwaltung für eine Intensivierung der Errichtung von PV-Anlagen liegen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen handelt es sich dabei um die konsequente Nutzung der eigenen Ressourcen, so dass bei den kommunalen bzw. angemieteten Immobilien die Eignung der (Dach-)Flächen umfassend und kontinuierlich – also auch bei anstehenden Sanierungen – geprüft und, bei positivem Ergebnis, auch die Installation einer PV-Anlage geplant werden sollte. Dabei kann es sich sowohl um Eigennutzung als auch um Flächenverpachtung (z. B. als Bürgersolaranlagen) handeln.

Zum anderen gilt es, die Bevölkerung und die Unternehmen für das Thema zu sensibilisieren; Ansätze sind das 200-Dächer-Programm und die anlaufende kommunale Bauherrenberatung.

Ein weiterer Ansatz wäre ein Solaratlas, mit dem die möglichen Potenziale aufgezeigt werden. Zu bedenken ist dabei, dass es sich bei diesem Instrument allein um eine recht grobe Vorinformation der Bürger handelt, für die im gegebenen Fall eine vertiefte Fachberatung notwendig wird.“ (S. 22)

Ein Solaratlas wurde trotz der Koalitionsvereinbarung und dem politischen Willen der Parteien, diesen für mögliche Investoren und vielleicht auch den Bürgern dieser Stadt zur Verfügung zu stellen, nicht erstellt. In der Bundeshauptstadt ist man da viel weiter: Durch ein kostenloses Plugin können via mit dem Dienst Google-Maps bestehende Photovoltaikanlagen oder günstige, mögliche Standorte abgerufen werden. Zur Zeit der Beantwortung der Großen Anfrage hatten sich lediglich 60 Interessierte für das 200-Dächer-Programm beworben, ungefähr 30 wurden bis Juni 2011 gebaut.

Am kommenden Mittwoch, dem 23. Mai, soll die Erarbeitung eines Solarkatasters beschlossen werden. Einreicher ist nicht die Stadtratskoalition, sondern Martin Michel (Die Guten).  In der Beschlussvorlage heißt es :

„001 Die Stadt erstellt ein Solarkataster, in welchem das Solarpotential von Gebäuden und Dächern kostenlos online und offline eingesehen werden kann.

002 Die entsprechenden Daten werden unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht.“

Es bleibt abzuwarten, ob der Stadtrat beiden, einem oder gar keinem Punkt zustimmt. Unbegreiflich ist es, dass nach fast drei Jahren Regierung der Koalition bislang keine Umsetzung der vereinbarten Ziele geschehen ist – und dass ein fraktionsloses Mitglied auf diesen Umstand hinweisen muss. (tn)

1 Kommentar zu "Wann kommt ein Solaratlas für Jena?"

  1. Ich würde mich mal generell für den Inhalt der Programme der Koalition interessieren. Wäre doch mal was für unsere Politik-Studenten. Welche Aussagen traf man zu Beginn der Wahlperiode und welche wurden wann verwirklicht, welche Aufgaben sind noch nicht erfüllt ? Aber mit der Transparenz haben es unsere Parteifunktionäre ja nicht so.


    Kommentar melden

Kommentar verfassen