Eine Erdhügelpyramide, geniale Architektur für den Jenaer Eichplatz |

Eine Erdhügelpyramide, geniale Architektur für den Jenaer Eichplatz

Ehrlich und Kühn Eichplatzgestaltung Modell Foto TN Jenapolis

Jena. Der Gedanke der beiden Aktionskünstler Stephan Boden und Nils Adam vom „Theater fahrendes Volk“, ist gar nicht abwegig. Er ist eher faszinierend und genial. Im ersten Augenblick erinnerte mich das Modell an den Jahrtausendturm in Magdeburg.

Dieser Holzturm wurde zur Bundesgartenschau 1999 errichtet und verzeichnet auch heute noch jährlich von April bis Oktober ca. 70 000 Besucher. Wer hat es erfunden? Die Schweizer.

In der Schweiz gibt es sogar die Idee einer künstlichen Hügelstadt für mehrere tausend Einwohner. Wenn man heute 1000m hohe Wolkenkratzer bauen kann, warum soll dann ein Hügelbauwerk mit den vielfältigsten öffentlichen Funktionen wie Kunst-, Kongress- und Konzerthalle nicht möglich sein?

Mir ist die Idee der Erdhügelhäuser seit 20 Jahren als Einzelhäuser bekannt. Es geht aber auch etwas größer. Im Studierendenwohnheim in Stuttgart-Hohenheim (Fruwirthstraße) haben 158 Studenten in sechs mehrgeschossigen Erdhügelhäusern eine Unterkunft gefunden.

Bildgalerie zum Anklicken: http://www.oekosiedlungen.de/hohenheim/

Der Architekt. Bitte Projekte / Studentenwohnheime anklicken: http://www.schmitges-architekten.de/

Die Häuser wurden vor 27 Jahren errichtet. Sie sind nach einer Seite offen und von drei Seiten mit Erde bedeckt. Vom Prinzip her handelt es sich um Betonbauwerke welche von 3 Seiten mit Erde angeschüttet sind und dementsprechend auch richtig bepflanzt werden können. Die Abdichtung erfolgt von außen. Heute würde man aber wasserundurchlässigen Beton verwenden. Die Zimmer haben ein gutes Raumklima. (http://www.stadtklima-stuttgart.de/index.php?klima_rundblick_blickpunkte_01)

Problematisch war vor 25 Jahren und ist auch heute, obwohl es inzwischen ganz andere technische Möglichkeiten gibt, die Belichtung mit Tageslicht im Innern. Dies wäre aber bei einem Museum oder großen Tagungssaal eher kein Problem.

Technisch ist so ein Bauwerk machbar und architektonisch wäre es eine Sensation. Finanzierbar wäre es vielleicht über einen Fonds an dem sich die Bürger der Stadt Jena beteiligen könnten. Ich finde, das Objekt sollte so großartig werden, dass es sich selbst finanziert. Bei der Stadtkirche hat die Unterstützung durch die Jenenser und Jenaer über den Verkauf von Fußbodenplatten auch geklappt.

Übrigens haben die Aktionskünstler bei ihrem Entwurf das Areal des von jenawohnen beworbenen Baugebietes nicht mit einbezogen. Also können dort Wohnungen entstehen. Über das „Eichplätzchen“ und die leidige Bebauung des Kirchplatzes könnte man auch neu nachdenken. Vielleicht lässt sich jenawohnen auch für Erdhügelhäuser begeistern.

Die Idee Erdhügel ist in meinen Augen genial und um ein Vielfaches besser als, die geplante bundesweite Schuhkarton Architektur von ECE und OFB. Was wäre Uelzen ohne seinen Hundertwasser-Bahnhof? Wäre die Stadt Weil am Rhein ein internationaler Anziehungspunkt ohne das Vitra Design Museum? Ein Bauwerk der Beliebigkeit im Herzen unserer Stadt wird weder der Gegenwart noch der Zukunft gerecht und hat keine Anziehungskraft für Gäste außerhalb des Saale-Holzland-Kreises und Apolda.

Die vom Stadtrat präferierte und geforderte “ ECE bzw. OFB Architektur“ ist der genormte Einheitsklatsch des letzten Jahrhunderts.

Jena erstickt in Provinzialität und verschließt sich den Megatrends unserer Zeit.

Autor: Holger Herrmann

14 Kommentare zu "Eine Erdhügelpyramide, geniale Architektur für den Jenaer Eichplatz"

  1. „Jena erstickt in Provinzialität und verschließt sich den Megatrends unserer Zeit.“

    genau, und deshalb bauen wir uns jetzt das auenland?!


    Kommentar melden
  2. Das Auenland ist immerhin etwas, das Jahr für Jahr tausende Besucher anzieht – in Neuseeland lebt ein nicht unerheblicher Teil des Tourismus davon.
    Warum nicht mal etwas bauen, das nicht in allen deutschen Großstädten schon besichtigt werden kann? Hundertwasser wurde als Beispiel schon oft genannt. Warum nicht etwas Wildes, Uneckiges wagen? Die derzeitigen Eichplatz-Entwürfe sind weder innovativ noch mutig, die sind muffige Konfektionsarchitektur.


    Kommentar melden
  3. Mehr Mut für Ideen | 20. Juli 2012 um 11:47 | Antworten

    Danke an die Aktionskünstler. Mit einem Projekt in dieser Art könnte man Touristen nach Jena holen. Die kaufen dann auch im Zentrum ein. Für einen weiteren Deichmann und Thalia kommt niemand nach Jena. Ich würde auch als Investor ungern in ein Projekt investieren, für das der Bedarf an dem Ort überhaupt nicht vorhanden ist. Denn es gibt ja in unmittelbarer Nähe gleich 2 „Center“ mit Goethe-Gallerie und Neuer Mitte. Und die Goethegallie zeigt ja deutlich, dass sie sich auf die eventuelle neue Situation im Zentrum vorbreiten. Mit Saturn haben sie da einen strategischen Treffer gelandet. Keine Ahnung wen sich ECE als Mieter überhaupt vorstellt. Ihren Anlegern werde sie schöne bunte Bildchen zeigen, dass können sie gut.

    ECE kann ja gern in Jena bauen. Zum Beispiel auf dem Parkplatz hinter der Kirche/Uni Hauptgebäude ein Einkaufshaus. Oder gleich dort, wo heute noch die Schillerpassage steht.

    Mir gefällt besonders die Idee, dass die Bürger Jenas die zentrale Fläche selbst der Stadt/KIJ abkaufen und dann selbst entscheiden, ob und was gemacht wird. Das würde der Stadt einen wirklichen Schub in der Aussenwirkung geben, wenn das Zentrum einzigartig und visionär gestaltet würde.


    Kommentar melden
  4. Architektonisch interessante Bauwerke (z.B. auch Hundertwasser) ziehen stehts Touristen an und kein 3. Einkaufscenter. Wie schon von mir geäußert, Herr Holz von der Goethegalerie hat mir persönlich bestätigt, dass er vergeblich Herrenausstatter beworben hat, um in die Goethgalerie einzuziehen. 110.000 Einwohner, davon 30.000 Azubis und Studenten sind einfach zu wenig Umsatz für so gehobene Waren. Einen Anzug für 300 € kauft man sich halt nicht jeden Tag.

    Ich kann mir auch eine Alternativbebauung vorstellen:
    Gegenüber dem runden Turm bauen wir 2 große Halbkreise, welche Richtung Turm und Markt geöffnet sind. Es sieht aus wie ein Adrium . Es kann dann auch ruhig 5geschossig sein. die Außenwand ist glatt und innen werden die Gewerbeeinheiten (nur Erdgeschoß) und Wohneinheiten terassenförmig angelegt. Das heißt das Erdgeschoß mit Gewerbe ist tiefer und nach oben verjüngen sich die Geschosse mit zum offenen Hof liegenden Außenterassen.
    Vorteil: optisch schöner Gesamteindruck mit runden Turm und Adrium, beste Ausnutzung für Gewerbe- und Wohnungsbau. Eine große begrünbare Freifläche im Zentrum. Der Platz vor Kirche und Rathaus wird nicht zugebaut und es kommen vielleicht wirklich Touristen, die sich das anschauen möchten. Das Dach und die Terassen lassen sich wunderschön begrünen und das Dach würde ich für alle öffentlich machen zum Entspannen und Sitzen , vielleicht mit Gastronomie.

    Laßt uns diesen , das Mikroklima schädigenden Bebauungsplan aufheben und einen echten freien Architektenwettbewerb initiieren ohne das Vorgaben von der Stadt gemacht werden.
    Laßt endlich die Bürger entscheiden!

    Es kann das von vielen, auch der Stadt, gewünschte Kunsthaus auch integriert werden. Dann baut der Investor eben und die Stadt mietet. Wenn sie clever ist, baut sie nur die Tiefgarage und verpachtet diese auch an die Bewohner und nimmt noch je Wohnung einen Erbpachtzins. Man hat dann nur die Baukosten und die Stadt hat jährliche Einnahmen aus Parkplatzmiete und Erbpachtzins und wird sich ja auch ein Haus für Kunst und Kultur dann leisten können.

    Man muß für Schulneubau keine Grundstücke verkaufen. Hier gibt es für Investoren Baukostenzuschüsse und freie Träger warten darauf solche Schulen anmieten zu dürfen (z.B. hätte der Internationale Bund interesse) . Die Stadt kann sich also auch im Schulneubau zurücklehnen und bräuchte für Investoren nur Grundstücke ausweisen.

    Für ein modernes, lebens- liebenswertes Jena !!!

    Weg mit dem B-Plan


    Kommentar melden
  5. “Jena erstickt in Provinzialität und verschließt sich den Megatrends unserer Zeit.”

    Das witzige ist ja, dass alle Städte in Thüringen (insbesondere Jena und Erfurt) in etwa die gleichen Probleme haben:

    Sie sind beide (J+EF) zu groß, um wirklich dörflich zu sein, aber auch beide zu klein (provinziell), um wirklichen Megatrends folgen zu wollen. Thüringen hat nun mal keine Metropolen – und wir sollten das endlich einsehen!

    Vielleicht einfach eine Frage des Anspruchsdenkens (Thüringen ist klein und wirtschaftlich extrem schwach auf der Brust – Reinald Grebe singt ja so schön über Thüringen)…


    Kommentar melden
  6. Mehr Mut für Ideen | 20. Juli 2012 um 14:46 | Antworten

    @Hava Sanning

    Was haben Megatrend und neue visionäre Konzepte mit der Größe des Ortes zu tun?

    Im Bereich des Einkaufs ist Jena voll im Megatrend der letzten 20 Jahre gewesen. Denn der Megatrend des Einkaufens ist und war der E-Commerce. Und da ist Jena nun unumstritten mit dabei. Auch im Bereich Glas und Optik war Jena bei den „Megatrends“ mit führend.

    Palo Alto hat auch nur 65000 Einwohner. Und Sie würden ja nicht behaupten wollen, das dieser Ort keine Megatrends hervorgebracht hat, oder?

    Mit Anspruchsdenken hat die Suche nach innovativen, neuen Ideen und Modellen auch nichts zu tun.

    Ich wäre sehr an Daten zu Korrelation zwischen Ortsgöße und Innovationspotential interessiert.


    Kommentar melden
  7. Ich meinte nicht unbedingt nur die Größe des Ortes, mehr die (tatsächliche) Größe des Geistes…!

    Es ist eine Frage des Wollens, nicht die des Könnens :-)

    Das habe ich auch so geschrieben: „…folgen zu wollen“


    Kommentar melden
  8. @Hava Sanning: Eine treffende Analyse. Erwähnen sollte man noch, dass das Anspruchsdenken der beiden Städte diamteraler kaum sein könnte. Während in Erfurt ein mitunter schon unerträgliches Bestreben vorherrscht, alles für sich einzufordern und sich groß und wichtig zu machen, ist in Jena oft das ganze Gegenteil, eine übertrieben provinzielle Bescheidenheit, zu beobachten.


    Kommentar melden
  9. Ich bin zwar weder Jenaer noch Jenenser, aber ich wünsche es der Stadt, das diese Idee von den dafür Verantwortlichen nicht als Spinnerei abgetan, sondern ernst genommen wird.
    Und vielleicht auch den ‚Zuschlag‘ erhält.
    Denn, wie schon mehrfach in den Kommentaren hier erwähnt wurde, die bisherigen Vorschläge für die Eichplatzbebauung sind in meine Augen widerlich.

    Jena hat ein Wohnraum-Problem, das ist unbestritten, aber deswegen muss man doch nicht alle Nasen lang unansehnliche Beton-Stahl-Glas-Klötze mit ’nem bischen bunter Farbe dran, hinsetzen.
    Das ist nun nicht gerade innovativ und in (spätestens) 50 Jahren wird darüber wahrscheinlich genauso die Nase gerümpft werden, wie über die (teilweise wirklich) grauenhafte DDR-Plattenbau-Architektur.

    Ich bin auf jeden Fall gespannt, was aus diesem Projekt wird und vielleicht werden ja bald aus den 7 Wundern von Jena 8.

    Kathy aus Leipzig


    Kommentar melden
  10. kathy mit dem 8. Wunder hattest Du eine gute Idee. Danke
    Wir dürfen uns von unseren Stadtpolitikern einfach nicht überrumpeln lassen.

    Dieser B-Plan ist wirklich das Grundübel, laßt uns neu planen !


    Kommentar melden
  11. Sie sprechen mir aus der Seele. Die von der Stadt geplante Bebauung mit großen Betonklötzen ( wie in Dresden oder Leipzig ) mit lauten und großen Laderampen für dunkle und später verwahrloste Tiefgaragen und Handelsketten machen mich nur noch traurig. Ein autofreier Eichplatze ( auch für Lieferanten), ein rundes Amphitheater mit autofreiem Innenhof oder auch das vorgestellte Erdhügel-Projekt wären Lösungen für die Zukunft und würden sicher von allen Jenensern und Jenaern angenommen werden. Aber bitte, bitte keine grauen Betonkästen.


    Kommentar melden
  12. Holger Herrmann | 23. Juli 2012 um 09:32 | Antworten

    Zur technischen Realisierbarkeit einer großen Konzert- bzw. Kongresshalle im Innern der Erdpyramide stelle ich mir eine Synthese aus Kuppel Bauwerk und Hochbunker vor.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Belgrade_Fair

    http://www.focus.de/kultur/diverses/kunst-sammler-christian-boros-kunst-im-nazi-bunker_aid_774141.html


    Kommentar melden
  13. die macht fördert die uneinsichtigkeit.in diesem fall-die macht des geldes.ich hab aufgehört zu träumen.


    Kommentar melden
  14. Holger Herrmann | 24. Juli 2012 um 20:27 | Antworten

    Hier noch ein link zu den Erdhügelhäuser in Stuttgart. Auf Seite 6 bis 10 gibt es etwas mehr zu erfahren.
    Wenn ich mir das gesamte Dokument ansehe, frage ich mich mit Bauchweh und Kopfschmerzen warum soll im Herzen von Jena so ein Sch… gemäß B-Plan gebaut werden?
    http://tuuwi.wcms-file2.tu-dresden.de/download/urv/ws0708/konsum/Oeko-Architektur.pdf


    Kommentar melden

Kommentar verfassen