Paritätischer Thüringen diskutiert zur Verteilungsgerechtigkeit |

Paritätischer Thüringen diskutiert zur Verteilungsgerechtigkeit

Der Paritätische Thüringen

Neudietendorf. Im Rahmen des bundesweiten Bündnis „Umfairteilen – Reichtum besteuern!“ lädt der Paritätische Thüringen, am Montag den 24. September, ab 17 Uhr zu einer offenen Diskussion bei Radio Frei in Erfurt ein. Zur Diskussion stehen die Kosten der Eurokrise und eines funktionierenden Sozialstaats auf der einen Seite und die ungleiche Verteilung von Reichtum auf der anderen Seite. Nach dem aktuellen Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung hat sich das private Nettovermögen seit 1992 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt, wobei über die Hälfte dieses Vermögens im Besitz von nur zehn Prozent der Bevölkerung ist. Damit ist das private Vermögen des reichsten Prozents der Bundesbürger höher als alle Schulden von Bund, Ländern und Kommunen zusammen. Für den Thüringen Wohlfahrtsverband ist der Bericht nur ein weiterer Beleg für die tiefe soziale Spaltung der Gesellschaft. „Wenn sich derart riesige Vermögen auf immer weniger Menschen in Deutschland konzentrieren, wie es der Bericht feststellt, dann sind die politisch Verantwortlichen aufgefordert hier gegenzusteuern“, appelliert Reinhard Müller, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen.

„Der Staat kann nicht drauf verzichten, die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens zu steuern, wie auch die soziale Infrastruktur nicht dem Marktgeschehen überlassen werden kann“, erläutert Müller. Laut dem Sozialexperten müsse es jetzt darum gehen, den Trend zur Endsolidarisierung zu brechen und die Einnahmenproblematik der öffentlichen Haushalte wie auch der anderen sozialen Sicherungssysteme in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zu stellen.

Den Gastvortrag zur Diskussionsrunde am Montag wird Prof. Dr. Thomas Sauer, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena halten. Sauer selbst steht für eine Erneuerung der Ökonomie und ist Mitunterzeichner des Memorandums besorgter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom März 2012.

Dem parteipolitisch unabhängigen Bündnis „Umfairteilen – Reichtum besteuern!“ gehören bisher auf Bundesebene über 20 zivilgesellschaftliche Organisationen von Gewerkschaften und Sozialverbänden über Migrantenverbände, Jugend- und Studierendenorganisationen bis hin zur Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe an. Konkret fordert das Bündnis eine dauerhafte Vermögenssteuer sowie eine einmalige Vermögensabgabe. Darüber hinaus sei unter anderem die stärkere Besteuerung hoher Einkommen, großer Erbschaften, finanzstarker Unternehmen und von Kapitalerträgen erforderlich.

Am 29. September 2012 findet auch in Erfurt eine Kundgebung im Rahmen des bundesweiten Aktionstages statt. Weitere Kundgebungen wird es in Berlin, Bochum, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg sowie weiteren Aktionen an mehr als 30 Standorten geben. Informationen finden sich unter www.umfairteilen.de