Jena kämpft um Bahn-Fernverkehr – vergeblich? |

Jena kämpft um Bahn-Fernverkehr – vergeblich?

zwei ICE Jena Paradies Tobias Netzbandt Jenapolis

Jena. Ostthüringer Städte werden vom schnellen Fernverkehr schrittweise ab 2015 abgehängt: Gera, Weimar, und schließlich auch Jena, werden spätestens nach 2017 keinen Anschluss mehr an das schnelle Bahnnetz haben. Diese Entscheidung aus den 1990er-Jahren trifft besonders die Universtätsstandorte hart. Beispielsweise können Kongresse für Wissenschaftler anderer Hochschulen und Forschungseinrichtungen nur wenig attraktiv erscheinen.

Das Bahnhofsgebäude von Jena-West wurde 1876 in Betrieb genommen. Im April wurde im Beisein des Thüringer Verkehrsministers ein neues Reisezentrum der Bahn eröffnet. Foto: T. Netzbandt/Jenapolis.de

Die Modernisierung der Bahnhöfe Jena West und Jena-Göschwitz zementiert den Anspruch der Bahn, nur noch Regionalbahnen auf diesen Bahnhöfen halten zu lassen. Von 260 bis 270 Meter Länge werden die über 130 Jahre alten Bahnsteige in Göschwitz beziehungsweise West völlig neu erstellt, und zwar auf einer Länge von nur 170 Meter. Somit können hier keine Fernverkehrszüge mehr eingesetzt werden. Die Bahn informierte erst vor wenigen Tagen über die geplante Änderung der Infrastruktur. Noch rund zwei Wochen können sich „Nutzer dieser Anlagen und Dritte mit absehbarem Nutzungsinteresse oder Informationen über derartige verkehrliche Interessen“ an das Eisenbahnbundesamt wenden. In Jena-West wird das Dach über den Bahnsteigen saniert.

Vertreter der Bahn haben in einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses  bestätigt, dass wegen der fehlenden Elektrifizierung derzeit kein Zug mehr bis Glauchau fahren könne. Ende des kommenden Jahres sollen neue Doppelstockzüge der Bahn, sogenannte Dosto-Züge, den künftigen Bahnknoten Erfurt anfahren. Fest steht nur, dass die Jenaer keine direkte Verbindung nach Berlin oder München haben werden. Reisende werden künftig in Erfurt oder Leipzig umsteigen müssen, wenn sie schneller in die Metropolen fahren wollen. Ab 2014 wird mit dem Umbau begonnen, die Bahnhöfe Göschwitz und West werden dabei für drei Monate komplett gesperrt. Der Verkehr unter der Eisenbahnbrücke in der Kahlaischen Straße wird zudem ebenfalls voll gesperrt. Zuletzt wurden hier im Jahr 1967 Änderungen vorgenommen. Die Konstruktionsart ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand und befindet sich in einem schlechten Zustand.

Unterführung im Bahnhof Göschwitz. Aufnahme aus dem Jahr 2011 des mit Tauwasser gefüllten Tunnels.

In Göschwitz verschwindet der Bahnsteig 5 vollständig, die Bahnsteige 4 und 6 werden völlig erneuert, die Bahnsteigbeleuchtung sowie die Treppen mit den Einhausungen werden teilerneuert. Außerdem werden Wetterschutzhäuschen gebaut. Die 1933 errichtete Rodabrücke wird 1:1 erneuert. Toilettenhäuschen sind in den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen nicht enthalten. Hier müsste die Stadt als Betreiber einspringen, was seitens der Stadt aber abgelehnt wird. Für das Gebäude des Göschwitzer Bahnhofs gebe es zwei Interessenten. Im Gelände plant die Bahn, ein neues Gebäude zu errichten: Weil es mehr als 4 000 Umsteiger gebe, lohnt sich ein „Grüner Bahnhof“. Der CO2-freie und ökologische Bau soll dort für 3 Millionen Euro entstehen. In Lutherstadt Wittenberg wird es auch einen solchen neuen Bahnhof geben. Die Bahn teilt sich die Kosten mit dem Land Sachsen-Anhalt.

Für Reisegäste ist diese Toilette geschlossen. Behinderte haben durch einen speziellen Schlüssel Zugang zu den Sanitärräumen. Foto: T. Netzbandt/Jenapolis

Weil bislang für die vier Teilabschnitte nicht alle Baugenehmigungen vorliegen, kann eine Fertigstellung nicht 2015 eingehalten werden. Vertreter der Bahn sprechen von 2015 bis 2016. Wenn die Leistungsfähigkeit der Bahn zwischen Weimar und Gera erhöht werden soll, müssen aber alle Hauptmaßnahmen abgeschlossen werden.

In Weimar gibt es ein breites Bündnis für den Erhalt des ICE-Halts. Mit verschiedenen Aktionen machte die Kulturstadt auf sich aufmerksam. Bahnchef Dr. Rüdiger Grube ist seitdem mehrmals nach Weimar zu Verhandlungen und einem privaten Besuch gekommen. Nicht ganz in der Öffentlichkeit angekommen ist das Bündnis „Fernverkehr für Jena!„. Ab 2018 wird es nur noch in den sogenannten Tagesrandlagen Fernverkehrsverbindungen nach Berlin und München geben: Nur in Tagesrandlagen plant die Bahn Verbindungen: Morgens sollen zwei Züge nach Berlin fahren, abends zwei von Berlin zurück. ICEs sollen gegen 5.30 Uhr und 7.30 Uhr in Jena abfahren und in Berlin gegen 8.00 Uhr und kurz nach 10.00 Uhr eintreffen. Bis nach Hamburg soll einer dieser Züge durchfahren. Aus Berlin sollen ICEs gegen 19.00 Uhr abfahren und gegen Mitternacht in Jena sein.

Fahrgäste warten auf ihre Züge am Bahnhof Jena-West. Foto: T. Netzbandt/Jenapolis

Mit solchen Angeboten für Jena wird aber den Reisenden eine Fahrt mit der Bahn madig gemacht.  Keine Toiletten, vernachlässigte Bahnhofsgebäude, defekte Fahrkartenautomaten, und das, obwohl der Bahnhof West zu den am stärksten frequentiertesten Thüringer Bahnhöfen gehört. All das schreckt viele von einer umweltfreundlichen Fahrt ab. Der Jenaer Nahverkehr bietet durch die Haltestellen an den beiden Bahnhöfen einen Komfort an. Die Stadt realisiert den Fußgängertunnel ins Gewerbegebiet Jena 21 und kommt damit den künftigen Belangen für den Zugang zum Bahnhof nach.

Wie nach 2017 die Verbindungen in die Ferne aussehen werden, welche Züge schnell, zuverlässig und vor allem, in welcher Taktung nach Erfurt fahren, ist recht offen.  Eines ist aber sicher: Wenn die Bahn baut oder zurückbaut, denkt sie in Jahrzehnten oder auf ein Jahrhundert hinaus. Prestige-Objekte wie der Paradiesbahnhof zeigen, dass solche Entscheidungen nicht mehr rückgängig gemacht werden. Hier sind starke Verhandlunsgpartner seitens der Städte gefragt, schließlich geht es um die Metropolregion und deren Anschluss an ein Verkehrsnetz.

26 Kommentare zu "Jena kämpft um Bahn-Fernverkehr – vergeblich?"

  1. Der Dosto-IC braucht aber meines Wissens nach E-Loks. Und die brauchen eine elektrifizierte Strecke. Also…


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  2. statt ner stündlichen anbindung von leipzig nach berlin wie heute, soll, um die gewünschten fahrzeiten b-ef einhalten zu können, leipzig nur noch im wechsel mit halle angefahren werden. also eine stunde l.e. die andre stunde halle. halle ist ein durchfahrtsbhf und kann ohne zeitverlust und umweg an bzw durchfahren werden.

    leipzig ist aber ein kopfbahnof wie auch stuttgard. um leipzig nun anfahren zu können muss der ice einmal rund um leipzig fahren, sich in das schienengewirr einfädeln(sprich langsam fahren) um im bahnhof alles umzustellen und dann wieder langsam aus dem bahnhofsgewirr herauszuzuckeln. den effekt sieht man zb heute schon am ice 1717/1517. dieser flügelt in wittenberg. der 1717 fährt mit 2 halten in bitterfeld und halle und mit vielen langsamfahrstellen da ja die strecke baustelle ist. der 1517 fährt über leipzig und hat nur ein halt und darf auch recht flott fahren. durch seine mehr-km, um leipzig zu pasieren, schafft er es aber gerade so, sich in nmb wieder mit dem 1717 zu treffen.

    der city tunnel hätte nun leipzig auch zum durchfahrtsbhf gemacht und die nachteile der umfahrung geschluckt.


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  3. @ coolmccool

    In einem Punkt möchte ich Widerspruch anmelden. Wichtig ist bei der nördlichen Anbindung nicht nur Halle, sondern auch Leipzig. Dort wird nämlich nichts abgehängt. In einer früheren Diskussion haben Sie die Saalbahn schon einmal mit dem City-Tunnel Leipzig in Verbindung gebracht. Ihre Argumentation ist mir hier wie damals nicht plausibel.


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  4. Ich kann die ganze Diskussion hier nur bedingt nachvollziehen. Jena braucht keinen Hauptbahnhof um Fernverkehr halten zu lassen. Da gibt es nämlich den Hp. Jena Paradies. Der steht auch zukünftigen Anbietern als Halt für Fernzüge zur Verfügung. Das in Jena West die Bahnsteige auf 170 m zurückgekauft werden hat für Fernzüge, die hier geplant sind auch keine negativen Auswirkungen. Der 5-Wagen Dosto passt dort auch hin. Hier ist mal viel Schwarzmalerei mit Vermischung von unterschiedlichen Sachthemen im Gang.


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  5. susi.töpfer | 26. September 2012 um 09:02 |

    CG sie haben recht, vor allem wird dies noch vor dem Verkauf des Eichplatzes erfolgen. Ich habe in einem älteren Blog gelesen, das der Herr von der Stiftung Lebendige Stadt, wenn er vom Paradiesbahnhof in die Stadt läuft, immer zu erst in einen Bekleidungsladen läuft um sich meist eine Hose zu kaufen. So schlecht scheinen also unsere Herrenausstatter nicht bestückt zu sein. An den Artikel kann ich mich noch gut erinnern. Also fahren die feinen Herren auch Bahn und haben sicher keine Lust x-mal umzusteigen. Aber es wird wohl so kommen. Jedenfalls denke ich , die Abkopplung des Fernverkehrs ist nicht mehr aufzuhalten unser Stuttgart 21 schon.
    Entsetzt bin ich über die damalige Entscheidung gegen einen Hauptbahnhof in Burgau, kann mich dunkel daran erinnern und das damals der Stadtrat sagte: wir wollen einen ICE Halt in der Stadt, im Zentrum. So ein quatsch aber auch, Burgau ist in alle Richtungen sehr gut und mehrfach angeschlossen an den Nahverkehr.
    Ich glaub falsch getroffene Entscheidungen wiederholen sich in Jena. Wir hatten ja noch nie Politiker mit Rückrat und Weitsicht. Zu DDR-Zeiten wurden wir vom Prof. Biermann indirekt regiert, der besorgte noch Betum aus Schwedt für die Straßen und nach der Wende hatten wir Lothar Späth als Stadtwickler. Nur das Kongreßzentrum auf dem Inselplatz bekam er nicht mehr durch den Stadtrat. Dann würde heute keiner um eine MUFU streiten !!!


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  6. Metropolregion? Ist das nicht etwas hochgegriffen? Das letzte Mal, als ich aus dem Fenster geschaut habe, war Jena noch das zu groß geratene Dorf wie eh und je…

    Naja, wenigstens hat Jena jetzt sein eigenes kleines Stuttgart 21. Eine alte Entscheidung kommt plötzlich in greifbare Nähe und alle sind furchtbar entsetzt.


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  7. stefan.lange | 25. September 2012 um 15:39 |

    TomWed: Kaufhaus mit Bahnanschluß, dass ist doch die Lösung. ECE baut sein Center in Burgau und betreibt gleich noch nebenan die neue Basketball-Messehalle. Nach Information des dortigen Investors ist ja auch eine Mutifunktionshallte geplant für nur Basketball lohnt sich ja nun kein Hallenbau.
    Klasse-Nebeneffekt: Das Bahnhofkreuz Burgau/Göschwitz hätte sogar Toiletten. Habe nämlich noch nie ein Einkaufscenter ohne Toiletten gesehen.


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  8. um den ganzen irrsinn der waldubahn noch die krone aufzusetzen ein paar andre fakten:

    die bahn ersetzt mit dem ic-x ja ab 2018 ice 1+2 wobei der ic-x von der höchstgeschwindigkeit „nur“ noch für tempo 230-249 ausgelegt wird. d.h. die strecke wird mit den halten in erfur+ und halle nie seine geplannten geschwindigkeitzuwächse reinholen

    der city-tunnel l.e. hätte mit iceröhre und alte saalebahn eine ähnliche fahrzeiteinsparung gehabt wie sie die waldubahn mit tempo 300+ als sprinter ohne halt in erfurt erreichen soll.


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  9. „Verbietet teure Infrastruktur“ ist hier ungünstig gesagt; natürlich kann es die geben, wenn die Bahn sie nicht bezahlen muss. Jena hätte zwingend ein „Kaufhaus mit Bahnanschluss“ gebraucht, wo die Bahn nur die Nebenfunktion gehabt hätte. Nur ist das nirgendwo sinnvoll, weder an einem vorhandenen noch irgendwann mal diskutierten Bahnhofsstandort. Für Paradies wurde das m.W. sogar durchgerechnet, aber die Knebelstraße ist wohl eine 1C-Lage – ein Einkaufszentrum dort hätte irgendwann das Schicksal der Schillerpassage erlitten. Göschwitz, mitten im Gewerbegebiet, ist ohnehin in der Hinsicht mausetot; Saal- und Westbahnhof auch so gut wie. Heute könnte man sich vorstellen: Hauptbahnhof bzw. „Göschwitz neu“ an der Lobedaer Straße, Burgaupark anstelle der jetzt geplanten Basketballhalle, das Ganze als Bau- und Funktionseinheit. DAS hätte funktionieren können, aber 1994 dachte noch keiner soweit. Hinterher ist man immer klüger…


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  10. Danke coolmccool (lustiger nik) jetzt bin ich wenigstens im Bilde. Also auf Nahverkehrshaltestellen einrichten. Bei Bushaltestellen gibt es ja auch keine Toiletten.


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  11. was soll nur dieses sinnlose bahnbashing… die entscheidungen die hier betrauert werden wurden 1992 und 1998 in berlin erfurt und jena getroffen…

    1992 wollte die damalige kohlregierung die bahn in konkurenz zum flieger bringen und dazu mußte die strecke münchen berlin für tempo 300+ ausgebaut werden. es gab 2 varianten, die nun gebaute waldubahn oder ne verbindung über chemnitz. die bahn wollte beides nicht und hat sich die bahn damals erfolglos gewehrt. durch das beschleunigte verkehrsprojekt-deutsche-einheit-verfahren wurden die bürgerbeteiligung masiv eingeschränkt und von thüringer seite auch lächerlich gemacht siehe die damaligen coburger proteste in verbindung zur a71/73.
    die abwehrschlachten des jenaer stadtrats gegen einen zentralen umsteigebahnhof burgau brauch ich hier hoffentlich nicht mehr rausholen.

    erurt und berlin haben damals die bahn auf diese strecke gezwungen und jena hat sich selbst um die alternativ-strecke gebracht. ab 2018 ist halt jena nur noch haltepunkt, und das verbietet der bahn dort tolle bzw teure infrastruktur.

    mit anderen worten das kind ist schon sooo lange im brunnen, dasses schon selber kinder hat und demnächst in rente geht.

    die einzige realistische restchance jenas ist, leider, nur noch, auf ne guten nahverkehr hinzuwirken. und zwar mit allen verfügbaren mitteln. keine kraft mehr vergeuten, um dem ice nachzuheulen. andernfalls ist die, für uns kostengünstigere, verbindung nach bamberg bzw halle auch futsch(leipzig wird ja genauso von der linie münchen-berlin getrennt, die verdanken dass ihren duseligen verzicht auf den icegerechten ausbau des citytunnel)


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  12. @ Tobi N.: Der Dosto-IC soll 5 Wagen haben (Wikipedia, habe aber auch einen Pressetext des Herstellers gelesen – müsste stimmen). Pro Wagen sind ca. 27 m zu rechnen; die Lok muss nicht am Bahnsteig stehen. Ein 140-m-Bahnsteig (m.W. Saalbf) müsste reichen. (Bin mir beim Saalbf jetzt nicht sicher, finde die Bahnhofstabelle bei DB Netz gerade nicht; der Saalbf KÖNNTE auch 170 m haben.) Bei 170 m ginge noch ein 6. Wagen, wenn es sein müsste. Die 27 m sind übrigens das Maximum pro Wagen, das durch die allgemeine Netzgeometrie vorgegeben ist; da muss man nicht auf Zuwachs planen.


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  13. stefan.lange | 25. September 2012 um 11:05 |

    Also sollte unser neuer Bahnsteig mindestens 210 m betragen, ist doch wohl logisch. Man kann so kurzsichtig doch nicht die nächsten 100 Jahre verplanen !!!


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  14. Tobias Netzbandt | 25. September 2012 um 10:48 |

    @typischjene

    Ich war auf den Vorstellungen der Bahn in Göschwitz wie im Stadtentwicklungsausschuss. Die Bahn verkauft sich dabei gut. Aber wenn die Sprache auf Toiletten kommt, wird nur gesagt, dass die Bahn ein Logistik-Unternehmen ist, kein Toilettenunternehmen. Schließlich könne man ja im Zug aufs Klo gehen.

    Im Beitrag habe ich mich auf 160 Meter Bahnsteiglänge bezogen, weil das Bundesamt es so ausgeschrieben hat. Ob es nun 140 oder 170 Meter sind, ist dabei für Fernverkehrszüge unerheblich. Hier werden 210 Meter benötigt. Wie es für den Doppelstock-IC aussieht (Beschreibung und Bilder gibt es in der Wikipedia), kann ich nicht sagen. Es gibt diesen Zug noch nicht. Dass aber 170 Meter Bahnsteiglänge für einen Halt ausreichend sind, darf stark bezweifelt werden.


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  15. stefan.lange | 25. September 2012 um 10:47 |

    Verstehe ich das alles richtig ?
    In der Stadt Jena gibt es Bahnhöfe, welche bereits vor dem Krieg errichtet worden mit genügend langen Bahnsteigen für den Fernverkehr. Jetzt möchte die Bahn umbauen und die Bahnsteige verkürzen, so dass künftig weder die DB noch Private Anbieter mit Fernverkehrszügen in Jena halten kann.

    Das ist doch eine Kriegserklärung der Bahn. Wenn jetzt unser OB nicht gegen die Verkürzung der Bahnsteige kämpft, soll er abdanken !!!

    Dann sollte die Stadt lieber die Bahnsteige in Eigenregie übernehmen und die Bahnanbieter zahlen Gebühren für die Durchfahrt. Weshalb hat die Bahn so ein Monopol und schreibt den Kommunen noch vor, welche Bahnen künftig auf den Bahnhöfen halten können und welche nicht. Sauerrei, und die Bahn bekommt für den Ausbau der Infrastruktur auch noch unsere Steuern, es wird doch alles subventioniert.


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  16. Simon Sachse | 25. September 2012 um 10:20 |

    Im konkreten Fall sitzen die Schildbürger offenbar nicht in Jena, sondern in Erfurt. Minister Carius beglückt uns ja gelegentlich mit Verlautbarungen, wie schön doch die Bahnlandschaft in Thüringen wird, wenn erst alle Züge zwangsweise über Erfurt müssen (vermutlich einschließlich der Bergbahn in Oberweißbach).
    Von der Bahn ist die Entscheidung sogar clever: Mit der Verkürzung verhindert sie effektiv, dass Konkurrenten längere Züge einsetzen.
    Die Bahn gehört zur Grundversorgung und sollte deshalb kein Unternehmen mit Gewinnmaximierung sein. Dass das funktioniert, kann man in der Schweiz sehen. Aber in Deutschland muss unbedingt alles privatisiert werden. Und nur mit einem miserablen Bahnnetz kann man den Autokauf ankurbeln.
    Kann man eigentlich ein Bürgerbegehren für einen längeren Bahnsteig starten? Offenbar ist es ja eine Entscheidung der Landesregierung … Da muss doch was gehen?!


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  17. Was ist denn die Bahn? Ein Staatsbetrieb oder ein privates Unternehmen mit Gewinnmaximierung? Oder irgendwas dazwischen ?

    Weshalb werden denn Strecken nicht freigegeben,( wenn doch der „freie Markt“ alles regelt,) so dass alternative Anbieter auch fahren können?

    Thema Umwelt…. wollen wir den Verkehr nun einschränken und mit der Bahn in die Fläche ? – dann wird es ein Zuschußgeschäft. Will man Profitmaximierung – dann muss man es komplett freigeben.

    Ich sehe hier überhaupt keinen politischen Wille, etwas zu tun.

    Abwählen!


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  18. Holger Herrmann | 25. September 2012 um 09:40 |

    Auf der Beratung waren wohl auch Vertreter des das Bündnis “Fernverkehr für Jena!“.
    Auf deren Seite im Internet gibt es eine Erklärung dazu:
    http://www.fernverkehr-jena.de/news/items/thueringen-unterstuetzt-bahnsteig-kuerzung-in-jena.html


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  19. An alle Experten, verstehe es auch nicht ganz, kann nun mit Provisorium, 30 m vorgefertigte Teile, ein Fernzug halten oder nicht ?


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  20. Bisher war meine Morgenlektüre n-tv, leider als Katastrophenbringer. Die Welt ist ja so böse.
    Seit einiger Zeit gehört Jenapolis dazu. Wir brauchen keine Terroranschläge von außen, wir setzen uns selber matt.

    Wenn ich Jenapolis öffne ist nicht mehr mein Gedanke, na was gibt es schönes neues in Jena, sondern ich schaue ängstlich auf den Bildschirm: Gibt es wieder eine katastrophale Entscheidung gegen Jena ?


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  21. Jetzt bin ich völlig durcheinander habe nochmal die Beiträge gelesen:
    Tobias sagt: die Bahnsteige werden auf 170 m gekürzt und damit können keine Fernzüge mehr fahren.
    Holger sagt: die Bahnsteige werden auf 140 m länge gebaut und können mit vorgefertigten Teilen auf 170m verlängert werden, Für die nächsten 100 Jahre wäre dies dann so.Also selbst mit dem Provisorium können keine Fernzüge halten?

    Leute, dass ist ja noch schlimmer. Ich dachte wenigstens bei den genannten Provisorium könnten dann Fernzüge halten. Also nix da. Jetzt haben wir die Schildbürger entgültig übertrumpft.


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  22. Freut Euch, künftig heißt es nicht mehr die Schildbürger kommen, sondern die Jenaer kommen!

    Warum?

    Na ganz einfach:

    Wir reißen Wohnungen ab und stellen fest: uns fehlen Wohnungen
    Wir reißen Schulen ab – uns fehlen jetzt Schulen,
    wir lassen ein großes Einkaufscenter in die City bauen, um danach festzustellen, huch wir haben ja schon 2,
    wir lassen Fördermöglichkeiten der EU prüfen für eine Multifunktionsarena und benötigen dafür mehrere Mio Eigenkapital, um danach festzustellen, oh wir haben ja schon 1,5 Mio für eine Sport- und Messehalle in Burgau bewilligt.
    Sie wird so groß, dass die größte Messe welche jährlich in Jena stattfindet, da Platz hat.
    Wir lassen unsere Bahnsteige verkürzen, da die Deutsche Bahn keine Fernzüge durch Jena mehr fahren läßt. Für eine spätere Verlängerung gibt es dann vorgefertigte Teile. Werden die in Jena dann schon deponiert?
    Ich lach mich tot. Stellt Euch mal vor 2018 kommt ein privater Bahnbetreiber und möchte einen Fernzug durch Jena fahren lassen und hält auch noch an. Dann fragt unser Bürgermeister diesen: bringen sie aber bitte auch die vorgefertigten Teile für die Bahnsteigverlängerung mit?
    Wir haben vor 6 Jahren nämlich unsere Bahnsteige verkürzen lassen. Das können nur Schildbürger sein bzw. Jenaer !!!


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  23. Bravo, für künftige Fernzüge läßt sich Jena also mit einem Provisorium von 30 m länge abspeisen. Es kommt mir vor als ob unsere Politiker alles so ohne Widerspruch hinnehmen. Man sollte bei einem Umbau die Toiletten wenigstens bauen lassen. Man kann sie ja erstmal zuschließen, bis es einen Politikwechsel in Jena gibt und eine Regierung die Betreibung von Bahnhofstoiletten bewilligt und dafür aufkommt.

    Eigentlich schon peinlich. Eine Lichtstadt, die sich das Betreiben von Toiletten nicht leisten möchte. Bahnreisenden sollte man wenigstens einen Stadtplan zur nächsten öffentlichen Toilette aushändigen.

    Prima Aushängeschild für Jena !


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  24. Holger Herrmann | 24. September 2012 um 23:36 |

    Neben den Vertretern der Bahn haben an dieser Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses auch unser OB und die Dezernentin Frau Schwarz teilgenommen.
    Wenn ich es richtig verstanden habe wird der Bahnsteig in Göschwitz 140m lang. Er kann aber bei Bedarf später durch vorgefertigte Teile problemlos auf 170m erweitert werden. Damit haben die Bahnsteige für die nächsten 100 Jahre ihre max. mögliche Länge erreicht.

    Der Grüne Bahnhof ist in fernerer Planung. Bahn und Stadt stehen darüber wohl in Gesprächen.
    Vielleicht verteilt unser neuer Dezernent für Stadtentwicklung in Göschwitz künftig Feldspaten und Eimer an Notdurftige Reisende.
    Die Bahn würde in Jena West ja Toiletten bauen, aber keinesfalls betreiben.


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  25. Sehr guter Punkt. Wenn ich allerdings meine prophetische Gabe bemühe, werde ich leider kassandra’n müssen, dass das wohl nichts wird – seitens der Stadt.


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  26. Sauerei, Jena sollte wenigstens um die Länge seiner Bahnhöfe kämpfen, vielleicht fährt ja mal ein privater Bahnbetreiber mit Fernzügen auch nach 2017 über Jena. Die Bahnsteige zu kürzen wäre sehr kurzfristig gedacht.


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