Jena ist „Nachzügler“ laut einer McKinsey Studie zum E-Government |

Jena ist „Nachzügler“ laut einer McKinsey Studie zum E-Government

Jauch im Bürgerservice foto tn Jenapolis

Düsseldorf. Die Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey untersuchte 200 Städte und Gemeinden. Herausgekommen ist eine Studie zum E-Government Angebot deutscher Städte. Acht typische Vorgänge wurden dabei genauer unter die Lupe genommen: Die Anmeldung eines Wohnsitzes, Gewerbes oder der Hundesteuer, Beantragung einer Geburtsurkunde oder einer Baugenehmigung, ein virtuelles Fundbüro, und schließlich ein Beschwerde- und Terminservice.

Screenshot Erlangen.de

Nur 2,5 Prozent der Großstädte gelten demnach als „Vorreiter“, also Orte, die mehr als vier der oben genannten Dienstleistungen online anbieten. Städte und Gemeinden mit zwei oder drei Angeboten gelten als „Mittelfeld“, wer nur einen oder gar keinen Onlineservice aus den oben genannten Bereichen anbietet, gilt als „Nachzügler“.

Berlin, Hamburg, Nürnberg, Bonn und Düsseldorf sind Spitze, wenn es um E-Government geht. Im Mittelfeld stehen München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Dortmund, Essen, Dresden, Leipzig, Hannover, Bielefeld, Mannheim, Karlsruhe, Kiel, Erfurt, Mainz, Kassel, Saarbrücken, Bremerhaven, Reutlingen, Hildesheim und Cottbus. Nachzügler sind Bremen, Duisburg, Bochum, Wuppertal, Halle an der Saale, Magdeburg, Lübeck, Rostock, Ludwigshafen, Potsdam, Darmstadt, Regensburg, Wolfsburg. Die „rote Laterne“ geht an Jena.

Wenn man beispielsweise einen Hund in Jena anmelden möchte, wird auf der Seite von Jena.de erklärt, dass ich dieses persönlich oder schriftlich – aber eben nicht online – erledigen kann. In Jenas Partnerstadt Erlangen, die nicht untersucht wurde, ist das kein Problem. Auf dieser Seite ist auch die Hundesatzung leicht zu finden und es werden zudem „Tipps für umweltbewußte Hundehalter“ in der Stadt und in der Natur gegeben. Erlangen.de wurde nicht getestet, die fränkische Partnerstadt Jenas ist aber als Universitätsstadt und mit seiner Einwohnerzahl mit Jena vergleichbar. Der Internetauftritt wurde nur wenige Tage nach dem Relaunch Jenas am 14. September online gestellt. Auf dem Screenshot sehen Sie die Hinweise für die Erhebung der Hundesteuer, Tipps für die Hundehaltung, rechtliche Grundlagen und die Formulare zur An- und Abmeldung eines Hundes. In Jena kann man aber Online einen Termin im Bürgerservice vereinbaren.

Etwas mehr Transparenz gibt es in Jena beim Berechnen der Kita-Gebühren, die jedoch tatsächlich abweichen kann. Allerdings kann auch kein Kind in einer Kita oder bei einer Tagesmutter angemeldet werden. Es gibt auf Seiten von Jena.de nur den Hinweis, dass man eine „KITA-Card“ für die Anmeldung in einem Kindergarten benötigt. Wie einfach die Suche nach einem Kita-Platz sein kann, zeigt das Online-Portal Little Bird. Leider wird das Portal nur von wenigen sächsischen Städten, Aachen und seit dem 25. September von der Daimlerstadt Schorndorf genutzt. In Weimar gab es im letzten Jahr Gespräche zur Einführung dieser innovativen Online-Lösung. Umgesetzt wurde die Kita-Suche vom heimischen PC aus allerdings (noch) nicht.

Zum Bürgerservice muss man sich aber selbst aufmachen. Ärgerlich ist das beispielsweise für die Bewohner des größten Stadtteils Neu-Lobeda. Hier ist seit Juni wegen Personalsmangels die Außenstelle geschlossen. Jena ist vielleicht die „Stadt der kurzen Wege„, nicht aber der kurzen Behördengänge. Mit dem Relaunch der Startseite von Jena.de am 11. September wurde es versäumt, Möglichkeiten des Online-Services zum Vorteil für Bürger und Verwaltung einzuarbeiten.


Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten von McKinsey.

 

13 Kommentare zu "Jena ist „Nachzügler“ laut einer McKinsey Studie zum E-Government"

  1. Na, hoffentlich liest dies unser schlauer Herr Jauch. Man kann auch Zeiten im Bürgerbüro verkürzen, wenn viel über online die Bürger schon selbst erledigen können. Rote Laterne für Jena !
    Ich hätte ja mal gern die Auswertung gesehen: Beantragung einer Baugenehmigung. Ich kenne einen Bauherren, der bekam die Unterlagen zurück, da sie nicht in einem ganz speziell eingerichteten Hefter abgegeben wurde. Er mußte einen neuen Hefter kaufen und strikt jedes Blatt erneut in der richtigen Reihenfolge einheften. Warum geht so etwas noch nicht online? Noch dazu, da hier die Unterlagen ja in A3 erstellt werden, wie z.B. Zeichnungen. Gerade die Architekten arbeiten doch alle mit Zeichenprogrammen, da kann doch vieles über das Netz auch gleich erstellt und verschickt werden.


    Kommentar melden
  2. vor allem müssen Mappen gleich mehrfach für das gleiche Bauvorhaben erstellt und abgegeben werden. Eine enorme Papierverschwendung.


    Kommentar melden
  3. stefan.lange | 27. September 2012 um 20:55 |

    die lichtstadt jena mit roter Laterne.


    Kommentar melden
  4. rote Laterne, aber dafür die modernsten Blitzer.
    Unsere Stadtoberhäupter sollten mal ihre Arbeitsenergie für die wichtigen Dinge in dieser Stadt einsetzen und sich nicht immer von Lobbyisten ablenken lassen.


    Kommentar melden
  5. Wieviel Geld wurde eigentlich in unsere so schön gepriesene neue Jena-Plattform investiert ?


    Kommentar melden
  6. in einer mckinsey-studie letzter zu sein, ist vielleicht gar nicht so schlecht..


    Kommentar melden
  7. Rüdiger, meist ist es doch so, in jeder Aussage steckt ein fünkchen Wahrheit. Fakt ist doch, dass was den Internetausbau und die Netznutzung betrifft Jena mittlerweile früheren Entwicklungsländern. Das ist wie beim Funkausbau der Polizei, selbst Albanien hatte schon Digitalfunk, viel eher als die Deutsche Polizei. Ich denke das Internet führt in Deutschland in den Behörden ein Schattendasein. Wie sonst kommt noch der ganze Papierkrieg wie zb. bei Bauanträgen ? Eine Mappe inkl. eine CD müßte doch ausreichen. Es ist doch auch viel einfacher eine CD auszuwerten und zu prüfen. Die Mappe sollte nur noch für das Archiv da sein. Vor allem hat dies bei Einfamilienhäusern nichts mehr mit Sicherheit zu tun. Die Statik muß hier nur noch vorhanden sein, beim Bauherren. Bei den Bauanträgen wird er schon längst nicht mehr mit eingereicht. Da wird eher nach Schallschutz und Wärmeschutznachweis gefragt. Es soll ja sogar schon Firmen geben die ein papierloses Archiv besitzen. Warum also das ganze Papier? Im Gegenteil z.B. muß man bei Nachprüfungen noch Strom für den Schretterer verschwenden, z.b. beim schnellen Aktenvernichten im Thüringer Verfassungsschutz.


    Kommentar melden
  8. Entschuldigt bitte, ich habe im 2. Satz das Wörtchen hinterherhinkt vergessen.

    Ja, ich weiß z.B. von einer großen Versicherung, dass diese schon auf papierlose Verwaltung umgestellt hat. In der Poststelle stehen mehrere Scanner. Kommt Post, wird diese nicht mehr verteilt, sondern ist 1 sec später beim entsprechenden Mitarbeiter auf dem Bildschirm. Ich weiß gar nicht , ob die Belege nicht gleich in den Schretterer gehen oder noch für das Archiv wie früher verfilmt werden. Jedenfalls trägt da keiner mehr Akten hin und her.
    Und hier geht es auch um Millionen Beitragseinnahmen und Schadensregulierung.

    Unsere Behörden arbeiten aber noch wie im Mittelalter, das wird alles noch brav per Hand verteilt. Vielleicht bräuchte man in Jena ohne Riesenaktenschränke auch weniger Platz und man könnte das Angergymnasium wieder als Schule eröffnen.

    Ach das habe ich ja vergessen, richtig ohne die Papierberge könnte ja kein Beamter mehr sagen, oh das liegt gerade mir nicht vor, das ist sicher noch auf dem Tisch meiner Kollegin.
    Auch könnte man sich dann nicht so fein hinter Aktenbergen verstecken, das sieht doch auch so schön nach Arbeit aus .


    Kommentar melden
  9. P.S. papierlose Verwaltung geht doch nicht, man könnte ja verleitet werden sofort eine Entscheidung treffen zu können und eine Antwort per Internetbrief zu schreiben. Das geht aber in einer Behörde nicht, da ja eine Akte erst durch mehrere Zimmer wandern muß. Was soll auch der Beamte den Rest des Tages machen ?


    Kommentar melden
  10. ich&die andere | 28. September 2012 um 09:32 |

    Ich hoffe die MitarbeterInnen der Behörden bekommen dann auch die notwendigen Bildschirmpausen zugestanden und entsprechend eingerichtete Arbeitsplätze (Lichtverhältnisse und so Sachen). Digitalisierung hat immer zwei Seiten, die für die es einfacher geht, mal eben Sachen zu verschicken und die die damit umgehen lernen müssen udn nach 30 Jahren Arbeit mit Heftern nicht mal eben auf papierlos umstellen können.
    Dieses ewige Beamten-Geläster ist widerlich. Sind auch nur Menschen (und die wenigsten an der „Basis“ wohl tatsächlich verbeamtet) – wenn mir Leute schon mit so einer Haltung gegenübertreten hab ich auch keine Lust, Entgegenkommen zu zeigen. Dann ist es mir gar eine Freude den hefter nochmal anzufordern.
    Das gute am Online-Service wäre dann auch: die Plattform kann einem gleich sagen, wenn man den falschen Hefter hochladen will…


    Kommentar melden
  11. Frank Cebulla | 28. September 2012 um 10:28 |

    Man muss hier stärker differenzieren und nicht so pauschal urteilen. Sicher kommt die Einschätzung der McKinsey-Studie nicht von ungefähr und liegt auch nicht voll daneben. Aber das ist nicht unbedingt der Jenaer Stadtverwaltung anzulasten, wo auch nur Menschen sitzen, die nach bestem Wissen und Gewissen ihre tägliche Arbeit verrichten. Vielmehr fehlen in Jena die politischen Impulse, um einen wirklichen Fortschritt in der Kommunikation mit den Bürgern und eine grundlegende Modernisierung der Verwaltung zu erreichen. eGovernment hat sehr viel mit Bürgernähe und Bürgerbeteiligung zu tun und da hinken unsere Kommunalpolitiker leider nach wie vor ein paar Jahrzehnte hinterher.
    Richtig ist aber auch, dass die Stadtverwaltung Jena nicht wenige Formulare auch im Internet zur Verfügung stellt, die man bequem zu Hause ausfüllen und wieder versenden kann:
    http://www.jena.de/de/stadt_verwaltung/buerger-services/formulardienst/234592#/?page=3
    Außerdem müssen für viele Verwaltungsvorgänge halt auch persönliche Unterschriften geleistet werden, um sie rechtskräftig werden zu lassen. Das könnte man zwar über digitale Signaturen lösen, aber wer hat sich denn zu seinem Perso schon eine eID dazu geholt? Vermutlich kaum jemand, denn in Deutschland ist das im Gegensatz zu anderen Ländern kostenpflichtig. Änderungen im Verwaltungsablauf sind förderlich und wünschenswert, aber da hängt noch ein bißchen mehr dran als nur vermeintlich faule Beamte, die lieber weiter auf Papier schreiben wollen. Das ist dann doch zu einfach gedacht.


    Kommentar melden
  12. @Ich&dieandere:
    ich denke es geht hier nicht gegen die fleißigen Angestellten, die diese Berge von Akten bearbeiten müssen, und Bildschirmarbeitsplätze sollten schon den neuesten Stand der Technik entsprechen und Pausen, vor allem auch Denkpausen gehören doch wohl auch zur Arbeit dazu.
    Hier geht es eher gegen unsere Dezernenten und Führungskräfte, die Jena diesen Fortschritt nicht gönnen oder in ihrem eigenen Sumpf rühren und lieber Schulen dicht machen, die letzten Grundstücke von Jena verscherbeln . Herr Jauch jammert , er hat Personalnot. Könnte dies auch daran liegen, dass neue modernere Strukturen her müssen und das zu wenig Personal ausgebildet und weiterqualifiziert wurde? In Lobeda wird das Bürgerbüro geschlossen, in der Stadt Öffnungszeiten geändert. Warum nur kann man seinen Hund nicht online anmelden , heute hat schon jeder ein Kombigeräte mit Scanner zu haus, da wird die Versicherungspolice für die Haftpflicht eingescannt. Ob die Beiträge bezahlt sind und überhaupt Versicherungschutz besteht bekommen sie heute auch nicht mit.
    Es ist eine Frage der Organisation, dafür sind aber die Führungskräfte dieser Stadt verantwortlich. Die Mitarbeiter der Stadt tuen mir auch leid , sie müssen unseren Frust abhalten. Es geht aber um die Politik dieser Stadt , unserer Stadt.


    Kommentar melden
  13. susi.töpfer | 14. November 2012 um 01:53 |

    na mit den neuen Tablet-PC wird jetzt alles besser.


    Kommentar melden

Kommentar verfassen