Liberale wollen leistungsorientiertes Schulsystem |

Liberale wollen leistungsorientiertes Schulsystem

schule fürs leben

Erfurt/Hildburghausen. „Schule muss auf das Leben vorbereiten. Deshalb brauchen wir ein leistungsorientiertes Schulsystem in Thüringen“, erklärte der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Uwe Barth, zum Abschluss der Herbstklausur seiner Fraktion in Hildburghausen. Ein leistungsfähiges und leistungsorientiertes System der frühkindlichen, schulischen, beruflichen und akademischen Bildung eröffne zukünftigen Generationen die besten Erfolgsaussichten für ein selbstbestimmtes Leben. Die liberalen Landtagsabgeordneten verabschiedeten ein bildungspolitisches Grundsatzpapier, mit dem sie sich für ein „gerechtes, leistungsfähiges und innovatives Erziehungs- und Bildungssystem im Freistaat“ einsetzen wollen.

„Schulen sind keine Experimentierbaukästen, in denen eine Landesregierung ideologisch geprägte und mehrfach gescheiterte Reformprojekte nach Belieben erproben kann“, heißt es in dem Papier. Die Liberalen fordern den Erhalt des in der Verfassung verankerten gegliederten Schulsystems mit Grund- und Regelschulen und Gymnasien. Die Regelschule stelle das „Rückgrat des thüringischen Schulsystems“ dar und müsse als „Regelfall“ in allen Regionen erhalten bleiben. Andere Schulformen sollten als Ergänzungsangebote verstanden werden. Die Liberalen sprechen sich ausdrücklich gegen den Verzicht auf Noten und Versetzungsentscheidungen aus. „Eine Schule, in der jeder ohne Anstrengung scheinbar alles erreichen kann, bereitet nicht auf die Lebenswirklichkeit im späteren Beruf vor“, stellt die bildungspolitische Sprecherin Franka Hitzing, die selbst als Lehrerin an einer Regelschule in Nordthüringen unterrichtet, fest. Durch eine gleichmäßige, anspruchslose Verteilung von wertlosen Bildungszertifikaten würden Leistungsunterschiede nicht egalisiert sondern lediglich verdeckt.

Die Grundlagen gerechter Bildungschancen werden im frühkindlichen Alter gelegt. Deshalb sieht die FDP-Fraktion in der Verwirklichung eines flächendeckenden, flexiblen und pädagogisch anspruchsvollen Kinderbetreuungsangebotes eine Kernaufgabe der Landespolitik. Für schichtarbeitende Alleinerziehende sollten bedarfsgerechte Betreuungsangebote eingerichtet werden, die das individuelle Kinderwohl berücksichtigen müssten. Die Entscheidung darüber, ob ein Kind tagsüber zu Hause, in der Tagespflege oder in einer Kindertagesstätte betreut werde, liege allein bei den Eltern. Der Staat sollte auch nicht durch ideologisch geprägte Fehlanreize wie dem sogenannten Erziehungsgeld in die Erziehungsverantwortung der Eltern eingreifen.

Die FDP-Fraktion bekennt sich in ihrem Positionspapier ausdrücklich zum System der dualen Berufsausbildung. Der Regelfall der Ausbildung finde in den Berufszentren in staatlicher und freier Trägerschaft, den Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen statt. Die FDP fordert eine auskömmliche Mittelausstattung und Maßnahmen der Landesregierung, um dem Mangel an Lehrkräften rechtzeitig zu begegnen. Für Quereinsteiger und Praktiker aus der Wirtschaft müsse die Möglichkeit zur Qualifizierung erleichtert werden.

„Um Beliebigkeit bei der Finanzierung der Hochschulen mittelfristig und langfristig auszuschließen, muss eine gesicherte, nicht an den Legislaturperioden orientierte, grundlegende Hochschulentwicklungsplanung verbindlich erstellt werden“, bekräftigt Hitzing ihre Forderung. Die finanzielle Ausstattung der Hochschulen müsse sich daran orientieren und in einer Rahmenvereinbarung fixiert werden.

„Aktives lebenslanges Lernen ist der Schlüssel dazu, dass alle Lebenschancen in jeder Lebensphase eigenverantwortlich wahrgenommen werden können“, so Hitzing. Deshalb halten die Liberalen ein umfassendes Erwachsenbildungskonzept des Landes für erforderlich.

Am zweiten Tag ihrer Klausur in Hildburghausen diskutierte die FDP-Fraktion den Entwurf eines Positionspapiers zum ländlichen Raum, das auf der Frühjahrsklausurtagung im nächsten Jahr verabschiedet werden soll. Dazu hatten sich die Liberalen die ehemalige Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr und Geschäftsführerin der IBA GmbH, Prof. Dr. Marion Eich-Born, als Gast eingeladen.

Weitere Informationen zur Bildungspolitik der FDP-Fraktion: www.schule-fuers-leben.de

10 Kommentare zu "Liberale wollen leistungsorientiertes Schulsystem"

  1. Simon Sachse | 2. Oktober 2012 um 18:55 |

    @ stephan beyer:
    „Der Apostroph steht im Allgemeinen nicht, wenn es sich um allgemein übliche Verschmelzungen aus Präposition und Artikel handelt: ans, aufs, durchs, fürs …“
    Duden Bd. 9, 5. Auflage 2005

    … es schreibt ja auch keiner „zu’m“.

    Es spräche übrigens überhaupt nichts gegen längere gemeinsame Grundschulzeit. Die Finnen sind damit offenbar erfolgreich und haben ein weniger selektives und undurchlässiges Bildungssystem als wir. Was der FDP ein Dorn im Auge ist.

    Leistung muss sich wieder lohnen – FDP wegen Minderleistung abwählen! :)


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  2. Kommt der Initiator des Jugendparlamentes nicht von der Jenaplanschule – manchmal auch als Kuschelpädagogik verschrien ?
    Jedes Kind bringt doch andere Voraussetzunge mit , erfolgreiche Ausbildung kann nur eine individuelle Ausbildung sein, dies stärkt auch die Persönlichkeit, aber unsere Politiker mögen ja lieber den braven Bürger und Befehlsempfänger.
    Jena ist bekannt durch seine Schulvielfalt und dies ist gut so. Insbesondere strengen sich ja auch dadurch alle Schulen an. Man möchte einen guten Ruf haben, welches ja auch unter anderem die staatliche Schule Grete-Unrein hat.

    Liebe FDP, wie heißt es so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft, wie war das noch mal mit der Marktwirtschaft ? Vielleicht nochmal hier nachlesen.

    Laßt die Eltern und Schulleiter sowie Lehrer entscheiden, welcher Schultyp für das eigene Kind am besten geeignet ist.
    Es bringt gar nichts wenn in der Grundschule die Kinder schon den Anschluß verlieren können, hier brauchen wir unbedingt kleinere Klassen.


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  3. Martina Flämmich-Winckler | 1. Oktober 2012 um 23:24 |

    Die Liberalen sprechen sich ausdrücklich gegen den Verzicht auf Noten und Versetzungsentscheidungen aus. „Eine Schule, in der jeder ohne Anstrengung scheinbar alles erreichen kann, bereitet nicht auf die Lebenswirklichkeit im späteren Beruf vor.“
    Scheinbar wollen hier blinde Politiker_innen mir die Schönheit der Farben erklären. Ich habe noch die „Jahrgangsmischung“ als Teufelszeug in den Ausführungen vermisst. Macht aber nichts, zeigt mir bloß, dass sie sich nicht umfassend informiert haben. Besser wäre gewesen, sich vor Ort mal selbst ein Bild zu machen. Sich mit Eltern, Schüler_innen, Pädagog_innen auszutauschen. Auch diese Schulform hat ihre Daseinsberechtigung und sie ist wahrlich kein Ponnyhof mit Kuschelpädagogik. Da ich an einer „herkömmlichen“ und zwei „Experimentierbaukästen“ (laut FDP) arbeite, kenne ich aus eigener Erfahrung den Vergleich. Nun noch ein heißer Tipp, besonders für Frau Hitzing. Am 13.10.12 besteht in der Kaleidoskopschule und am 13.11.12 in der Kulturschule(beide in Jena) die Möglichkeit, ein „gerechtes, leistungsfähiges und innovatives Erziehungs- und Bildungssystem“ live erleben zu können. Vielleicht sieht man sich.(?)
    Dann noch eine Frage am Rande, wie geht denn das? Soll das wirklich so sein, dass die bildungspolitische Sprecherin der FDP, Frau Franka Hitzing als MdL, selbst als Lehrerin an einer Regelschule in Nordthüringen unterrichtet. (Vgl. obigen Artikel)Oder habe ich da etwas verpasst?


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  4. orangestattgruen | 30. September 2012 um 16:04 |

    @ArmeFDP Kapitalertragssteuer, Transaktions- und Börsenumsatzsteuer mit der FDP? Eher treten alle Linken in die CDU ein … Die FDP war vor langer Zeit mal eine liberale Partei (Freiburger Thesen), hat jedoch ihren Anspruch Freiheit und Bürgerrechte zu verteidigen schon lange zugunsten neoliberaler Machtspielchen über Bord geworfen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen, wenn man sich Hotelsteuer- und Spielautomaten-Affäre ansieht, Lobbypolitik reinsten Wassers. Der normale Bürger kann von denen nichts erwarten, bildungspolitisch schon gar nicht.


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  5. Stephan Beyer | 30. September 2012 um 03:05 |

    Stefan Lange schrieb:
    „Hier haben die Finnen etwas uns voraus. Das meiste Geld dort fließt nicht in die höheren Schulen, sondern in die Grundschule. Individuelle Förderung in den ersten vier Schuljahren sind das wichtigste.“

    Hierzu muss ich anmerken, dass die Grundschule in Finnland 9 Jahre andauert. Da ist es ganz logisch, dass das meiste Geld dort hinfließt.

    Gruß,
    Stephan

    PS an Simon: Sowohl „fürs“ als auch „für’s“ sind korrekt.


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  6. Langsam kann einem die FDP ja hier leid tuen, kaum gibt es wieder eine mutige Aktion, kommen die Buh-Rufe. Hier gibt es große Differenzen. Wenn man dies so liest, müssen wir ja um die 5 % Wählerstimmen fürchten. Nun bin ich im Herzen schon liberal eingestellt, aber die Inhalte der FDP gefallen mir z.Z. auch nicht alle. Trotzdem hoffe ich, dass auch künftig im Bund und Land sowie Stadt Liberale Politik vertreten ist, sie gehört einfach zu unserer Parteienlandschaft, eine ständige große Koalition wäre für mich grauenhaft. Ich weiß nun nicht, wieviele Politiker der FDP hier reinschauen. Trotzdem möchte ich einige mögliche Wahlthemen ansprechen:

    Richtig ist das Senken der Staatsschulden, dies geht aber nur mit konsequenten Abbau von Subventionen und hier meine ich aller Subventionen: z.B. Dienstwagenregelung, hier wurde eigentlich von der Bundesregierung eine Neuregelung versprochen. 70 % aller PKW der Oberklasse werden gewerblich angeschafft, durch den gesicherten Absatz wird unsere Autoindustrie träge und es fehlen sparsame Autos und Innovationen gerade im Klein- und Mittelklasse-Segment.
    Hier wäre sofortiger Handlungsbedarf.
    Weitere Subventionen müssen ebenfalls auf den Prüfstand, hier wird oft zugunsten weniger der Markt eher verzerrt, als dies ihm nützt
    Ein weiterer Vorschlag, wäre ein Konzept einer grundlegenden Steuerreform. Ich bin gar nicht stolz, das komplizierteste Steuerrecht der Welt in Deutschland zu haben. Die alte Merz-Bierdeckelmethode würde sogar zu mehr Steuerehrlichkeit führen, hier könnte auch gleich Abhilfe geschaffen werden, wenn wieder (durch rot-grün abgeschafft) Kapitalerstragssteuer entsprechend dem Einkommenssteuersatz besteuert werden. Dies bedeutet mehr Gerechtigkeit – gleiche Einkommensbesteuerung aus Arbeit und Kapital – Dann schreit auch keiner mehr nach der Reichensteuer. Die Vermögenssteuer wurde schließlich abgeschafft, da der Aufwand höher wie die Steuer selbst war.
    Liebe FDP , wenn ihr jetzt noch über Euren Schatten springt und nicht gegen Mindestlöhne wettert, was ja auch nur versteckte Subventionen sind und ganz wichtig, dies ist der Wille der Bürger. Wenn dann einige Frisöre weniger gebraucht werden, na und, dann wird umgeschult , den Schlecker-Mitarbeitern wird dies ja auch zugemutet. Werden nicht eine Menge Kindergärtnerinnen gesucht ? Ich habe gelesen in Jena fehlen auch Mitarbeiter im Bürgerbüro, also Arbeit wird nicht weniger.
    Weiterhin wünschte ich die Unterstützung zur Einführung der Transaktion- oder Börsenumsatzsteuer, die kommt sowieso, da bin ich mir sicher. Die EU arbeitet ja schon daran.
    Wenn ihr diese Sachen mal in die Programme aufnehmen würdet, dann könnte ich mir vorstellen, ihr kratzt wieder an der 10 % Grenze.

    Dies war ein bißchen Nachhilfeunterricht für die Liberalen, die ich persönlich auch in den künftigen Gremien nicht missen möchte.


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  7. orangestattgruen | 28. September 2012 um 10:44 |

    Ach Gottchen, Leistung muss sich wieder lohnen und der ganze Quatsch. Da waren ja Fröbel, Pestalozzi und Co. schon vor zweihundert Jahren weiter als ihr heute.
    Fürs Leben lernen? Als ob das Leben darin besteht, endlos für den Reichtum anderer „Leistung“ zu bringen und sich brav im Hamsterrad einzuordnen. Das ist vielleicht neoliberales Wunschdenken, hat aber mit dem wirklichen Leben der Menschen und ihren alltäglichen Sorgen und Freuden wenig zu tun. Euer Menschenbild ähnelt dem ägyptischer Sklavenhalter, wie wäre es, wenn ihr daran mal arbeitet, bevor ihr für Menschen Politik machen wollt. Bäh!


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  8. Simon Sachse | 28. September 2012 um 10:00 |

    Ich verweise mit Freude noch einmal auf den Deppen-Apostroph auf dem FDP-Plakat. Korrekt hieße es „Schule fürs Leben“.
    Da war die Leistungsorientierung in der Schule der FDP-Politiker wohl nicht hoch genug.


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  9. stefan.lange | 27. September 2012 um 20:12 |

    Politiker, über die Inhalte des Bildungssystemes sollten Schulleiter und Pädagogen entscheiden. Vor allem aber geht es nicht um Schulformen. Was mangelt ist das Lernen lernen und da geht es nicht um das leistungsprinzip.
    In Jena hat sich die Politik aus dem Schulsystem herausgehalten, zum Glück für uns. Wir haben die größte Schulvielfalt und von Kuschelpädagogik bis zum Leistungssport sowie Hochintelligenz ist alles dabei und das finde ich gut so.
    Wichtig wäre für mich doch eins. Das jeder 10. Klasse Abgänger so vorbereitet ist im lesen, schreiben , rechnen, dass ohne Schwierigkeiten eine Berufsausbildung möglich ist. Hier mangelt es etwas, hier liegt es aber oft an zu großen Klassen und dass manche Kinder in der 4. Klasse schon den Anschluß verloren haben. Die Grundschule ist das a und o.
    Hier haben die Finnen etwas uns voraus. Das meiste Geld dort fließt nicht in die höheren Schulen, sondern in die Grundschule. Individuelle Förderung in den ersten vier Schuljahren sind das wichtigste. Stellt mehr Lehrer hier ein. Meiner Meinung nach dürfte es finanziell auch keinen Unterschied zwischen Pädagogen in den unteren zu den oberen Klassen geben ! Keine Eltern dürften hier in Nachhilfeunterricht investieren müssen.


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  10. So ein Unfug und Logorroeh!
    Es geht nicht darum, leistungsbezogen wenige zu foerdern, sondern so breit und einheitlich wie moeglich ALLE auf den Bildungsweg kostenfrei zu foerdern und Wissen zu ermoeglichen und zu vermitteln.
    Unser Land besteht auch nach der Schule NICHT NUR AUS DEN „besten“ 5%!

    Oder sind in der FDP nur Mitglieder mit Harvard Abschluss?!


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