Thüringer Verdienstorden für Dipl.-Rest. Günter Müller aus Weimar |

Thüringer Verdienstorden für Dipl.-Rest. Günter Müller aus Weimar

Thüringer Verdienstorden

Weimar. Der Leiter der Spezialwerkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Dipl.-Rest. Günter Müller, wird heute mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet

Dipl.-Rest. Günter Müller wird heute in Erfurt mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgt ›als Zeichen der Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um den Freistaat Thüringen und seine Bevölkerung‹. Der Leiter der Spezialwerkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut der Herzogin Anna Amalia Bibliothek hat die in der Werkstatt angewandte Restaurierungstechnologie konzipiert und realisiert. Bis zu seiner Pensionierung war Günter Müller Chefrestaurator der Thüringischen Universitäts- und Landesbibliothek Jena. Im Jahr 2000 wurde er für die Erfindung der Papierspalttechnologie und seine Restaurierungsarbeiten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Mit Unterstützung der Vodafone Stiftung Deutschland hat die Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2008 eine neue Werkstatt für brandgeschädigtes Schriftgut in Weimar-Legefeld eröffnet. Dort können ungefähr 8.000 Weimarer Aschebücher aus der schwierigsten Schadensgruppe mit schweren Brand- und Ascheschäden, die insgesamt ca. 28.000 fragmentierte Bücher umfasst, im Original erhalten und so restauriert werden, dass die Papiere wieder les- und benutzbar sind. Die neu entwickelte Restaurierungstechnologie arbeitet nach standardisierten Abläufen und ist durch Qualitätsvorgaben gesichert. Bisher wurden in Legefeld mehr als 265.500 Blatt, das entspricht in etwa 1.425 Aschebüchern, bearbeitet. Hinzu kommen mehr als 67.000 Blätter, ca. 380 Bände, die in Bern restauriert wurden. Dort wird die gleiche Verfahrenstechnologie angewandt. Die Vodafone Stiftung hat insgesamt fünf Millionen Euro für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gespendet.

Die Legefelder Spezialwerkstatt ist für die Bearbeitung großer Mengen von schweren brand-, hitze- und wassergeschädigten Papieren ausgelegt. Eine neu entwickelte Restaurierungstechnologie gewährleistet die jederzeit reproduzierbare und hochwertige Mengenrestaurierung im Durchlaufsystem. Kern der neuen Technologie ist der Einsatz von speziellen Kompressions-Kassetten, die eine berührungsfreie Nassbehandlung, Anfaserung und Papiertrocknung gewährleisten. Die Klassik Stiftung Weimar etablierte in der Werkstatt ein Zweischichtsystem mit sieben Papierrestauratoren und Buchbindern. Die jährliche Restaurierungskapazität liegt bei ca. 100.000 Blatt. Damit und aufgrund der eingesetzten innovativen Methoden besitzt die Klassik Stiftung Weimar eine Spezialeinrichtung zur Mengenrestaurierung mit Modellcharakter.

Die Schäden an den Buchbeständen und ihr Restaurierungsbedarf

Beim Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in der Nacht des 2. September 2004 wurden mehr als 50.000 Bände zerstört. 62.000 Bände konnten in der Brandnacht und den Tagen danach aus dem Rokokosaal beschädigt geborgen werden. 28.000 Bände konnten unversehrt geborgen werden. Die Schäden gliedern sich auf in zwei Schadensgruppen:

34.000 Bände haben Wasser- und Hitzeschäden an den Einbänden. Die Restaurierung dieser Bände wird 2015 abgeschlossen.

28.000 Bände weisen Brandschäden auf. Bei diesen Büchern fehlen die Einbände, zum Teil sind die Seitenränder oder Teile des Textspiegels verbrannt. Diese Bände werden primär in der Restaurierungswerkstatt in Weimar-Legefeld sowie in einer Werkstatt in Bern bearbeitet.