Bundesweite Krankheitsfälle durch Schulessen? Lösung durch regionale Lebensmittel?! |

Bundesweite Krankheitsfälle durch Schulessen? Lösung durch regionale Lebensmittel?!

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Deutschland. Hunderte Menschen sind seit Dienstagabend, 25. September, plötzlich erkrankt. Viele Schüler waren von einem Magen-Darm-Infekt betroffen. So meldeten sich an 15 Einrichtungen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mehr als 350 Menschen krank. Allein am Heinrich-Böll-Gymnasium in Saalfeld gab es am Mittwoch 62 Krankheitsfälle. Von den rund 600 Schülern waren am Donnerstag noch 42 krank gemeldet. An einer Grundschule klagten von rund 300 Schülern fast 50 wie ihre Leidensgenossen über Übelkeit und Magenschmerzen und litten unter Durchfall und Erbrechen. Auch in Rudolstadt klagten viele Schüler über die gleichen Symptome.

Das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet. Im Verdacht, für die Erkrankungen verantwortlich zu sein, steht ein Caterer, der alle Schulen beliefert. Sodexo wehrt sich gegen den Verdacht, für die Erkrankungen verantwortlich zu sein. Ein Sprecher geht von einer Norovirus-Welle aus. Die vermehrten Krankheitsfälle seien mit der Vielzahl der belieferten Schulen und Kindergärten erklärbar.

Neben Rudolstadt und Saalfeld waren weitere 18 Einrichtungen unter anderem im Saale-Orla-Kreis und im Weimarer Land betroffen. Ob es sich bei den Krankheitsverursachern um Bakterien oder Viren handelt, wird noch untersucht.

Am Donnerstag stieg die Zahl aller gemeldeten Krankheitsfälle auf etwa 500. Auch in Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg wurden ähnliche Fälle gemeldet. Wie das Robert-Koch-Institut mitteilt, sind bundesweit wurden mindestens 4 000 Fälle bekannt, die Speisen desselben überregionalen Anbieters verzehrten. Die meisten Krankheitsfälle wurden in Brandenburg (1 115) und Berlin (rund 500) gemeldet. In Sachsen sind rund 600 Kinder und Jugendliche betroffen.

Die beliefernde Großküche in Ostthüringen wurde inzwischen desinfiziert. Ob dort die Krankheitserreger in das Essen gelangte, ist offen. Das Landesamt für Lebensmittelüberwachung in Bad Langensalza hat Rückstellproben der Essen angefordert. Am heutigen Freitag sollen erste Untersuchungsergebnisse vorliegen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde inzwischen tätig, das Robert-Koch-Institut forscht nach den Erregern und deren Herkunft. Auf Bundesebene wertet das Bundesinstitut für Risikobewertung die Daten aus, um eine vollständige Risikobewertung erstellen zu können.

Die Abhängigkeit der Schulen von einem Großanbieter kann – trotz Kostenersparnis durch die großen Mengen – eine solche Kette von Krankheitsfällen auslösen. Eine Initiative im Saale-Orla-Kreis wurde bereits vor einiger Zeit gegründet. Dabei sollte die Qualität des Schulessens verbessert werden. Denn immer mehr Schüler bestellten das Essen ab. Andererseits klagen viele Landwirte über den schwierigen Markt. Die LEADER-Aktionsgruppe macht seit geraumer Zeit aus beiden Nöten eine Tugend. Landwirte liefern Lebensmittel für die Speisezubereitung in der Region. Weniger Transporte, bekannte Herkunft und ein gutes Gefühl bei der Versorgung sind dabei nur einige Vorteile dieser Initiative. Die Lebensmittel werden dabei regional erzeugt, verarbeitet und vermarktet. Ziel der Initiative ist es, den Anteil regionaler Lebensmittel auf 20 oder 30 Prozent zu erhöhen.


Aktuelle Informationen über die Krankheitsfälle erhalten Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts, Berlin.


Update 17.50:
Bislang wurden 6 500 Krankheitsfälle in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen gemeldet. Die Ursache für den „großen Ausbruch von akuter Gastroenteritis“ konnte noch nicht ermittelt werden. Eine sogenannte Task Force des Verbraucherschutzministeriums wurde gebildet, um weitere Maßnahmen zu koordinieren und einzuleiten.


Update 9. Oktober

Eine Charge tiefgekühlter Erdbeeren aus China konnte inzwischen als Auslöser für die Erkrankungen erkannt werden. Die Erdbeeren wurden zum Teil nicht erhitzt, heißt es am 8. Oktober auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts, Berlin. Seit dem Wochenende wurden keine Krankenfälle mehr gemeldet, so dass die Wissenschaftler davon ausgehen, dass die Erkrankungswelle beendet ist. Insgesamt wurden 11 000 Fälle des akuten Brechdurchfalls bei Kindern und Jugendlichen in ostdeutschen Bundesländern verzeichnet.

Der Caterer Sodexo hat sich am 9. Oktober auf seinem Internetauftritt öffentlich entschuldigt. Eine Zusammenarbeit mit dem Lieferanten der Tiefkühlerdbeeren wird ausgesetzt und von externen Gutachtern überprüft. Alle betroffenen Kinder erhalten in Kürze einen Verlags-Gutschein, der „zum Beispiel zum Kauf von Lernmitteln, Büchern oder für Nachhilfeangebote genutzt werden“ kann.

8 Kommentare zu "Bundesweite Krankheitsfälle durch Schulessen? Lösung durch regionale Lebensmittel?!"

  1. Die Berichterstattung in den Medien ist mal wieder nicht seriös.

    Ich erinnere an die EHEC O104:H4 Epidemie.
    Wer war schuld – die spanischen Gurken.
    Etwas später waren es dann zwar afrikanische Sprossen, aber die Gurkenbauern war trotzdem dem finanziellen Ruin ausgesetzt.
    Und es gab soooo viele Experten – vor allem unter den Politikern.

    Die Fakten:
    – Sodexo beliefert sehr viele Schulen und KITA´s
    – In den westlichen Bundesländern gibt es wenig bis keine Schulspeisung (ein Häufung im Osten ist also normal)
    – Es ist in diesen Minuten nicht klar, was die Ursache ist (Noro, Rota Adenoviren oder Salmonellen oder gar Staphylokokkentoxine….. oder nichts davon)
    – Um diese Jahreszeit wäre eine Noroepidemie nichts seltenes
    – Solche Ausbrüche sind immer an Stellen, wo viele Menschen sind, wie Schulen, KITAs, Kasernen, Altenheimen….
    – Es könnte also auch das essen NICHT die Ursache sein….

    Man sollte doch bitte warten, bis die Ursache KLAR und EINDEUTIG ist und nicht vorher über die Verursacher in diesem Zusammenhang (Caterer) wettern.

    Die Essensqualität derselben ist ein ganz anderes Thema! Wir alle üben den Preisdruck aus, der zu billig und Massenware führt – auch beim Essen. Caterer sind nur ein Produkt unserer Regeln. Ich stimme 100% zu – qualitativ tolles und hochwertiges Essen gerade für Kinder ist ein wichtiges Ziel. Und lokale Produkte erst recht. Aber den hohen Preis dazu muss man in Kauf nehmen….. vielleicht aus der Rettungsschirmkantine.

    Aber diese Dinge haben nichts mit dem Ausbruch zu tun. Eine Essenskontamination kann in jeder Küche entstehen – lokal und global.

    Vielleicht nehmen unsere Genossen von der konservativen Fraktion dies ja zum Anlass, das Schulessen endlich abzuschaffen. „Die Frau von heute steht ja gern am Herd“…. ;-)


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  2. Heute im Tagesspiegel: Eltern fordern Abkehr von Großküchen (http://www.tagesspiegel.de/berlin/verdorbenes-schulessen-eltern-fordern-abkehr-von-grosskuechen/7196196.html)

    Na da rollt doch ne Debatte an. Es geht nicht mehr nur um die Frage wie wollen wir in Zukunft essen, sondern vor allem „Was wollen wir in Zukunft essen und wo soll das herkommen“.

    Hinweisen möchte ich das Bundesbundesmodellprojekt mit Alexander Pilling im Saale-Orla-Kreis. Weitere Informationen unter http://www.schulessen.org/


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  3. konservativ-kritisch | 30. September 2012 um 23:53 | Antworten

    @super

    Wenn alle erkrankten Kinder von Sodexo beliefert werden, dann liegt der Verdacht nahe, dass die Ursache beim Caterer zu suchen ist. Denn zwar häufen sich Erkrankungen am Norovirus zu dieser Jahreszeit. Eine derart schnelle Verbreitung ist aber höchst auffällig, wenn ALLE Kinder von einem Caterer beliefert werden. Sodexo beliefert zwar viele Einrichtungen. Aber es gibt weitere (leider meist große) Anbieter in den entsprechenden Gebieten, weswegen eine Beschränkung auf Einrichtungen mit einem Anbieter sehr auffällig sind.

    Umso mehr störte mich das schnelle Dementi von Sodexo. Mittlerweile musste man aber doch einlenken , sagte doch Unternehmenssprecher Stephan Dürholt:

    «Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass, soweit wir es alle wissen, tatsächlich nur Kinder betroffen sind, die von uns beliefert worden sind. Dementsprechend intensiv sind auch unsere internen Untersuchungen.»

    Nun mag man einwenden, dass die Frage nach „Schuld“ bei einer Krankheit wie dem Norovirus problematisch ist. Durch die hohe Ansteckungsgefahr verbreitet sich schließlich der Erreger schnell (und der Norovirus stellt ja für ein gesundes Immunsystem auch keine Gefahr dar). Ob eventuell auch hygienische Mängel zur Verbreitung führten, kann man wohl nur schwer herausfinden.

    Jedoch zeigt dieser Vorfall, dass eine Versorgung über wenige Großküchen durchaus Risiken birgt. Denn Krankheitserreger oder auch verdorbene Speisen geraten schnell an sehr viele Kinder. In die Diskussionn muss aber auch die Frage nach der Herkunft der Speisen einbezogen werden, die in den Küchen verarbeitet werden. Ich würde kleinere Anbieter befürworten, die zudem ihre Waren von regionalen Zulieferern beziehen.


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  4. http://www.spiegel.de/schulspiegel/schulessen-ernaehrung-von-kindern-ist-oft-schlecht-a-858607.html

    Noroviren wurden bei weniger als 20 gefunden. Das waere selbst bei gemischten Ursachen zu wenig.
    Noro und Kameraden werden faekal oral uebertragen und durch schon leichte Hitze inaktiviert.
    Bakterielle Toxine hingegen nicht. Die wiederum sind nicht ansteckend!

    Die Diskussion um zu billiges Essen ist das Eine.
    Sodexo sollte man nur mit Beweisen verurteilen.

    Und unsere Task Force ist wie bei der Ehec Epidemie ein Traum von Geschwindigkeit.
    Man stelle sich mal eine wirklich schlimme Epidemie vor ….


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  5. ob Virus, ob Bakterie ist doch egal, es wurden nur Kinder krank , die von diesem Unternehmen beliefert wurden, das ist nachgewiesen. Vielleicht war es auch nur eine einfache Fleischvergiftung. Als mein Kind 96 eingeschult wurde, wollte ich dass er in der Schule isst und keine Extrawurst bekommt, insbesondere um mit den Kindern seiner Klasse da auch zusammen zu sein. Ich marschierte zur Unterstützung am 5. Tag mit, da er kaum zu Mittag ass und nachdem er bei Oma als Mittagskind ankam, diese wohnte gegenüber der Schule, noch Hunge hatte.
    Es gab an diesem Tag Kartoffeln, Ei und Senfsoße. Die Kartoffeln hatten eine harte Haut, wahrscheinlich chemisch entpellt, die Eier waren hart und das Eigelb war bläulich und die Senfsoße war dünn wie Wasser. Nach 1 Minute schafften wir beide die vollen Teller wieder weg und mein Kind wurde 10 Jahre von Oma versorgt. Zusätzlich muß ich sagen, dies war für sein Leben eine echte Bereicherung, da es Mittags ab der 1. Klasse in den Garten ging. Hier lernte ihm Opa, wass keine Schule mehr schafft, praktisches Lernen und Fingerfertigkeiten. Leider genießt kaum ein Kind noch heute die Vorteile einer Großfamilie, sehr schade.


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  6. haha produkte aus der reion=hochertige ernährung…und solch eine behauptung in nen bundesland aufzustellen dessen lebensmittelINDUSTRIE immer noch fast vollständig auf landwirtschaftl. PRODUKIONSgenossenschaften zurückgeht? etwa die landwirtschaft die noch vor nen monat gefordert hat in thüringen die beschränkung für den gifteinsatz auszusetzen? sind die fleischer die sich zu ddr-zeiten die nase ham vergolden lassen etwa heute vertrauenwürdiger?
    nee, der einzige fortschritt in 25jahren ist ja, bei ner fahrt aus schöngleina nach bürgel? heute betätigt man den umluftschalter am auto und hält so die massentierhaltung aus dem auto.

    der bioladen in der zwätzengasse muß sein kleines biofleischangebot mangels alternativen, aus oberbayern beziehen. und qualitiv brauchbares weil abgehangenes wagyu beef muß der thüringer aus radebeul beziehen bzw brot und eichelschweinefleisch aus bayreuth. sicher es gibt hier ein paar kleine fisch, bzw geflügelzüchter aber diese taugen doch längst nichtmal zum feigenblättchen


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  7. konservativ-kritisch | 1. Oktober 2012 um 19:22 | Antworten

    @super

    Na, ganz so wenige sind es dann doch nicht, bei denen das Virus gefunden wurde. Der Spiegel schreibt heute:

    „Von bisher 158 untersuchten Kindern und Küchenangestellten in Sachsen wurden demnach 69 positiv auf den Erreger getestet…“

    Die Frage ist natürlich, warum nur bei 69 getesteten Personen der Erreger nachgewiesen wurde. Die Frage ist, ob auch weitere Ursachen denkbar wären. Dennoch sehen auch die Experten eine Verbindung mit dem Schulessen:

    „Es besteht ein Zusammenhang mit dem Lebensmittelverzehr in Betreuungseinrichtungen und Schulen“, schreibt das RKI. Auch das sächsische Ministerium vermutet, dass verunreinigtes Essen die Virusinfektionen hervorrief…“

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/magen-darm-grippewelle-behoerden-raetseln-weiter-ueber-ausloeser-a-859004.html

    Somit spricht doch einiges dafür, die Ursache in dem Essen von Sodexo zu suchen.

    @coolmccool

    Natürlich garantiert ein regionaler Produzent nicht automatisch eine höhere Qualität. Wünschenswert wäre aber, dass Ausschreibungen auch Transparenz verlangen über den Bezug der Lebensmittel und dass die Caterer sich dafür einsetzen, diese Bedingungen bei den Zulieferern transparent zu halten. Wenn dies so wäre, könnten Caterer auch Einfluss nehmen auf die Produktionsqualität. Hier wären aber auch die Eltern gefragt, die von ihrem Essensanbieter Transparenz fordern können. Dieses Jahr durften Elternvertreter erstmals über die Ausschreibung des Trägers KKJ mitentscheiden und zwischen verschiedenen Anbietern wählen, welche die Ausschreibungskriterien erfüllten. Hier wäre eine Möglichkeit für die Eltern, zumindest bis zu einem gewissen Grad Druck aufzubauen und sich über die Zulieferer zu informieren.


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  8. @kk

    Zum Zeitpunkt , da ich es schrieb , waren es ungefaehr so viele.
    Selbst 500 waeren aber zu wenig, um die These zu stuetzen.
    Zudem muss man hinterfragen, welche konkrete Proben denn mit welcher Methode getestet wurden.
    (Stuhl, Nahrung, Serologie, pcr etc etc)

    Das Einzige, was ich sage ist, dass man nicht urteilen sollte, bevor die Ursache klar ist.
    Und es ist sehr wohl nicht egal, ob Bakterien , Viren oder Toxine die Ursache sind.
    Es soll ja aufhoeren, oder …..!?

    Es koennen auch ueberlagerte Effekte sein.
    Zudem scheint sich niemand daran zu stoeren, dass die TASK FORCE fuer Freitag Ergebnisse ankuendigte und bis jetzt nichts passierte.

    Eine Diskussion um Schulessen und Lebensmittelpreise waere im Anschluss begrüßenswert.


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