Debatte um Jenas neue Müllsatzung ist noch keine Debatte |

Debatte um Jenas neue Müllsatzung ist noch keine Debatte

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Jena. Wir alle produzieren ihn: Müll. Wir trennen Hausmüll, Biomüll, Sperrmüll und verwenden dafür spezielle Abfalltonnen oder transportieren ihn zum Wertstoffhof. Jeder bezahlt für die Entsorgung genannte Verwertung oder Vernichtung des Mülls eine Gebühr. Diese Gebühren sollen die Kosten decken, oder – bei Wirtschaftsunternehmen – Erträge bringen. Gesetzlich wird dieses durch § 12 des Thüringer Kommunalabgabengesetzes (ThürKAG) geregelt. Alle vier Jahre sind die Gebühren neu zu berechnen. Dabei ist offen, ob die Gebühren angehoben werden, gleich bleiben oder sogar gesenkt werden.

Die letzte Gebührenänderung mit der Festsetzung der neuen Gebührensatzung fand zum 1. Januar 2009 statt. Auf den letzten Pfiff weist der zuständige Eigenbetrieb, Kommunalservice Jena (KSJ), nun in den beiden zuständigen Ausschüssen auf die dringend erforderliche neue Gebührensatzung und die gesetzlich vorgeschriebene neue Gebührenordnung hin. In erster Lesung wurde im Werkausschuss KSJ und im Stadtentwicklungsausschuss (SAE) behandelt. Eine zweite Lesung ist anberaumt.

Am Montagabend, 8. Oktober, fand eine öffentliche Vorstellung durch KSJ statt. Eingeladen wurden die Mitglieder der Ausschüsse, die Ortsteilbürgermeister und Vertreter von Jenaer Wohnungsgenossenschaften. Unmut über dieses Verfahren kam von den Ortsteilbürgermeisterinnen und Ortsteilbürgermeistern: Sie wurden zu spät informiert. KSJ-Chef Uwe Feige räumte diesen Fehler ein. Qualifiziert konnten sich daher die – wie alle Stadträte ebenfalls – ehrenamtlich Tätigen nicht äußern. Neu-Lobedas Ortsteilbürgermeister Volker Blumentritt (SPD) hat für den heutigen Dienstagabend, eine nicht-öffentliche Sondersitzung des Ortsteilrates anberaumt. Der einzige zu behandelnde Punkt ab 17.00 Uhr ist das Thema Müll.

Denn das Müllsammeln soll anders ablaufen. Wie Jenapolis bereits Ende September berichtete, soll beispielsweise der Sperrmüll nicht mehr zentral koordiniert zweimal im Jahr abgeholt werden, sondern dies soll nur noch auf Abruf geschehen. Der Abruf soll zweimal im Jahr kostenfrei durch die Müllgebühren gedeckt sein.

Auch die seit 1991 geltende Subventionierung des Biomülls durch den Restmüll soll ein Ende haben: Pro Tonnen werden 90 Cent fällig – bisher war der Biomüll kostenlos für die Haushalte. Grund: Der Anteil des Biomülls ist exorbitant gestiegen: Waren es 1991 noch 1 452 Tonnen (5 Prozent des gesamten Müllaufkommens), waren es 2011 12 037 Tonnen (31 Prozent). Der Anteil des Restmülls sank in dieser Zeit von 19 262 Tonnen (66 Prozent) auf 16 646 Tonnen (43 Prozent). Allerdings ist die Beseitigung des Biomülls weniger kostenintensiv als die des „normalen“ Mülls. Jena hat in Thüringen ein überdurchschnittlich hohes Aufkommen an Biomüll. In Jena sind es 120 Kilogramm pro Einwohner biologischer Abfall, in Thüringen durchschnittlich 70 Kilogramm. In der Jenaer Biogasanlage können – wegen der Förderrichtlinien – nur Maisabfälle verwertet werden, der eigentliche Biomüll bleibt außen vor. Was aber ist mit der Pflege von öffentlichen kleinen Grünflächen, die von Bürgern ehrenamtlich gemäht und von Laub befreit werden. Nach den Vorstellungen von KSJ müssten diese in Zukunft 90 Cent pro Tonne bezahlen. KSJ-Chef Feige bot an, dass auf Antrag der Biomüll kostenfrei abgeholt und entsorgt wird. Aber welcher Ehrenämtler stellt schon für eine Selbstverständlichkeit einen Antrag – noch dazu bei einer Firma?

Streit gibt es auch in der unterschiedlichen Struktur der Ortsteile Jenas – von ehemals kleinen, eingemeindeten Dörfern, über Stadtteile mit verschiedenen Wohngebieten und Häusern sowie den Stadtteilen mit Neubaugebieten. Aber der Müll wird einheitlich abgeholt, nur durch die Größe der Abfalltonnen gibt es Unterschiede. Auf Vorschläge aus den Ortsteilen, den Sperrmüll auf Abruf einmal im Jahr zu probieren, wurde eher skeptisch seitens KSJ reagiert. „Wenn es gewünscht wird, holen wir den Sperrmüll auch zum Frühjahrsputz ab.“, so Feige. Das Problem sind professionelle und private Sammler. Während einige organisierte „Mülltouristen“ besonders nach wertvollen Bestandteilen suchen, die Mitarbeitern von KSJ schon einmal den Weg versperren oder Prügel androhen, gibt es auch Privatleute, die einfach ein gut erhaltenes Möbelstück ergattern wollen. „Lassen Sie doch das letzte Abenteuer in der Stadt“, sagte ein 91-Jähriger in Wenigenjena, und meinte damit die Zeit des Sperrmülls. Jena ist neben Meiningen-Schmalkalden die einzige Stadt in Thüringen, die noch die Straßensammlung von Sperrmüll anbietet.

Jede Mülltonne kann elektronisch erfasst werden, die lückenlose Nachvollziehbarkeit, in welchen Straßenzügen wann welcher Müll entsorgt wird, ist für den Entsorgungsbetrieb KSJ gegeben. Diese Art der Transparenz gibt der städtische Betrieb aber nicht zurück. Eine breite Diskussion über den Müll, der täglich von allen erzeugt wird, gibt es nicht. Anstatt einer offenen Informationspolitik wird zeitlicher Druck auf die ehrenamtlichen Ortsteilbürgermeister und Stadträte erzeugt. Und in manchen Stadtteilen wie in Neulobeda wird diesem Druck völlig intransparent begegnet. Bestimmen werden nur wenige, ob sie hinreichend informiert sind oder nicht. Aber es betrifft alle.

29 Kommentare zu "Debatte um Jenas neue Müllsatzung ist noch keine Debatte"

  1. Der perfekte Konsument würde ja das Produkt sofort in den Müll schmeissen. Nun sind wir davon noch etwas entfernt. Aber zwei grundsätzliche Frage habe ich hier schon:

    1.) Weshalb trennen wir Mülle überhaupt, wenn er doch hinterher in Anlagen wieder gemischt und vereinigt wird, um z.B. bestimmte Brennwerte zu erzielen und wenn Müllsortieranlagen heute vollautomatisch perfekt Müll sortieren?

    2.) Weshalb bezahlen wir überhaupt für Müll, wenn danach doch immens viel Geld verdient wird. Würde man eine wirkliche Entlastung der Bürger wollen, könnte man mit diesem Geld die kommunalen Betriebe versorgen und vielleicht ein Nullsummenspiel drauss machen?

    Unsere Gesellschaft krankt an viel zu viel Erzeugnissen bei immer mehr Menschen und zu knappen Rohstoffen…. aber das will eh niemand wissen, bis es halt umkippt.


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  2. Finde es schon krass den Müll von 1991 mit 2011 zu vergleichen. Damals kannte man das Wort Biotonne noch nicht so gut wie heute.

    Wenn wir Waschbären und Co. gern als unsere Mitbewohner begrüßen wollen, sollten wir eine Gebühr von 90 Cent einführen. Die Tiere werden es uns danken….


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  3. Wer macht eigentlich so bescheuerte Förderrichtlinien, dass man Biomüll in einer Biogasanlage nicht verwerten darf? Schon mal über eine Änderung nachgedacht? Kleiner Tipp: in Jena wie im Land regieren Koalitionen aus SPD und CDU (die betongrüne Beimischung ignorieren wir mal). Richtlinien fallen nicht vom Himmel, sondern werden bewusst beschlossen. Redet doch mal miteinander!
    Und was ist eigentlich so verdammt verwerflich daran, wenn jemand einen noch intakten Schrank oder Stuhl aus dem Sperrmüll zieht? Das ist Müllvermeidung, und dafür sollten wir alle dankbar sein. Manche Schränke haben vermutlich schon in fünf Studentenbuden nacheinander gestanden. Für die Möbelwirtschaft wäre es natürlich besser, die Schränke würden allemal vernichtet. Wer denkt sich so einen Schwachsinn aus? Na ja, die Grünen in der Stadt sind vermutlich gegen Müllvermeidung, warum auch immer …


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  4. Simon Sachse: ich denke es geht hier eher um die Richtlinien des EEG, man verbindet doch die Biomüllentsorgung mit dem Stromverkauf. Wenn ich mich richtig informiert habe. Ich habe ein wenig im Netz gegoogelt, natürlich wird von einigen Gemeinden der Biomüll in Biogasanlagen entsorgt. Es gibt hier auch viele Hersteller von Biogasanlagenhersteller , die mir der Entsorgung des Biorestmülles durch ihre Anlagen werben. Hier liegt es eher denke ich an der Koordinierung unserer Kombinatseigenen Betriebe.


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  5. Super: wir haben eine Müllmafia. Die haben mit díe besten Lobbyisten. Der allerallergrößte Betrug ist doch hier immer noch der grüne Punkt. Die Kunststoffentsorgung bringt hier das meiste Geld und wir zahlen zusätzlich noch dafür. Ich bin gespannt wann bundesweit unsere Politiker einmal aufwachen. Man muß nur den jetzigen Werststoffkreislauf mal untersuchen.


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  6. @ Opa: Sie haben die richtigen Worte gefunden. Kombinatseigene Betriebe, das merke ich mir. Richtig, wir haben ein festes Netzwerk in Jena aufgebaut, hier gibt es keinen freien Markt mehr und damit fehlt uns natürlich auch die Nutzung neuer Innovationen, vor allem die langjährigen Vertragsgestaltungen untereinander sind problematisch. Wenn hier jemand investieren möchte und eine neue Biogasanlage bauen würde (natürlich auf eigene Kosten) wäre das wahrscheinlich gar nicht möglich.


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  7. Ich glaube die Verträge mit der Müllverbrennungsanlage in Zorbau laufen auch mindestens 10 Jahre. Hier müssen wir dafür sorgen, dass Zorbau überhaupt ausgelastet wird, Müll wird deshalb schon importiert. Es ist genau wie in Westdeutschland viel zu groß gebaut wurden. „Müllmafia“ ist auch der richtige Ausdruck dafür.
    Das wir einen Vertrag mit Zorbau bekommen haben war einer politische Entscheidung zu verdanken. Ohne diese Verträge hätte man nich so groß in Zorbau bauen können. Weitere Details kann ich mir sparen. Ich kenne mich hier ein bißchen aus, weil neue Anlagen, Müllvergasungsanlagen, welche von kleinen Unternehmen in der Entwicklung stecken, nicht gefördert werden. Freie Entwickler haben es hier schwer überhaupt Fördermittel für die weitere Forschung zu bekommen, weil hier das Problem noch die Filterung der Gase ist, damit man diese in das Gasnetz einspeisen kann. Auch die Vergabe von Forschungsgeldern ist doch sehr gut durchorganisiert. Jeder kann sich selbst eine Meinung bilden, was ich damit meine.


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  8. Wir haben kein Problem von Energieträgern. Mit Bio- und Restmüll könnte man heute schon, wenn man wollte, Gas herstellen. Dann bräuchte man aber keinen Netzausbau mehr, weil die Gasleitungen das hergestellte Gas viel effektiver zum Verbraucher bringen können und die Rohre die Kapazität besser aufnehmen könnten. Dann hat das Ein- und Mehrfamilienhaus auch nicht mehr nur eine Gasheizung, sondern wie jetzt schon angeboten ein Blockheizkraftwerk (BHKW) . Dann gibt es neben der Wärme und dem Warmwasser als Abfall gleich den Strom für das Haus. Aber, aber jetzt der Aufschrei warum macht man das nicht?

    Die Antwort ist ganz einfach: Wer betreibt die Müllverbrennungsanlagen, wer möchte uns den Strom liefern ?

    Die großen Energieriesen kämpfen mit der gesamten Macht ihrer Lobby gegen eine Dezentralisierung der Strom- und Gasherstellung. So einfach ist das.

    Und da wir nun in Stadt, Land und Bund genauso clevere Politiker wie unseren Oberbürgermeister haben , sind wir einfach der Müll-, Strom- und Bankenmafia hilflos ausgeliefert. Bankenmafia, erwähne ich hierbei, weil Existenzgründer, welche hier neue Verfahren entwickeln und herstellen könnten, keine Finanzierung erhalten. Es gibt ja langfristige Verträge der Kommunen mit den Müllverbrennungsanlagen.

    Warum hat sich denn noch niemand Gedanken darüber gemacht, dass Deutschland heute seinen Müll kilometerweit auf Autobahnen hin- und herkutschiert, allein die Transportkosten könnten wir uns bei den heutigen Dieselpreisen sparen.

    Opa hat recht, man muß nur die Müll- und Rostoffkreisläufe untersuchen, dann würde schon einigen ein Licht aufgehen.


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  9. Recht so ! Hohe Müllgebühren für Jena ! Das geschieht einer Stadt die ein privates Entsorgungsunternehmen in die Insolvenz schickt und sich mit RWE einläßt sowie langfristige Verträge mit der Müllverbrennungsanlage Zorbau abschließt.

    Mal in Archiven der Stadt nachlesen: Entzug Gewerbeerlaubnis für die Entsorgungsfirma Dittmar, Schneider und co. , war damals eine Entscheidung des Stadtrates und die Inhaber der Firma haben sich danach bei RWE anstellen lassen. Man glaubte noch an das Gute. Ist aber schon eine Weile her. War Ende der 90er Jahre.

    Da wollte doch tatsächlich ein privates Unternehmen Gewinne mit den Müll von Jena machen und Steuern zahlen !

    Jetzt kann Jena für die Müllentsorgung noch nicht einmal mehr KSJ-unabhängige Ausschreibungen vornehmen.

    Ätsch, Stadt der Eigenbetriebe.


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  10. Das finde ich sehr interessant und lesenswert. Danke an alle für die Details. Es ist nicht mehr nur bedauerlich, sondern einfach nur kriminell. Wie kann man all diese Verbrechen nur in die Köpfe der meisten, die es negativ betrifft, bringen. Vor allem vor jeder Wahl…..?!


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  11. Ja wir haben in Jena ein schönes Mischmasch. Halt ein bissel von jeden. Ein bißchen DDR: Eigenbetriebe ! ein bißchen BRD: unregulierter Immobilienmarkt, es regiert hier die Macht des Stärkeren. Es kann sich nun jeder aussuchen was er gut und was er weniger gut findet.


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  12. wenn wir von nachhaltigkeit sprechen – immerhin hat der stadtrat dennis peisker als dezernenten für die stadtentwicklung gewählt, und der steht für nachhaltigkeit – frage ich mich, warum rohstoffe als müll bezeichnet werden. sind die geschäfte mit dem sogenannten müll dann doch nicht so lukrativ, wie es sich manche wünschen? und wer macht da die gesetze im bundestag, die den kommunen auferlegen, all das zu entsorgen, mit dem die großen kein lukratives geschäft machen können?


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  13. sigrun lingel, natürlich reden wir hier nicht von Müll sondern Rohstoffen, Frage: wissen dies auch schon die Eigenbetriebe der Stadt Jena ?


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  14. ich glaube nicht.


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  15. Für die Abholung von Biomüll sollen wir zahlen, aber die kostenbaren Edelmetalle im Schrott den liefern wir an KSJ ohne Gegenleistung. Auch der Papierpreis ist in den letzten Jahren gestiegen. Kann KSJ so bestimmt Steigerungen der Kosten ausgleichen?
    Wenn Biomüll bezahlt werden muss, lohnt sich dann eine Trennung noch? Die Biotonne hat mindestens eine Größe von 120 l. Als 3-Personen-Haushalt können wir die Tonne derzeit nur halb füllen, müssen sie aber natürlich wöchentlich abholen lassen, um nicht Geruchs- und Ungezieferbelastung zu vergrößern. (Dazu rüsten wir unsere Tonne wöchentlich mit einer handelsüblichen Papiertüte für Biomüll aus, die bereit zwischen 0,70 und 1,00 € pro Stück kostet.) Dann brauchen wir kleinere Tonnen, zu geringeren Gebühren natürlich.
    Ich weiß nicht, ob dass das richtige Signal an die Umwelt ist. Was sagen denn die GRÜNEN im Stadtrat dazu?


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  16. Seit wann nehmen sich denn die derzeitigen Grünen in Jena noch GRÜNEN THEMEN an …… Ich trauere heute noch jedem Kreuz nach, was ich da immer gemacht habe…..


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  17. Ex-GrünenWähler | 11. Oktober 2012 um 18:09 | Antworten

    Die Grünen in Jena sind grau geworden. Ich habe den Kalender zur Stadtratssitzung gestern mal aufgeschlagen. Gestern war unser Herr Peisker sehr aktiv mit einer Anfrage: Stadtentwicklung?, Biomüll? Grünanlagen in Jena? nein –
    wenn ich richtig gelesen habe ging es da um Katzen.
    Miau.
    Wir haben ja auch sonst keine Probleme. Und außerdem sehe ich in Jena kaum Katzen frei herumlaufen. Wenn dann würden die doch von Autos schon dezimiert.


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  18. @Ex-Grünenwähler:
    volle Zustimmung! Nur eine winzige Korrektur: Herr Peisker war gestern gar nicht erst anwesend, seine Anfrage las ein Kollege vor :-D


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  19. Welche Grünen?


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  20. Tolles Thema!
    Zur Sperrmüll- Entsorgung kann ich nur beitragen, daß ich letzte Woche Mitarbeiter des KSJ beobachten durfte, die aus Privat- PKW´s heraus Jenenser Bürger mit Handy und Digitalkamera aufnahmen, wie sie Möbelstücke oder Fahrräder vom Sperrmül nahmen und diese in Ihr Auto luden. Angesprochen auf Sinn und Zweck der Aufnahmen war die Auskunft, daß gegen Diebe ermittelt wird. Fraglich ist mir nur, warum man etwas stehlen soll, was sowieso für Jeden zugänglich auf der Straße steht, was offensichtlich für den Vorbesitzer ohne Wert und wegen fehlender Kennzeichnung ( z.B. „zur Abholung durch den KSJ“ ) besitzübertragen wird.
    Die allergrößte Verwunderung setzte allerdings ein, als die fotografierenden oder filmenden Mitarbeiter keine Notiz von den radelnden oder auf auswärtigen LKW ( Litauen, Slowake, Rumänien etc.) sitzenden Sammlern nahmen. Erneut angesprochen, kam die Antwort, diese Leute seien eh nicht zu ermitteln und schon garnicht abzustrafen.
    Ist die Sache so zu verstehen, daß nur Jenenser oder Bürger aus dem SHK Diebe sein können? Wird hier verteufelt, wer besser erreichbar ist.
    Mich regen die ständig in die Breite gezerrten Haufen bei den Sperrmüllsammlungen, die tausenden Kleinteile aus zerlegten Fernsehgeräten oder Waschmaschinen oder zerschnittene Säcke mit Plüschtieren und anderem Abfall auf, aber spricht man diese Schrauber und Zerleger nach dem Sinn und Zweck ihres Handelns an, kommt immer dieselbe Antwort:

    “ NIX VERSTEHN !“


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  21. Nichtwähler, langsam glaube ich als Jenaer werden wir von allen Seiten verfolgt. Egal ob beim parken (ich hatte einmal 10 min überschrittene Parkzeit, 15 € waren fällig) oder beim Autofahren. Dafür wird das Bürgerbüro in Lobeda geschlossen und und und. Ich glaube wenn man arm ist und schon vom Müll anderer leben muß, ist man in diesem Fall kein Dieb. Was soll denn das. Im Gegenteil, das ist doch die beste Nachhaltigkeit von einem Gebrauchsgut, wenn es weiter genutzt wird. Das hat die beste Energieeffizienz überhaupt. Eine Schande ist das hier.


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  22. Inzwischen habe ich mich mal kundig gemacht, bei einem Nachbarn, der bei der Stadtverwaltung tätig ist (ob er arbeitet, darauf würde ich mich nicht festlegen wollen)
    Die Ansage war: Also, gegen die Mülltouristen von jenseits der Oder darf seitens der Stadt garnicht vorgegangen werden, auch nicht gegen die sogenannten Russland- Deutschen! Die haben hier Narrenfreiheit! Die Mitarbeiter des KSJ, insbesondere die in der oberen Etage, lassen sich nämlich nicht gern als Nazi´s titulieren, oder ausländerfeindliche Aktivitäten unterstellen.
    Insofern verstehe ich, warum die Jenenser Bürger, die sich Etwas von den Sperrmüll holen, kriminalisiert werden: Irgendwer muß für die immense Mehrarbeit, die den Mitarbeitern durch die regelrecht zerpflückten Haufen entstehen, ja an den Pranger gestellt werden. In dem Zusammenhang verstehe ich auch eine Aussage eines Ordnungsamt- Mitarbeiters von 2004 : Die Abfallsatzung der Stadt Jena ist in deutscher Sprache verfasst, deshalb gilt sie auch (nur) für Deutsche! Also wird meine nächste Ansage bei einem Parkverstoß sein:

    “ NIX VERSTEHN !“


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  23. Ist ja irre, was in Jena so ab geht. Danke Jenapolis, man hat uns bisher für kleine Dummis in Jena gehalten. Achtung Stadtverwaltung, einige von den Dummis werden munter !


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  24. Man hat hier in Jena immer den Eindruck, keiner begreift gar nichts. Anders kann man die zusammenhanglosen Ergüsse hier nicht bewerten. Eigenbetriebe sind eine Chance für die Stadt, die Wertschöpfung bleibt für die Stadt und geht nicht an irgendwelche private Unternehmen, die Mitarbeiter der Eigenbetriebe sind im allg. genauso fleißig wie in Privatunternehmen. Wichtig, ist, dass die Chefetagen von KSJ; KIJ; JenaWasser und auch die Stadtverwaltung selbst nicht vergessen, dass sie Dienstleister für die Bürger sind, und ohne die Bürger gar nicht notwendig wären, ich glaube, da gibt es noch ganz viele Reserven… Bürger sind Eure Kunden…


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  25. Was das Frank hier zusammenhanglose Ergüsse nennt, scheint nur bei denjenigen auf Unverständnis zu stoßen, die den absoluten Durchblick haben! Klarsichtige sozusagen.
    Was die Aussage zu den Eigenbetrieben betrifft, stimme ich zu!
    JenArbeit als Eigenbetrieb hat sicherlich enorme Wertschöpfungen aus den grundgesetzwidrigen Kürzungen zulasten der Tranferleistungsempfänger, der KSJ enorme Wertschöpfungen aus dem Verkauf von kostenlos entgegengenommenen Elektro- und Buntmetallschrott, KIJ schöpft aus dem Verhökern von Grund und Boden, der einmal Volkseigentum war.
    Und die verdrießlichen Gesichter der an 1,3 Sprechtagen je Woche schier überlasteten Angestellten in Stadtverwaltung, Bürgerservice und anderen „Behörden“ des städtischen Verwaltungsbetriebes (Betriebsleiter Schröder) sprechen über die Rolle des unmündigen Bürgers (oder heißt das jetzt nicht Kunden, bei Privatunternehmen nennt man uns jedenfalls immer so) wahrlich Bände.
    Es hat sich seit 1989 eine Menge geändert, das muß man zugeben! Früher, als ich noch Witze über Dachdecker aus dem Saarland hinter vorgehaltener Hand erzählt habe, wußte ich wenigstens, wer mein Gegner war …


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  26. Eins noch! Susi, nicht vorher warnen !


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  27. Hallo KIJ, KSJ, hallo Stadtverwaltung ihr dient dem Bürger !!!
    Ist dies Euch noch klar ???

    @Frank: ich hoffe dies haben jetzt alle gehört.

    Frage zu KSJ. Hier wird gesagt in Hermsdorf und Bad Köstritz wird auch Biomüll in die Biogasanlage gegeben, in Jena geht dies nicht. Warum nun müssen wir Gebühren zahlen für Biomüll, wenn es auch anders ginge? Staatsbetriebe hatten wir einmal, die waren nicht gerade produktiv und verschliefen manche technische Entwicklung.
    Der Staat soll sich aus dem Markt raushalten. Ausschreibungen sind immer noch die kostensparendste Art . Wenn man immer weiß, dass man die Aufträge eh erhält, macht man sich halt keine Mühe mehr, so ist das nun einmal. Nicht nur der Mensch ist bequem auch Firmen die keine Konkurrenz haben. Außterdem wird oft ein Wasserkopf aufgebaut. Postenschafferei.
    Und wie toll KIJ bauen und Baufirmen überwachen kann erleben wir gerade bei unserem Freizeitbad. Ich möchte nicht wissen, was uns das wieder kostet. Wirklich sehr Bürgerfreundlich.


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  28. In einigen Randbezirken der Stadt in Waldnähe ist das Problem des Biomülls längst geklärt.Es wird das passieren was immer wieder geschied,es wird auf kosten der Allgemeinheit gespart,wie es früher schon einmal diskutiert wurde.Der Müll wird hier teilweise einfach im Wald entsorgt.Ich glaube mich zu entsinnen das es damals schon die Diskusion gab über die Grünschnittentsorgung.Hier zeigt sich auch wiedereinmal die Doppelmoral unserer Gesellschaft.Übrigens das letzte Wort hat die Müllmafia und nicht der Bürger.KSJ und KIJ sind eben Stadtstaaten mit einem eigenem König,ähnlich der der Stadtverwaltung.


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  29. Doppelmoral ist gar nicht notwendig in Sachen Müll, noch einmal an alle egal ob grüner Punkt und Müllgebühren der Stadt: Müll war vielleicht vor 10 Jahren Müll, jetzt ist er ein Rohstoff !
    Unsere Entsorgungsfirmenverträge sind das Problem, hier läßt man keinen Wettbewerb zu. Wir müssen unseren Restmüll mit teurem Diesel bis nach Zorbau kutschen, besonders umweltbewußt und müssen die Kompostanlage der KSJ bestücken. Es ginge längst anders. Der erste Grundfehler war so große überdimensionierte Müllverbrennungsanlagen die nun bestückt werden müssen bauen zu lassen. Hier haben wir die gleichen Fehler gemacht wie der Westen. Kleinere dezentrale Anlagen mit neuester Technik würden unseren Geldbeutel beim Restmüll deshalb schon schonen, da man an teuren Transportkosten spart.
    Jetzt kommt der Müll nach Sachsen Anhalt, prima , prima.

    Ich wiederhole mich auch hier gerne Müll ist heute R o h s t o f f, damit wird Geld verdient, egal ob Schrott, Plaste, Papier und Biomüll, daraus kann man Biogas herstellen, jetzt verstanden liebe Stadtverwaltung ? Ach entschuldigt bitte, dies entscheidet ja nicht mehr die Stadtverwaltung, das entscheidet ja KSJ.

    Bemerkenswert ist auch wie jahrzehntelang die gleichen Leute auf den Posten sitzen. Wenn ein Posten frei wird kommt der neue auf alle Fälle aus der SPD Ecke. So kann das ja nichts werden, wenn Jena sich nicht die besten Spezialisten einkaufen darf. Die einzige Ausnahme ist glaube unser „Graf“ von Jenawohnen, dieser kommt aus Berlin, ist aber auch schon ewig hier und wurde von Frau Hemberger von Heimstätten in die Jenaer Spezialitäten eingeführt. Hat man in Jena einmal einen Posten, wie KSJ, Dezernent für Soziales oder für Finanzen so steht dafür ein L, für lebenslang. Sehr gesundes wirtschaften sage ich, wo sollen denn hier die neuen Ideen und Initiativen für ein lebens- und liebenswertes Jena herkommen ?? Das müssen wir wohl selber machen. Wir werden von „alten“ Herren regiert. Da wird manche Entwicklung noch verpaßt.


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