Kommentar: Fachforum Jena wächst – Steilvorlagen ohne Ende! |

Kommentar: Fachforum Jena wächst – Steilvorlagen ohne Ende!

Fachforum Jena wächst

Jena. Am letzten Freitag war die Fachhochschule Jena der Austragungsort für das Fachforum „Jena wächst“. Die Veranstaltung widmete sich der demographischen Entwicklung der Stadt Jena und den damit entstehenden Herausforderungen.  Geladen hatte das Jenaer Bündnis für Familie. Gekommen waren knapp neunzig Entscheider und Gäste aus Wirtschaft und Verwaltung. Besonders auffällig war die Zusammensetzung der anwesenden Gäste. Auf Nachfrage informierte mich die Koordinatorin für das Bündnis Stefanie Frommann, dass die Einladungen breit gestreut waren. Vor allem auch die Vertreter der Jenaer Bürgerschaft, die Stadträte, waren geladen, gekommen waren jedoch nur Frau Lukin (Die Linke) und Denis Peisker (Grüne).

Entgegen den Aussagen in der Pressemeldung des Bündnisses, eröffnete Jenas OB das Forum, nahm jedoch am weiteren Verlauf der Veranstaltung nicht teil. In seinem Impulsreferat stellte danach Dr. Hardo Kendschek, Geschäftsführer der komet-empirica GmbH – Regionalentwicklung, Stadtentwicklung, Immobilienforschung, einige Beispiele für gelungene und weniger gelungene Stadtentwicklungen vor. „Weniger, älter und trotzdem erfolgreich?!“ war eine Einstimmung auf den demografischen Wandel, der nicht mehr aufzuhalten ist. Im Jahr 2030  wird sich die Zahl der über 80-Jährigen verdoppelt haben, auch in Jena. Gesucht werden also junge Leute und Fachkräfte, um einer Überalterung der Gesellschaft vorzubeugen. Aber das machen alle Städte und auch Regionen, sagt Kendschek und warnt vor einer konventionellen Begegnung der absehbaren Probleme. „Wie im Dreißigjährigen Krieg, nur zu Friedenszeiten“, entwickelt sich die Altersstruktur in der Bevölkerung, so Kendschek. Wenn sich Jena nicht in eine Pensionopolis wie Görlitz entwickeln soll, muss mehr für die Jugendlichen, die jungen Erwachsenen und die jungen Fachkräfte getan werden. „Die Zeit der Selbstläufer ist vorbei.“, so der Spezialist.

„In mehreren Workshops ging es anschließend beispielsweise um die Auswirkungen auf die Bildungslandschaft, das Wohnangebot, die soziale Infrastruktur, die Mobilität, Sport und Kultur oder auch auf die Wirtschaftsentwicklung.“

Mein Fazit: Ein kleiner interner Kreis, der sich über ihre Probleme in Jena unterhielt. Für viele sicherlich nichts neues. Spannung pur blieb dadurch aus und eben auch die neuen Erkenntnisse. Wenn ich mir Gedanken über die Zukunft von Familien  und jungen Menschen in Jena machen will, muss ich eben diese auch zum Gespräch bitten, oder die Studenten, oder die mittelständige Wirtschaft oder eben einfach nur die Bürger.

Eine Stadt wird in Zukunft nicht ohne die breite Beteiligung der Bürger „wachsen“ können. Nur ein breiter Bürgerbeteiligungsprozess kann zukünftig neue Wege in der Kommunikation eröffnen. Und ja, Bürgerbeteiligung war in einigen Foren auch kurzzeitig das Thema. Aber, eben immer zum Bürger hin („Wir müssen es dem Bürger besser erklären was wir eigentlich wollen!“), nicht gemeinsam mit dem Bürger. Impulse und Beispiele in die Richtung gab es durch den Hauptreferenten Dr. Hard Kendschek zur Genüge.

Das Forum „Jena wächst“ zeigte aus meiner Sicht einmal mehr, das wir, bevor wir die Frage nach dem Wachstum beantworten können, die Frage stellen müssen: In welchem Jena wollen wir eigentlich leben? Hier zeigte sich in der Debatte, dass es sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt. Leider fehlt derzeit in Jena die dazugehörige politische und gesellschaftliche Debatte völlig. Wir sollten uns aber öffentlich diesen Fragen stellen!

Ich bin jedenfalls aus dem Fachforum mit wesentlich mehr Fragen rausgegangen als ich dachte schon reingegangen zu sein! Und es bleibt weiterhin die große Frage: „Wie geht es jetzt eigentlich weiter?

P.S. Unter der Pressemitteilung vom Bündnis: Das Fachforum „Jena wächst“ bringt wichtige Jenaer Akteure an einen Tisch“ hat auch bereits wieder eine heiße Debatte begonnen. Gerne verweise ich auch an dieser Stele wieder an meinen Beitrag zur Bürgerbeteiligung: „Exposé: Bürgerbeteiligung sollte der Motor Jenas sein

1 Kommentar zu "Kommentar: Fachforum Jena wächst – Steilvorlagen ohne Ende!"

  1. So, so unser Oberbürgermeister eröffnet nur noch Veranstaltungen, wenn es um Bürgerfragen und die Entwicklung seiner Stadt geht. Hatte sicher wieder Vorbereitungsarbeiten zu erledigen, war ja am Sa im MDR zu sehen bei seine Gegen-Nazi-Veranstaltung. Was anderes kennt der gute Mann auch nicht mehr. Ich sehe jedenfalls in Jena kein Problem mit Nazis eher mit Mangel an Wohnraum. Aber wie hier zu lesen hat man sich doch wieder mit sich selbst beschäftigt, da war sein Gehen auch nicht schlimm. Neue Erkenntnisse konnte ich für mich in dem Beitrag von ein Bündnis für Familie ja auch nicht erkennen.


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