Die Stadt macht der Universität den Hof…vielleicht |

Die Stadt macht der Universität den Hof…vielleicht

Schröter Vorstellung neuer Abbe Campus TNetzbandt Jenapolis 704 400

Jena. Kein Birkenhain, kein Bergahorn, sondern Japanische Schnurbäume könnten künftig auf dem Uni-Campus angepflanzt werden. Seit zwei Jahren wird über die Notwendigkeit einer neuen Gestaltung des Ernst-Abbe-Platzes nachgedacht. Die Betonplatten auf dem Platz sind renovierungsbedürftig, teilweise wackeln sie unter den Füßen der Nutzer. Das „Herzstück des Campus“, sei daher „überarbeitungsbedürftig“, so OB Dr. Albrecht Schröter (SPD) bei der Vorstellung der Preisträger für die Neugestaltung. Schwierig ist das Projekt, weil es „gemischte Eigentumsverhältnisse“ gibt. Denn das Areal gehört der Stadt, der Universität – und damit dem Freistaat – und der Jenoptik AG.

Eigentlich ist der Platz ein Hof, weil der Campus von Gebäuden umgeben ist. Der Campus selbst, „ein kleines Museum der Hochhausarchitekturen“ (so Stadtarchitekt Dr. Matthias Lerm) und Gebäude aus der Nachwendezeit, hat keine einheitliche, gewachsene Architektur, sondern wurde zu einem Standort für Experimentalbauten wie der Bau 15, das älteste Hochhaus Deutschlands. Dem Platz fehlt Flair und Charakter, bedauert der Jenaer Landschaftsarchitekt Wolfram Stock bei der Vorstellung des Entwurfs.

In Zusammenarbeit mit Jenoptik, der Universität und der Stadt wurden Vorgaben entwickelt, die den öffentlichen Interessen, den studentischen Belangen und nicht zuletzt ästhetischen Ansprüchen gerecht werden sollen. Über 100 Architekturbüros und Landschaftsplaner bewarben sich bis zum 14. Mai in einem einstufigen offenen Realisierungswettbewerb. Bis zum 25. Juni wurden 20 Vorschläge ausgelost, darunter waren fünf junge Büros. Bis zum 14. September gaben 18 von diesen 20 Büros Überarbeitungen der Pläne ab. Ein Gremium aus Vertretern der Architekten, der Stadt und dem Stadtentwicklungsausschuss, der Universität, der Kommunalentwicklung Mitteldeutschlands, des Jenoptik Konzerns, des StuRa der Universität und dem Ortsteilbürgermeister Mitte beriet über die verbliebenen Pläne. Wünsche aus dem StuRa wurden bei der Entscheidung berücksichtigt, ob diese dann aber in die Pläne eingearbeitet werden, ist offen.

Nur einem, den es – in der Ferne – betrifft, wurden die Pläne vorgelegt: Frank Stella, Schöpfer der fünf Kunstwerke. Er wollte „mehr grün“, damit seine Plastiken besser wirken. Professor Klaus Dicke, Rektor der Universität, sprach bei der Neugestaltung vom „erfreulichsten Problem“ der FSU. Der Campus sei das „Aushängeschild“ der Universität, 75 Prozent aller Fotos, die Studenten zeigen, würden dort aufgenommen. An diesem Ort durchmischen sich Stadt und Universität, so Dicke. Auf dem Hof wären „diverse Kreise, die zu quadrieren sind“, vorhanden. Vor langer Zeit habe er Zeissianer dort weinen gesehen. An diesem sensiblen Ort, der einmal zum Zeiss-Hauptwerk gehörte, müsse Modernität, Wissenschaft und die Anbindung zur Altstadt geschaffen werden.

In den Entwürfen, die qualitativ sehr hochwertig wären, zeigte sich einiges an Vegetation. So stellte der 3. Preisträger sich einen Birkenhain auf dem Campus vor. Der 2. Preisträger erwog die Anpflanzung von Bergahorn, der Sieger punktete mit einem Dutzend Japanischen Schnurbäumen, die entlang der Sichtachse vom Hörsaalgebäude hin zur Neuen Mitte bzw. dem Eichplatz angepflanzt werden sollen. Die derzeitige Höhe von 30 Zentimetern über der Tiefgarage wird teilweise deutlich angehoben, damit die Bäume dort wachsen können. Zur Goethe-Galerie hin sollen Pflanzen an Vorrichtungen in die Höhe ranken können und für ein besseres Klima sorgen. Helle Granit-Kleinstein-Pflaster im Kontext und an Glasscherben erinnernde Betonplatten sollen lokale Assoziationen vermitteln. Einige Anregungen am Plan sollen jedoch eingearbeitet werden, so  der Stadtarchitekt. Aus der Studentenschaft kamen die Wünsche, mehr Sitz- und Arbeitsflächen anzubieten und auf die Wege Rücksicht zu nehmen, die die Studenten tatsächlich gehen. Für die Radfahrer sollten 500 Stellplätze geschaffen werden, damit das derzeitige Chaos vor den Eingängen behoben werden kann.

Stadtarchitekt Dr. Matthias Lerm (links)  mit Rektor Prof. Klaus Dicke, OB Dr. Albrecht Schröter und Wolfram Stock vom Baukunstbeirat bei der Vorstellung des Siegerentwurfs. Foto: T. Netzbandt/JenapolisOb der Siegerentwurf umgesetzt wird, ist nicht absehbar. Dem städtischen Haushalt fehlen derzeit 23 Millionen Euro für 2013, auch bei Zusage aller Eigentümer, sich entsprechend zu beteiligen, ist kurzfristig nicht mit Baumaßnahmen zu rechnen. Die Pionierplanze Birke oder der heimische Bergahorn wären an dieser Stelle auch eine kostengünstigere Variante als der „bewährte Stadtbaum“ Schnurbaum. Außerdem müsse der Stadtrat die Neugestaltung beschließen und einen Entwurf bestimmen.

Dennoch gibt sich OB Schröter zuversichtlich. In seiner Amtszeit will er mit den Partnern der Universität und der Jenoptik AG die Bäume angießen. Kurzfristig ist damit jedoch nicht zu rechnen. „Der politsche Wille ist da.“, so Schröter. „Wir wollen es nicht auf die lange Bank schieben.“

Die Preisträger:

1. Preis:

Rita Mettler, Mettler Landschaftsarchitekten, Berlin, 16 500 Euro

2. Preis:

Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten, München, 10 200 Euro

3. Preis:

Alexandre  Mellier, Man Made Land, Berlin, 6 100 Euro

In einer der nächsten Stadtratssitzungen sollen die Preisträger ihr Preisgeld würdevoll überreicht bekommen, wünscht sich Schröter. Während der Pressekonferenz rief OB Schröter in Berlin an, um Frau Mettler das Ergebnis der geheimen Jurysitzung  zu verraten.

Über die Entwürfe der Preisträger können sich die Jenaer vom 22. Oktober bis zum 3. November in der Rotunde in der Goethe-Galerie ein Bild machen. Eine öffentliche Vorstellung erfolgt am Montag, 29. Oktober, um 18.00 Uhr im Hörsaal 3 im Hörsaalgebäude.


Die ausführliche und lesenswerte Zuarbeit der Studenten zum Ernst-Abbe-Platz finden Sie hier.

10 Kommentare zu "Die Stadt macht der Universität den Hof…vielleicht"

  1. Platten wegreißen, Rasen säen, Bäume setzen. Dann lernt es sich auch viel besser. Ich persönlich würde ja das Konzept um das Hauptgebäude aufgreifen und auch dementsprechende Bäume wählen. Kein Schnickschnack.

    Wenn ich mir die grün umsäumten Unis in anderen Städten anschaue, muss ich sagen: die sehen viel attraktiver aus!


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  2. @Edelnickel:
    Das klingt zwar gut, aber die Tiefgarage unter den Platten verhindert allzu hohe Baumträume. Und der Rasen, selbst als Rollrasen, hätte bei der Nutzungintensität nur kurz zu leben. Die Zigarettenreste würden sich zusätzlich Löcher hineinbrennen.
    Auch wenn die Lösung einfach klingt, nur mit einem symbolisch aufgeladenen Katastrophengedenkwäldchen aus Birken und Rasen drunter wäre es nicht getan, kaum eine der Nutzungsanforderungen an dem wohl studentischsten Platz der Stadt erfüllt. Aufenthaltsqualität ohne Konsumzwang ist kein „Schnickschnack“ und der Platz mehr als nur ein Zwischenraum.

    Andere grüne Unistädte: Naja, Bochum, Ulm, Wuppertal, Trier, Kiel, Kassel, … waren wohl nicht gemeint. Dort ergibt sich das Grün als Rest des Stadtrandes, stehengelassen als irgendwann beschlossen wurde, Betonkipper auf einen Hügel zu fahren, oben alles abzukippen und es dann als Campus, die lichtlosen Höhlen darin als Hörsäle zu bezeichnen.


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  3. Mike: Dann schüttet man halt etwas Erde auf. Ich war einmal in Karlsruhe da gab es mitten in der Stadt einen kleinen Park mit größeren Bäumen – keine Kübelbäumchen -und darunter war eine Tiefgarage. Die Bäume waren echt und nicht aus Plastik.


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  4. Habe mich gerade mal schlau gemacht. Die Esche und das Bergahorn haben eine maximale Wurzeltiefe von 2 m und werden zwischen 6 bis 8 m hoch, können also ziemlich groß werden.


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  5. Heidrun Jänchen | 27. Oktober 2012 um 15:50 | Antworten

    Ich habe mir die Ausstellung in der Goethe-Galerie angesehen und auch einen Blick in die beiden Gästebücher geworfen. Seit ich weiß, dass die Gästebücher gern öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet werden, wenn die Meinungen halbwegs zur Linie der städtischen Eigenbetriebe passen, verewige ich mich auch selbst.
    Die gründlichste Auseinandersetzung mit dem Thema findet man tatsächlich in der Stellungnahme der Studenten. Eine sehr solide Arbeit, der ich mich sofort anschließen könnte.
    Was die Preisträger betrifft, gibt es wie bei allen Wettbewerben in dieser Stadt eine Diskrepanz zwischen Juryentscheid und Bürgermeinung. In den Gästebüchern werden vor allem die Entwürfe 1009 und 1010 gelobt – letztlich diejenigen mit dem meisten Grün. Die 1017 von Alexandre Mellier wurde auch ein paar mal lobend erwähnt. Immer wieder wird Wasser und mehr Grünfläche auf dem Platz gewünscht.
    Bäume kann man offenbar durchaus anpflanzen, wenn man zusätzlich Erde aufschüttet. Es gibt Flachwurzler, die auch unter ungünstigen Bedingungen ordentliche Kronen haben. Für Sträucher und Stauden wäre erst recht genügend Erde vorhanden.
    Ich hoffe, ich werde in dieser Stadt noch einen Wettbewerb erleben, bei dem einfach die Bürger gefragt werden, was ihnen am besten gefällt. Kann ja sein, der Bürger hat altmodische, romantische und meinetwegen kitschige Vorstellungen, aber er muss in und mit der Stadt leben. Wenn er Stiefmütterchen haben will, dann soll er Stiefmütterchen bekommen.
    Eine ganz und gar romantische Idee hätte ich auch noch: Wenn früher das Geld nicht reichte, dann machte man einen Subbotnik. Sicher kann man damit nicht das neue Pflaster für den Platz bezahlen, aber warum sollen die Bürger (die interessierten jedenfalls) nicht selbst Büsche und Blumen pflanzen?


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  6. Jenaer und Jenenser freuen sich | 27. Oktober 2012 um 16:28 | Antworten

    Für 32.800 € (nur Preisvergabekosten) hätte man auf „niedrigem Niveau“ mit fähigen Leuten und kreativen aus der Stadt für die Sache mit Leuten die nicht nur Geldinteresse haben
    eine Teilrealisierung machen können. Hier ist mit der Preisvergabe
    für mich nur Geld verbraten.Mit dem Werdegang ähnelt sich alles. Eichplatz und der Rest der Stadt.
    Dazu noch die kosten der Stellafigurn drauf (Es waren damalig für 3 Figuren nach meiner Erinnerung 300.000 DM, 2 wurden sogar geschenkt). Dann hätten wir einen kleinen botanichen Garten zum Leben der Studenten und Bürger mit Sonnensegeln die sogar in Jena gefertigt und gestaltet werden.


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  7. Also für 32.800 € hätte man eine Menge stinknormale Bänke und Ablageflächen bauen können und es wäre noch genügend Geld für Erde, Bäume, Büsche da, Hochbeete gehen ja auch, da kann man den Rand gleich mit 3 Holzleisten zum Sitzen versehen.
    Oh nein, müssen wir denn alles nur noch wissenschaftlich planen, können wir nicht einfach mal losbauen, wie die Kleingärtner nebenan, die haben doch mit die besten Ideen , wenn es um Grüngestaltung geht.


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  8. Für 30.000 € bau ich Euch ein kleines Paradies auf den Abbeplatz inkl. Bänken mit Lehne aus Holz, damit keiner einen kalten A…. bekommt. Moderne Sitzstufen finde ich Sch….. .
    So etwas wollt ihr ja auf Eurer neues Eichplätzchen bauen.
    Die Idee der Hochbeete ist eine gute Idee, man muß nicht alles wieder aufreißen.

    Dann hätte man noch 2.800 € als Spende für die gewünschten Schulgärten.

    Aber in Jena will man ja wieder ordentlich Geld für so einen Platz ausgeben.
    KIJ-Managementkosten, Architekt, Generalübernehmer, Generalunternehmer, Subunternehmer und Subunternehmer des Subunternehmers,..

    Die Leute die den Spaten in die Hand nehmen und körperlich arbeiten bekommen doch das wenigste Geld obwohl es so einfach wäre.


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  9. Bausepp, die Leute , die noch den Spaten in die Hand nehmen sind dann vielleicht noch Aufstocker oder Zeitarbeiter.

    Mach mich jetzt mal auf in die Goethegalerie.

    Ein schönes Wochenende allen.


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  10. Holger Herrmann | 25. Januar 2016 um 20:19 | Antworten

    Da muss sich unser OB Dr. Schröter aber ranhalten, wenn er die Umgestaltung des Platzes in seiner laufenden Amtszeit noch realisieren möchte.
    Warum muss der Platz so vor sich hingammeln?
    Etwas Holz, etwas Farbe und die größten Schandflecken sind beseitigt.
    https://www.dropbox.com/sh/6cfewilfgvhryxm/AABhm7l8kCNcbeQnKkkjo5Aaa?dl=0


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