Guerilla Gardening in Erfurt: Erste Pflanzaktion ist geplant |

Guerilla Gardening in Erfurt: Erste Pflanzaktion ist geplant

Guerilla_Gardening (Bild: Flittergreeze) cc

Erfurt. Ein Themenabend zum Guerilla Gardening wird am Donnerstag (25. Oktober) von der Offenen Arbeit der Evangelischen Kirche in Erfurt veranstaltet (20 Uhr, Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus). Nach einem Vortrag und der Diskussion zum Thema ist die praktische Umsetzung geplant, indem Flächen der Stadt bepflanzt werden. Dafür können Blumensamen und -zwiebeln sowie Stauden bei der Offenen Arbeit abgegeben werden. Die Aktion soll zum Nachahmen anregen.

Den Themenabend organisiert Kerstin Brückner, Mitarbeiterin der Offenen Arbeit. Das Guerilla Gardening hat ihrer Ansicht nach ökologische, soziale und kulturelle Vorteile. „Lebensräume werden aufgewertet, Brachen verwandeln sich in Oasen, Böden werden entsiegelt, der Artenschutz profitiert.“ Wird damit die urbane Landwirtschaft verbunden, kommt die Selbstversorgung mit frischen, ökologisch angebauten Lebensmitteln dazu. An sozialen Vorteilen nennt Kerstin Brückner das Erleben von Gemeinschaft, das Nutzen gemeinsamer Ressourcen, das Wiedererlernen von Naturabläufen und damit Umweltpädagogik, das Erlebnis von Teilhabe und Selbstwirksamkeit sowie die Zunahme der Identifikation mit dem Wohn-Umfeld. Zudem sieht sie den Austausch der Generationen befördert, wenn Ältere ihr Gärtner-Wissen an Jüngere weitergeben.

Kerstin Brückner erhofft sich eine rege Diskussion über mögliche Einsatz-Orte in Erfurt. Wichtig ist ihr dabei, dass „nicht anstößig“ gehandelt wird. Sie hat selbst zahlreiche Ideen, um die Stadt grüner zu gestalten. „Erfurt ist Blumenstadt – ich möchte das Bewusstsein dieser Tradition wieder stärken und zur Eigeninitiative motivieren. Meine Botschaft: Die Bewahrung der Schöpfung fängt vor der eigenen Haustür an“. Besonders unschöne Flächen am Stadtrand nimmt sie ins Visier: „Die sind ein Aushängeschild für die Stadt, da sie den ersten Eindruck hinterlassen.“ Ihr Ziel der geplanten Aktionen: „Wir wollen zum Hinschauen, Nachdenken, Mitmachen anregen.“

Hintergrund:
Als Guerilla Gardening wurde ursprünglich die heimliche Aussaat von Pflanzen als Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum bezeichnet, vorrangig in Großstädten oder auf öffentlichen Grünflächen. Mittlerweile hat sich daraus das urbane Gärtnern entwickelt – es verbindet mit dem Protest den Nutzen einer Ernte beziehungsweise einer Verschönerung trister Innenstädte durch Begrünung brachliegender Flächen. Die Gärtner nehmen ihre Aktionen bevorzugt heimlich durch „Überraschungspflanzungen“ vor. Für Aussaaten an belebten Plätzen werden „Samenbomben“ genutzt – ein Gemisch aus Erde, Ton und Samen zu Kugeln geformt, das auf Verkehrsinseln geworfen oder unauffällig fallen gelassen werden kann.