Auf der urbanen Wärmeinsel – Jenas Mikroklima |

Auf der urbanen Wärmeinsel – Jenas Mikroklima

Baum_fehlt

Jena. Was über Jahrhunderte ein Standortvorteil war, könnte im Zuge des Klimawandels zu einem echten Problem werden: Jenas geschützte Tallage und das entsprechend warme Mikroklima. Die Stadt ist so speziell, dass die Baum_fehltKlimaforscher des ExWost-Projektes sie als Forschungsobjekt auswählten. Das Ergebnis ist die im November vorgestellte JenKAS-Studie (Jenaer Klima-Anpassungs-Strategie).

Jena ist wärmer als das Umland. Das trifft auf fast alle Städte zu, hier kommen jedoch noch die Tallage und die Wärmespeicherung durch die Kalksteinhänge hinzu. Erstaunliche 9.3°C beträgt die mittlere Jahrestemperatur in der Stadt. Zugleich stieg in den letzten Jahren die Zahl der „heißen“ und „Sommer“tage (mit über 30°C bzw. 25°C) auf 13 beziehungsweise 52 pro Jahr. Selbst innerhalb der Stadt gibt es deutliche Unterschiede, von den Klimatologen „Belastungsräume“ und „Gunsträume“ genannt. Die stärksten Hitzebelastungen gibt es im Zentrum, im Industriegebiet Göschwitz und im Wohngebiet Nord. Begünstigt sind dagegen Saaleaue und Paradies. Zwischen den Stationen am Klärwerk und im Schillergäßchen gibt es eine Temperaturdifferenz von bis zu einem Grad – für Klimatologen eine Menge.

Messungen und Simulationen zeigen, wie sich an windstillen, heißen Sommertagen die nächtliche Abkühlung vollzieht. In der ersten Nachthälfte fließt kalte Luft von den Hochplateaus durch die Seitentäler ins Saaletal und füllt da den „Kaltluftsee“. Erst in der zweiten Nachthälfte entsteht der Saaletalwind, der von Süd nach Nord durch die Stadt weht. Wichtig für die Abkühlung ist deshalb vor allem der ungehinderte Luftstrom durch die Seitentäler.
Probleme gibt es ausgerechnet mit einem der größeren, dem Mühltal. Im Westviertel kommt es zu einem Kältestau, während die heiße Luft im Zentrum stagniert. Man müsste darüber nachdenken, meinen die Klimaforscher, den blockierenden Gebäuderiegel zu öffnen, um dem kalten Wind Platz zu schaffen. Der Gebäuderiegel, das sind der Komplex der Uniklinik und das ehemalige Zeiss-Werk. Klimatisch wäre ein teilweiser Abriss sinnvoller als weitere Verdichtung an dieser Stelle.

Für alle Stadtgebiete wurden Klimaempfehlungen zusammengestellt. Nicht nur für das Stadtzentrum lauten sie: „Erhalt der grünen und blauen Strukturen“, übertragen in Normaldeutsch: Erhalt der Grünanlagen, Bäume und Wasserflächen. Mit nur 587 mm Niederschlag ist Jena einer der trockensten Orte in ganz Deutschland. Man sollte deshalb ernsthaft darüber nachdenken, Bäume in trockenen, heißen Zeiten zu bewässern, ganz besonders junge Bäume. Das wird bislang in Jena noch nicht getan, doch Trockenstress macht die Bäume anfällig für Krankheiten. Neupflanzungen müssen sowohl mit der sommerlichen Hitze und Trockenheit als auch mit strengen Winterfrösten zurechtkommen, was die Auswahl geeigneter Arten stark einschränkt.

Auch mit architektonischen Details beschäftigten sich die ExWost-Untersuchungen. Begrünte Dächer etwa – wenn sie denn regelmäßig bewässert werden – senken zwar die Temperatur im direkt darunter liegenden Stockwerk, für den Rest des Hauses und die Umgebung haben sie aber kaum positive Wirkung. Effektiver ist, mindestens das Erdgeschoss, besser aber das ganze Haus, weiß oder sehr hell zu streichen. Lichtstrahlung wird reflektiert und kann das Gebäude nicht aufheizen. Das ist auch gut für die Umgebung, da Häuser die gespeicherte Wärme in der Nacht wie ein Backofen abgeben. Noch besser wirken Bäume, die nicht nur die Fassade, sondern auch noch Straße und Fußweg beschatten. Sie wandeln Sonnenlicht statt in Wärme in Biomasse um. Wasserflächen verbrauchen Energie für Verdunstung. In den Ländern des Südens nutzt man diesen Effekt und sprüht Wasser auf die Straßen und Plätze. Damit wird außerdem die Feinstaubbelastung deutlich reduziert. Auch Grünanlagen wirken durch Verdunstung positiv.

Nimmt man die Empfehlungen der JenKAS-Studie ernst, muss man einerseits die Täler möglichst offen halten und dem Wind neue Wege bahnen. Andererseits sollte man auf jede verfügbare Fläche Bäume und Büsche pflanzen. Helles Steinpflaster, das Stadtarchitekt Dr. Lerm als Klimaschutzmaßnahme anpreist, ist allenfalls die drittbeste Lösung nach Bäumen und Grünanlagen. Abholzung wird die Aufheizung der Wärmeinsel im Stadtzentrum weiter befördern. Deutlicher kann man eine Warnung kaum aussprechen. (Heidrun Jänchen)

34 Kommentare zu "Auf der urbanen Wärmeinsel – Jenas Mikroklima"

  1. @ Heidrun Jänchen,
    danke für die Informationen. Die unter Mitwirken der Stadt Jena erstellte JenKas Studie zeigt eindeutig, dass die laut B-Plan vorgesehene Art und Weise der Bebauung des Eichplatzes eine offenkundige städtebauliche Klima- und Bausünde darstellt.

    Jene Kritiker des B-Plans Eichplatz, die vielleicht aus ihrem Bauchgefühl und ihrer Lebenserfahrung für den Erhalt von städtischen Grün- und Freiräumen eintreten werden oft als weltfremd abgetan.
    Hier kommen jedoch die vielfältigsten Experten der verschiedensten Einrichtungen und Institutionen letztlich zu gleichen Ergebnissen.
    Warum handeln die verantwortlichen in Jena nicht danach?

    Die Lektüre ist sicher umfangreich und nicht einfach. Unsere politischen Verantwortungsträger und gewählten Volksvertreter sollten sich aber damit ernsthaft auseinandersetzen.

    Stadt Jena, Handbuch einer klimawandelgerechten Stadtentwicklung

    Seite 95 HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR DEN ORTSTEIL JENA-ZENTRUM
    „In den verdichteten Bereichen des Zentrums sollte, besonders im Zuge von Neubebauungen, darauf geachtet werden, den Anteil „blauer und grüner Strukturen“ (HUM-05, HUM-22) zu erhöhen“

    HUM-05
    Thermische Entlastung: Erhalt und Entwicklung von offenen Wasserflächen (blaue Strukturen). Sie haben eine ausgleichende Wirkung auf die Lufttemperatur, da Wasser sich im Vergleich zur Luft langsamer erwärmt und seine Verdunstung zur Abkühlung der aufgeheizten Innenstadtluft beiträgt.

    *****Ich frage mich ernsthaft warum erst alles versiegelt und bebaut werden muss?****

    HUM-22
    Thermische Entlastung: Vor allem in stark verdichteten Bereichen – die ggf. nicht oder nur wenig entsiegelt werden können – stellen Dach-, Hof- und Fassadenbegrünungen eine geeignete Maßnahme zur lokalen Abkühlung dar

    http://www.jenkas.de/images/download/JenKAS-Handbuch_einer_klimawandelgerechten_Stadtentwicklung_Web.pdf

    http://www.jenkas.de/index.php/jenkas-akteure

    http://www.jenkas.de/images/download/JenKAS_11_Planhinweiskarte.pdf

    Zur schnellen Information: Seite 32 Seite 52


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  2. Die Studie stellt erst fest, dass die Reduzierung verdunstungsaktiver Flächen infolge zunehmender Oberflächenversieglung zu Überwärmungsgefahr führt, um dann im selben Atemzug genau die weitere Versiegelung des Eichplatzes als „best practice“-Musterbeispiel hochzustilisieren (S. 119). Der Trick dabei: Man bewertet aus einem Blickwinkel ex post, d.h. die großflächige Bebauung nach mittelalterlichem (sic) Grundriss ist selbstverständlich alternativlos – dafür pflanzen wir aber in die verbliebenen Ecken ein paar ganz besonders anpassungsfähige Bäume. Ich finde das beinahe schon makaber. Klimakonferenz um Klimakonferenz, Klimastudie um Klimastudie und nichts ändert sich. Der Eichplatz und viele andere Immobilien sind reine Renditeobjekte, mehr nicht. Entsprechend werden dort keine Gebäude entstehen, die vielleicht sogar mal mehr als 100 Jahre überdauern. Da müsste man ansetzen, wenn man ernsthaft an einer progressiven Planung interessiert wäre.

    „Entweder wir kämpfen für die Umsetzung ‚unmöglicher‘ Lösungen für die immer komplexeren Probleme der Armut in Städten und der Klimaveränderung oder wir machen uns zu Komplizen eines Prozesses, dem die Menschheit letztendlich zum Opfer fallen wird.“ Mike Davis

    http://www.uni-muenchen.de/aktuelles/publikationen/mum/mum_aktuell/pdf/mum_02_09/essay_02_09.pdf


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  3. Das Bäume in Trockenphasen im Sommer nicht bewässert werden stimmt so wie im Artikel beschrieben nicht. Diesen Sommer (und soweit ich mich erinnere auch schon letzten Herbst) als in Jena mal wieder Wochen und Monatelang kein Tropfen Regen fiel waren zumindest in Jena Ost mehrfach KSJ Fahrzeuge unterwegs die bewässert haben.


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  4. Gesunde Bäume müssen nicht bewässert werden. Wir gießen ja auch nicht den Wald. Es müssen nur frisch gepflanzte und Blumenrabatten gegossen werden. Das größte Problem ist und bleibt die Versiegelung fast aller Flächen in der Stadt.


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  5. Und genau das wurde gegossen – junge Bäume und Blumenrabatten, wie verblendet muß man sein das man dem KSJ nicht mal mehr so etwas zutraut und erst einmal gleich davon ausgeht das das naheliegenste nicht sein kann?


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  6. Heidrun Jänchen | 11. Februar 2013 um 07:12 | Antworten

    @ Martin:
    Ich bin tagsüber sehr selten in der Stadt unterwegs – falls da gegossen wurde, habe ich es nicht gesehen. Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Klimastudie wurde dieser Punkt als Empfehlung angeführt. Ich habe es nach der Formulierung so verstanden, dass bisher nicht gewässert wurde. Wenn doch – umso besser. Ich bin absolut nicht böse, wenn die Stadt/KSJ etwas Vernünftiges tut.
    Vielleicht sollte man den Bäumen ringsum etwas mehr als die recht bescheidenen Baumscheiben gönnen und weniger vollversiegeltes Pflaster verwenden, damit das Regenwasser nicht nutzlos in die Gullys fließt.


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  7. @ Martin:
    Es wurde offenbar Blumenrabatten sporadisch gegossen. Leider wurden die Kübelbäumchen gegenüber dem Kupferhütchen und die Bäume in der Saalstraße vergessen. Diese existieren inzwischen nicht mehr bzw. nur noch als mahnendes Gedenken.


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  8. Oh ich traue unserem KSJ so einiges zu. Unseren Biomüll schmeißen wir auf den Kompost statt wie andere daraus noch Strom zu produzieren und ganz aktuell ist man noch in die Lumpensammler-Mafia eingestiegen. Bringt wohl 400 € die Tonne wie ich hier einmal las. Damit macht man auch noch die regionale Wirtschaft in Afrika kapputt.

    Wenn man gesunde Bäume durch die totale Versiegelung gießen muß ist das für mich einfach Wasserverschwendung und hat mit Nachhaltigkeit überhaupt nichts mehr zu tun. Aber wir haben ja jetzt einen Dezernenten für Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit und Umwelt, die genaue Bezeichnung weiß ich gar nicht. Und wenn Herr Peisker seine wöchentliche Vorstellungsrunde beendet hat, wird in Jena eh alles besser.


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  9. Heidrun hat recht, Wasser ist ein wertvolles Gut und sollte nicht einfach in die Kanalisation fließen. Wenigstens sollte es die Möglichkeit haben noch unsere Bäume zu wässern, denen 4-6 Wochen Trockenheit auch gar nichts ausmacht, normalerweise.


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  10. @Anne

    Das Argument „Versiegelung“ ist ja durchaus nachvollziehbar, aber ausgerechnet in Mitteleuropa die Verschwendung von Wasser anzuprangern, ist unrealistisch. Das wurde in den letzten Jahren schon oft in den Medien thematisiert, hier in der ZEIT:

    http://www.zeit.de/2012/14/Wasserversorgung

    (Das einzige, was mich an dieser Erkenntnis wirklich ärgert, ist, daß man für Wasser keine Flatrate bis zu einem bestimmten Verbrauch hat, wenn Wassersparen schon zusätzliche Kosten verursacht.)


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  11. @Anne
    Es geht eher darum, dass das Wasser energieintensiv transportiert werden muss und das Arbeitszeit erforderlich ist.
    Natürlich muss das Wasser bezahlt auch werden.
    Ansonsten stimme ich Fußballfan zu.


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  12. Da kommt noch eines hinzu: Wasser von KSJ gibt es nur, wenn irgendjemand beschließt, es sei jetzt an der Zeit, wenigstens die jungen Bäume zu gießen. Sicher spielen auch da Kostenfragen eine Rolle.
    Wasser vom Himmel ist einfach da, und da wäre es sinnvoll, es an Ort und Stelle versickern zu lassen. Der Baum freut sich sicher auch, wenn noch nicht die ganz große Not herrscht.
    Vielleicht könnten sich Jenaer Ladenbesitzer dafür erwärmen, einen Baum in der Nähe in Pflege zu nehmen? Im Gegenzug wird ein Schild angebracht (natürlich ohne den Baum zu verletzen!): „Hier gießt Herrenausstatter XY“. Wäre das nicht ganz und gar sympathische Werbung?


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  13. Heidrun Jänchen | 11. Februar 2013 um 18:35 | Antworten

    @Jean:
    Auch der Platz vor dem Phyletischen Museum bekam seine lobende Erwähnung – da plätschert ein wenig Wasser, und tatsächlich wurden drei (!) Bäume gepflanzt. Die Baumscheiben scheint irgendeine EU-Verordnung in dieser Größe festzulegen – jedenfalls sind sie kein Stück größer als unbedingt nötig.
    Ich bin kein Baufachmann, aber das Pflaster sieht für mich so aus, als sei es wasserundurchlässig verfugt. Sieht zwar aus wie Pflaster, wirkt aber wie Beton. Dafür ist es vermutlich viel nachhaltiger als Rasen … Das ist auf jeden Fall eine Stelle, an der gegossen werden muss, sollen die Bäume auf Dauer überleben.
    Besonders freuen mich die Fahrradständer. Ich habe tatsächlich schon einmal gesehen, dass da eine vierköpfige Familie ihre Räder angeschlossen hat, um ins Museum zu gehen. Einmal.


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  14. Nun, die Fahrradständer sind in der warmen Jahreszeit recht gut genutzt, aber offenbar eher nicht von Museumsbesuchern. Ich arbeite in der Nähe und sehe das. Beim gegenwärtigen Wetter ist da sowieso keine vernünftige Aussage möglich. Wenn sich hier jemand erinnert: Prof. Schnüll (eigentlich eine Kapazität in der Verkehrsplanung) ist vor 12 Jahren in der Hinsicht gewaltig ins Fettnäpfchen getreten, als er die innere Zentrumsumgehung für Jena durch das Paradies legen wollte und auf die lautstarke Kritik der Grünanlagenfreunde antwortete: Er habe bei seiner Ortsbesichtigung eigentlich keine Spaziergänger gesehen. Natürlich: Wenn ich Anfang Dezember, bei Nebel, Nieselregen und +3°C um die Rasenmühleninsel gehe, wie er damals, finde ich kaum Fußgänger und Radfahrer. Nur: unter diesen Umständen bewertet man solche Anlagen eben nicht.


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  15. Heidrun Jänchen | 12. Februar 2013 um 07:51 | Antworten

    Ehrlich? Ich komme da eigentlich öfter vorbei, allerdings meist am Wochenende und nach Arbeitsschluss, und da habe ich tatsächlich nur ein einziges Mal Fahrräder dort gesehen. Wäre mal interessant, wer da sein Rad parkt. Vielleicht Leute, die in der Nähe arbeiten?
    Und ich habe natürlich nicht erst im Dezember nachgeschaut. Dass das nicht funktioniert, ist mir schon irgendwie klar. Aber selbst im Dezember und bei Nieselregen sind die Fahrradständer in der Innenstadt einigermaßen besucht. Weniger als im Sommer, klar, aber doch offensichtlich benutzt. Weswegen ich ein paar mehr von den Ständern da für sinnvoller aufgewendet gehalten hätte als weitab von allen Läden vorm Museum.


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  16. Zitat: ‚[…] und ganz aktuell ist man noch in die Lumpensammler-Mafia eingestiegen. Bringt wohl 400 € die Tonne wie ich hier einmal las. Damit macht man auch noch die regionale Wirtschaft in Afrika kapputt.‘

    …die vorher von Firmen, die unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit agierten, zerstört wurde. Nur jetzt profitierst du sogar davon.


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  17. Zu Fahrradständern: Die Dinger sind in einfacher Ausführung (auch als Bügel wie vor dem Phyl. Museum, andere sollte man nicht aufstellen) so billig, dass darüber nicht unbedingt diskutiert werden sollte. Einfach in die Nähe jedes öffentlichen Gebäudes einige stellen, und schon kommt vielleicht der eine oder andere per Rad, der sonst aus Angst um den Klau seines Rades das Auto genommen hätte. (Kleinvieh macht auch Mist… wir reden hier über Klima. Man kann natürlich an einem konkreten Ort daneben hauen, statistisch gibt’s den Effekt.) Es gibt auch Städte, die Derartiges per Satzung vorschreiben, in Jena war das bisher nicht durchsetzbar.

    In der Innenstadt ist der Platz ein Problem. Ich rechne mal pi mal Daumen: Im Holzmarktbereich wären wahrscheinlich im Sommer 200 zusätzliche Fahrradständer zu füllen. Auf der Fläche eines Pkw-Stellplatzes kommen 10 Fahrradständer unter. Woher bekomme ich dort die Fläche für 20 Pkw-Stellplätze? Man kann Radstellplätze leicht stapeln (es gibt automatische Fahrrad-Parkhäuser, in denen die Fahrräder in eine Art Hochregal einsortiert werden); ich hoffe, dass man in der Eichplatzbebauung so etwas einordnen kann. Ansonsten ist die Meinung (die ich nicht unbedingt teile): Wer Angst um sein Fahrrad hat, möge zu Fuß gehen oder mit der JeNah fahren. Problem, wie immer: man muss Prioritäten bei der Nutzung des begrenzten Raumes setzen. Statt eines Baumes ein paar Fahrradständer? Sollten wir hier durchaus diskutieren.


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  18. Heidrun Jänchen | 13. Februar 2013 um 12:45 | Antworten

    @TomWed:
    Obwohl ich selbst Fahrradfahrer bin, würde ich den Handel Baum gegen Radständer ablehnen. Bäume und Räder passen zusammen! Die Schutzgitter um die Bäume am Markt werden gern und viel als Radständer benutzt. Warum nicht? So ein Baumstamm nimmt nicht viel Platz weg.
    Aber wie wäre es mit dem unbegrünten, ungenutzten, ziemlich trostlosen Innenhof der Marktpassage? Da könne man jede Menge Räder unterbringen, und es wäre mitten in der Stadt. Wahrscheinlich werden es keine 200, aber 40 passen bestimmt hin.
    Auch gegen zehn Parkplätze weniger auf dem Eichplatz und dafür Fahrradständer hätte ich gar nichts. Dass man ein Fahrradparkhaus in die geplante Bebauung integrieren kann, glaube ich nicht. Der Neubau soll sich für den Investor rechnen, und Fahrradparkplätze rechnen sich nicht. Wollte man eine Parkmöglichkeit für Räder schaffen, dann hätte man das in die Ausschreibung und den Bebauungsplan schreiben müssen. Aber auf sämtliche Nachfragen kam nur ein „Das wird schon irgendwie werden“. Die Stadt möchte zwar den Autoverkehr aus der Innenstadt fernhalten, tut sich aber schwer mit einem Angebot von Alternativen. Statt dessen sind auch die Tage des überdachten Radstellplatzes in der Johannisstraße gezählt. Da befindet sich künftig der Herrenausstatter. Oder etwas anderes.


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  19. @ TomWed Am 12. Februar 2013 um 16:42 Uhr
    „Zu Fahrradständern: Die Dinger sind in einfacher Ausführung (auch als Bügel wie vor dem Phyl. Museum, andere sollte man nicht aufstellen) so billig, dass darüber nicht unbedingt diskutiert werden sollte.“

    Trist so wie sich die Stadt sowieso entfaltet.Passend zu
    -Betonbauten
    -Betonquader als Sitzgelegenheit
    -Bäume verstümmelt
    -Bäume stark reduziert
    -Asphalt statt Pflaster
    -Kliene 08 15 Fussgängerzonen
    u.s.w.
    Kurz gesagt: Kulturlos und Lebensfern
    Abwechslung und gutes Design fehlen immer mehr bei unsere Stadtgestaltung. Passend zur Betonwüste.Firmenfinanzierung und gute Ideen wären angebracht. Ein schöner Fahradständer steht vor der neuen Mitte rechts neben dem Intershopeingang.
    Die Firmen könnten dann eine kleine Werbung an die „Skulptur?“
    anbringen, dezent. Wir wollen nicht eine hässliche Werbeschilderkultur!Noch besser wäre die Werbung in die Gestaltungsstruktur in Form der Firmenausstrahlung, so in der Art wie das Fahrrad vor der neuen Mitte. Und die Stadt muss das fördern. Einfach nur Gebührenfrei im öffentlichen Raum.
    Die Stadt muss auch in der Gestaltun Flair der Abwechslung und des Lebens frei sein.
    Anstatt der sinnlosn Ausgabe (sogar erhebliche Mehrkosten) für Flüsterasphalt, z.B. Bänke mit Einfallsreichtum, mit Natur herum akls kleine Inseln.


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  20. was heißt denn gebührenfrei im öffentlichen Raum. Muß man für das Aufstellen eines Fahrradständers Gebühren zahlen? Na das wäre ja …


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  21. Würde mich ja nicht mehr wundern. Für den Sandkasten in der Johannisstraße muß ja die Fan-Gemeinde auch glaube eine Sandablagerungsgebühr zahlen. Jürgen Baum, ja unser Jena wird immer trostloser und der Sandkasten muß bei der Eichplatzbebauung sicher auch weg. Schade.


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  22. Jenaer und Jenenser freuen sich | 17. Februar 2013 um 16:25 | Antworten

    @ aucheinBürger Am 17. Februar 2013 um 10:45 Uhr
    Mann muss für jegliche Benutzung des öffentlichen Raumes zahlen.
    z.B. der Marktmanager der ein Strippe über eine Strasse zur Strom-versorgung einer Bühne ect.benötigt, muss ca 100 € dafür auch wenn nur einen Tag langer Bedarf besteht zahlen.
    Oder es gab ein Projekt der Imaginata zur Verschönerung der damalig
    noch mit sehr wenig Kneipen besiedelten Wagnergasse. Es wurden in alten Zink-Eimern und Badewannen Blumen enlang der ganzen Gasse gepflanzt.Etwa 3Jahre haben das die Anwohner gepflegt. Dann kam die Abzocke dafür. Es war die Tötung des schönen.


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  23. Jenaer und Jenenser freuen sich | 17. Februar 2013 um 16:35 | Antworten

    @ aucheinBürger Am 17. Februar 2013 um 10:47 Uhr

    „Seit dieser Zeit gab es immer wieder Sanktionen seitens der Stadt – anfänglich war der Sandkasten in der Fußgängerzone verboten, da es eine Engstelle darstellt. Denn hier begegnen sich Fußgänger und Radfahrer – oft gefährlich nah.

    Da der Ort aber vor allem von Kindern angenommen wird, kam die Stadt den Nutzern entgegen. Der Sandkasten wird als “Sandablagerung” erlaubt – gegen eine Nutzungsgebühr von 400 Euro, die die JG Stadtmitte bezahlt“
    http://www.jenapolis.de/2013/02/auf-der-urbanen-waermeinsel-jenas-mikroklima/#comment-43766


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  24. Jena. Was ist hier los? Für gesellschaftliches Engagement muss man hier zahlen? Andere Städte wären froh so engagierte Bürger zu haben. Ich verstehe diese Stadt nicht. Brauche da sicher eine längere Einweisung.


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  25. Für die Blumenkübel in der Wagnergasse sollte auch bezahlt werden? Das ist eine Fußgängerzone, in der nun wirklich kein Verkehr behindert wird. Die städtischen Blumenkübel, etwa hinter der Neuen Mitte, sind ja nicht besonders kreativ: riesiger Betonklotz, oben ein kleiner stachliger Strauch drin, der vermutlich nur nach Trockenheitsresistenz ausgewählt wurde.
    Undeutlich erinnere ich mich daran, dass Jena früher voller Blumenbeete war. Wenn die Stadt sich das schon selbst nicht mehr leisten will, dann sollte sie wenigstens die Anwohner fördern, die etwas derartiges tun.
    Aber soweit ich weiß, sind von Läden aufgestellte Fahrradständer als Werbeaufsteller auch kostenpflichtig, Nutzen oder nicht. Es wird Zeit, dass derartige „Nutzungen“, die tatsächlich der Allgemeinheit nutzen, kostenfrei gestellt werden. Vielleicht sollte man dazu mal eine Bürgerantrag stellen.


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  26. Sandkasten, Blumenkübel und Fahrradständer dienen doch dem Gemeinwohl. Wieso soll da ein Bürger an die Stadt Gebühren zahlen ? Unsere Stadt hat nicht nur ne Grippe, das ist schon ein riesiges Krebsgeschwür.


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  27. Ich weiß nicht ob ich richtig verstanden wurde. Wenn Jenaer Bürger und Gewerbetreibende Geld in die Hand nehmen und in Eigeninitiatve Sandkasten, Blumenkübel und auch die mangelnden Fahrradständer aufstellen, sollte eine Stadt nicht kommen und noch dafür Gebühren abkassieren. Hier wird soziales Engagement bestraft.


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  28. Jenaer und Jenenser freuen sich | 18. Februar 2013 um 01:37 | Antworten

    Öffentlicher Raum ist das Leben. Hier ist es der Lebensraum der Verbote
    und der Abkassierung von Gebühren und hinterlistigen Bestrafungen. Auch die Aktion Stadtrundgang weiße Fußspuren zählt dazu.


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  29. @ Heidrun Jähnichen
    „Erstaunliche 9.3°C beträgt die mittlere Jahrestemperatur in der Stadt.“

    Die Winter mit ein zubeziehen ist nach meinen Überlegungen eine Verfälschung.
    Lange sehr kalte Winter ziehen das Jahresmittel herunter. Kurze kalte Perioden nach nur einem Tag starker Sonnenbestrahlung ohne Schnee (und dann bei Kälteeinbruch mit Schnee noch intensiver) erhöhen die Tagestemperatur gegenüber der
    im Umfeld z.b Erfurt oder Apolda. In diesen Wetterfolgen macht sich die
    Versiegelung speziell in Jena (viel sensibleres Klima gegenüber der meisten Städte in D) schon bemerkbar. Im Schnitt denke ich kommt das nicht so oft im Verlauf eine Winters vor.
    Die Sommertage sind der Anzeiger der Klimaveränderung. Versiegelung
    fehlende Laubmasse und das stark beeinflussbares Tal im „Canyon“ des Saaletales mit zugebauter Stadtlandschaft.In Folge der Klimaveränderung weniger Regen und kein Eindringen in die Erde ist durch die Versiegelung möglich. Hangbebauung
    bringt durch Stark-regen schnellen Wasserfluss infolge der Versiegelung.
    Besonders in Hanglage tiefere Ausspülungen und dadurch die Erosion . Fehlende große Bäume und deren Wurzeln die dagegen hielten tuen das nicht mehr verhindern.Die Bergbewegung der Hänge wird dann nicht nur durch die Last der Häuser begünstigt. Sie ist aber schon von Natur aus
    in diese Jenaer geologischen Lage vorhanden. Damit ist das Bauen ökologisch ohne Verstand. wir wissen ja warum.
    Übrigens die Bäume, welche vor 1 oder 2 Jahren am Steilhang unter der Sophienhöhe wegen des
    Bergrutsches entfernt wurden, ist genau das Gegenteil von dem was man tuen müsste. Die Wurzeln halten die Oberfläche zusammen und verhindern die Erosion.
    halten die Oberfläche zusammen und verhindern die Erosion.


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  30. Nun ja: Fahrradständer sind ein Spezialfall. Wenn sie gebrauchstüchtig sein sollen, müssen sie (fast) unlösbar mit dem Untergrund verbunden sein. D.h. das wäre eine permanente Sondernutzung ähnlich dem Sandkasten, die auch baurechtlich geprüft werden müsste (Gewährleistung von Fluchtwegen, Feuerwehr-Zufahrten, wasauchimmer). Die Variante in der Löbderstr. ist okay: Beschwerung der Konstruktion mit Steinteilen, und man kann sie mit dem Hubwagen versetzen (wird auch gemacht, wenn die Fenster dort von außen geputzt werden). Nebenbei: Der von Herrn Baum gestern erwähnte Ständer an der Neuen Mitte ist zwar nett gestaltet, erfüllt die Grundforderungen (Sicherung der Fahrräder gegen Diebstahl) nur mit einer einzigen Stelle (wenn man das abzustellende Fahrrad gegen sein stilisiertes Gegenstück lehnt), ist also nicht das tolle Beispiel.

    Natürlich stünde es der Stadt frei, für Fahrradständer im Interesse der Förderung des Radverkehrs keine Gebühren zu verlangen (ich würde das mit der Auflage verbinden, dass nur nach ADFC-Kriterien gebrauchstüchtige Ständer von der Gebühr befreit sind). Dafür wäre die Sondernutzungssatzung entsprechend zu ändern (hat bisher niemand versucht), und der Teufel steckt im Detail: Wo kann man sie hinstellen. (Mitten in die Johannisstraße sicher nicht, das ist in erster Linie ein Verkehrsweg.)

    Zu Fahrradständern hatte ich übrigens vor Jahren eine kleine Dokumentation verfasst, an der sich Interessierte orientieren können; abrufbar im Web unter:

    http://adfc-jena.de/kreisverband/downloads/radparken-jena.pdf

    da ist alles fotografiert wie vorgefunden, nichts gestellt. (Kein Anspruch auf Vollständigkeit, man könnte doppelt soviele Beispiele zeigen.)


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  31. Jenaer und Jenenser freuen sich | 18. Februar 2013 um 12:10 | Antworten

    Dafür wäre die Sondernutzungssatzung entsprechend zu ändern (hat bisher niemand versucht), und der Teufel steckt im Detail: Wo kann man sie hinstellen. (Mitten in die Johannisstraße sicher nicht, das ist in erster Linie ein Verkehrsweg.)

    Nicht auf einen Haufen, schon wegen der Benutzbarkeit. Und auch aus ästhetischen Gründen.Sicherheit und Ästhetik ist auf jeden Fall bei Fahraständern möglich. auch eine Vielfalt. das wäre doch ein neuer
    Wettbewerb. Auswertung bitte nicht durch den Kunstbeirat.

    Das Beispiel mit dem Paradies an der Autobahn z,B.


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  32. „Man sollte deshalb ernsthaft darüber nachdenken, Bäume in trockenen, heißen Zeiten zu bewässern, ganz besonders junge Bäume. Das wird bislang in Jena noch nicht getan, doch Trockenstress macht die Bäume anfällig für Krankheiten. Neupflanzungen müssen sowohl mit der sommerlichen Hitze und Trockenheit als auch mit strengen Winterfrösten zurechtkommen, was die Auswahl geeigneter Arten stark einschränkt.“

    Ist das nicht paradox. Wir bauen zu. Wir versiegeln und wollen dann in dieser Wüste künstlich Leben erhalten. Ich denke auch, dass die großen Bäume inzwischen Probleme haben und die kleinen nicht wieder so goss werden mit soviel Blattmasse wie unsere noch stehenden großen
    Bäume. Und die großen stattlichen auch durch Mangelerscheinungen schneller erkranken, Übrigens der Kronenschnitt.ist häufig das aus für die Bäume, wie es hier durchgeführt wird.
    Ein Baum nimmt mehr Nahrung durch die Krone auf als durch die Wurzeln. Wenn der Baum geschwächt wurde ist dann der nächste Schnitt an verschiedenen Bäumen wiederholt worden.
    Und das war einmal ein schöner Baum. Gutes Beispiel Seidelstrasse. Man hat in die 1. Lücken schon junge Bäume nachgepflanzt. Das war eine der schönsten Baumaleen in der Innenstadt.

    Entsiegeln und nicht versiegeln! Das Pflastern im Betonbett ist seit knappen 4 Jahren richtig losgegangen. Das war bisher verboten. Warum wird man mit der Regengebühr als Privater bestraft?
    Warum ist unser Granitpflaster nach Süddeutschland verkauft worden?
    Dort ist Rückbau angesagt. Bei uns tauscht man mit Asphalt, der ja viel besser ist? Der hat nur Nachteile, bis auf die Vorteile die man immer den Leuten eingeredet hat.


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  33. Heidrun Jänchen | 19. Februar 2013 um 07:38 | Antworten

    @ Jürgen Baum:
    Natürlich ist es im Winter kalt. Ich persönlich fand es trotzdem verblüffend, dass es im Durchschnitt so warm ist – fast 10°C übers Jahr. Wenn man überall mit der gleichen Basis arbeitet, kann man das auch gut vergleichen. Die Zahlen zu heißen Tagen stehen ja gleich daneben. Die Klimatologen erwarten im Zuge der globalen Erwärmung da eine Verdoppelung. Klingt erst einmal wie ein schöner Sommer, aber durch die Tallage kühlt es nachts nur wenig ab. Durch die gesundheitliche Belastung bei Hitzewellen sterben in Deutschland mehr Leute als durch die Kälte im Winter.
    Kurzzeitig kann das Wetter in Jena sehr stark variieren. Der Jahresdurchschnitt für den Niederschlag schwankt zwischen 500 und 800 mm pro Jahr. Knackig kalte Winter kann es also auch in Zukunft immer wieder geben, was besonders für neue Bäume ein Problem ist – wir brauchen Arten, die sowohl mit strengen Frösten als auch sommerlicher Hitze zurechtkommen.


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  34. @Heidrun Jänchen Zusätzlich müssen die künftigen Bäumchen noch mit den Kübeln bzw. begrenztem Wurzelraum zu recht kommen. Unter diesen Bedingungen ist zusätzliches Wässern sicher überlebenswichtig.


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