Do | 26.02. | 11:22 Uhr

Neuer Tuberkulose-Wirkstoff aus dem Hans-Knöll-Institut

Autor: Jenapolis Goldstar

Jena. Ein völlig neuer Wirkstoff gegen Tuberkulose wurde am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) – in Jena entwickelt. Die zur Gruppe der Benzothiazinone gehörende Substanz sei in der Lage, den Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis in Laborversuchen mit hoher Effizienz abzutöten, so das Instutut am heutigen (26. Februar) Vormittag.

Tierversuche ohne Nebenwirkungen verlaufen

An infizierten Mäusen wurde außerdem nachgewiesen, dass der Wirkstoff die tödliche Krankheit heilen kann, ohne für die Tiere selbst schädlich zu sein. Nach Jahrzehnten der erfolglosen Suche liegt damit ein neues Medikament zur Bekämpfung einer der größten Geißeln der Menschheit in greifbarer Nähe.

Lizenzvertrage mit amerikanischem Pharmaunternehmen

Mit dem international operierenden Pharmaunternehmen Inverness Medical Innovations hat ein schlagkräftiger Industriepartner die Entwicklung des Medikamentes übernommen. Nach Sicherung einer Exklusivlizenz für die Nutzung und Vermarktung des Wirkstoffes stehen nun zunächst umfangreiche Untersuchungen an, um die Wirksamkeit ausgewählter Substanzen in Tierversuchen und am Menschen prüfen.

Europäische Forschungs-Kooperation

Entdeckt wurde der Wirkstoff vom Team um Dr. Ute Möllmann am HKI. In enger Kooperation mit dem Chemiker Dr. Vadim Makarov aus Moskau gelang ihnen in jahrelanger akribischer Arbeit die Isolierung und Optimierung einer Substanz, die Mykobakterien mit hoher Spezifität abtötet.

Ausgehend von einer bestimmten Grundstruktur synthetisierte Dr. Makarov während wiederholter Gastaufenthalte am HKI eine Vielzahl neuer Varianten des Moleküls. Frau Dr. Möllmann analysierte die antibiotische Aktivität dieser Substanzfamilie in sogenannten Bioaktivitäts-Assays.

Mit diesen Testverfahren kann unkompliziert und schnell geprüft werden, ob eine bestimmte Substanz für weitergehende Untersuchungen in Frage kommt oder nicht. Die Tests lieferten schließlich – basierend auf jahrzehntelangen Erfahrungen Möllmanns in der Antibiotika-Forschung – den entscheidenden Hinweis auf die neue Substanzklasse.

Das Molekül wurde daraufhin von Dr. Makarov chemisch analysiert und synthetisiert. Es übertraf schließlich die optimistischen Erwartungen der beteiligten Forscher. Die Substanz ist nicht nur gegen den Tuberkulose-Erreger selbst hochwirksam, sondern auch gegen die besonders gefährlichen Antibiotika- resistenten Varianten, die sich zunehmend verbreiten und eine Therapie praktisch unmöglich machen.

Die vertiefte wissenschaftliche Untersuchung der Substanz erfolgt nun gemeinsam in dem von Prof. Stewart Cole koordinierten europäischen Projektverbund NM4TB („New medicines for tuberculosis“).

    

2 Kommentare

  1. hmmm, was ist davon zu halten? Die TBC Kranken in aller Welt sind meist arm. Der letzte Durchbruch war vor knapp einem halben Jahrhundert, wenn ich richtig informiert bin. Da wird jahrelang geforscht, oft mit öffentlichen Mitteln – , siehe http://www.hki-jena.de/index.php/1eb9153fb2b5d97e5917b942bdc650eb/1/32 – die Leute haben vom öffentlichen Bildungswesen profitiert und auch diesem und der Wissensallmende den jetzigen Kenntnisstand zu verdanken
    und dann werden, wenn der Durchbruch geschafft ist, EXKLUSIVE Verwertungsrechte an “schlagkräftige Industriepartner” vergeben. Das wird den Zugang der Menschen, die das Medikament dringend brauchen bestimmt nicht erleichtern.
    Irgendwie macht mir diese Meldung Bauchschmerzen, wenngleich der medizinische Fortschritt genau an diesem Punkt dringend nötig ist.

  1. [...] der Presse und auf Jenapolis (z.B. hier) war nun mehrfach von einem in Jena erzielten Durchbruch in der Tuberkuloseforschung zu [...]

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Kategorie: Diskussionen, Wissenschaft

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