Mo | 15.03. | 14:47 Uhr

Einknicken des ZDF vor Kali+Salz untergräbt Pressefreiheit

Autor: DIE LINKE-Landtagsfraktion Thüringen Goldstar

Erfurt. Die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Katja Wolf, protestiert gegen die Entscheidung des ZDF, den Beitrag „Abenteuer Wissen: Salz – Segen und Fluch des weißen Goldes“ auf Druck des Unternehmens Kali+Salz (K+S) zurückzuziehen. Damit knicke die öffentlich rechtliche Anstalt vor einem Konzern ein, dessen Produktion wesentlich für die Versalzung der Werra verantwortlich ist.

„Die Rücknahme des Berichts ist das falsche Signal für all jene, die sich von Konzerninteressen nicht den Mund verbieten lassen. Damit geht ein Lehrstück über die gefährlichen Hinterlassenschaften für Mensch und Natur verloren“, konstatiert Katja Wolf. Es sei „bedauerlich“, dass das ZDF diese Verpflichtung eingegangen ist.

Gegen die extreme Belastung ganzer Landstriche Deutschlands durch die wenig effiziente Abbaupraxis von K+S, die nach der Werra, die Weser und schließlich die Nordsee erreicht, kämpften seit langem Umweltverbände, Bauern und BürgerInnen vor Ort. „Es kann nicht sein, dass die Pressefreiheit dort endet, wo Konzerninteressen berührt werden. Es muss erlaubt sein, zu sagen, dass Profitinteressen eines Konzerns anscheinend mehr zählen als Gesundheit von Mensch und Natur. Der Beitrag muss wieder unverzüglich im Internet und anderen Archiven verfügbar gemacht werden“, fordert die Umweltpolitikerin der LINKEN.

Das ZDF hatte sich gegenüber K+S verpflichtet, den am 17.02.2010 gesendeten Beitrag zurückzuziehen. Weder der Filmbeitrag selbst noch Teile daraus dürfen wiederholt oder dessen Inhalt in Text und Bild über elektronische Medien bzw. das Internet weiterhin zur Verfügung gestellt werden.

„Wenn Wahrheiten über eine sich abspielende ökologische Katastrophe, die ein Konzern verursacht, nicht mehr an die Öffentlichkeit gelangen dürfen, wirft das ein zweifelhaftes Licht der Einflussmöglichkeiten eines Konzerns auf die Pressefreiheit. Wir werden uns auch weiterhin keinen Maulkorb verpassen lassen und noch intensiver hinschauen, was der Konzern zu verantworten hat“, so die Abgeordnete abschließend.

    

4 Kommentare

  1. 1
    romoremulus 

    Es ist doch sehr verwunderlich dass sich das ZDF beugt. Eine “unbequeme Wahrheit” oder “alles Lüge ” in der Abenteuer Wissen Sendung ???? Bekannterweise wurden im Flotationsverfahren zur KCl-Gewinnung “Drücker” und “Schäumer” eingesetzt, da sind Ammine, Phenole und Kresole mit im Verfahren, steht in jedem Technologiefachbuch. Wo bleiben die Stoffe?? Muss da kein Entsorgungsnachweis geführt werden? . Wieviele Tonnen wurden verarbeitet? Wieviel davon gelangt(e) über den Abraum und das Haldenabwasser in die sogenannte “Salzlauge”.und somit ins Grundwasser oder die Werra
    Wie hoch ist der Anteil der chemische Stofffe , z.B. AOX, Phenole, gelöste oder emulgierte Kohlenwasserstoffem mit Chloroform extrahierbaren Stoffen oder Tensiden usw.im Grundwasser In den zur Trinkwassergewinnungen genutzten Grundwasserbrunnen. Wie oft wird auf diese Stoffe geprüft. jedes Jahr ??
    Alle -auch der “Runde Tisch” reden nur von Kalium, Natrium Magnesium , von Leitfähigkeit und pH… etc.
    Aber von den riskanten Chemikaien hört man nichts.. weil sie nicht da sind..???

  2. 2
    Interessierter 

    Die Thematik interessiert mich, auch wenn ich nicht direkt in der betroffenen Gegend wohne.
    Daher war ich auch sehr gespannt auf den Beitrag in “Abenteuer Wissen” – und schwer enttäuscht. Die Überleitungen des Moderators Carsten Schwanke waren extrem einseitig und sämtliche Aussagen gaben den Standpunkt von Dr. Hölzel wieder, der als Kronzeuge immer mit dabei war. Dabei wurden z.B. auch die akademischen Grade anderer erwähnter Personen verschwiegen, bis auf den von Dr. Hölzel..
    Dieser Dr. Hölzel ist Vorsitzender der Bürgerinitiative “Für ein lebenswertes Werratal” und sieht in der K+S anscheinend die Quelle allen Übels, das je in diesem Fluß aufgetreten ist und propagiert Lösungen, deren Umsetzung laut K+S nicht finanzierbar wären.

    PS: Die eigentlichen Reportagen fand ich interessant, wenn auch etwas polemisch eingefärbt.

  3. 3
    Motzer 

    @romoremulus:gut gefragt, leider wehrt sich die Kali auch nur einen Stoff einzugestehen:4-Benzoesäure, Salicylsäure im to Bereich sollen eingesetzt werden? 3 Bromfabriken bedienten bei geringerer Förderung des Salzes die “Verbleiung”des Benzins, heute gibts Bleifrei und wo bleibt das Brom und seine Verbindungen?Die BI für ein lebenswertes Werratal hat als Vorsitzenden Klaus Reinhardt, da sieht man wieder was für ein Gewäsch von Ahnungslosen in die Welt gesetzt wird!Die Methoden sind in einigen anderen Gruben umgesetzt nur Kali zu teuer? Selbst Kali hat in Reinsdorf eine Produktion ohne Entsorgung von Lauge angeboten und in Zielitz unter Tage mit ESTA und Versatz angefangen, also es geht doch, warum nicht auch an der Werra? Hess. MP Roland Koch hat seine Vertreter beim Programmbeirat des ZDF und er hat gesagt “er müsste Tinte saufen wenn er der K&S nicht alles genehmigen würde”(Hersfelder Zeitung). So wird auch ein Schuh draus. Hat K&S ein Rechts- und Glaubwürdigkeitsproblem?Für 1,1Milliarden Euronen sich einen Konkurrenten in den USA gekauft und hier sich arm rechnen und sich Verladebahnhöfe mit 85% mit unseren Steuergeldern finanzieren lassen? Erst wird die Luft , der Boden und dann das Wasser (Trinkwasser+Werra) versaut und alle Steuerzahler dürfen dann für die Entsorgung zahlen?Da fühlen sich viele Mittelständler von der Politik verraten?

  4. 4
    Interessierter 

    @Motzer:
    OK, Dr. Hölzel ist Vorsitzender der “Werra-Weser-Anrainerkonferenz”, hierfür muß ich mich korrigieren. Ansonsten bitte ich Sie, sich den Schaum vom Mund wischen und etwas weniger Brom zu schnuppern – ich halte meine Aussagen nicht für “Gewäsch”.
    Ihre Beispiele vom Vorgehen der K+S zeigen mir, daß man sich durchaus um eine Verbesserung bemüht – die sich allerdings wirtschaftlich rechnen muß.

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