Jena. Ein Blick ins Zimmer der Kinder zeigt die enorme Fülle von Spielsachen, die die lieben Kleinen in ihrer schieren Masse überfordern. Geschenke von Oma und Opa und den anderen Großeltern, Geschenke der Onkels und Tanten … Der Wohlstand, in dem wir leben, verstellt uns allzu leicht den Blick über den Tellerrand. Einen solchen Blick ermöglicht jedoch die aktuelle Schau im Stadtmuseum “Göhre”, in der noch bis zum 5. April “Faszination Kreatives Recycling” gezeigt wird. Die Exponate – Gebrauchgegenstände ebenso wie Kinderspielzeug und selbstgebastelte Lehrmaterialien – zeigt die Phantasie und Kreativität von Menschen aus der sogenannten Dritten Welt, die es fertigbringen, aus Abfall
wundervolle Gegenstände zu fertigen. Aus leeren Spraydosen und Fischbüchsen entstehen Spielzeugautos, die ihren “großen” Vorbildern an Detailtreue und -liebe in nichts nachstehen. Die Exponate der Ausstellung hat Hans Schmidt aus Erzhausen bei Darmstadt zusammengetragen. Er hat viele Jahre als Fachmann für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Afrika, Asien und Südamerika gearbeitet.

Die Museumsmitarbeiter Thomas Böhme und Sebastian Hollstein begutachten einen Lkw, der in einem Gefängnis auf den Kapverden hergestellt wurde.
Eine Auswahl von Fußbällen ist zu sehen, die irgendwie an die Nachkriegszeit in Deutschland erinnert, besser gesagt an Erzählungen darüber. In dieser Zeit der Not mussten die Kinder ebenfalls mit kreativ gebastelten Spielzeug auskommen – kein Vergleich mit dem Überfluss von heute.

Auf diese Idee muss man erstmal kommen, ausgediente Glühbirnen wieder zu verwenden. Fotos: Stephan Laudien/Jenapolis
Die Exponate bieten nicht zuletzt interessante Anregungen, die uns Recycling unter ganz neuen Vorzeichen betrachten lässt. Sie sind Nasenstüber für jeden, der sich an die Gepflogenheiten der Wegwerfgesellschaft unserer Tage gewöhnt hat.
Noch bis Freitag dieser Woche werden im Stadtmuseum Spielzeuge aus Recycling-Material entgegengenommen, die Familien, Schulklassen oder Kindergartengruppen gestaltet haben. Ab dem 23. März werden diese Exponate ebenfalls in der “Göhre” gezeigt und die Besucher können über die besten Ideen abstimmen. Die originellsten Arbeiten werden am 6. April ab 15 Uhr im Museum prämiert.

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