Jena. Der Wettbewerb um die Gestaltung des Inselplatzes ist entschieden: Heute (7. April) wurden in der Rathausdiele die Sieger und Platzierten ausgezeichnet. Die Sieger kommen aus Stuttgart: Platz 1 belegte das Büro Wick + Partner, gefolgt von Seidel + Lahn, Architekten aus Erfurt, und Dr. Weigel & Waldheim aus Jena. Vervollständigt wird das Resultat durch Platz 4, der an das Stadtplanungsbüro Dr. Wilke aus Erfurt ging. Außerdem entschied sich die Jury für zwei Ankäufe. Das heißt, die Ideen von „fluidlab” aus Karlsruhe und Feuerstein Rüdenauer + Partner aus Stuttgart werden ebenfalls prämiert und in die weitere Planung einbezogen.
Stadtentwicklungsdezernentin Katrin Schwarz verwies eingangs darauf, welch große Resonanz der Wettbewerb gefunden habe: „Wir hatten über 200 Einsendungen aus ganz Deutschland und dem Ausland”, sagte sie. Aus diesen Bewerbungen wurden fünf gesetzt und 20 ausgelost. Im Endeffekt lagen der elfköpfigen Jury 21 Arbeiten zur Begutachtung vor. Katrin Schwarz informierte, dass der Sieger-Entwurf nun als Basis für einen Rahmenplan dient, mit dem die Bebauung des Inselplatzes vorangetrieben werden soll. Seine Erarbeitung wird von der parallel laufenden Vorbereitung zur europaweiten Ausschreibung des Vorhabens begleitet werden.
Hermann Sträb vom Büro Glas aus Dresden erläuterte Procedere des Wettbewerbs und die wichtigsten Details des Sieger-Entwurfs. Eine Aussagen habe sich quer durch alle Arbeiten gezogen: „Das Kaufhaus hat keine Zukunft!”
In mehreren Rundgängen wurden peu a peu Arbeiten ausgewählt, die den Ansprüchen nicht genügten. Mit gravierenden Mängeln schieden so zunächst vier Beiträge aus, später teilten elf weitere dieses Schicksal. Zuletzt hatte die Jury über sechs Arbeiten zu entscheiden. Die Wahl des Siegers erfolgte einstimmig, sagte Sträb.

Die Sieger kommen aus Stuttgart: Karl Haag, Michael Schröder und Kristin Kalbhenn (von rechts) nahmen den Preis von Bürgermeister Frank Schenker und Stadtentwicklungsdezernentin Katrin Schwarz entgegen.
Der Entwurf von Wick + Partner wird in seiner Leitidee wie folgt beschrieben: „Leitgedanke des Entwurfs ist es, den Inselplatz in seinen historischen Kanten aufzugreifen. Die Wege und Sichtachsen, die das Quartier mit den angrenzenden Stadträumen verknüpfen, gliedern das Gesamtquartier in einzelne ‘Schollen’. Sie stellen die potenziell bebaubaren Flächen dar.” Hermann Sträb lobt die Arbeit der Stuttgarter als „flexibel und leistungsfähig”, zugleich werde eine hohe Nutzungsvielfalt gewährleistet. Diese Vielfalt setzt sich aus Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen, sprich Handel, zusammen. Konkret kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts gesagt werden, wie sich die einzelnen Komponenten einmal aufschlüsseln werden.
Karl Haag, der gemeinsam mit Michael Schröder das Büro Wick + Partner leitet, stellte einige Grundgedanken des Konzepts vor. So sollen historische Wegebeziehungen aufgenommen werden, findet sich eine Wasserachse, die vom Kupferhütchen kommend in den Inselplatz einmündet. Als eine wichtige Sichtachse sehen die Stadtplaner den Blick in Richtung Giebel des Universitäts-Hauptgebäudes inklusive Stadtkirche und Uni-Turm an. Wichtig sei, so Haag, dass die „Schollen” das Potenzial haben, miteinander zu verschmelzen, zusammenzuwachsen. „So wie Eisschollen das machen.”
Trotz der Nähe zur Altstadt werde es sicher keine historisierende Bebauung am Inselplatz geben, sagte Kristin Kalbhenn von Wick + Partner.
Wie immer der Inselplatz eines Tages aussehen mag: Katrin Schwarz legte die Latte für potenzielle Investoren hoch. Es gelte, ein Zeichen für modernen Städtebau im 21. Jahrhundert zu setzen, sagte die Dezernentin. Sie wünsche sich ein Signal, ein Signal innerhalb Thüringens und darüber hinaus. Zudem zitierte sie den Oberbürgermeister, der gesagt habe, er wünsche sich ein „Stadtquartier mit Seele”.
Die Wettbewerbssieger dürfen sich auch über eine finanzielle Anerkennung freuen. Die Stuttgarter erhalten für Platz 1 18 000 Euro, der zweite Platz wird mit 13 000 Euro honoriert, für den Dritten gibt es 10 000 Euro. Die Architekten auf Platz 4 dürfen sich über 7 000 Euro freuen und die beiden Ankäufe werden mit je 4 000 Euro prämiert.
Die Wettbewerbs-Ergebnisse sind ab dem 14. April in der Goethe-Galerie zu sehen, danach besteht die Gelegenheit, sich über den Wettbewerb im Dezernat Stadtentwicklung Am Anger zu informieren.


Welchen Erkenntnisgewinn hat Jena dieser Architekturwettbewerb gebracht? Das Kaufhaus muss weg! Aha. Hohe Nutzungvielfalt! Schön. Muss sich in das Stadtbild einpassen! Ach so. Und so flexibel wie möglich für potenzielle Investoren! Na wunderbar.
Im Verlauf der veranstaltung habe ich mich sehr an die kontroverse Diskussion erinnert ob der Sinnhaftigkeit eines solchen Wettbewerbes. Muss nun konstatiert werden, dass die Kritiker eines solchen Wettbewerbes Recht behalten haben? Letztendlich werden diese Frage die Investoren beantworten. Irgendwann.
P.S. Im nächsten Jahr begehen wir mal wieder ein rundes Jubiläum: 20 Jahre Eichplatzdiskussion. Der städtebauliche Wettbewerb wurde im Jahr 1993 für das Stadtzentrum ausgelobt. Nachtigall ick hör dir trapsen!