Jena. Im Rahmen unserer Aktion Gut zu wissen wen ich wähle! veröffentlicht Jenapolis die schriftlichen Antworten, so wie sie die Redaktion erreicht haben. Die Antworten stellen hiermit die Meinungen der jeweilig vorgestellten Personen dar. Die Redaktion von Jenapolis fühlt sich nur verpflichtet die Beiträge zu veröffentlichen, inhaltliche Änderungen oder Anpassungen finden seitens der Redaktion nicht statt. Ausgenommen davon sind offenkundige Rechtschreibfehler.
Yvonne Probandt, FDP Jena, Listenplatz 6
zur Person: geb. am 03.04.1972 in Gera, verheiratet, 2 Töchter (9 und 14 Jahre); Ausbildung: Kauffrau im Hotel- und Gaststättengewerbe; Akt. Tätigkeit: kfm. Angestellte; Hobbys: Zeit mit meiner Familie verbringen, Lesen und natürlich Politik
Antworten zum Fragenkatalog:
1. Was bedeutet Ihnen bürgerschaftliches Engagement? Wie leben Sie es?
Sich für eine Sache einsetzen, weil man sieht, dass sich etwas ändern muss oder das Hilfe benötigt wird. Einfach nur meckern kann jeder. Das ist mir zu wenig. Wer sich in unserer Gesellschaft nicht engagiert, darf sich nicht über Missstände beschweren! Diesen entgegen zu wirken ist oft anstrengend, erfordert Zeit, Mühe und Idealismus. Trotzdem möchte ich die Politik in unserer Stadt mitbestimmen. Zur Zeit engagiere ich mich bei den Vorbereitungen zur 725-Jahr-Feier im Ortsteilrat Lobeda, im Liberalen Mittelstand e.V. und im LNT e.V.
2. Wie stehen Sie zum Bürgerhaushalt in Jena?
Der Bürgerhaushalt ist ein richtiger Schritt, um die Interessen der Jenaer in Erfahrung zu bringen und mehr Mitbestimmung zu ermöglichen. Doch sollte von Anfang an deutlicher kommuniziert werden, dass das Ergebnis nicht für die Stadträte bindend ist. So war es sicher für viele Teilnehmer der Befragung nicht nachvollziehbar, dass die Mehrheit für Schuldentilgung war, anschließend aber die Mehreinnahmen auf fast alle anzukreuzenden Punkte aus dem Fragebogen aufgeteilt wurden.
3. Welches Konzept und welchen Zeitraum für einen Schuldenabbau der Stadt Jena befürworten Sie?
Schnellstmöglicher Schuldenabbau, d.h. realistischer- und notwendigerweise bis 2019. Dann läuft der Solidaritätspakt aus und dann müssen wir finanziell handlungsfähig sein. Jeder Jenaer – vom Säugling bis zum Rentner – hat zur Zeit fast 1000 € Schulden! Diese Schulden wären Steuern für morgen, Steuern für unsere Kinder.
4. Was bedeutet für Sie eine Kulturflatrate für Jena?
Nun es klingt nach einmal (pro Monat?) bezahlen, alles inklusive. Man zahlt für alle Kulturangebote in Jena, egal ob oder wie oft man sie nutzt.
Die Frage ist doch eher, was wird das am Ende kosten? Wird es nicht dadurch für alle teurer? Wir haben in Jena ein tolles und sehr breites Kulturangebot. Wo bleibt da die Transparenz?
5. Was halten Sie von einem Kurzfahrticket beim Jenaer Nahverkehr?
Bitte sofort!
6. Wenn Sie sich entscheiden müssten, gäbe es dann ein neues Stadion, eine Mehrzweckhalle, einen Sportpark oder ein Kongresszentrum? Begründen Sie bitte die Entscheidung!
Nun das kommt ganz darauf an, wer das jeweilige Projekt bezahlt. Wenn zum Beispiel der FC das Stadion bauen will und auch finanzieren kann, warum nicht? Ein Kongresszentrum wurde viele Jahre diskutiert, immer wieder durchgerechnet, Investoren gesucht – aber es rechnet sich eben nicht. Eine Kombination als Mehrzweckhalle, in der Kultur- und Sportevents genauso wie Kongresse oder eine Aktionärsversammlung stattfinden können, hätte da eine viel bessere Auslastung. Es würde Arbeitsplätze schaffen, Besucher nach Jena holen …- doch letztendlich ist dies leider eine Wohlstandsdiskussion und so wohlhabend ist Jena derzeit in Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht.
7. Nennen Sie uns Ihre Vision für den Eichplatz.
Mehrstöckige Tiefgarage und darüber viel Grün, eine eher kleinteilige Bebauung, die das Stadtzentrum ergänzt und bereichert.
8. Würden Sie das Anliegen unterstützen, aus Jena eine Solarstadt zu machen?
Nein.
Natürlich muss alles dafür getan werden, um Energie zu sparen, die Umwelt zu schonen. Und selbstverständlich sind dazu neue Technologien geeignet. Dies beinhaltet aber deutlich mehr als nur Photovoltaik. Erdwärme, Wind, Wasser aber auch so banale Dinge wie die Dämmung von Altbauten …
9. Bezahlbarer Wohnraum entwickelt sich zu einem wichtigen Faktor für jeden Wirtschaftsstandort. Welche Ideen haben Sie, bezahlbaren und ausreichenden Wohnraum in Jena zu schaffen?
Angebot und Nachfrage – im Moment haben wir einen Nachfrageüberhang, es gibt so gut wie keinen Leerstand in Jena. Das erhöht die Preise sowohl im Kaufbereich, wie auch bei den Mieten. Die Stadt sollte Vorbehaltsflächen (Bauerwartungsland) freigeben, ungenutzte Flächen (z.B. Schandflecke wie diverse Garagenanlagen) erschließen. Auch die Bebauung des Inselplatzes für innerstädtisches Wohnen – welches die FDP seit Jahren befürwortet und vorantreibt – würde die Situation entkrampfen.
10. Welche Themen brennen Ihnen persönlich noch auf den Nägeln?
Ich finde die Personalsituation an den Schulen und Kindergärten unerträglich. Die Kindergärten haben keine Planungssicherheit und können daher oft nur befristet einstellen. Nach mehrmaliger Verlängerung der Befristung müssen sie dann gute Leute gehen lassen, um nicht fest einstellen zu müssen. Auch an den Schulhorten wechselt jährlich Personal, von der permanenten Unterbesetzung ganz zu schweigen. Die Hortner werden größtenteils nur für die Schulzeit eingestellt, sind im Sommer arbeitslos und müssen sich nach neuen Stellen umschauen. An den Schulen fallen zahlreiche Stunden aus, weil mit den Lehren ähnlich verfahren wird oder diese nicht voll arbeiten dürfen. Viele junge motivierte Lehrkräfte wandern deshalb ab. Das ist nun zwar zum großen Teil Landespolitik, aber es ist eben das, was mir unter den Nägeln brennt.
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