Karl Marx als politischer Verwaltungsakt. Man glaubt es kaum, dass sich Stadträte ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen. So war es jedoch beim letzten Stadtrat am 5. April 2017 unter TOP 18. Darin heisst es: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, Gespräche mit der Friedrich-Schiller-Universität zu führen, mit dem Ziel, die Karl-Marx-Büste im Stadtbild von Jena spätestens ab dem 5. Mai 2018 wieder aufzustellen.“

In der Begründung zum Antrag heisst es weiter: „Im März 1992 wurde die Büste von Karl Marx nach kontroversen Diskussionen aus dem öffentlichen Raum der Stadt Jena entfernt und eingelagert. Karl Marx gilt als einer der bedeutendsten Universalgelehrten in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. 1841 promovierte er in Jena (in Abwesenheit) zum Doktor der Philosophie. Das Thema seiner Promotionsschrift lautete: „Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“. Für die Stadt Jena und die Friedrich-Schiller-Universität sollte es ein willkommener Anlass sein, zum 200. Geburtstag von Karl Marx sowohl auf seine wissenschaftlichen Leistungen als auch darauf zu verweisen, dass er die Jenaer Universität für die Einreichung seiner Promotion ausgewählt hat. Seine Geburtsstadt Trier als auch andere Kommunen besitzen Skulpturen des großen Denkers und bereiten umfangreiche Ausstellungen zu Ehren seines 200. Geburtstages am 5. Mai 2018 vor. So finanziert z.B. die Friedrich-Ebert-Stiftung, die das Karl-MarxHaus in Trier in ihrer Obhut hat, eine neue Dauerausstellung mit einem siebenstelligen Euro-Betrag. Auch Jena würdigte mehrfach in Ausstellungen und Publikationen die Leistungen von Karl Marx.“

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Kurz und knapp nach einer fast einstündigen Debatte wurde dem Antrag der Linken im Stadtrat zugestimmt. Soweit so gut! Erstaunlicherweise hat dieses Thema es dann aber in eine breitere Öffentlichkeit geschafft, da es auch von einem Medium mehrmals gepuscht wurde und im Moment sogar dazu noch eine Umfrage läuft.

Das war jetzt aber selbst Marx zuviel. Er hat sich nun persönlich von seinem Hauptbüstenstützpunkt Chemnitz gemeldet, um auch den Jenaern mal so richtig die Meinung zu sagen. Nachfolgend veröffentlichen wir kurze Ausschnitte der Rede, die vorher mit Karl Marx nicht abgestimmt wurden:

Die Langversion gibt es natürlich auch noch zum Nachhören und Anschauen. Übrigens hatte das Stadtmarketing Chemnitz diese interessante Idee, um auf Chemnitz aufmerksam zu machen. Gerade die Langversion sollte den Einen oder Anderen zum Nachdenken anregen, denn auch Marx wollte die Welt bewegen und steht nun als „Eifelturm von Chemnitz“ fest verwurzelt seit 1953 immer noch auf dem selben Platz. Eine Debatte um Marx gab es natürlich auch in Chemnitz. Viel wichtiger jedoch ist, was er uns allen zu sagen hat. Leider reden wir in Jena lieber über Standorte als über Inhalte. Und das eigentlich auch nur, weil es mal wieder einen Antrag im Stadtrat dazu gab.

Liebe Leute, liebe Stadträte. Gibt es wirklich nichts wichtigeres in Jena zu tun, als unsere Zeit mit den Toten zu verbringen. Witzig war die Aktion in Chemnitz aber trotzdem allemal. Vielleicht ist das ja auch eine Idee für Jena! Oder einfach sowas Ähnliches…

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