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Suche nach Ersatzpräparaten kompliziert

Erfurt. In den Thüringer Krankenhäusern fehlen notwendige Medikamente. Wie die Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes der Krankenhausapotheker Manuela Pertsch MDR THÜRINGEN mitteilte, musste sie in ihrem Krankenhaus in Gera im vergangenen Jahr 300 Lieferengpässe ausgleichen. Zudem fehlten inzwischen immer wieder auch versorgungsrelevante Arzneimittel wie zum Beispiel bestimmte Antibiotika (Amipicillin/Sulbactam) oder auch bestimmte Krebsmittel. „Die Situation ist inzwischen kritisch“, sagte Pertsch MDR THÜRINGEN. In Einzelfällen seien bereits Krebstherapien verschoben worden. Generell wird laut Pertsch versucht, die Patienten mit Ersatzpräparaten zu versorgen. Das berge aber auch Risiken: Ärzte könnten nicht auf vertraute Therapien setzen; neue zu finden, koste auch Zeit. Und alternative Antibiotika könnten häufig nicht so zielgerichtet eingesetzt werden. Deshalb wachse die Gefahr von resistenten Keimen. Laut Pertsch steigen auch die Kosten für die Krankenhäuser. Inzwischen sei im Geraer Waldklinikum eine Mitarbeiterin der Krankenhausapotheke ausschließlich damit beschäftigt, die Lieferengpässe auszugleichen.

Für die niedergelassenen Apotheken besteht das größte Problem in fehlenden Impfstoffen. Der Vizepräsident des Landesapothekerkammer Lutz Gebert sagte MDR THÜRINGEN, Anfang des Jahres sei über mehrere Wochen ein Sechsfach-Impfstoff zum Schutz vor Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hib und Hepatitis B deutschlandweit nicht lieferbar gewesen. Dieser sei inzwischen wieder zu bekommen. Dafür fehle seit Anfang Mai der Vierfach-Impfstoff zum Schutz vor Polio, Diphterie, Tetanus und Keuchhusten. Eine Alternative gibt es laut Gebert in der Regel nicht. Diese Impfstoffe sind vor allem zur Immunisierung von Kleinkindern wichtig.

Wie ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums MDR THÜRINGEN sagte, ist „eine isolierte Betrachtung Thüringens nicht möglich“. Die Ursachen für die Lieferengpässe sind demnach vielfältig. Zum einen gebe es in einigen Bereichen eine stärkere Nachfrage, zum anderen konzentriere sich die Medikamentenproduktion auf immer weniger Hersteller. Komme es zu Produktionsausfällen, könnten diese häufig nicht mehr ausgeglichen werden. Nach Angaben des Verbandes forschender Pharma-Unternehmen sind die Lieferengpässe in jedem Einzelfall anders gelagert. Ein Grund sei auch, dass Produktionschargen wegen Mängeln nicht vertrieben werden dürfen. Weil die Herstellung von Impfstoffen besonders komplex und aufwendig ist, sei hier die Gefahr von Ausfällen besonders groß. Außerdem vergehen laut Verband oft mehrere Monate vom ersten Arbeitsschritt bis zum fertige Medikament. Ein fehlendes Medikament schnell zu ersetzen sei deshalb nicht möglich.

Welche Wirkstoffe konkret fehlen, kann beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nachgelesen werden. Die Liste mit Wirkstoffen, für die die Pharmaunternehmen auf freiwilliger Basis Lieferengpässe gemeldet haben, ist derzeit 19 Seiten lang und umfasst rund 300 Wirkstoffe. Dabei handelt es sich laut Bundesinstitut ausschließlich um Wirkstoffe, die als versorgungsrelevant eingestuft und von maximal drei Unternehmen hergestellt werden. Die fehlenden Impfstoffe können auf einer Liste des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) eingesehen werden. Diese Liste enthält derzeit 24 Produkte die zum Teil seit 2015 nicht geliefert werden können. Dort veröffentlicht sind auch alternative Impfstoffe oder Handlungsempfehlungen der Ständigen Impfkonferenz, wie auf den Lieferengpass reagiert werden soll. In der Regel geht es darum, die noch vorhandenen Mittel an die zu verteilen, die sie am notwendigsten benötigen.

Am Donnerstag beschäftigt sich der Gesundheitsausschuss des Thüringer Landtages mit dem Thema.

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