Foto: Jürgen Scheere (Scheere Photos) / FF USV Jena (Archiv)

Jena. Der FF USV Jena beendet als Neunter die spannende Allianz Frauen-Bundesliga-Saison 2016/17 – Das Saisonfinale am 22. Spieltag endete beim neuen Deutschen Meister VfL Wolfsburg mit einem 2:2 (0:2)

Ereignisreicher Saisonabschluss

Die letzte Auswärtsreise der Saison war für die Jenaerinnen sportlich eigentlich Nebensache: Mit dem seit zwei Spieltagen sicheren Klassenerhalt im Gepäck ging es am Sonntag (21.05.2017) zum VfL Wolfsburg. Auf Seiten der Gastgeberinnen – seit letzter Woche als Meister feststehend – war zudem mit Schaulaufen auf heimischem Platz und anschließendem Recken der Meisterschale als die einzigen beiden Tagesordnungspunkte ebenfalls eine sehr legere Ausgangslage geschaffen.

Wer jedoch dachte, diese Konstellation bedinge einen unspektakulären Nachmittag auf dem Rasen, der wurde eines Besseren – in Form eines unterhaltsamen letzten Spieltags – belehrt.
Die Gäste aus der Universitätsstadt waren zu Beginn der Begegnung zunächst unpräzise in ihrem Spiel und hatten damit Probleme im Halbfeld. Mit weiterer Fortdauer wurde Jena allerdings den Hausherrinnen ein ebenbürtiger Gegner. Die Kapitänin persönlich sorgte schließlich für den ersten großen Dämpfer beim Wolfsburger Festpublikum: In einer Strafraumszene schaltete Julia Arnold am schnellsten und netzte zum 1:0 aus FF-USV-Sicht ein (22.). Den zweiten Stich setzte Laura Ramos Luis, die nach einer Ecke zum überraschenden Zwei-Tore-Vorsprung traf (45.); ihr erstes Ligator in ihrem Abschiedsspiel für den FF USV.
Allgemein gilt Frauenfußball insbesondere im Vergleich zum männlichen Pendant als überaus fan- und familienfreundlich. Die übermäßige Anzahl an Ordnungspersonal und die in manchen Belangen alles andere als meisterliche Organisation rund um die Wolfsburger Heimspielstätte hatte schon vor Anpfiff der Partie sowohl beim Anhang der Wölfinnen wie dem der Blau-Weißen die Feierstimmung des Tages ein wenig getrübt. Spätestens mit diesem 2:0-Treffer Luis‘ pünktlich zum Halbzeitpfiff waren zumindest die Heimfans vorerst sichtbar und im Stadion so auch hörbar bedient. Die Jenaerinnen und ihr Anhang gingen hingegen mit ihrer erfolgreich ausgespielten Rolle des Favoritenschrecks bestens gelaunt in die Pause.

Der VfL wäre aber wohl nicht der Titelträger 2016/17, wenn er diese Situation zumindest auf dem Rasen nicht ändern könnte. Jena blieb zwar am Drücker, so scheiterte Arnold per Freistoß (59.) und Justien Odeurs, die Partyverderberin zwischen den Jenaer Pfosten, hielt ein ums andere Mal die Führung – zumeist gegen die stets agile Pernille Harder.
Nach einem Strafstoßgeschenk konnte allerdings die für Harder eingewechselte Caro Hansen vom Punkt auf 1:2 Tore verkürzen (69.). Circa zehn Minuten vor Ende bescherte Lara Dickenmann mit ihrem 2:2-Ausgleich schließlich doch noch den Heimfans ein angemessenes Ergebnis für die anschließende Feier (82.). Auch die Jenaerinnen konnten sich mit diesem Remis anfreunden. Cheftrainerin Katja Greulich sagte nach Abpfiff: „Wir wollten uns gut in den Sommer verabschieden und das ist uns vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut gelungen. Es war für uns alle ein wirklich ansprechender Saisonabschluss.“

Wolfsburg verdient Meister – Jena zuversichtlich in die neue Saison

Aus den Händen Hannelore Ratzeburgs (DFB-Vizepräsidentin), Steffi Jones (Bundestrainerin) und Margit Stoppa (Spielleiterin Allianz Frauen-Bundesliga) empfingen im Anschluss auf dem Rasen die Wolfsburgerinnen mit viel Konfetti die Meisterschale.
Die Jenaerinnen gaben auf dem Rasen dem neuen Meister freundschaftlich die Ehre und schlossen sich den zahlreichen Gratulantinnen und Gratulanten an. Greulich lobte die kontinuierliche Arbeit ihres Trainergegenübers Ralf Kellermann zum dritten Titel der VfL-Frauen: „Potsdam war lange Zeit Spitzenreiter, erst hinten raus haben sie sich um den ganzen Lohn gebracht. Wolfsburg hingegen hat kontinuierlich seine Leistungen durchgezogen und ist jetzt – in einer engen Liga mit doch immerhin einem souveränen Punktevorsprung – damit verdient Meister geworden.“

Beim ersten Saisonfazit aus Jenaer Sicht nach Schlusspfiff, spannte Greulich den Bogen zu ihrem Amtsantritt im vergangenen November: „Das große Ziel war da der Klassenerhalt und den haben wir geschafft. In der Rückrunde haben wir gegen die Punkte geholt, die hinter uns stehen; das war hauptentscheidend für dieses Ziel und verdeutlicht auch die Moral unserer Mannschaft, gerade in den Spielen, in denen es drauf ankam.“

Was die zehnte Spielzeit im Frauenfußball-Oberhaus für die Blau-Weißen bringen wird? „Der Klassenerhalt ist natürlich das Primärziel in dieser Liga“, führte die Cheftrainerin fort. „Das wird immer so sein, aber es ist natürlich nicht unser Ziel, es jedes Mal hinten raus so spannend zu machen.“
Für eine abschließende Deutung sei es am letzten Spieltag zwar freilich noch zu früh, dennoch hatte Greulich viele Gründe für einen insgesamt zuversichtlichen Blick nach vorne: „Es gibt auch Dinge, über die wir im Rückblick dann noch einmal nachdenken und reflektieren müssen. Das werden wir tun und daraus wichtige Erkenntnisse mitnehmen. Wir können aber sicher ruhig und optimistisch die neue Saison planen und dann angehen: Wir haben qualitativ noch Einiges an Potenzial.“


VfL Wolfsburg: Frohms – Bunte (47. Fischer), Peter, Kerschowski, Wedemeyer – Dickenmann, Bussaglia (51. Popp), Harder (67. Hansen), van Egmond – Pajor, Wullaert

FF USV Jena: Odeurs – Heinze, Utes, Sedlackova, van den Heiligenberg – Herrmann (62. Seiler), Silva, Graf (77. Hausicke), Arnold – Luis (81. Rudelic), Hearn

Tore: 0:1 Arnold (22.), 0:2 Luis (45.), 1:2 Hansen (69. / Foulelfmeter), 2:2 Dickenmann (82.)
Gelbe Karten: – / Hearn
Schiedsrichterin: Katrin Rafalski (Bad Zwesten)
Zuschauerzahl: 2.718